Präsidentschaftswahlkampf Scharfe erste TV-Debatte in Frankreich

Erstmals gab es im französischen Präsidentschaftswahlkampf eine TV-Debatte. Die aussichtsreichsten Kandidaten, Le Pen und Macron, lieferten sich ein scharfes Wortduell. Le Pen wärmte dabei den Burkini-Streit wieder auf.

Die Themen Immigration, innere Sicherheit und religiöse Symbole im öffentlichen Raum haben die erste TV-Debatte zur Präsidentschaftswahl in Frankreich bestimmt. Vor allem die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der unabhängige Bewerber Emmanuel Macron lieferten sich einen scharfen Schlagabtausch. Neben diesen beiden aussichtsreichsten Kandidaten nahmen der Konservative François Fillon, der Sozialist Benoît Hamon und Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon an dem erstmals in einem französischen Präsidentschaftswahlkampf stattfindenden TV-Duell teil. Die Begrenzung auf fünf Debatten-Teilnehmer hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt, weil insgesamt elf Kandidaten zur Wahl stehen.

Burkini-Streit: Macron wirft Le Pen Spaltung Frankreichs vor

Le Pen wärmte den Streit um Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen auf, der im vergangenen Sommer zu heftigen Diskussionen in Frankreich geführt hatte. Der Burkini sei ein Zeichen für "die Zunahme des radikalen Islams in unserem Land", sagte Le Pen. Macron warf ihr daraufhin Provokation vor. "Sie tappen in die Falle, die Franzosen zu spalten", so der 39-Jährige.

Macron und Le Pen gerieten auch aneinander, als die Rechtspopulistin den anderen Kandidaten vorwarf, "nicht das Interesse der Franzosen", sondern großer Konzerne zu vertreten. "Ich werde Sie keine Verleumdung verbreiten lassen", hielt der frühere Wirtschaftsminister Macron ihr entgegen.

Fillon will Einwanderung nach Quoten

Beim Thema Einwanderung lagen die Positionen der fünf Kandidaten weit auseinander. Während Le Pen ankündigte, die Immigration stoppen zu wollen, hielt der sozialistische Bewerber Benoît Hamon entgegen, dass der Anteil der Ausländer in Frankreich seit den 1930er-Jahren stabil sei. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hielt eine Begrenzung für nicht umsetzbar. Fillon forderte ein Quoten-System bei der Einwanderung, das aber nicht für Asylbewerber gelten solle. Fillon, der lange als Favorit gehandelt wurde, ist wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau und zwei seiner Kinder in Umfragen abgestürzt.

Streit um neue Gefängnisplätze

Le Pen versuchte auch, mit weitreichenden Forderungen zur Sicherheitspolitik zu punkten. Im Kampf gegen die Kriminalität wolle sie in den kommenden fünf Jahren 40.000 neue Gefängnisplätze schaffen. Der Konservative Fillon verwies dagegen auf Frankreichs angespannte Haushaltslage und warnte vor Versprechungen, die entweder nicht gehalten werden könnten oder das Land in den Bankrott führten. 16.000 neue Gefängnisplätze seien ausreichend.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.03.2017 | 05:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 02:12 Uhr

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6 Kommentare

22.03.2017 19:36 ralf meier 6

21.03.2017 17:10 Peter: hallo Peter, wie Sie im Beitrag Nr. 5 feststellen konnten, wurde ein erster Beitrag von mir an Sie im Sprachgebrauch der Moderation 'Nicht freigeschaltet'. Ich versichere Ihnen, daß ich Sie in keiner Weise angepöbelt habe und die mir eigene Polemik nicht die Ihre überschritt (Stichwort 'Rechtsausßen, Schaum vor dem Mund) . Das eine von mir durchaus geschätzte Diskussion mit Ihnen schon wieder durch eine 'Nicht Freischaltung' von der Moderation beendet wurde bedauere ich nicht nur, ich finde es sogar noch bedenklicher als das Tragen eines Ganzkörperschwimmanzüges. @MODERATION: Ich sehe (auch) für diesen Kommentar keinen Anlass für eine begründete 'Nicht Freischaltung ' undlege umgekehrt sehr viel Wert darauf, daß diese Rückmeldung den Kommentator Peter erreicht.

22.03.2017 12:48 ralf meier 5

@21.03.2017 17:10 Peter: hallo Peter, einen kleinen Nachschlag zu meinem ersten noch nicht veröffentlichten Kommentar an Sie: Sie meinen zum Thema Ganzkörperschwimmanzüge : ' Mit Themen Schaum schlagen, die eigentlich keinen interessieren.
Wie Sie den Artikel entnehmen können, sehen das die Franzosen anders.

21.03.2017 19:08 karstde 4

@ Peter 2: Für mich hat die Le-Pen vollkommen recht. Frankreich hat seit Jahrhunderten seine Kolonien aufs schärfste ausgebeutet. Jetzt ist die Retourkutsche da. Davon hört man aber nichts, nur den Kuschelkurs und Le-Pen ist schlecht. Das ist wohl kein Populismus? Wie hat Montesquiue in seinem Werk "Der Geist der Gesetze" von 1748 geschrieben, "Gegen Ausländer ist nichts einzuwenden, man muss nur aufpassen das deren nicht zu viele werden".

21.03.2017 18:39 PeterPlys 3

Ich habe es mir jetzt mal komplett "gegönnt"....
Frau Le Pen, das war ja mal gar nichts. So viel Argumentationslosigkeit hätte ich Le Pen nicht zugetraut. In jeder Sache widerlegt. Da bin ich mal gespannt, wie ihre Anhänger reagieren.
Und dann noch ihre Argumente GEGEN die AfD - interessant...

21.03.2017 17:10 Peter 2

@1 ralf meier: Na ja, eben der typische Populismus der Rechtsaußen. Mit Themen Schaum schlagen, die eigentlich keinen interessieren.

21.03.2017 13:37 ralf meier 1

Warum ein Streit über Ganzkörperschwimmanzüge die Franzosen spalten soll, erschliest sich mir nicht. Ich möchte wetten, kein Franzose ist dafür.