Die Erde aus dem Weltall
Die Weltgemeinschaft will den Ausstoß von Treibhausgasen verringern, um die Erderwärmung aufzushalten. Bildrechte: dpa

Fragen und Antworten zur UN-Konferenz Schwierige Detailarbeit in Marrakesch

Im Kampf gegen die Erderwärmung kommen in Marrakesch mehr als 190 Staaten zusammen. Nach dem Klimaabkommen von Paris geht es dabei vor allem um Details. MDR AKTUELL erklärt, worum es konkret geht, wo die Probleme liegen und was die deutsche Delegation in Marokko plant.

Die Erde aus dem Weltall
Die Weltgemeinschaft will den Ausstoß von Treibhausgasen verringern, um die Erderwärmung aufzushalten. Bildrechte: dpa

Worum geht es in Marrakesch?

Bei der UN-Klimakonferenz von Paris Ende 2015 hat sich die Weltgemeinschaft ambitionierte Ziele gesetzt. In Marrakesch beraten die Staaten ein knappes Jahr nach der Pariser Vereinbarung darüber, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Die 190 Teilnehmerstaaten wollen dazu bestenfalls konkrete Vorhaben und Zeitpläne beschließen. Außerdem geht es um die Frage, wie die Einhaltung der nationalen Klimaschutzzusagen in Zukunft regelmäßig überprüft werden kann.

Welche Ziele haben die Staaten in Paris vereinbart?

Die Staaten wollen verhindern, dass sich die Erde weiter erwärmt. Der Anstieg der Durchschnittstemperatur in der erdnahen Atmosphäre und den Meeren soll auf unter zwei Grad Celsius begrenzt werden, besser auf 1,5 Grad Celsius. Vergleichswert ist hierbei das vorindustrielle Zeitalter, dessen Ende die UN-Wissenschaftler auf das Jahr 1750 festgelegt haben. Um das Ziel zu erreichen, wollen die Staaten gemeinsam den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Nach Berechnungen vieler Forscher bedeutet dies, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Fall des Zwei-Grad-Ziels zwischen 2050 und 2070 enden muss, denn Kohlendioxid ist sehr langlebig.

Wie hoch sind die Erwartungen an die Konferenz in Marrakesch?

Alle vergangenen UN-Konferenzen zum Thema haben gezeigt, dass um den weltweiten Klimaschutz stets zäh gerungen wird. Umweltschutzverbände erwarten einen Gipfel, bei dem die beteiligten Experten viel Detailarbeit leisten müssen. Beispielsweise beruhen die nationalen Klimaschutzpläne auf verschiedenen Grundlagen. So unterscheiden sich etwa die betrachteten Zeiträume. Hier muss genau gerechnet werden. Es wird ein Regelbuch benötigt, damit niemand mogelt oder sich verkalkuliert. Über diese Regeln dürfte erneut intensiv gestritten werden.

Wie sehr drängt die Zeit?

Die Staatengemeinschaft steht unter starken Zugzwang. Der bisherige Weg zum Pariser Klimaschutzabkommen hat laut Experten bereits zu lange gedauert. "Unser Haus brennt weiterhin. Es herrscht sogar Alarmstufe rot", sagt Frankreichs ehemaliger Außenminister Laurent Fabius, der die Konferenz in Paris geleitet hat. Das nächste wichtige Zieldatum der Staatengemeinschaft ist bereits 2018. Dann soll erneut eine Zwischenbilanz beim Klimaschutz gezogen werden. Und auf dieser Grundlage legen die Staaten der Welt dann 2020 neue Klimaziele vor.

Welche Rolle spielt Deutschland?

Deutschland streitet zwar derzeit noch um einen eigenen nationalen Klimaschutzplan, aber auf dem internationalen Parkett gehört die Bundesrepublik nicht zu den Bremsern. In Marrakesch will Deutschland gemeinsam mit Gastgeber Marokko eine "globale Partnerschaft zur Umsetzung der nationalen Klimabeiträge" beginnen. Mit dabei sein sollen die Industriestaaten, Entwicklungsländer und auch Nichtregierungsorganisationen. Jedes Land darf mitmachen.

Die Idee ist, dass Länder wie Deutschland ihre Erfahrungen im Klimaschutz mit den Staaten teilen, die gerade erst damit anfangen. Auf das Klimaabkommen von Paris haben sich vor knapp einem Jahr fast 200 Länder verständigt. "Von denen haben schätzungsweise mindestens 140 vorher noch nie so etwas wie einen Klimaschutzplan gehabt", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Die Partnerschaft soll den Austausch organisieren, indem sie für die Entwicklungsländer eine Anlaufstelle für ihre Fragen aufbaut. Dabei kann es etwa um Öko-Strom aus Sonne oder Wind, Verkehr, Landwirtschaft oder auch um Stadtplanung gehen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 07.11.2016 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2016, 14:41 Uhr