Ein Mann kauft in einem Geschäft in der USA eine Waffe
Letzte Umfragen zeigen, dass eine knappe Mehrheit der Amerikaner für schärfere Waffengesetze ist. Bildrechte: dpa

Nach Massenmord in Las Vegas Netzdebatte um gleiches Recht bei Waffenkauf und Abtreibung

Nach dem Massenmord eines Schützen in Las Vegas ist in den USA erneut ein Streit um das liberale Waffenrecht ausgebrochen. 58 Menschen sind gestorben, über 500 wurden verletzt. Auch in den Sozialen Medien wie Twitter, Instagram und Facebook wird nun über die Gesetze in den USA diskutiert. Ein Post sorgt dabei für besonders viel Aufsehen.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL

Ein Mann kauft in einem Geschäft in der USA eine Waffe
Letzte Umfragen zeigen, dass eine knappe Mehrheit der Amerikaner für schärfere Waffengesetze ist. Bildrechte: dpa

"Ich möchte, dass alle jungen Männer, die eine Pistole kaufen, wie junge Frauen behandelt werden, die eine Abtreibung suchen." So beginnt ein Zitat, das nach dem Attentat auf ein Country-Konzert in Las Vegas die Runde in den Sozialen Medien macht. Zugeschrieben wird das Zitat der Feministin, Frauenrechtlerin und Journalistin Gloria Steinem.

Frauen kritisieren widersprüchliche Rechtslage

Sie selbst hat es zum ersten Mal vor zwei Jahren veröffentlicht und gibt an, das Zitat im Internet gefunden zu haben. Weiter heißt es: "Denken Sie darüber nach: eine obligatorische 48-Stunden-Wartezeit, schriftliche Erlaubnis von einem Elternteil oder einem Richter, eine Notiz von einem Arzt, der beweist, dass der Waffenkäufer versteht, was er im Begriff ist zu tun."

Mit dem Zitat wollen vor allem Frauen auf eine aus ihrer Sicht widersprüchliche Rechtslage aufmerksam machen. Abtreibungen sind in den USA in den meisten Bundestaaten streng reglementiert, Waffen können dagegen recht einfach gekauft werden.

Waffenkäufer sollen sich Massenmord-Videos anschauen

Grund dafür ist der zweite Verfassungszusatz: "Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Abtreibungen sind dagegen streng reglementiert.

Im Posting wird deshalb vorgeschlagen: "Ähnlich wie Frauen vor einer Abtreibung sollten sie Zeit damit verbringen ein Video mit Einzel- und Massenmorden anzugucken, hunderte von Meilen auf eigene Kosten zum nächstgelegenen Waffenladen zu reisen und sich durch die Demonstranten zu drängen, die Fotos von geliebten Menschen zeigen, die von Waffen getötet wurden. Demonstranten, die ihn als Mörder bezeichnen."

Knappe Mehrheit befürwortet schärfere Waffengesetze

Geteilt wurde das Posting mittlerweile mehrere hunderttausend Mal. Unter anderem von den Supermodels Gigi und Bella Hadid und Karli Kloss. Die Themen Waffenbesitz und Abtreibung gehören zu den großen Streitthemen der USA. Sie spalten die Gesellschaft. Abtreibung ist in den USA seit einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 1973 erlaubt.

Erst gestern Abend hat eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes das Repräsentantenhaus passiert. An einer Verschärfung des Waffengesetzes war auch der ehemalige Präsident Barack Obama mehrfach gescheitert. Laut den vor dem Las-Vegas-Massaker veröffentlichten Umfragen befürwortet eine knappe Mehrheit der US-Bürger schärfere Waffengesetze. Eine politische Mehrheit dafür ist jedoch nicht in Sicht.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.10.2017 | 16:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 17:42 Uhr

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3 Kommentare

05.10.2017 09:52 Florian Kren 3

Ein sehr guter Vorschlag von Frau Steinem.

Schön, dass sie Regelung zwecks dem Schutz ungeborener Menschen für so wirksam hält, dass sie deren Anwendung in equivaltenter Weise auf Waffen befürworten kann.

Dann befürwortet sie hoffentlich diese Regeln auch zum Schutz ungeborener.

05.10.2017 06:39 Querdenker 2

Ein derartiger Massenmord kann bei uns in Deutschland in ähnlicher Weise jederzeit passieren. Kriegswaffen kann man sich in Europa relativ einfach besorgen und das zu einem Spottpreis. Die offenen Grenzen, die auch Waffenhändler genießen, tun ihr übriges. siehe „Welt So leicht kommen Dschihadisten an Kriegswaffen“ und „Spiegel Terror in Paris Die Waffen der Attentäter“

Eine andere Sache sind die über 30.000 Tote in den USA durch Schusswaffen. Da könnten schärfere Gesetze helfen. Dennoch sollt man sich bzgl. Terroristen keinen Illusionen hingeben.

04.10.2017 18:33 Morchelchen 1

Eine Waffe oder einige Waffen im Haus sind doch nicht der Grund, zum Mörder zu werden! Wir haben alle mehr oder weniger große Messer in der Schublade, die wir nicht benutzen, um unsere Aggressionen auszuleben, sondern zum Schneiden im Haushalt. Es wird immer Menschen geben, die sich aus irgendwelchen abstrusen Gründen Hilfsmittel verschaffen, um Mitbürger zu quälen oder umzubringen. Eventuell hätte dieser Abnormale einige Bomben gebaut und gezündet, wenn er nicht auf Schusswaffen hätte zugreifen können.
Der wollte an diesem Abend großes Leid verursachen. Übrigens kursiert überall die Nachricht, er sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert, was sein schlimmes Handeln "erklärbar" machen dürfte.