Der französische Präsident Francois Hollande spricht am 21.04.2017 im Hauptquartier der Polizei in Paris (Frankreich) mit Polizisten. Ein Angreifer hatte am 20.04.2017 das Feuer auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées eröffnet und einen Beamten getötet. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen
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Attentat auf Polizei Deutsche bei Paris-Anschlag verletzt

Nach dem Anschlag auf Polizisten auf den Champs Élysées in Paris hat die Terrormiliz IS die Tat für sich reklamiert. Der Attentäter hatte das Feuer aus einer Kalaschnikow eröffnet und einen Beamten getötet. Er selbst wurde erschossen. Bei dem Anschlag wurde auch eine Passantin aus Deutschland verletzt. Präsident Hollande rief das Sicherheitskabinett zusammen.

Der französische Präsident Francois Hollande spricht am 21.04.2017 im Hauptquartier der Polizei in Paris (Frankreich) mit Polizisten. Ein Angreifer hatte am 20.04.2017 das Feuer auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées eröffnet und einen Beamten getötet. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen
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Bei einem Anschlag auf Polizisten auf dem Pariser Prachtboulevard Champs Élysées ist ein Beamter erschossen worden. Wie das französische Innenministerium mitteilte, wurden bei dem Angriff am späten Donnerstagabend zwei weitere Polizisten verletzt. Der Angreifer sei getötet worden. Aufgrund von Zeugenaussagen gehe man von einem Einzeltäter aus. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es einen oder mehrere Komplizen gebe, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt gewesen seien.

Auch Deutsche verletzt

Bei dem Anschlag wurde nach Angaben der Bundesregierung auch eine deutsche Staatsangehörige verletzt. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin mitteilte, wurde die Frau "rein zufällig [verletzt], weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort befand". Ihr Zustand sei stabil. Sie sei nicht lebensbedrohlich verletzt worden, habe aber ernste Verletzungen davongetragen.

die Champs Elysees
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IS reklamiert Anschlag für sich

Noch am Donnerstagabend reklamierte die Terrormiliz IS den Anschlag für sich. Über ihre Propaganda-Sprachrohr Amaq ließ sie verbreiten, der Angriff sei von einem "IS-Kämpfer" ausgeführt worden. Amaq gab den Namen des Attentäters mit Abu Yousif al-Belgiki an. Auch Frankreichs Polizei und Präsident François Hollande hatten schnell von einem terroristischen Hintergrund gesprochen. In Paris übernahm die Antiterror-Behörde die Ermittlungen.

Wie es am Freitag aus Ermittlerkreisen hieß, wurde bei dem erschossenen Angreifer ein Schreiben mit Verweis auf die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" gefunden. Auf dem Zettel werde der IS verteidigt, verlautete am Freitag aus Ermittlerkreisen. Im Auto des Angreifers, eines 39-jährigen Franzosen namens Karim Cheurfi, wurden demnach außerdem ein Koran und ein Zettel mit den Adressen eines Polizeikommissariats und des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes DGSI gefunden.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte zuvor berichtet, bei dem Angreifer handle es sich um einen 39 Jahre alten französischen Staatsbürger, der bereits vorbestraft sei. Demnach war der Mann im Jahr 2005 wegen versuchter Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Feuer aus Sturmgewehr eröffnet

Polizei sichert am Abend den Champs Elysees in Paris (Frankreich).
Polizeigroßeinsatz nach Schießerei auf den Champs-Elysées. Bildrechte: dpa

Dem französischen Innenministerium zufolge hatte der Angreifer mit einem Fahrzeug neben einem Mannschaftswagen der Polizei gehalten, war ausgestiegen und hatte mit einem Sturmgewehr das Feuer eröffnet. Die Champs-Élysées wurden daraufhin weiträumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste über dem Boulevard. Polizisten forderten Passanten auf, von der Straße zu gehen.

Hollande versammelt Sicherheitskabinett

Als Reaktion auf den Anschlag versammelte Präsident Hollande am Freitag das Sicherheitskabinett. Außerdem wurden die Sicherheitskräfte des Landes vollständig mobilisiert, darunter alle Eliteeinheiten. Wie Ministerpräsident Bernard Cazeneuve mitteilte, soll dadurch die Sicherheit der Bevölkerung bei der anstehenden Wahl gewährleistet werden. Seit den Anschlägen von Paris im November 2015 gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.

Präsidentenwahl am Sonntag

Der Anschlag trifft Frankreich kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am Sonntag. Bereits seit Tagen gelten wegen der bevorstehenden Wahl landesweit verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Präsidentschaftskandidaten, die während der Tat am Abend zu Kurz-Interviews im französischen Fernsehen auftraten, reagierten auf die Geschehnisse. Die Kandidaten Emmanuel Macron, François Fillon und Marine Le Pen sagten ihre für Freitag geplanten Wahlkampfauftritte ab.

