Ein Schiff der Nichtregierungsorganisation Sea-Eye und ein deutsches Marineschiff nehmen am 15.04.2017  etwa 20 Meilen vor der Küste von Libyen Flüchtlinge an Bord.
Die "Sea Eye" der gleichnamigen Rettungsorganisation und ein Schiff der Deutschen Marine nehmen im April 2017 Migranten im Mittelmeer auf. Bildrechte: dpa

Rettung im Mittelmeer Hilfsorganisationen brechen Einsätze vor Libyen ab

Der Druck Italiens und Libyens auf private Seenotretter im Mittelmeer hat Folgen: Die deutsche NGO Sea-Eye und auch Ärzte ohne Grenzen haben ihre Einsätze zur Bergung von Migranten vor der libyschen Küste ausgesetzt.

Ein Schiff der Nichtregierungsorganisation Sea-Eye und ein deutsches Marineschiff nehmen am 15.04.2017  etwa 20 Meilen vor der Küste von Libyen Flüchtlinge an Bord.
Die "Sea Eye" der gleichnamigen Rettungsorganisation und ein Schiff der Deutschen Marine nehmen im April 2017 Migranten im Mittelmeer auf. Bildrechte: dpa

Nach der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat nun auch die Regensburger Nichtregierungsorganisation (NGO) Sea-Eye ihre Einsätze zur Bergung von Migranten aus dem Mittelmeer ausgesetzt. Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer erklärte am Sonntagmorgen, die Fortsetzung der Rettungsaktionen vor der libyschen Küste sei unter den aktuellen Umständen nicht möglich und auch gegenüber den Crews nicht mehr zu verantworten.

Erklärung der libyschen Marine

Hintergrund ist die Erklärung der libyschen Marine vom Donnerstag, wonach ausländische Schiffe die Küste des Landes ohne eine spezielle Erlaubnis nicht mehr ansteuern dürfen.

Laut Buschheuer kündigte die libysche Regierung eine "unbestimmte und einseitige Ausdehnung ihrer Hoheitsgewässer" an und verknüpfte diese mit einer "expliziten Drohung" an private Hilfsorganisationen. Diese "veränderte Sicherheitslage" müsse man nun sorgfältig analysieren und über das weitere Vorgehen beraten, so der Sea-Eye-Gründer.

Berichten zufolge wollen die libyschen Behörden eine eigene Such- und Rettungszone (SAR-Zone) einrichten, die den Zugang der NGOs in diese Gewässer beschränken würde.

Ärzte ohne Grenzen zieht Schiff ab

Eine Mitarbeiterin der italienischen Küstenwache wartet am 14.07.2017 in Salerno darauf, dass das Rettungsschiff «Vos Prudence» der NGO «Ã„rzte ohne Grenzen» im Hafen einläuft.
Die "Prudence" von Ärzte ohne Grenzen landet geborgene Migranten in Italien an. Bildrechte: dpa

Am Samstag hatte bereits die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ihren Rettungseinsatz im Mittelmeer teilweise beendet und ihr Schiff "Prudence" abgezogen. Auch Ärzte ohne Grenzen begründete den Schritt mit dem zunehmenden Druck aus Libyen und Italien. Der Hilfsorganisation zufolge wurde sie von der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gegen Schiffe von NGOs in libyschen Gewässern gewarnt.

Ärzte ohne Grenzen hatte einen von Rom vorgelegten Kodex zur Flüchtlingsrettung nicht unterzeichnet. Dieser sieht unter anderem bewaffnete Polizisten an Bord der Schiffe der privaten Rettungsorganisationen vor.

Tausende Migranten vor Küste aufgenommen

Mit ihrem Schiff "Prudence" hatte Ärzte ohne Grenzen eigenen Angaben zufolge allein im Mai 1.500 Migranten aus dem Mittelmeer aufgenommen und nach Italien gefahren. Die Organisation will nach dem Abzug der "Prudence" aber weiterhin mit dem gemeinsam mit der französischen Gruppierung SOS Méditerranée betriebenen Schiff "Aquarius" im Mittelmeer präsent bleiben.

