Staatsanwaltschaft: Mann auf der linken Seite des Fotos vom Flughafen bisher nicht identifiziert. Mann mit weißer Jacke flüchtig und ebenfalls nicht bekannt. Mann in der Mitte: Ibrahim El Bakraoui.
Staatsanwaltschaft: Mann in der Mitte: Ibrahim El Bakraoui. Bildrechte: dpa

Bomben-Anschläge in Brüssel Alle Selbstmordattentäter identifiziert - Ein Mann auf der Flucht

Nach den Selbstmord-Anschlägen von Brüssel hat die Polizei alle drei Selbstmordattentäter identifiziert: Alle hatten Verbindungen zu den Drahtziehern der Anschläge von Paris. Nach einem vierten Mann wird noch gesucht. Aus Sorge vor neuen Anschlägen blieb die höchste Terror-Warnstufe in Kraft. Unter den Verletzten der Bombenexplosionen im Flughafen und in einer U-Bahn-Station der belgischen Hauptstadt sind auch mehrere Deutsche.

Staatsanwaltschaft: Mann auf der linken Seite des Fotos vom Flughafen bisher nicht identifiziert. Mann mit weißer Jacke flüchtig und ebenfalls nicht bekannt. Mann in der Mitte: Ibrahim El Bakraoui.
Staatsanwaltschaft: Mann in der Mitte: Ibrahim El Bakraoui. Bildrechte: dpa

Nach den Terroranschlägen in Brüssel mit mindestens 31 Toten sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert. Alle sind in Belgien geboren und hatten Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris.

Najim Laachraoui
Najim Laachraoui Bildrechte: dpa

Wie am Mittwochabend aus Polizeikreisen verlautete, handelt es sich bei einem zweiten identifizierten Flughafen-Attentäter um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui. DNA-Spuren des 24-Jährigen waren nach den Anschlägen mit 130 Toten in der französischen Hauptstadt an Sprengstoff entdeckt worden. Nach einem dritten Attentäter, dessen Bombe im Brüssler Flughafen nicht detonierte udn der anschließend floh, wurde noch gesucht. Die Identität des Mannes war weiterhin unklar. Belgische Medien hatten zuvor berichtet, bei dem Unbekannten handle es sich um Laachraoui. Das wurde später aber dementiert.

Islamistisches Brüderpaar sprengt sich in die Luft

Als erste Selbstmordattentäter hatte die belgische Justiz zuvor ein islamistisches Brüderpaar identifiziert, das auch Verbindungen zu den Drahtziehern der Anschläge von Paris gehabt haben soll. Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw bestätigte, dass es sich bei zwei Attentätern um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui handelt. Beide waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener Taten polizeibekannt. Sie standen aber nicht unter Terrorverdacht. Der ältere der beiden Brüder sprengte sich am Dienstag auf dem Flughafen der belgischen Hauptstadt in die Luft. Kurze Zeit später zündete der Jüngere eine Bombe in der Metro-Station Maelbeek im Brüssler Europa-Viertel.

Laptop mit "Testament" gefunden

Khalid und Brahim el-Bakraoui
Brahim El Bakraoui (links) Khalid El Bakraoui (rechts) Bildrechte: dpa

Ermittler stellten später im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek einen Laptop mit einem testamentähnlichen Dokument sicher, das dem älteren El Bakraoui-Bruder zugeschrieben wird. Darin steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass er nicht mehr wisse, was er tun solle. Er werde gesucht und wolle nicht in einer Zelle landen. In einer nahen Wohnung entdeckten Ermittler weitere 15 Kilogramm Sprengstoff und anderes Material zum Bau von Bomben. Dort fand sich auch eine Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat", die sich zu den Anschlägen bekannt hat.

Wer ist der Mann mit der weißer Jacke?

Spur führt zu Abdeslam

Der jüngere der beiden Brüder soll unter falschem Namen auch eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge von Paris genutzt wurde. Hier waren in der vergangenen Woche Fingerabdrücke des zu dem Zeitpunkt noch flüchtigen mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam sichergestellt. Gleiches gilt für eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest, wo es bereits vor einer Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schießerei mit der Polizei kam.

Auch Deutsche unter den Verletzten

Belgische Polizei und Soldaten überprüfen Fahrzeuge vor dem Flughafen Zaventem in Brüssel.
Belgische Polizei und Soldaten überprüfen Fahrzeuge vor dem Flughafen Zaventem in Brüssel. Bildrechte: dpa

Bei dem Anschlag am Dienstag wurden 31 Menschen getötet und  mehr als 270 verletzt. Befürchtet wurde, dass sich die Zahl der Toten noch erhöht. Unter den Verletzten der Bombenexplosionen im Flughafen und in einer U-Bahn-Station sind auch mehrere Deutsche. Wegen der verletzten Deutschen leitete auch die Bundesanwaltschaft Ermittlungen unter anderem wegen versuchten Mordes ein.

