Panzer der syrischen Armee in Sheikh Meskin, Syrien
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Waffenruhe Kaum Verstöße gegen Feuerpause in Syrien

In Syrien ist eine Waffenruhe in Kraft getreten. Darauf hatten sich die USA und Russland Anfang der Woche geeinigt. Das Assad-Regime, das wichtigste Oppositionsbündnis und rund 100 Milizen stimmten ebenfalls zu. Ausgenommen sind die Terrormiliz Islamischer Staat und die Al-Nusra-Front , ein Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Ersten Meldungen zufolge wird die Waffenruhe weitgehend eingehalten.

Panzer der syrischen Armee in Sheikh Meskin, Syrien
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Nach Beginn einer Waffenruhe in Syrien hat es kaum Verstöße gegen eine Waffenruhe gegeben. Der Leiter der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman, sagte, "nach Mitternacht (Ortszeit) haben wir keine Beschießung oder Kämpfe in Hama, Homs, Latakia und einigen Gebieten um Aleppo sowie in Daraa registriert". Es seien auch keine russischen Kampfflugzeuge mehr aktiv gewesen. Im Nordwesten seien die Kämpfe zwischen Regimeanhängern und islamistischen Rebellen auch nach Inkrafttreten der Waffenruhe weitergegangen. Reporter der Nachrichtenagenturen AFP und AP berichteten, dass die Waffenruhe in der Hauptstadt Damaskus und in Aleppo eingehalten wird. Aus der Provinz Homs meldete ein Aktivist dagegen, dass die Feuerpause keine 15 Minuten gehalten habe.

Fassbomben Fassbomben sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) große, mit Sprengstoff und Metallstücken gefüllte Ölfässer, Metallzylinder oder Wassertanks. Sie werden aus Hubschraubern abgeworfen. HRW kritisiert vor allem, dass sie sehr ungenau und damit wahllos die Zivilbevölkerung treffen können. Der UN-Sicherheitsrat hat ihren Einsatz in Syrien 2014 geächtet. In der Resolution 2139 fordert die UNO nicht nur den ungehinderten Zugang humanitärer Hilfsorganisationen in die Krisengebiete, sondern verlangt auch, wahllose Angriffe auf Zivilpersonen und Einsatz durch einschließlich Einsatz von Fassbomben zu beenden. Human Rights Watch, UN-Resolution 2139

Einigung zwischen Russland und den USA


Vor Beginn der Waffenruhe sollen Russland und die syrische Armee noch einmal verstärkt Luftangriffe geflogen haben. Es wird von Dutzenden Angriffen in mehreren syrischen Provinzen berichtet. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte waren die meisten Angriffe gegen Aleppo und Homs gerichtet. Das syrische Militär setzte diesen Beobachtern zufolge erneut die international geächteten Fassbomben ein.

Neue Chance für Friedensverhandlungen

Vorraniges Ziel der Waffenruhe ist es, syrische Opposition und Regierung an den Verhandlungstisch zu bringen und die Zivilisten in den Kampfgebieten humanitär zu versorgen. Die Kriegsparteien hatten sich unter Vermittlung der USA und Russlands Mitte Februar auf eine Waffenruhe verständigt und diese Anfang dieser Woche vereinbart. Die Regierung, das in der saudischen Hauptstadt Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner und rund 100 Milizen stimmten zu. Damit schweigen die Waffen im zweiten Anlauf: Erst vergangene Woche war ein Termin erfolglos verstrichen.

Kurz vor dem offiziellen Inkrafttreten hatten die Vereinten Nationen unter Bedingungen eine Fortsetzung der Friedensverhandlungen für das Bürgerkriegsland am 7. März angekündigt. Werde die Feuerpause eingehalten und würden weitere Hilfslieferungen ermöglicht, könnten die Anfang Februar in Genf ausgesetzten Friedensverhandlungen wieder aufgenommen werden.

Weitere Kämpfe erwartet - gegen islamistische Milizen

Kämpfer der Syrischen Armee in Al-Hadher südlich von Aleppo.
Die syrischen Armee in Al-Hadher südlich von Aleppo. Bildrechte: dpa

Die jetzt vereinbarte Waffenruhe gilt nicht für ganz Syrien. Beobachter vom Moskauer Internetportal Conflict Intelligence Team erwarten unter anderem, dass sie nur in sechs eng begrenzten Regionen eingehalten wird. Rund um die Stadt Aleppo sei nicht mit dem Ende der russischen Luftangriffe zu rechnen, weil dort die Al-Nusra-Front kämpfe. Sie, die mit ihr verbündeten islamistischen Milizen sowie die Truppen der Terrormiliz Islamischer Staat sind von der Waffenruhe ausgenommen. Tatsächlich kündigte der russische Generalstab an, die Angriffe für einen Tag zu stoppen. Einem Sprecher zufolge will Russland damit die Waffenruhe unterstützen und irrtümliche Angriffe vermeiden.

Seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 starben unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 260.000 Menschen und 370.000 Menschen. Millionen Syrer sind auf der Flucht.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2016, 21:43 Uhr

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2 Kommentare

27.02.2016 18:59 artep 2

Und nun, liebe Syrer, ab nach hause. Baut eure Städte wieder auf oder wer, meint ihr, soll das machen. Der ami hilft bestimmt gern, der hat immer solche Marshall pläne. Wir bauen auf und reißen nieder,dann ham mer Arbeit immer wieder.

27.02.2016 12:26 Henriette 1

ich glaube nicht das die Waffenruhe hält und gleich gar nicht das es zu Friedensgesprächen in naher Zukunft kommt. Dafür gibt es zu viele unterschiedliche Gruppen die miteinander und dann wieder gegeneinander kämpfen. Trotz alledem wünsche ich das natürlich allen und hoffe das ich mich irre.