Angebliche IS-Kämpfer an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak
Mehr als 900 Deutsche sind nach Syrien oder in den Irak gezogen, um die Terrormiliz IS zu unterstützen. Nur wenige Rekruten kommen dabei aus Mitteldeutschland. Bildrechte: dpa

Helfer des Terrors Nur wenige IS-Rekruten aus Mitteldeutschland

Über 900 deutsche Islamisten haben sich in den letzten Jahren dem sogenannten Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak angeschlossen. Darunter sind auch Jugendliche. Die Mehrzahl von ihnen kommt aus den westdeutschen Bundesländern. Doch auch in Mitteldeutschland sind radikalisierte junge Menschen der Propaganda des IS gefolgt. Was auffällt: Aus Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es meist Mädchen. So wie Linda aus Pulsnitz, die angeblich bei der Rückeroberung von Mossul gesehen wurde.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Angebliche IS-Kämpfer an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak
Mehr als 900 Deutsche sind nach Syrien oder in den Irak gezogen, um die Terrormiliz IS zu unterstützen. Nur wenige Rekruten kommen dabei aus Mitteldeutschland. Bildrechte: dpa

Linda W. aus Pulsnitz ist eine von insgesamt drei islamistischen Ausreisern aus Sachsen. Die anderen beiden kommen aus Dippoldiswalde. Drei im Vergleich zu 900 Ausreisern aus ganz Deutschland, da wird deutlich: Der Freistaat ist kein islamistischer Hotspot. Ähnlich sehen die Zahlen für Thüringen und Sachsen-Anhalt aus.

Bildkombination festgenommene Frau bei Rückeroberung von Mossul
Dieses Bild, das eine junge Frau in Mossul zeigen soll, kursiert in den sozialen Netzwerken. Ob es sich um die Vermisste aus Pulsnitz handelt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Unter den in Mossul festgenommenen IS-Anhängerinnen ist nach irakischen Armeeangaben keine 16-jährige Deutsche. Bildrechte: Twitter/Vian Dakhil

Was auffällt: Sowohl in Sachsen als auch in Sachsen-Anhalt sind es auch junge Mädchen, die nach Syrien und in den Irak ausgereist sind. Kein Zufall, sagt David Aufsess. Der Streetworker aus Bremen arbeitet mit radikalisierten Jugendlichen und sagt: Islamismus ist kein reines Männer-Phänomen. "Tatsächlich ist die Szene auch sehr stark von Frauen und von Mädchen geprägt, die aber nach außen viel weniger sichtbar sind. Die sind dann über soziale Netzwerke organisiert, also Whatsapp-Gruppen oder Telegram-Kanälen. Der IS ist ja mittlerweile zurückgedrängt, deshalb ist auch der Propaganda-Output weniger geworden."

Im Unterschied zu westdeutschen Bundesländern trifft diese Propaganda in Mitteldeutschland fast ausschließlich Jugendliche ohne Migrationsgeschichte - so wie bei Linda W. aus Pulsnitz oder Samuel W. aus Dippoldiswalde, der einzige sächsische Rückkehrer.

Weniger IS-Rekruten als in Vorjahren

Generell ist die Ausreisewelle von Deutschen Islamisten nach Syrien und dem Irak abgeebbt. Es hat sich herumgesprochen, dass von den deutschlandweit 900 Ausreisern 140 inzwischen gestorben sind. Axel Heidrich vom Sächsischen Verfassungsschutz sagt dazu: "Also diese Ausreisedynamik, die wir mal hatten, die haben wir nicht mehr. Das hat sicherlich auch mit den schweren Kämpfen in Mossul und Rakka zu tun. Die Ausgereisten sind überwiegend männlich - ein Achtel Konvertiten, 20 Prozent Frauen und vereinzelt haben wir Minderjährige dabei."

Mit der militärischen Niederlage des Islamischen Staates geht zwar die Zahl der deutschen IS-Kämpfer zurück. Aber das Problem Islamismus bleibt. Und es wächst. In Sachsen gab es 2015 noch 300 Islamisten, seit letztem Jahr sind es schon 350. Schwerpunkt ist die Leipziger Al Rahman Moschee. Auch die Muslim-Brüder bauen laut Verfassungsschutz in Sachsen ihr Netzwerk auf.

Intensive Jugendarbeit

Thomas Mücke will da einen Gegenpol setzen. Seit 26 Jahren arbeitet er in der Deradikalisierungsarbeit mit Jugendlichen. In der Dresdner Neustadt richtet er gerade sein neues Büro ein. Sein Beratungsangebot wendet sich an Jugendliche in der islamistischen Szene in Sachsen. "Es ist eine aufsuchende Tätigkeit, dieser junge Mensch wendet sich nicht von sich aus zu uns, sondern wir müssen den Kontakt suchen. Er ist noch nicht immer gleich zum Ausstieg bereit. Aber wir versuchen eine Beziehung herzustellen, Vertrauen aufzubauen und dass der junge Mensch andere Sichtweisen erfährt. Vor allem ist sehr wichtig, dass er wieder anfängt, Fragen zu stellen und frei zu denken."

Raus aus dem Schwarz-Weiß-Denken der IS-Ideologie: Für Thomas Mücke heißt das: Beratung mit Eltern, Lehrern und Justizvollzugsbeamten. Denn der IS hat zwar kein Territorium mehr, aber aus den Köpfen von radikalisierter Jugendlichen wird er nicht so schnell verschwinden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.17.2017 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2017, 09:39 Uhr

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3 Kommentare

19.07.2017 00:30 Uwe 3

Deutschland hat sicher noch mehr bekloppte als nur 930.... schlimm ist, als Deutscher überhaupt auch nur ansatzweise auf die Idee zu kommen, sich für solche Irren mißbrauchen zu lassen. Das Warum wäre wichtig... größenwahn? Geltungsbedürfnis? Fakt ist, nur bei auch nur ansatzweisem Verdacht müßte sich die Luft für denjenigen sieben... Aber da findet ja sicher wieder ein Herr Verteidiger einen Ausweg... und wenn es nur ein Verfahrensfehler, fehlerhafter Text in der Vorladung oder Befangenheitsantrag ist. Da sind wir beim nächsten Problem in Deutschland...

19.07.2017 15:38 Fragender Rentner 2

Zitat von Oben: Nur wenige IS-Rekruten aus Mitteldeutschland

Ist doch kein Wunder, wenn es weniger Jugendliche im Osten gibt.

Einmal sind viele junge Leute nach der Wende in den Westen gezogen, dann bekamen sie da die Kinder und außerdem bekommen die meisten Frauen immer später meist nur noch ein Kind.

19.07.2017 07:09 Menthox 1

Die sollen bleiben wo der Esel schreit oder zur psychologischen Entgiftung - verständlich wenn ein normaler Mitteleuropäer freiwillig zum Islam konvertiert. Warten werden nur die armen Eltern, den Nachbarn wird egal sein.