In Belgien gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Am Mittwoch gab es eine landesweite Schweigeminute. Aus Solidarität wurden Wahrzeichenvieler anderer Metropolen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris.

Höchste Terrorwarnstufe bleibt in Kraft

Aus Sorge vor neuen Anschlägen blieb in Brüssel auch am Mittwoch die höchste Terror-Warnstufe in Kraft. Der Flughafen Brüssel-Zavantem bleibt noch bis Freitag geschlossen, Nahverkehr und Züge rollen aber wieder. Dennoch müssen die Passagiere mit Einschränkungen rechnen. So fahren einige U-Bahnen nur eingeschränkt oder gar nicht. Auch bleiben einige Bahnhöfe vorerst geschlossen, darunter Brüssel-Schumann im Europaviertel, der am Flughafen und einige kleinere. In der ganzen Stadt finden verstärkt Sicherheitskontrollen statt - auch in Bussen, Bahnen und auf den Straßen.

EU-Sondertreffen geplant

Zu den Anschlägen hatte sich die Terrormiliz IS bekannt. Terrorexperten vermuten hinter den Anschlägen einen Racheakt von Unterstützern von Salah Abdeslam. Als Reaktion auf die Anschläge werden sich am Donnerstag die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister treffen. Um das Treffen hatte Belgien gebeten. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es bereits nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2016, 22:48 Uhr

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92 Kommentare

25.03.2016 20:14 Wo geht es hin? 92

@Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" Zitat von Ihnen: Also ist es definitiv falsch zu sagen, alle Moslems sind Terroristen! Zitat Ende. Es ist aber NICHT falsch zu sagen: fast alle Terroristen sind Moslems!

25.03.2016 02:01 V2Knut 91

@85. [Kurt Hugo]: Bei K & K vermute ich ganz andere unterschwellige Motive. Hier sind meiner Beobachtung nach sehr arrogante, "besserwessiistische" Charaktere am Tun; egal, was die Ossinetier hier äußern und nicht ins Weltbild dieser Leute paßt: Dann wird ins pralle 40jährige Erfahrungsleben der FDGO gegriffen und diese Zurückgebliebenen belehrt. Einfach nur primitiv!

24.03.2016 15:42 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 90

Dann hier auch nochmal einen Gruß an meine hauptschulabschlußverweigernden Fans! @ Kurt Hugo: ich halte mein ganzes Leben schon Religionen für den größten Mist, der in der heutigen Zeit noch existiert. Ich habe in meinem Bekanntenkreis zumeist Leute, die Religion ähnlich wenig Berechtigung zuerkennen, obwohl so gut wie alle Religionen mit meinem Bekanntenkreis abgedeckt sind. Nur: Religion ist nun mal Privatsache!! Es interessiert keinen, an wen Du abends Dein Gebet richtest. Hauptsache, Du erkennst die hier geltenden Regeln an! Wenn Du mir sagst, Du seist verheiratet, frag ich ja nicht, welche Stellungen Ihr zwei bevorzugt!! ALLE Muslime, die ich kenne, wollen keine Bomben schmeißen, sondern vor ihnen geschützt sein. NICHT EIN Moslem in meinen Kreisen will einen anderen Menschen töten!! NICHT EINER! Also ist es definitiv falsch zu sagen, alle Moslems sind Terroristen! Es sind ja auch nicht alle Deutschen Nazis. Aber so weit können deutsche Nazis halt nicht differenzieren!

24.03.2016 15:31 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 89

@ fischotter: Na, das mit den zwischen den Zeilen lesen scheint bei vielen nicht zu klappen - dann mach ich da keine große Ausnahme... Bei der Klientel hier gewöhnt man sich das ab... oder nutzt es nur mit Leuten, mit denen das vorher schon mal geklappt hat. Wenn Du mit Nazis im Nacken vernünftig Ostern feiern kannst, will ich Dir das ruhig gönnen! Wir haben uns hier auch nazifreie Refugien geschaffen - da wird Ostern auch lustig! Und: keine Sorge: bevor mein Handeln zum Zwang wird, höre ich auf! Versprochen! ;)

