Die Fahnen der Mitgliedsländer stehen 2015 unter dem Schriftzug der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Derzeit sind 195 Mitgliedstaaten in der UNESCO vertreten. Bildrechte: dpa

Zum 31. Dezember 2018 USA und Israel verlassen die UNESCO

Die Aufnahme Palästinas in die UNESCO war den USA seit jeher ein Dorn im Auge. Nun macht die Regierung von US-Präsident Donald Trump Ernst: Sie steigt aus der Kulturorganisation aus. Israel folgte kurz darauf.

Die Fahnen der Mitgliedsländer stehen 2015 unter dem Schriftzug der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Derzeit sind 195 Mitgliedstaaten in der UNESCO vertreten. Bildrechte: dpa

Die USA und Israel ziehen sich aus der UN-Kulturorganisation UNESCO zurück. Den Schritt kündigte zuerst das US-Außenministerium in Washington an. Sprecherin Heather Nauert betonte, der Schritt sei der Regierung nicht leicht gefallen. Man störe sich aber an der israelfeindlichen Haltung der UNESCO und an Zahlungsrückständen innerhalb der Organisation. Als Austrittsdatum nannte Nauert den 31. Dezember 2018.

Israel spricht von absurdem Theater bei der UNESCO

Die israelische Regierung zog wenig später nach. In einer Erklärung seines Büros heißt es, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe das Außenministerium angewiesen, den Austritt Israels aus der UNESCO an der Seite der USA vorzubereiten.

Der Regierungschef begrüßte demnach die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump. Dies sei eine mutige und moralische Entscheidung, weil die UNESCO ein absurdes Theater geworden sei und weil sie, anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerre.

Generaldirektorin: Verlust für die Vereinten Nationen

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa bedauerte die Entscheidung. Der Austritt sei ein Verlust für "die Familie der Vereinten Nationen" und für den Multilateralismus. US-Außenminister Rex Tillerson habe ihr die Entscheidung mitgeteilt.

USA stoppten Zahlungen bereits 2011

Die Arbeit der UNESCO war in den vergangenen Jahren immer wieder von Streitigkeiten mit Blick auf den Nahost-Konflikt überschattet. Nach der Aufnahme Palästinas in die Organisation hatten die USA 2011 ihre Zahlungen an die UNESCO gestoppt - als eigentlich größter Beitragszahler. Im Sommer sorgte die Entscheidung, die Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu erklären, für Empörung in Israel.

Zweiter Austritt aus der Organisation

Es ist nicht das erste Mal, dass die USA aus der Organisation austreten. Bereits 1984 zogen sie sich aus der UNESCO zurück. Als Gründe gaben sie damals die anti-westliche Politisierung und ein ineffizientes Management an. 2003 kehrten die USA schließlich in die Organisation zurück.

Die UNESCO UNESCO steht für "United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization" – Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Ihren Sitz hat die Unesco in Paris. Derzeit gehören ihr 195 Mitgliedstaaten an.

Die UNESCO ist vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt, aber auch in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung. Ihr Auftrag ist es, das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen zu fördern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.10.2017 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 20:00 Uhr

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17 Kommentare

13.10.2017 17:24 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 17

@ 16. ralf meier:
Zitat "Ich wiederhole noch mal für Dich:"

Einfach mal 'aufwachen', dann hörst Du auch auf zu träumen.

Ick hab' ooch keenen Bock mehr, mit Dir zu diskutieren...

13.10.2017 17:03 ralf meier 16

@Krause Nr 15: Ich wiederhole noch mal für Dich: 'das Abstimmungsergebnis sei ein "Erfolg in der diplomatischen Schlacht", die von den Palästinensern "an allen Fronten" geschlagen werde, um dem "israelischen und amerikanischen Druck" zu widerstehen'. Dabei belasse ich es. Es gibt kein Recht auf Antisemitismus und ich habe kein Bedürfnis, über diesen Punkt zu diskutieren.

13.10.2017 15:48 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 15

@ 14. ralf meier:
Einfach mal 'aufwachen', dann hörst Du auch auf zu träumen.
Schau Dir doch einfach mal die Einwohnerzahlen von Hebron an, schau Dir an, 'wo' Hebron liegt, dazu kann man die Geschichte Hebrons auch nachlesen...
Hebron Zone H1: ca. 140.000 Palestinenser, keine Juden;
Hebron Zone H2: ca. 30.000 Palestinenser, ca. 800 Juden;
Hebron Koordinaten: 31° 32′ N, 35° 6′ O;
Die Grabeshöhle für Abraham, Isaak und Jakob und ihre Frauen sind aber auch im Islam heilig, und selbst die Christen verehren sie.
Weil nun in einer palestinensischen Stadt von ca. 170.000 Einwohnern 800(!) jüdisch sind, die dort seit 1968 wieder siedeln, kann die Altstadt nicht mehr 'palestinische Altstadt' heißen??
Das wäre das gleiche, als wenn man Dresden nicht mehr 'sächsische Stadt' nennen dürfte, wenn dort auch 2.000 Syrer eine Zuflucht gefunden hätten...
Schwachsinn eben! Oder wir nennen Sachsen einfach 'italienische Stadt', weil dort vor 2000 Jahren mal ein paar Römer genächtigt haben...

