Der ehemalige Kindersoldat Michael Davies
Michael Davies musste selbst als Kindersoldat kämpfen. Heute setzt er sich gegen den Export von Waffen ein. Bildrechte: dpa

Waffenexporte Deutschland "produziert" Kindersoldaten

Deutschland gehört zu den größten Exportländern für Kleinwaffen und unterstützt damit weltweit die Rekrutierung von Kindersoldaten. So das Ergebnis einer neuen Studie vom Deutschen Bündnis Kindersoldaten und Brot für die Welt.

von Constanze Müller, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Der ehemalige Kindersoldat Michael Davies
Michael Davies musste selbst als Kindersoldat kämpfen. Heute setzt er sich gegen den Export von Waffen ein. Bildrechte: dpa

Über 250.000 Kinder weltweit werden als Soldaten eingesetzt - trotz internationaler Ächtung. Michael Davies ist ehemaliger Kindersoldat. Mit 16 musste er in Sierra Leone kämpfen. Mit deutschen Kleinwaffen.

Ganz oft wurde die G3 aufgeschnitten. Die Leute haben das Gewehr kleiner gemacht, damit es zu den Kindern passt. Denn oft ist das Gewehr zu schwer für die Kinder.

Michael Davies, ehemaliger Kindersoldat

Deutschland liefert quasi direkt an Kindersoldaten

Davies gelang vor 20 Jahren die Flucht nach Deutschland. Jetzt setzt er sich gegen den Export von Kleinwaffen ein. Da die leicht und günstig sind, werden sie oft Kindersoldaten gegeben. Brot für die Welt und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten haben deshalb die Exportdaten der Bundesregierung zu Kleinwaffen ausgewertet.

Das Ergebnis: Seit 2002 wurden Kleinwaffenexporte im Wert von 800 Millionen Euro genehmigt. Ein Teil davon ging in Konfliktregionen mit Kindersoldaten.

Die Bundesregierung widerspricht sich selbst

Saudi-Arabien ist so ein Beispiel: Das Land ist der drittgrößte Abnehmer für deutsche Kleinwaffen und kämpft zurzeit im Jemen. Kindersoldaten sind dort Normalität. Auch Kolumbien bekommt Waffen aus Deutschland: Guerilla-Gruppen und kriminelle Banden rekrutieren dort gezielt Kinder, erklärt Ralf Willinger vom Kinderhilfswerk terre des hommes. Die Organisation ist Mitglied im Bündnis deutscher Kindersoldaten.

Die Jugendlichen stehen da unter massivem Druck und werden von den bewaffneten Gruppen bedroht. Von den Jugendlichen, mit denen ich gesprochen habe, sind Freunde erschossen worden, weil sie sich nicht rekrutieren lassen wollten.

Ralf Willinger, terre des hommes

Für Willinger ist das ein klarer Widerspruch zur restriktiven Rüstungsexportpolitik, zu der sich die Bundesregierung wiederholt bekannt hat.

Lösung: Keine Waffenexporte mehr

Ein weiteres Problem: Selbst in Regionen, in die Deutschland nicht liefert, gelangen deutsche Kleinwaffen. Andere Länder können die Waffen einfach weiterverkaufen. Sie sind zwar dazu angehalten, sich die Genehmigung von Deutschland zu holen, verpflichtend ist das aber nicht.

Es gibt Leute, die sagen, jede Pommesbude wird besser kontrolliert als der Rüstungsexport. Man liefert und dann: egal - man weiß es nicht und man will es auch gar nicht wissen.

Ralf Willinger, terre des hommes

Das Bündnis sieht als einzige Lösung einen Export-Stopp für deutsche Kleinwaffen. Und das sollte für alle NATO- und EU-Länder gelten. Damit der Export-Stopp rechtlich dann auch bindend ist, fordert die Organisation, das Kleinwaffengesetz komplett zu reformieren.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 9. Februar 2017 | 16:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2017, 19:51 Uhr

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27 Kommentare

11.02.2017 17:39 Klaus 27

{ Kritischer Bürger 23 }
Thema verfehlt. Wer Waffen exportiert und weiß, dass diese Missbraucht werden, der sollte diese nicht exportieren. Das ist ein recht einfacher Grundsatz, warum tun sich die Besorgten damit so schwer?

11.02.2017 17:35 PeterPlys 26

@ Kritischer Bürger
Waffenexporte sind genehmigungspflichtig. Ohne Regierung und Ministerien, also dem Staat Deutschland, läuft da nichts - theoretisch. Die Waffenhersteller dürfen nicht einfach überall hinliefern - wieder theoretisch.
Da ist die Frage, wie die Waffen trotzdem in "verbotene Zonen" kommen, schon erlaubt.
Und alle, die sich immer noch über das "Beispielfoto" aufregen: Es ist völlig egal, daas auf dem Foto eine AK zu sehen ist. Deutsche Waffen tauchen immer wieder in Krisenregionen auf. Es ist auch nicht völlig auszuschließen, dass NVA-Waffen über "Drittstaaten" dort gelandet sind. Wenn man sich z.B. den Waffenexport von Malta anschaut...

