Syrische Flüchtlinge
Syrische Flüchtlinge in Deutschland Bildrechte: dpa

UN-Bericht So viele Flüchtlinge wie nie zuvor

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat im vergangenen Jahr langsamer zugenommen als in den Jahren zuvor. Eine Entspannung ist laut UNHCR aber nicht in Sicht, denn das weitere Anwachsen der Zahlen führt insgesamt auf immer neue jährliche Höchststände. Kritik wird an "flüchtlingsfeindlichen Abwehrstrategien" laut, die eigentlich nationalistische Tendenzen abwehren sollen, fremdenfeindlichen Positionen aber eher entgegenkommen.

Syrische Flüchtlinge
Syrische Flüchtlinge in Deutschland Bildrechte: dpa

Weltweit sind im Jahr 2016 mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist dies der höchste jemals registrierte Stand. Aus einem neuen Bericht des Flüchtlingskommissariats UNHCR geht hervor, dass sich im Vergleich zu 2015 mit einem Anstieg um rund 300.000 Menschen die Zunahme zuletzt zwar verlangsamt habe. In jedem der fünf Jahre zuvor sei die globale Gesamtzahl jeweils in Millionenhöhe gestiegen.

Flüchtlinge verlassen ein Camp, zuvorderst ein Mädchen, das ein Kleinkind auf dem Arm trägt.
Blick in ein Flüchtlingslager Bildrechte: dpa

Allerdings blieb die Zahl der neuen Flüchtlinge laut UNHCR 2016 auf einem sehr hohen Stand - bei 10,3 Millionen insgesamt, von denen zwei Drittel innerhalb der Grenzen ihres Heimatlandes auf der Flucht seien.

Die UNHCR-Daten umfassen Flüchtlinge, die ihre Heimatländer verließen, Binnenvertriebene und Asylbewerber. Bei den Flüchtlingen blieb Syrien weiter das wichtigste Herkunftsland. Dramatisch sei die Situation aber auch im Südsudan, wo seit Jahren ein blutiger Machtkampf tobt. Syrien stand auch bei Binnenvertriebenen im weltweiten Vergleich an der Spitze, vor dem Irak und Kolumbien. 

Gleichzeitig verbesserte sich den Angaben zufolge die Lage, zumindest teilweise und in vergleichsweise eher geringem Umfang. So hätten 37 Staaten insgesamt 189.300 Flüchtlinge akzeptiert. Rund 500.000 Flüchtlinge hätten in ihre Länder zurückkehren können weitere und rund 6,5 Millionen Binnenvertriebene in ihre Heimatregionen – wenn auch oft mit unsicheren Zukunftsaussichten.

Probleme werden abgewälzt 

Die mit weltweit 84 Prozent meisten Flüchtlinge leben laut UNHCR in Staaten mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Ein Drittel - insgesamt 4,9 Millionen – seien von den am wenigsten entwickelten Ländern aufgenommen worden. 

In einer Erklärung warnten deshalb Pro Asyl, der Paritätische Gesamtverband, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, der Republikanische Anwaltsverein und die Neue Richtervereinigung, die Verantwortung für Flüchtlinge besonders auf Drittstaaten abzuwälzen, in denen "Rechtsunsicherheit und Aussichtslosigkeit" herrschten.

Kritik an Abwehrstrategien

Sie kritisierten, dass die EU dazu beitrage, "dass sich der auf den universellen Menschenrechten aufbauende Flüchtlingsschutz einschneidend wandelt und sich immer mehr Staaten ihrer Verantwortung entziehen".

Asylantrag und ein Stempel mit der Aufschrift - abgelehnt -
Flüchtlingsschutz wandelt sich Bildrechte: IMAGO

Regierungen und auch die EU entwickelten "flüchtlingsfeindliche Abwehrstrategien". Sie erließen vermehrt neue Gesetze, "die der Abwehr nationalistischer und anti-europäischer Parteien und Entwicklungen dienen sollen, sich in ihrer Wirkung aber kaum von den Forderungen dieser Bewegungen unterscheiden".

In diesem Zusammenhang kritisierte der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Nils Muiznieks, vor allem neuere Beschränkungen beim Familiennachzug von Flüchtlingen in Deutschland und in anderen EU-Staaten. Die Integration von Geflüchteten könne nur gelingen, wenn sie mit ihren Familien vereint seien, heißt es in einem Bericht von Muiznieks.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Nachrichtenradio | 19.06.2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 14:07 Uhr

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25 Kommentare

21.06.2017 13:28 Klaus 25

{ Maria 21 }
Es wird keiner zum Flüchtling, weil er mehrere Kinder hat, auch wenn sich unsere Besorgten das gerne einreden wollen. Das Problem sind Kriege und Waffen aus Europa und USA.
Aber warum verdienen in Europa und USA nicht alle Menschen genug um der Welt überall zu helfen. Können die das etwa nicht. Ich kann es doch auch, warum nicht auch unsere Besorgten.

21.06.2017 08:47 Klaus 24

{ Klarheit 22 }
Die Leute haben hauptsächlich deswegen nichts zu essen, weil durch Krieg und Vertreibung der Ackerbau und die Viehzucht stark gestört werden oder unmöglich ist. Natürlich kann man sagen, wenn sich die Leute nicht vermehren, können weniger vertrieben werden. Solche Aussagen sind aber nicht besonders intelligent. Genauso könnte man auch sagen, dass die Leute bei uns, die dann später arm sind, vorher erst gar nicht gezeugt werden sollten. Dann hätten wir automatisch nur reiche bis gut betuchte Menschen und Hartz IV könnte man abschaffen.

