Terror in der Türkei Drei Sachsen unter den Toten von Istanbul

Bei dem Selbstmordanschlag auf Touristen am Dienstag in Istanbul sind mindestens elf Menschen getötet worden, darunter zehn Deutsche. Drei von ihnen kamen aus Sachsen. Täter soll ein 27 Jahre alter Syrer gewesen sein, der in Saudi-Arabien geboren wurde. In Istanbul sagte Bundesinnenminister de Maizière, dass der Anschlag wohl nicht speziell Deutsche zum Ziel gehabt habe. Die türkische Polizei nahm insgesamt fünf Verdächtige fest, die mit dem Attentat in Verbindung stehen sollen.

Nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul sind insgesamt fünf Verdächtige festgenommen worden. Der türkische Ministerpräsident Davutoglu sagte, heute habe es vier weitere Festnahmen gegeben. Innenminister Ala zufolge war bereits gestern Abend ein Verdächtiger festgenommen worden.

Bei dem Anschlag waren zehn Deutsche getötet worden. Laut sächsischem Innenministerium kamen drei von ihnen aus Sachsen. Das sei "traurige Gewissheit", sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Vormittag in Dresden. Er sprach den Angehörigen sein "tiefstes Mitgefühl" aus und verurteilte den Anschlag: "Ich bin zutiefst erschüttert von diesem feigen und grausamen Terroranschlag in Istanbul, bei dem freie Menschen ihr Leben lassen mussten." Für die Angehörigen der Opfer und "für uns alle ist dieser sinnlose Tod unbegreiflich". Der Terrorakt sei ein Anschlag auf Freiheit und Menschlichkeit.

Nach Angaben des Innenministeriums handelt es sich bei den sächsischen Todesopfern um eine 70 Jahre alte Frau aus Leipzig sowie um zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden.

Nicht speziell Deutsche das Ziel

Nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière richtete sich der Anschlag nicht speziell gegen Deutsche. Er sehe daher "keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen", sagte der Minister am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala in Istanbul. Es gebe keine Anzeichen, dass die Tat gezielt gegen Deutsche gerichtet war. Touristen sollten aber die Hinweise des Auswärtigen Amts beachten. Bei seiner Reise in die türkei besuchte de Maizière auch einen verletzten Deutschen im Krankenhaus.

Der Selbstmord-Attentäter, der nach türkischen Angaben ein Mitglied der Dschihadisten-Organisation "Islamischer Staat" aus Syrien war, hatte sich am Dienstag vor der Blauen Moschee in der Altstadt der Metropole am Bosporus unmittelbar neben einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt.

Identität des Attentäters noch unklar

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte, der Attentäter sei als Flüchtling in die Türkei gekommen. Er sei aber nicht beobachtet worden, weil er auf keiner Gefährderliste gestanden habe. Nach Angaben aus Saudi-Arabien wurde der Attentäter dort geboren, habe das Land aber bereits 1996 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie verlassen. Das meldete die Zeitung "Al-Hayat" unter Berufung auf das Innenministerium in Riad. Der 27 Jahre alte Mann hatte den Angaben zufolge die syrische Staatsbürgerschaft. Bundesinnenminister Thomas de Maizière schränkte aber ein, dass noch nicht geklärt sei, ob das entsprechende Personaldokument zum Attentäter gehört.

Einen möglichen Komplizen des Attentäters soll die türkische Polizei am Dienstagabend festgenommen haben. Das sagte der türkische Innenminister Ala bei der Pressekonferenz mit de Maizière in Istanbul.

Sanitäter helfen den Verletzten nach einer Explosion in Istanbul.
Kurz nach dem Anschlag am Dienstag in Istanbul Bildrechte: dpa

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen warnte am Mittwoch bei MDR INFO vor voreiligen Schlüssen. Auch er sagte, dass es bisher keine Informationen gebe, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war. Es gebe Hinweise, dass der IS dahinter stecken könnte. Eine Reaktion auf den Anschlag müsse verantwortlich sein. Das bedeute jetzt aber noch nicht, dass Deutschland sich schon stärker auch im militärischen Kampf gegen die IS-Terrormiliz engagieren müsse.

Insgesamt elf Tote - Trauer und Flaggen auf Halbmast

Bei dem Anschlag sind nach jüngsten türkischen Angaben insgesamt elf Menschen getötet und mindestens 15 verletzt worden. Die Zahl der getöteten Deutschen gab das Auswärtige Amt am Mittwoch mit zehn an. Wie eine Sprecherin sagte, werden sieben Deutsche in Kliniken behandelt, fünf von ihnen auf der Intensivstation. Fast alle gehörten wohl zu der Reisegruppe des Berliner Veranstalters "Lebenslust Touristik". Neben den drei Sachsen sind nach Angaben deutscher Stellen auch Reisende aus Hessen, Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz unter den Toten.