11.02.2017 17:34 Klaus 25

{ Kritischer Bürger 22 ... Nicht wir Deutschen, denn das sind auch ALLE die Bürger hier ... }
Mit dem lesen haben Sie es wirklich nicht so. Von uns Deutschen ist hier überhaupt nicht die Rede. Es geht um Waffen, die von Deutschland exportiert werden.
Ich zitiere: "Deutschland gehört zu den größten Exportländern für Kleinwaffen und unterstützt damit weltweit die Rekrutierung von Kindersoldaten."
Es geht hierbei nicht um deutsche Bürger und schon gar nicht um alle Bürger im einzelnen. Es ist nun mal so, dass Deutschland Waffen exportiert, die anderswo in Kinderhände gelegt werden um damit Verbrechen zu verüben. Das ist nun mal Fakt und darum geht es in diesem Bericht. Ihre Ablenkungsversuche sind abermals gescheitert.

11.02.2017 17:32 H.E. 24

Fragen Sie mal die Bürger von Oberndorf am Neckar zu den Waffenexporten!

11.02.2017 14:46 Kritischer Bürger 23

Für @Klaus 21 präzisiere ich mal den letzten Satz aus meinem Kom. 19 >+.. Das wird bei allen Kindern auf der ganzen Welt so sein nur der Unterschied ist die Ausrichtung in den Ländern dieser Welt bei den entsprechenden Regierungen ob Waffen = IN KINDERHÄNDEN = echt oder nur Spielzeug sind oder zumindest so angesehen werden. ...+< Ich hoffe diesmal auch für @Klaus 21 präzise geworden zu sein!

11.02.2017 14:33 Kritischer Bürger 22

@Klaus 21: Ich habe schon richtig verstanden mit den Unterschied und den Ausführungen zwischen Spielzeugwaffen und echte Waffen. Habe ja auch Augen zu sehen was das für eine Waffe ist die der Junge (ggf.12 Jahre) da auf dem Bild in der Hand hat. Nur mal zum weiteren Verständnis zwei Fragen: Sind Sie Deutschland, ich oder wer? Weder Sie (nehme ich an) noch ich haben irgendwo eine Waffe verkauft! Weder Sie, ich noch andere können der Waffenlobby das Verkaufen von Waffen verbieten. 2.Frage: Warum kann man nicht mal präziser solche Feststellungen treffen? Meine präzise Erwartung in Wort und Tat würde lauten: Die Waffenlobby in Deutschland (erweitert ggf. auf der ganzen Welt) hat das Recht Waffen herzustellen und zu verkaufen. Nicht wir Deutschen, denn das sind auch ALLE die Bürger hier und so etwas sehe ich als Unterstellung an.

11.02.2017 01:28 Klaus 21

{ Kritischer Bürger 19 }
Offensichtlich haben Sie da etwas Missverstanden. Es geht nicht um deutsche Spielzeugwaffen, sondern um echte Waffen, woran Deutschland einen großen Anteil hat. Sie sollten einfach den Bericht noch mal lesen. Vielleicht verstehen Sie das Thema dann.

10.02.2017 21:06 Kritischer Bürger 20

@raberudi 16: Nicht böse sein @15 hat wahrscheinlich von Lieferscheinen über DDR-Waffentechnik wie die Kalaschnikow an Drittländern geträumt. Die Politik hat bisher nichts darüber veröffentlicht wo die russische Waffentechnik hingegangen ist. Sei denn mir ist irgendwo etwas entgangen, habe ich etwas verpasst. Politik wird sicher auch nie über solche Waffenumlagerung öffentlich schreiben. Nur die Folgen werden dann hier instrumentalisiert. Man möchte ja wissen woran man sonst ist, vor den Wahlen usw.

10.02.2017 20:58 Kritischer Bürger 19

@Klaus 15: Und wer war zu dieser Zeit in der politischen Führung dieses Deutschland? Es wird wohl kaum so sein das die Bürger sich aus NVA-Beständen die Waffen organisiert haben um diese dann zu Geld zu machen und wenn exportiert wird geht das auch nicht so ohne weiteres in einer Geschenksendung als Paket. So steht also dieses Bild und der Artikel dafür wie die Politik in Deutschland gehandelt haben muss wenn da die Waffen irgendwo in der Welt wieder auftauchen! Selbst in Kinderhände geraten! Welches Kind hier in Deutschland will in einem bestimmten Alter nicht auch mit Waffen spielen (Spielzeugwaffen eben) Es ist Bestandteil der eigenen charakteristischen Entwicklung mit etwas in der Hand eben ein Sieger werden zu wollen. Das wird bei allen Kindern auf der ganzen Welt so sein nur der Unterschied ist die Ausrichtung in den Lände dieser Welt bei den entsprechenden Regierungen ob Waffen echt oder nur Spielzeug sind oder zumindest so angesehen werden.

10.02.2017 20:50 Kritischer Bürger 18

@Klaus 12: Ich hoffe das ich Sie mit meiner Einstellung jetzt nicht wieder enttäuscht habe. Sie sehen Pessimismus ist doch in vielen Fällen angebrachter als Optimismus!