Blick auf die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke in Istanbul
Die politischen Spannungen am Bosporus haben Auswirkungen auf das Erasmus-Programm. Bildrechte: dpa

Wissenschaftlicher Austausch Türkei-Krise lässt Erasmus-Zahlen einbrechen

Immer weniger deutsche Wissenschaftler und Studenten zieht es über das Erasmus-Programm in die Türkei. Wie eine Anfrage von MDR AKTUELL beim Akademischen Austauschdienst DAAD ergab, brachen die Zahlen deutlich ein.

Blick auf die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke in Istanbul
Die politischen Spannungen am Bosporus haben Auswirkungen auf das Erasmus-Programm. Bildrechte: dpa

Die Zahl deutscher Erasmus-Studenten, die in die Türkei gehen, ist rapide gesunken. Wie der "Deutsche Akademische Austauschdienst" DAAD auf Anfrage von MDR AKTUELL mitteilte, gibt es sowohl bei den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen Personal aus Deutschland einen massiven Einbruch.

Zahlen haben sich halbiert

Im vergangenen Jahr kamen demnach 1.240 Erasmus-Studenten aus Deutschland in die Türkei. Im Jahr zuvor seien es noch 2.250 Studierende gewesen. Die abschließende Statistik liege zwar erst im Herbst vor. Allerdings seien keine größeren Änderungen zu erwarten.

Noch dramatischer ist die Entwicklung offenbar bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Dozenten. Im Jahr 2014 waren es laut DAAD noch 260 Wissenschaftler aus Deutschland. Im vergangenen Jahr seien es nur 60 Erasmus-Reisende in die Türkei gewesen. Wegen eventueller Nachmeldungen könnten sich die Zahlen hier aber noch ändern.

Gesamtgesellschaftliche Situation in Türkei

Ein DAAD-Sprecher sagte: "Nach aktueller Datenlage zeichnet sich ein erheblicher Einbruch bei der Mobilität von Hochschulmitarbeitern und Dozenten ab." Vor allem im Wintersemester 2016/2017 sei das Interesse an einem Studium in der Türkei gesunken. Der Akademische Austauschdienst verwies auf die gesamtgesellschaftliche Situation in der Türkei, den Putschversuch im Juli 2016 und auf mehrere Anschläge in dem Land.

Inzwischen bemühe sich die türkische Seite gemeinsam mit den europäischen Partnern, mit der EU-Kommission und dem DAAD darum, den akademischen Austausch auf das hohe Niveau von 2014 zurückzubringen, heißt es vom DAAD. Voraussichtlich würden türkische Hochschulen nach dem Sommer Informationsveranstaltungen anbieten, um den Beteiligten eigene Eindrücke zu ermöglichen.

Erasmus-Programm Es handelt sich um eines der größten EU-Förderprogramme zum wissenschaftlichen Austausch. Finanziell unterstützt werden unter anderem Studenten- und Praktikantenaufenthalte von bis zu einem Jahr. Das EU-Programm erinnert an den niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 18.06.2017 | ab 05:00 Uhr
Fernsehen | 18.06.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2017, 22:02 Uhr

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3 Kommentare

19.06.2017 14:13 Frank 3

@ 2: Ein intelligenter Mensch braucht zur Entfaltung seiner Fähigkeiten Freiheiten. In der Türkei sind die im Moment aber Mangelware.

17.06.2017 10:39 Fragender Rentner 2

Haben die Leute angst um eine sichere Unterkunft in der Türkei?

Wie steht heute in der LVZ, Gabriel will etwas mit Kultur dort aufbauen.

Da benötigen sie bestimmt die Menschen die nicht hin wollen?

17.06.2017 08:09 Michael Möller 1

es ist in meinen Augen ein Skandal sonder gleichen, was der DAAD,die eU-Kommission und den EU-Partner hier in den Artikel aufzeigt. wie kann man unsere Deutschen Wissenschaftler mit guten Gewissen in ein Land lassen was die Menschenrechte mit Füßen tritt ,was Deutsche Bürger inhaftiert und alle schauen nur zu statt diesen Staat endlich zu sanktionieren ,denn nichts anderes versteht der Erdogan ( siehe Russland-sanktionen nach dem Flugzeugabschuss). unsere Politiker geben zur Zeit ein unruhmiges Bild in meinen Augen ab. sehr schate für mich nicht mehr wählbar.

Türkei-Krise