Emmanuel Macron
Präsident Macron nahm am Wahlsonntag ein Bad in der Menge. Bildrechte: dpa

Parlamentswahl in Frankreich Macron-Lager holt absolute Mehrheit

In der entscheidenden zweiten Runde der französischen Parlamentswahl hat das Parteienlager von Präsident Macron einen klaren Wahlsieg eingefahren. Die Wahlbeteiligung fiel hingegen äußerst niedrig aus.

Emmanuel Macron
Präsident Macron nahm am Wahlsonntag ein Bad in der Menge. Bildrechte: dpa

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich für seinen Reformkurs die absolute Mehrheit im Parlament gesichert. Seine Partei La République en Marche und die verbündete Zentrumspartei Modem kommen nach der Wahl vom Sonntag zusammen auf 350 Sitze in der Nationalversammlung, wie das Innenministerium mitteilte. Das liegt deutlich über den 289 Abgeordnetenmandaten, die für eine absolute Mehrheit notwendig sind.

Große Verluste für andere Parteien

Die Opposition in der Parlamentskammer schrumpft deutlich zusammen. Die konservativen Republikaner kommen zusammen mit der Zentrumspartei UDI auf 131 Sitze. Die Sozialisten von Ex-Staatschef François Hollande haben künftig nur noch 29 Abgeordnete in der Nationalversammlung.

Die Bewegung Das unbeugsame Frankreich des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon gewann 17 Mandate, die Kommunisten erzielten zehn Mandate. Die rechtspopulistische Front National stellt künftig acht Abgeordnete, unter ihnen Parteichefin Marine Le Pen.

Macron kann mit Mehrheit gut regieren

Der Wahlausgang krempelt das politische System in Frankreich völlig um. Der Neuling, La République en Marche, ging aus der Bewegung En Marche hervor, die erst im April 2016 gegründet worden war - von Macron, der damals noch den Posten als Wirtschaftsminister inne hatte. Die Hälfte der Kandidaten aus Macrons Partei sind Politneulinge.

Mit ihrer Mehrheit im Parlament hat der 39-jährige Präsident freie Bahn für seine sozialliberalen Reformen. Er will das Arbeits- und Kündigungsrecht lockern, die Steuern für Unternehmen senken, Geringverdiener von Sozialabgaben befreien. Gewerkschaften und Linke drohen bereits mit Massenprotesten.

Merkel beglückwünscht Macron

Kanzlerin Angela Merkel gratulierte dem französischen Staatschef am Sonntagabend zum Sieg seines Lagers. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte, die Kanzlerin habe die Hoffnung auf eine weitere "gute Zusammenarbeit". Bundesaußenminister Sigmar Gabriel schrieb auf Twitter, mit dem Wahlergebniss sei nun der Weg "frei für die Reformen, in Frankreich und in Europa".

Negativrekord bei Wahlbeteiligung

Historisch an der französischen Parlamentswahl ist nicht nur der Ausgang, sondern auch die Beteiligung. Nur knapp 43 Prozent der Wahlberechtigten gaben eine Stimme ab - die niedrigste Quote seit der Gründung der Fünften Republik 1958.

Insgesamt waren mehr als 47 Millionen Franzosen zur Wahl aufgerufen. Wahlforscher hatten dem Bündnis des sozialliberalen Präsidenten zuletzt einen noch deutlicheren Sieg vorhergesagt.

Kabinett tritt routinemäßig zurück

Regierungssprecher Christophe Castaner hat am Montag eine Regierungsumbildung angekündigt. Diese werde aber nur einen geringen Umfang haben und eher technischer Natur sein.

Premierminister Edouard Philippe solle auch an der Spitze der künftigen Regierung stehen, sagte Castaner. Die bisherige Regierung werde im Laufe des Tages zurücktreten, wie dies nach einer Parlamentswahl üblich sei, und die künftige in den nächsten Tagen ernannt.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Fernsehn | 18.06.2017 | 21:45 Uhr
Radio | 19.06.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 10:37 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

61 Kommentare

21.06.2017 07:16 Wo geht es hin? 61

@Wessi: Da isser wieder, der Opportunist! Um Ihre "Argumentation" zu untermauern, werden sogar die weitaus rechter stehenden Vater und Nichte von Le Pen bemüht. Dazu sind Ihnen also sogar die "Extremisten" gerade recht? Lässt tief blicken, denn die beiden wollen eine noch viel radikalere Politik wie Marine le Pen. Ich sag`s ja - hilflos und ohne echte Argumente!

20.06.2017 17:57 Wo geht es hin? 60

@Wessi: Sag ich doch, dass Sie nicht rechnen können - ein Zuwachs von 1,3 Mio Wählern im Vergleich zur letzten Wahl, ein Zuwachs von 45 gewonnenen Departements, ein Zuwachs von 6 Sitzen - das alles ist eine "Niederlage"? Immer reden Sie sich die Wahl weiter schön - wenn ich nicht mal 20 % der Gesamtwählerstimmen bekommen hätte, würde ich mit den Worten des letzten Sachsenkönigs sagen: "dann macht doch euren Dreck alleene!" Denn eine starke Legitimation vom Volk sieht wahrlich anders aus. Natürlich nicht für Sie - für Sie würde wohl auch 0,0001 % Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung nur von Macron ein heroischer Sieg sein...Dann gehen Sie mal weiter "wahlkämpfen" und werfen Sie den Hut in den Ring - vielleicht schmeisst ja auch sogar jemand nen Euro rein...weil der sich für die Komödie bedanken will, die Sie perfekt liefern!