Demnach starben zwei 71 und 73 Jahre alte Eheleute aus Falkensee in Brandenburg, ein 61 Jahre alter Mann und seine 59 Jahre alte Frau aus Mainz in Rheinland-Pfalz sowie ein 73 Jahre alter Mann aus Bad Kreuznach in demselben Bundesland. Dessen Ehefrau wurde laut Innenministerium in Mainz mit schweren Verletzungen in einer Klinik in Istanbul behandelt. Nach Angaben der Landesregierung in Wiesbaden wurde auch ein 67 Jahre alter Mann aus Nordhessen getötet, seine 50-jährige Frau sei bei der Explosion verletzt worden. Nach Medienberichten soll auch ein Berliner unter den Toten sein.

In Berlin ordnete Innensenator Frank Henkel für alle Dienstsitze von Senat und Bezirken am Mittwoch eine Trauerbeflaggung an. Auch in Falkensee im brandenburgischen Havelland wurden Flaggen auf halbmast gesetzt.

Doch nicht nur in Deutschland löste der Anschlag tiefe Bestürzung aus. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem "verabscheuungswürdigen Verbrechen". Bundespräsident Joachim Gauck sagte: "Wieder wurden bei einem hinterhältigen terroristischen Anschlag unschuldige Menschen ermordet, darunter viele Deutsche." Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. "Ich trauere mit Ihnen und sage den Betroffenen: Sie sind nicht allein." Der Terror sei der Feind aller freien Menschen und der Menschlichkeit.

Umbuchungen und Stornierungen von Reisen möglich

Beim Reiseveranstalter TUI können Kunden, die bis zum 18. Januar eine Reise nach Istanbul gebucht haben, kostenlos auf ein anderes Ziel oder einen anderen Termin umbuchen oder die Reise stornieren. Auch Thomas Cook und DER Touristik - wozu auch Dertour und ADAC-Reisen gehören - bieten dies an. Der Studienreise-Anbieter Studiosus hatte schon vor dem Anschlag eine kostenlose Umbuchung von Türkei-Reisen bis vier Wochen vor der Abreise angeboten.

Immer wieder Anschläge in der Türkei

Der Anschlag in Istanbul ist nicht der erste im beliebten Urlaubsland Türkei. Im vergangenen Jahr gab es fünf Bombenattentate mit Toten. Die meisten Menschen starben im Oktober in Ankara. Zwei Selbstmordattentäter rissen damals mehr als 100 Menschen in den Tod. Dass Touristen das Ziel sind, ist aber neu.

Das beliebte Altstadtviertel Sultanahmet in Istanbul

Wichtigste Reisehinweise des Auswärtigen Amtes Reisenden in Istanbul und anderen Großstädten der Türkei wird dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden.

Landesweit ist weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen. Reisende sollten sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere in größeren Städten, fernhalten.

Von Reisen in das Grenzgebiet der Türkei zu Syrien und Irak, insbesondere in die Städte Diyarbakır, Mardin, Cizre, Silopi und Nusaybin sowie generell in die Provinzen Şırnak und Hakkâri wird dringend abgeraten.

Verbraucherzentrale Sachsen zu Rücktrittsmöglichkeiten Die Verbraucherzentrale Sachsen weist darauf hin, dass Reisende mit Städteziel Istanbul derzeit gute Chancen hätten, von der Tour zurücktreten bzw. umzubuchen. Wer in der Türkei ist und demnächst Istanbul besuchen sollte, kann die Reise in Absprache mit dem Veranstalter derzeit abbrechen. Gebuchte Badereisen in die Türkei sind davon aber nicht betroffen. In jedem Fall müssen sich Reisende mit ihrem Veranstalter in Verbindung setzen. Die Veranstalter zeigen sich nach Informationen der Verbraucherschützer meist kulant, insbesondere bei Umbuchungen.

Hotline für Angehörige Für Angehörige der betroffenen Reisegruppe der Lebenslust Touristik GmbH wurde eine Hotline mit folgender Nummer eingerichtet: 030 / 88 00 13 039.

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2016, 08:33 Uhr

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37 Kommentare

15.01.2016 07:53 Leichtes Leben 37

Nach drei Tagen schon aus den Schlagzeilen Das Attentat gegen eine deutsche Reisegruppe. Wir kondolieren den Türken wegen möglichen Einbrüchen bei den Einnahmen für den Tourismus. Wir fühlen mit den Flüchtlingen, weil sie des Terrors verdächtigt werden könnten, jetzt und natürlich zu Unrecht. Fühlen wir mit den Opfern des vorsätzlichen Anschlags? War ja schon angekündigt.... Müssen wir eh mit rechnen.... Weitere werden folgen... Also nehmen wir alles hin ohne uns groß aufzuregen. Kein Blumenmeer wie nach Charlie Hebdo, sondern treues Hinnehmen wie damals im 2. Weltkrieg, da haben die Deutschen die wahnwitzigen Entscheidungen der Führung auch bis zum Schluss nicht hinterfragt.