24.03.2016 13:33 Klaus 88

{ Kurt Hugo 85 } Ich arbeite schon seit vielen Jahren sehr eng mit Moslems zusammen und ich war auch schon in der Türkei, Ägypten und Marokko. Von daher kann ich den Blödsinn unserer besorgten Bürger überhaupt nicht nachvollziehen. Kritisch sehe ich allerdings die terroristischen Übergriffe der westlichen und russischen Militärs, die ihre Grüße an den Orient immer mit Bomben bestücken. Vielleicht könnten Sie mir mal erklären, wer die ganzen Waffen baut und in den Orient liefert und warum man dann auch noch selbst Bomben abwirft? Hätten Sie da eine vernünftige Antwort parat? Soweit ich weiß, werden die Waffenindustrien nicht von Moslems organisiert. Oder haben Sie da andere Erkenntnisse? Ich warte auf Ihre Antwort.

24.03.2016 13:02 fischotter 87

Krause, bleib’n se doch mal locker, menschenskind. Mein Hinweis“ …wollen uns alles was über den Atlantik schwappt als ganz, ganz toll verkaufen, so wie den arabischen Frühling.“ bezieht sich u.a. auf TTIP, CETA u.s.w. im Zusammenhang mit den Lakaien in Brüssel. Auch mal zwischen den Zeilen lesen Krause, oder haben Sie diese Gabe nicht? Der Otter wird Ostern in einer wunderschönen wald- und wasserreichen Gegend verbringen und möchte sich von Ihnen persönlich verabschieden. Sie Krause, werden hier sicher Wache schieben müssen um allerlei Nazis zu entlarven. Das scheint Ihre Berufung zu sein. In diesem Sinne, frohe Ostern Krause und geh’n se auch mal vor die Tür, das Wetter soll schön werden.

24.03.2016 12:44 buergerx 86

@ Krause, "ich bin irgendjemand": fällt Ihnen zu meinem Kommentar 66 nichts ein? Schon möglich, denn nun reicht kein intellektuell klingendes Geschreibe um aus 1 und 1 wieder 3 anstatt 2 zu machen. Ihre Taktik, mit vielen gut klingenden Worten hier immer alles irgendwie pro Islam, Asyl etc. in Ihrem Sinne gerade zu biegen, klappt halt nicht immer.

24.03.2016 11:51 Kurt Hugo 85

@Krause und Klaus: Als einer, der insgesamt ca. 5 Jahre in Ländern der islamischen Welt gearbeitet hat, habe ich zu den hier von Ihnen permanent verbreiteten belehrenden Blödsinn zwei ganz konkrete Fragen, die zwei ganz konkrete Antworten, ohne Gesülze, ermöglichen: 1. Woher haben Sie Ihre Kenntnisse über den Islam? 2. Wie lange konnten Sie persönliche Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln?

24.03.2016 11:11 Randbemerkung 84

Teil 2: Ibrahim ist im vergangenen Sommer in der südlichen Türkei festgesetzt worden. Erdogan erklärte dazu gestern: "Im Juni 2015 (!) haben wir einen der Brüsseler Attentäter in Gaziantep aufgegriffen und ausgeliefert. Am 15. Juli haben wir die belgische Botschaft mit einer diplomatischen Note informiert. Die belgischen Behörden haben ihn jedoch freigelassen, trotz unserer Warnung, dass es sich um einen ausländischen Kämpfer (!) handelt."… (Quelle: Deutschlandradio Kultur 24.03.16) Aus diesem Grund nehme ich schon an, dass Ibrahim B. sehr wohl wusste was er tat und sich vermutlich nicht einfach nur kurzschlussartig zu diesem Selbstmordattentat, mit der fadenscheinigen Begründung …“Er werde gesucht und wolle nicht in einer Zelle landen….“, entschloss.

24.03.2016 11:11 Randbemerkung 83

Teil 1:@ 81 Krause..."Im Leben dieser gebürtigen Belgier mit Migrationshintergrund gab es wohl leider zu viel Ablehnung und 'Delikte' - wenn wohl auch mehr passive als aktive. Aber man wird auch selten wegen Passivität gesucht...." Die beiden Attentäter waren bekannte Straftäter. Khalid El Bakraoui wurde 2011 wegen mehrfachen Autodiebstahls zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt, dabei hatte er mit seinen Komplizen über Kalaschnikow-Sturmgewehre (!) genutzt. Ibrahim El Bakraoui hat 2010 nach Raubüberfällen in Brüssel und in Laeken mit einer AK-47 Kalaschnikow (!) auf Polizisten geschossen und wurde im Oktober 2010 dafür zu einer Haftstrafe verurteilt. (Quelle "welt" 23.3.16) Derartige Straftaten gelten bei Ihnen also als "passive Delikte"?