13.10.2017 13:14 ralf meier 14

@Krause Nr 9: Eigentlich habe ich das schon klar und unmissverständlich gesagt. Es geht um die unzulässige Bezeichnung Hebroms als palästinensisch. Um es auch Dir näher zu bringen. Das ist so , als ob ich als Sohn eines Vertriebenen von den polnisch besetzten deutschen Ostgebieten reden würde.
Außerdem gibt es in Hebron wie in Jerusalem eine jahrtausende alte jüdische Kultur. So liegen In Hebron die jüdischen Patriarchengräber, in denen nach biblischer Überlieferung unter anderem die Stammväter Abraham und Isaak begraben sind.
Ps: Es erstaunt mich immer wieder, auf wie viel Toleranz solche antisemitischen Ausfälle in eher linken und sich selbst als politisch korrekt bezeichnenden Kreisen stoßen. Man denke z.B nur an die von linken Organisationen ausgerufene Israel Boykott Kampagne.

13.10.2017 12:47 ralf meier 13

@Fragender Depp Nr 12: Nomen est omen ... wie kommen Sie darauf, daß hier die falschen applaudierten? Es applaudierten genau diejenigen, die die UNESCO ansprach und hofierte , als Sie bewußt von einem palästinensischen Hebrom sprach.
Ihre Frage macht also keinen Sinn, es sei den im Sinne eines 'and what about...' , der davon ablenken soll, daß der Antisemitismus offensichtlich auch in der UNESCO um sich greift.
Zumindest sehen das die USA und Israel so und ich meine sie haben Recht.

13.10.2017 11:50 Fragender Depp @ 11 12

Dann raten Sie der UNESCO, künftig keine Stätte mehr zum Weltkulturerbe zu erklären, wenn Gefahr besteht, dass ggf. die "Falschen" applaudieren?

13.10.2017 09:55 ralf meier 11

Hier noch ein keiner Nachschlag zu meiner etwas verharmlosenden Formulierung 'ans Bein pinkeln' im Kommentar Nr 8. In der Zeit vom 17.07.2017 kann man im Artikel 'Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe ernannt' lesen:

'Die palästinensische Seite hingegen feierte die Entscheidung als einen Sieg ihrer Diplomatie. Das Abstimmungsergebnis sei ein "Erfolg in der diplomatischen Schlacht", die von den Palästinensern "an allen Fronten" geschlagen werde, um dem "israelischen und amerikanischen Druck" zu widerstehen'. Es verwundert wohl nicht, daß die USA und Israel diese gegen sie 'diplomatische Schlacht an allen Fronten' nicht weiter finanziell unterstützen möchte. Es verwundert allerdings sehr, daß unsere Regierung in ihrer oft behaupteten Solidarität zu Israel nicht ebenfalls aus der Unesco austritt.

12.10.2017 23:46 pudd'nhead 10

es war einmal ... und was wird aus mir? fragte einst entsetzt eine abgewählte nord-deutsche ministerpräsidentin und landete wenig später auf einem eigens für sie geschaffenen posten bei der unesco. (: :) gute nacht und schlaft recht gut.

12.10.2017 22:28 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 9

@ 8. meier:

Natürlich kann man auch eine 'Altstadt' aus Beton aus dem Jahre 1950-1960 einer gewissen Kultur zuschreiben. Diese schaffen es bisher äußerst selten zum Status eines 'Kulturerbes'.

Warum sollte man davon empört sein, daß die 'palästinensische Altstadt Hebrons' als kulturelles Erbe gewürdigt wurde? Das hätte ich gern mal verständlich erklärt.

12.10.2017 21:35 ralf meier 8

Da lese ich: 'weil die UNESCO ein absurdes Theater geworden sei und weil sie, anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerre. ' Das kommt davon, wenn political correctness sich anmaßt, auf allen gesellschaftlichen Ebenen ihre Agitprop zu verbreiten. Da wird nicht die Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe ernannt. Nein, es muß die palästinensische Altstadt sein. Ich habe allen Respekt vor der Entscheidung der USA und Israels. Man muß diejenigen, die einem bemüht 'ans Bein pinkeln' nicht auch noch alimentieren.

Unesco-Welterbe in Mitteldeutschland