20.06.2017 17:53 Wessi 59

@ 55 noch einer drauf:Vater Le Pen fordert wg. "der Niederlage" den Rücktritt seiner Tochter.Selbst die französischen Rechtspopulisten erkennen die "Niederlage" an.Nur unsere Rechtspopus anscheinend nicht.Wenn sich der FN nicht mal spaltet...die Nichte macht ja auch schon Front gegen Tante Marine!

20.06.2017 17:27 Wessi 58

@ 55 drollig wie Sie sich die Niederlage der Le Pen schön rechnen,lustig.Und glauben sie dem Wessi mal.Der war schon als Erwachsener vor 45 Jahren in Frankreich.Und nochmal: erst Huber,dann Wilders und nun Le Pen (im September dann Höcke+Gauland,später dann die Spaltung der AfD) und irgendwann fliegt Trump.Macron hat gewonnen,nur darum geht es, und Parlamentswahlen spielen immer die 2.Geige dort.Ich mache gerade Wahlkampf gegen die AfD und freue mich immer,wenn mal wieder einer der populistischen Fehleinschätzungen etc. kommen."Patriotisch" sind in Frankreich übrigens alle,da braucht man keine Le Pen.

20.06.2017 14:28 Peter 57

@56 Theophanu: Da Sie das Thema immer wieder anschneiden: Hat nicht auch die Spitzenkandidatin der AfD, Frau Weidel, bei der bedeutendsten Investmentbank der Welt, Goldman Sachs, gearbeitet? War nicht Goldman Sachs maßgeblich für die weltweite Finanzkrise verantwortlich?
Also, bitte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt.

20.06.2017 12:35 Theophanu 56

Frankreich wählt einen jungen Ex-Investmentbänker und hofft, damit seine Probleme lösen zu können (viele Probleme gibt es erst durch Investmentbanken) . Aber bei uns ist es mi Merkel und Schulz auch nicht anders. Da kann ich mich nur hinsetzen und weinen.

20.06.2017 12:13 Wo geht es hin? 55

@Wessi: Ich sag`s ja: hilflos! Ist es nicht egal, ob ich % oder Zahlen darstelle? Oder können Sie mit beiden nicht viel anfangen? Es mag sein, dass es auf dem Papier (308 Sitze) so aussieht, als ob Macron klarer Sieger wäre - wenn Sie aber die absoluten Zahlen anschauen, wieviel Rückhalt er wirklich in der Bevölkerung hat, sieht das dann doch schon sehr sehr dünne aus! Da ist das nicht mal 1/4 (nur für Sie: keine 25 % oder keine 12 Mio. der Wähler - bitteschön!). Da reicht ein kleiner Fehler und schon fällt das ganze Kartenhaus zusammen. Und das die Franzosen dann "krass nach links" gehen würden - wenn Sie sich als großer "Franzosenversteher" da mal nicht krass täuschen. PS: Ich will Sie gar nicht "ruhig" haben, irgendwas lustiges am Tag ist doch auch ganz schön zur Abwechslung!

20.06.2017 11:11 Fragender Rentner 54

@Klaus zu 46

Du mußt mal die Frage stellen, warum so viele Leute nicht wählen?

Die haben doch alle das Vertrauen in die Politiker verloren.

Alle haben viel versprochen und was haben sie gehalten?

Man sieht es am Beispiel der Ostanpassung der Renten, im Koalitionsvertrag steht etwas von 2020 und nun?
Die Ostangleichung verspricht sie schon seit sehr vielen Jahren!
Sind glaube ich schon ca. 12 Jahre ins Land gegangen!
Das soll sich noch bis 2025 hinziehen!

20.06.2017 11:02 Peter 53

@51 007: Wie sagte schon ein großer Dichter: "Patriotismus ist die Tugend der Boshaften".
Und nun zu den Zahlen:
- Präsidentschaftswahl: Macron 66%, Le Pen 34%
- Parlamentswahl: En Marche 308 Sitze, FN 8 Sitze
Das nennen Sie knapp?

20.06.2017 10:37 Wessi 52

@ 48 Macron+seine Partei hat die Wahl gewonnen.Nur darum geht es.Sie legen zwei unterschiedliche Werte zugrunde.Das ist die üble Täuschung.Und in einer Demokratie haben die, die nicht wählen gegangen sind selbst Schuld,auch wenn sie im Unrecht sind.Das mögen Sie beklagen, aber so funktioniert es.Was Sie od. ich beherrschen spielt keine Rolle.LePen+der FN haben die Wahl verloren.Genau wie Huber,Wilders+im September Höcke,die Wahl wird im Westen entschieden.Die Mehrheiten,zu denen kann ich mich zählen, sind eben schlau.Gucken Sie einfach darauf,daß Pegaga ausserhalb DDs null Chancen hat.Das sind die Fakten.Aber das verstehen nun Sie nicht,weder i.Zahlen,noch inhaltlich,aber es ist so.Übrigens stimme ich Ihnen bei einem zu:wenn Macron nicht ganz eng mit den Gewrkschaften zusammenwirkt,hat er bald abgewirtschaftet.Dann ginge es krass nach links.Und nicht zu Le Pen.Ich kenne die Franzosen.(Ruhig kriegen Sie uns nie!)