14.01.2016 15:40 Diddy 36

@30. 007: 35. Demokratin: Was bezweckt Ihr mit den Schwachsinn, billige Reise, teure Reise, wollt Ihr Euch hervortun, was Ihr Euch für teure Reisen leisten könnt. Meine Tante z.B. war für 3 Wochen in die Karibik gereist, leider hatte sie von den letzten 2 Wochen nichts mehr davon, weil sie tödlich verunglückte. Da könnte ich auch behaupten, währe sie in die Türkei geflogen würde sie wahrscheinlich noch leben. Ich könnte auch rumtröten, ja das kommt davon wenn man teure Reisen macht, bei einer Billigreise währe das nicht passiert. So wie Ihr trötet man nur rum, wenn man sich interessant machen will. Für mich jedenfalls seid Ihr die große Helden unter den teuerreisenden mit wenig Verstand. Glaubt mir, wenn das Schicksal meint die Zeit ist abgelaufen, ist es egal wo Ihr seid, dann geht das Lebenslicht aus, egal was Ihr ausgegeben habt. Es ist nur gut, das man da mit Geld nichts machen kann. Das ist noch die einzige Gerechtigkeit, die es gibt. So, nun könnt Ihr die Keule herausholen.

13.01.2016 00:36 demokratin 35

zu 007 usw.. james bond gibt Viktoria Recht!Es ist asozial,primitiv und dumm,was jemand gegen der Logik der Viktoria geschrieben hat..Natürlich ist es dumm,in die billige Türkei zu reisen,es gibt immer schönere und bessere Urlaubsgebiete...Wer kein Geld hat,soll arbeiten und sparen,es lohnt sich,habe das auch getan,man muß nicht auf Teufel komm raus in Urlaub!!!Lieber mal verzichten,ich fliege auch nicht jedes Jahr in Urlaub,aber nächtes Jahr in die Karibik,dafür lohnt es sich zu sparen!!!Nur kein Neid!!!

13.01.2016 00:34 007 34

32. Diddy:...Deine Aussage 29. Viktoria gegenüber kann ich so nicht verstehen. Sie hat schon Recht, da wird der billig Urlaub außerhalb der Saison in so ein Land gebucht wo der Terror spricht. Seit Monaten gibt es immer wieder Übergriffe und Anschläge in der Türkei auf Ausländer, davor wird auch deutlich gewarnt. Da sollten man ernsthaft drüber nachdenken ob ein Urlaub nur weil er so billig ist in diesen Land sein muss. Und jetzt ist das gejammer groß und das ist überhaupt kein Hohn sondern vernünftig.....da bin ich ganz bei Viktoria.

13.01.2016 23:04 ABC 33

"Es gebe keine Anzeichen, dass die Tat gezielt gegen Deutsche gerichtet war. " Na da kann man ja beruhigt sein. Was muß denn noch passieren, daß sich die Politiker endlich mal zu ihren Fehlern bekennen. Die Attentäter werden sich wohl kaum ihr Vorhaben auf die Stirn schreiben.

13.01.2016 22:17 Diddy 32

Erst mal mein tiefst empfundenes Beileid an die Opfer und deren Angehörigen. ---------------------------------------------------------------------------- @29. Viktoria: Also echt, geht’s noch! >--- Es ist billig,Geiz kann tödlich enden. <--- Das liegt ja völlig daneben. Ja, wer Geld im Überfluss hat kann eben auch teurere Reisen antreten. Wer wenig verdient und auch mal in Urlaub fahren will, der muss eben die " Geiz kann tödlich sein " Variante annehmen. Ich könnte auch teure Reisen machen, aber mir würde nie ein derart geistloser Spruch einfallen. Das ist ja die blanke Verhöhnung der Opfer. Sie sollten sich schämen. Es währe besser gewesen Sie hätten sich das nochmal durchgelesen und dabei das Gehirn eingeschaltet.

13.01.2016 21:39 h2o 31

25. tabu:Stimme Ihnen zu. Beileidsbekundungen sowie Krankenbesuche - Heuchelei.

13.01.2016 21:31 007 30

29. Viktoria:..So isses Geiz ist nicht immer geil, manchmal eher dumm und besonders wenn man mit seiner Gesundheit oder mit seinem Leben so spielt, und die Reisewarnung des auswärtigen Amtes nicht akzeptiert. Mir wird schon nichts passieren....blabla...und genau deshalb, kann ich diese unbelehrbaren Menschen nicht bedauern. Wer sich in Gefahr begibt......kommt darin um.

13.01.2016 20:19 Viktoria 29

Es ist bekannt,daß die Türkei verstärkt die PKK bombardiert,die IS nur vermindert..Türkei hält sich nicht an Menschenrechte.. Wie kann man nur in so einem Land Urlaub buchen?Es ist billig,Geiz kann tödlich enden.Die Karibik ist viel schöner,wem das zu teuer ist... War schon auf den Bahamas,Dom.Rep..,Hawaii,Sri Lanka..

13.01.2016 19:45 M.P. 28

Türkei ist wie andere Mittelmeerländer,auch Europa,brandgefährlich. Aber da es ein billiges Urlaubsland ist,werden trotzdem Deutsche hinfliegen..Es gibt wirklich schönere Urlaubsziele,habe schon weltweit(USA,Asien,Karibik)gesehen.Wenn man knapp bei Kasse ist,soll man zuhause bleiben.Der Schwarzwald ist auch schön.. Terror ist furchtbar,mir tun die Angehörigen der Toten leid,mein Beileid.