Merkel bekundet Beileid

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete nach der Tat ihr Beileid. Via Twitter ließ sie mitteilen, ihr Mitgefühl gelte "den Opfern und ihren Familien". Das Auswärtige Amt erklärte, Deutschland stehe fest und entschlossen an der Seite Frankreichs. US-Präsident Donald Trump appellierte an die Öffentlichkeit, sie müsse stark und wachsam sein. Mit Bezug auf den Verdacht, es handele sich um einen Terroranschlag, erklärte Trump: "Es endet einfach nie."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 20.04.2017 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 21:22 Uhr

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38 Kommentare

23.04.2017 12:00 ralf meier 38

@Andreas Nr. 36: Missverständnisse klärt man am besten, in dem man sie anspricht. Danke für die Rückmeldung.

22.04.2017 23:13 Joachim Dierks 37

Hat 007 ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein? Sehen Sie, Sie sind hier nicht beim Fußball.
Sie beschuldigen alle, die nicht so ,,national" denken, wie Sie, das Land aufzugeben. Das sind unsinnige Vorwürfe.
Die Terroristen wollen die freien westlichen Gesellschaften zerstören
Die Nazis und Neu-Rechten wollen genau das gleiche! Stellen Sie sich dem genauso kämpferisch entgegen? Schützen Sie unser Vaterland auch vor den Rechten?
Aber klar: Ja, Terroristen und Terror-Unterstützer müssen sofort ausgewiesen werden! Das ist unbestritten.

22.04.2017 17:44 Andreas 36

@Ralf Meier, habe ich aus Ihrem ersten Beitrag so rausgelesen also der 13. Aber jetzt habe ich es richtig verstanden... sorry.

22.04.2017 16:22 ralf meier 35

@ Andreas Nr. 25 : Sie vermuten also , daß ich generell keine vom Krieg Geflüchteten nach Deutschland lassen will ? Wollen Sie mir verraten, wieso Sie auf diese Vermutung kommen ? Ich würde es bedauern, wenn dieser Eindruck entstanden ist, und möchte solche Missverständnisse zukünftig vermeiden

22.04.2017 13:17 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 34

@ 33:

Gut zu sehen, daß Du 'muslimische Mitbürger' nicht mehr als 'Deine Mitbürger' ansiehst.

So weit ist die Abgrenzung schon fortgeschritten...

22.04.2017 12:20 Kuno 33

@Peter "Inside Islam" Da erfahren Sie was Ihre muslimischen "Mitbürger" wirklich denken.

21.04.2017 20:59 Peter 32

Geht es hier eigentlich noch um den Anschlag von Paris oder geht es gegen alle muslimischen Mitbürger?
Mein Fazit: Die besorgten Kommentatoren wollen alle Muslime aus dem Land haben. Mehr als 3 Millionen in Deutschland, um die 5 Millionen in Frankreich. Alles nach der Devise: "Deutschland (Frankreich) den Deutschen (Franzosen). Ausländer raus."
Ein realistisches Szenario? Wohl kaum. Was dann? Purer Populismus!
Ob AfD oder Le Pen: Man spielt nicht mit den Ängsten der Menschen, nur um ein paar Prozentpunkte zu gewinnen.

21.04.2017 19:10 Andreas 31

Die Reportage trägt den Titel: "Kalaschnikows für Terroristen
Waffenschmuggel in Europa". Ich habe leide keine Ahnung ob dieses Video noch irgendwo verfügbar ist.

21.04.2017 19:05 Andreas 30

@22 Ich habe mal etwas geforscht und was über Kalaschnikow Handel gefunden. Gab eine Reportage in Albanien (glaube ich). Seit dem Balkan-Krieg waren schätzungsweise mehr 225.000 Kalaschnikows im Umlauf. Eine Reporterin konnte dokumentieren, wie Waffenhändler von Haus zu Haus ziehen und nach „Überbleibseln“ des Balkankrieges fragen. Die Händler kaufen beispielsweise für 600 Euro gut erhaltene Kalaschnikows und verkaufen sie wieder für bis zu 2000 Euro, Vermittler bringen sie nach Westeuropa. War eine ZDF Reportage.

21.04.2017 19:01 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 29

@ 27. Andreas:

Ich wollte das gar nicht so aufs Fabrikat begrenzen. Im Endeffekt ist es ja egal, ob man mit einer AK, einer Uzi oder einem G36 erschossen wird oder ob die aus russischen Armeebeständen oder baskischen Waffenlagern oder aus einer Lizenz-Fabrik in Albanien stammt.

Sicher ist es nicht einfach, illegale Waffen zu finden, aber wenn man für den alleinigen Besitz ohne Benutzung schon mal für Jahre in den Bau wandern würde, wären die Teile so heiß, daß sich keiner daran die Finger verbrennen wollen würde.

Sicherlich wird sich davon kein Fanatiker einschüchtern lassen, der auf dem Weg in sein Garten Eden ist. Aber wenn dieser Fanatiker keinen findet, der ihm eine Waffe verkauft, wird der Fanatismus einfach nicht so dramatisch.