Die Regensburger Organisation Sea-Eye barg seit dem Beginn ihrer Mission im April 2016 rund 12.000 Migranten aus dem Mittelmeer und brachte sie nach Italien.

Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration

Italien wirft den NGOs allerdings schon länger vor, durch ihre Tätigkeit vor der Küste Libyens die illegale Migration und das Geschäft der Schleuser mit zu befördern. Tatsächlich wird ein Großteil der Migranten und Flüchtlinge, die von Libyen über das Meer nach Italien aufbrechen, mittlerweile von privaten Hilfsorganisationen gerettet.

Anfang des Monats setzte die italienische Staatsanwaltschaft ein Schiff der deutschen Organisation "Jugend rettet" im Hafen von Lampedusa fest. Gegen die deutschen Helfer wird wegen der "Beihilfe zur illegalen Migration" ermittelt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13.08.2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 13:02 Uhr

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77 Kommentare

15.08.2017 13:31 Klarheit 77

@21:05 Peter 73,

da verwechseln Sie etwas, das BamF schreibt :
im 1 Halbjahr 90.389 registriert,

und von " förmlichen Asylanträge" 111.616 im 1 Halbjahr ,

--------------------------------------------------------

bearbeitet wurden wesentlich mehr "Anträge im ersten Halbjahr 2017 : 408.147 Personen entschieden"

aber es geht um Leute die dieses Jahr hier angekommen sind und sich registrieren ließen, die in "Ankunftszentrem" erfasst werden.
Hat also nix mit Terminen beim BamF zu tun.
Es sind also ca. 100 000 NEUE da - wie kommen die hier her , wenn Italien nichts weiter gibt und Balkan dicht sein soll ?

15.08.2017 06:45 Wo geht es hin? 76

@Peter - Zitat von Ihnen: "Schließlich Martin Schulz bei RTL..." Zitat Ende. Ja - das passt wunderbar! Ich warte noch auf Antworten auf meine Fragen an Sie - oder haben Sie keine?

14.08.2017 23:42 roca remeed 75

#58,#66: Ja was denn nun? Bringt man Argumente, sind es "Behauptungen bar jeden Belegs", nennt man Fakten, ist man "Zahlenkünstler"! Was für ein Schmarrn! Das Problem von Ideologen war und ist eben, dass sie sich weder von Erfahrungen, noch Fakten, noch Argumenten in Ihrem festen Glauben stören lassen. Für alle anderen noch einige Fakten: Abschiebungen 1. HJ 2016=13.700; 1. HJ 2017=12.500. Ergo sinkend! Zahl der Ausreisepflichtigen zum 31. Mai 2017: 222.200! (steigend!) (Quelle: ZDF exklusiv, 20.07.2017). Noch Fragen? Ich schon: wissen unsere Harmonie-Junkies von den ersten "asyl"bedingten kommunalen Haushaltsperren? Benutzen sie den ÖPNV? Gehen sie wachen Sinnes durch die Innenstädte, kennen sie die Polizeiberichte, interessiert die die Sicherheit unserer Frauen und Töchter? Und vor allem: wer hat sie die Kunst des Verdrängens gelehrt? Doch wir halten´s mit Hölderlin: "...Wo aber Gefahr ist, wächst/ Das Rettende auch." - auch am 24.09.!