20.06.2017 23:48 Klaus 23

{ Theophanu 20 }
Es ist ja bekannt, dass sich unsere Besorgten die Welt losgelöst von der Realität vorstellen. Fakt ist aber, dass die meisten Flüchtlinge in Deutschland aus den Ländern in Asien kommen, wo Europa und USA den Krieg hingebracht haben (Syrien, Afghanistan und dem Irak). Diese Länder haben kein Überbevölkerungsproblem, sondern zuviele fremde Soldaten und zu viele Kriege aus Europa und USA.

20.06.2017 16:41 Klarheit 22

Hauptursache ist die ungezügelte Vermehrung der Bevölkerung in Afrika.... wen man kaum etwas zum Essen hat zeuge ich nicht immer mehr Kinder - verantwortungslos !!

20.06.2017 12:46 Maria 21

Das ganze Problem in Afriky ist, das diese Bevölkerung sich rapide bald verdoppelt. Wenn wir dort vor Ort Hilfe leisten, dann sollte. Auch Ärzte ohne Grenzen mal dafür sorgen und mit der Bevölkerung dort über Verhütung reden, Pille, Kondome usw. Oder wie in China dann eben festlegen nur noch zwei Kinder und nicht 6-10 . Können diese Menschrn das nicht? Dann aber bitte nicht auf unsere Kosten, wir können und auch nur 2 höchstens 3 Kinder leisten. Also Verhütung und noch einmal Verhütung kann doch wohl nicht so schwer sein.

20.06.2017 11:38 Theophanu 20

Klaus 16:
Da sollten sie mal UN-Analysen lesen. Die sprechen von einem hohen Bevölkerungsanstieg. Bis 2050 wird sich Bevölkerung von Afrika etwa verdoppeln, von etwa 1 auf etwa 2 Milliarden. Laut werden sich aus Subsahara 500-800 Millionen Menschen auf den Weg machen.
Die Subsahara hatte Fertilitätsraten über 5, z.B. Niger 7,5, Mali 6,8. Diese und andere Zahlen findet man z.B. in einem Artikel von Christian Putsch, Welt, N24, 13.08.2014.
Mit Krieg und dem bösen Westen hat das nichts zu tun. Asien hat gezeigt, wie es geht.

20.06.2017 07:02 Wo geht es hin? 19

@mattotaupa: Alles richtig, was Sie schreiben - nur ist der Adressat Ihrer berechtigten Kritik der völlig Falsche. Die Verursacher des ganzen Dilemmas sind nicht die einfachen Bürger, sondern die "Entscheider". Damit meine ich nicht mal in 1. Linie die Politiker - die sind nur Erfüllungsgehilfen (damit zwar genauso verantwortlich, aber eben nicht in 1. Reihe), sondern die Gierigen dieser Welt, die auch die Möglichkeit dazu haben, die Welt in die von ihnen gewünschte Richtung zu treiben. Und hier kommt wieder der einfache Bürger ins Spiel: wenn die sich gegen die Gierigen einig wären, könnten die sich auf ne Insel verziehen und würden dort verhungern. Problem: der einfache Bürger lässt sich immer wieder erfolgreich gegeneinander ausspielen und wird sich nie einig werden. Teile und herrsche funktioniert schon ewig so. Warum? Weil der Mensch von Natur aus wahrscheinlich dumm ist und nur die niederen Instinkte im Regelfall bedienen kann. Wie Einstein einst sagte...

19.06.2017 01:10 Wie das wohl kommt 18

(die Verantwortung für Flüchtlinge besonders auf Drittstaaten abzuwälzen, in denen "Rechtsunsicherheit und Aussichtslosigkeit" herrschten.)

Da haben wir ja Glück, dass bei " nicht "Rechtsunsicherheit und Aussichtslosigkeit" herrschen. Noch nicht. Aber einige von "uns" arbeiten dran...

19.06.2017 23:51 Ganz richtig - darüber spricht bemerkenswerterweise niemand. 17

@19.06.2017 20:21 Theophanu (14 Seltsamer Artikel- kein einziges Wort faällt zur Hauptursache des Flüchtlingsstroms aus Afrika: das enorme Bevölkerungswachstum.)

Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Mehr noch: Hinweise darauf wurden noch vor 12 Monaten "nicht veröffentlicht". Dasselbe gilt für die islamischen Staaten an Mittelmeer und Golf: Überdurchnittlich "junge" Gesellschaften ohne den Hauch einer Perspektive für den zahlreichen Nachwuchs in ihren korrupten, religiös dogmatisch dominierten und bewegungsunfähigen sozialen und politischen Strukturen . Genau darauf hat die Merkelei spekuliert und tut es noch. Deshalb darf über die selbst zu verantwortenden Fluchtursachen nicht debattiert werden - es könnten sich sonst Gegenargumente aufbauen, die man nicht von der Hand weisen kann. Das Muiznieks-Mantra von der vorgeblichen "Verantwortung" der EU ist in genau diesem anscheinend kenntnislosen und auf Billiglöhner spekulierenden Kontext zu sehen.

19.06.2017 23:47 Klaus 16

{ Theophanu 14 }
Das ist ganz sicher falsch. Kriege und Waffenlieferungen sind die Hauptverursacher. Es ist ja kein Zufall, dass die meisten Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kommen. Diese Länder haben mit Überbevölkerung eher kein Problem.