Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby wird am 29.08.2012 in Sanaa, Jemen, in dem Ernährungszentrum eines Krankenhauses getragen.
Dieses unterernährte, drei Monate alte Baby wird im Ernährungszentrum eines Krankenhauses in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa versorgt. Bildrechte: dpa

Welthungerhilfe Die Ärmsten bekommen zu wenig

Die deutsche Entwicklungshilfe fließt vor allem in Schwellenländer. Das kritisiert die Welthungerhilfe. Darunter würden die ärmsten Länder leiden, meint die Hilfsorganisation. Also genau dort, wo viele Menschen hungerten. Über die Situation in den einzelnen Ländern gibt der Welthungerindex Auskunft - aber über einige Staaten wissen die Hilfsorganisationen nicht genug.

Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby wird am 29.08.2012 in Sanaa, Jemen, in dem Ernährungszentrum eines Krankenhauses getragen.
Dieses unterernährte, drei Monate alte Baby wird im Ernährungszentrum eines Krankenhauses in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa versorgt. Bildrechte: dpa

Deutschland rechnet sich sein Engagement Entwicklungshilfe schön - diesen Vorwurf hat die Welthungerhilfe am Freitag zusammen mit Terre des Hommes erhoben. In Berlin stellten die beiden Hilfsorganisationen ihren Bericht zur Entwicklungspolitik vor.

Demnach hat Deutschland sein Engagement im Kampf gegen Hunger und Armut in den vergangenen Jahren gesteigert. "Wir stellen jedoch fest, dass Entwicklungszusammenarbeit zunehmend in den Dienst innenpolitischer Interessen gestellt wird", erklärten die beiden Organisationen.

So habe Deutschland im vergangenen Jahr zwar erstmals 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben und sei damit auf Rang zwei der größten Geberstaaten gerückt. Allerdings, so die Welthungerhilfe und Terre des Hommes, würde ein Viertel des Geldes im Inland ausgegeben: für die Versorgung von Flüchtlingen.

Geld fließt vor allem in Schwellenländer

Tatsächlich kommt so der Welthungerhilfe zufolge weniger Geld bei den ärmsten Ländern der Welt an. Nur etwa ein Siebtel des Geldes, das Deutschland für Entwicklungshilfe ausgebe, gehe in die am wenigsten entwickelten Länder wie Äthiopien, Kambodscha und Haiti. Am meisten Geld fließt den Zahlen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit zufolge nach Indien, China und Südafrika - also in Schwellenländer.

Die Zahl der Menschen, die auf der Welt Hunger leiden, ist den Hilfsorganisationen zufolge erstmals seit 2002 wieder angestiegen. Demnach hungern weltweit 815 Millionen Menschen, alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Mangel- und Unterernährung. 

Hunger besonders in afrikanischen Ländern

Die Situation in den einzelnen Ländern bildet der Welthungerindex ab. Er wird von der Welthungerhilfe gemeinsam mit Concern Worldwide und dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik herausgegeben. Der Index misst in ausgewählten Ländern anhand von vier Indikatoren den Ernährungszustand der Bevölkerung. Darunter ist der Anteil der Unterernährten ebenso wie der Anteil der Kinder, die sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind.

Sieben der acht Länder, in denen die Situation laut Welthungerhilfe als "sehr ernst" oder "gravierend" einzustufen ist, liegen in Afrika: Tschad, Liberia, Madagaskar, Sierra Leone, Sudan, Sambia und Zentralafrikanische Republik. Die Situation im Jemen gilt als "sehr ernst". In vielen südasiatischen Ländern wie Pakistan, Indien, Bangladesch, Myanmar und Indonesien bezeichnet die Welthungerhilfe die Lage als "ernst". 

In 13 Ländern, darunter Syrien, Südsudan und Somalia konnte der Index 2017 nicht errechnet werden, weil die vorhandenen Daten nicht ausreichen. Die Länder, für die keine Daten vorliegen, sind nach Auskunft der Hilfsorganisation aber möglicherweise jene, in denen die Menschen am meisten leiden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 10.11.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2017, 11:14 Uhr