14.08.2017 22:32 hmhmhm @ 59 74

Der Spruch ist wortwörtliches Zitat auf zunächst den Identitären-Seiten, dann auf den anderen einschlägig Rechtsaußen-Seiten. Wenn ich gerade jetzt den plötzlichen Kurs der C Star am Hintern der Aquarius seit gestern sehe, muss ich schon einen gewissen Respekt äußern: 6 Tage der Weltöffentlichkeit, jedenfalls nicht nur den Flüchtlingsrettern, sondern gerade auch den Seefahrtsbehörden im Mittelmeer und der satellitengestützten Positionsmeldung vorzugaukeln, man läge irgendwo vor der tunesischen Küste manövrierunfähig, dann gefährliche Hecklastigkeit vorzuspielen, um die Seenotrettungsbehörde und von dieser zweimal (Freitag, gestern) losgeschickte Retter zu irritieren, dazu gehört schon Chupze, aber auch eine Unverfrorenheit, Recht und Wertebewusstsein zu brechen. Wobei ich mich immer noch frage, wie die das geschafft haben. Wie auch immer könnte die A. die C. immer noch locker abhängen und letztere wird von professionellen Schiffsbergern auf nur 300 000 taxiert. Kamikaze?

14.08.2017 21:05 Peter 73

@72 Klarheit: Beim BAMF bekommt man nicht Termine von heute auf morgen. Eine ganze Menge der Asylanträge in diesem Jahr stammen von Flüchtlingen, die im vorigen Jahr nach Deutschland gekommen sind.
Übrigens: Italien winkt schon lange keine Flüchtlinge mehr nach Deutschland durch. Dazwischen liegen bekannterweise noch Österreich und die Schweiz.
Schließlich Martin Schulz bei RTL: Er hat gesagt, er wird als Kanzler dafür sorgen, dass den Ländern die EU-Zahlungen gekürzt werden, welche sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen verweigern. "BlaBlaBla" war das nicht, sondern eine klare Ansage.

14.08.2017 20:05 Klarheit 72

@19:08 Peter 71,
----"...Es geht um die 100.000 Flüchtlinge, die im Verlaufe dieses Jahres in Italien angekommen sind...."-----,
in DE sind doch aber auch schon dieses Jahr lt. BAMF ca. 120 000 Asylanträge gestellt wurden - da Balkanroute ja fast dicht fragt man sich wo kommen die hier hereinspaziert - winkt Italien alle durch oder fallen die vom Himmel oder werden gar eingeflogen ????
und weil Sie Hr. Schulz erwähnen , ich habe diesen Schwätzer gestern bei RTL gesehen - nichts als warme Luft und BlaBlaBla.... armselig......

14.08.2017 19:08 Peter 71

@69 Caroline: Dass ich die von Ihnen in die Welt gesetzte Zahl von 1 Mio Flüchtlingen mit etwas Ironie begegnet bin, habe ich bereits in @58 mitgeteilt.
Aber im Ernst: Es geht um die 100.000 Flüchtlinge, die im Verlaufe dieses Jahres in Italien angekommen sind.
Martin Schulz sagt klipp und klar: Wenn sich einige EU-Staaten an der Aufnahme nicht beteiligen, werden diesen die EU-Gelder gekürzt.
Frau Merkel ist dagegen.
Also, wer fährt hier eine klare Linie und wer nicht?
Schließlich: Geben Sie mir ein wenig Nachhilfeunterricht in Geografie. Welche Flüchtlingsrouten kommen denn zukünftig in Frage?

14.08.2017 17:55 WegWeiser 70

Fragender Rentner@ 68 - siehe Asylstatistik auf www.bamf.de - da gibt es jede Menge Antworten auf Fragen fragender Rentner.

14.08.2017 17:21 Caroline 69

@Peter 67

wenn sowieso keine kommen, warum hat dann Herr Schulz im Sommerinterview gesagt das die Flüchtlingsverteilung Sache der EU ist und nicht Deutschlands.
Dann hätte er doch gesagt, na die paar hundert, was solls.
Bei ein paar hundert sagt niemand was, das fällt nicht auf, das geht unter im Tagesgeschehen.

Es wird neue Routen geben und die sind bestimmt schon geplant.

14.08.2017 17:11 Fragender Rentner 68

@WegWeiser zu 65

Deine minus 75% klingt ja sehr gut, du mußt das mal mit Zahlen hinterlegen.

z.B. 1.000.000 - 75% = 250.000.