Ein Fahndungsfoto zeigt drei Männer mit Gepäckwagen.
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Wer ist wer? Die Terrorverdächtigen von Brüssel und Paris

Zu einigen der Attentäter von Paris und Brüssel gibt es Namen und Hintergrundinformationen. Sie zeigen die Verbindungen der mutmaßlichen Terroristen zueinander auf. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Personen:

Ein Fahndungsfoto zeigt drei Männer mit Gepäckwagen.
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Grafik Geflecht Attentäter Paris und Brüssel
Wie stehen die Attentäter von Paris und Brüssel im Zusammenhang? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Khalid El Bakraoui (Brüssel, Metro)

Khalid
Khalid El Bakraoui Bildrechte: IMAGO

Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft zufolge sprengte sich der 27-Jährige am 22. März 2016 in einem U-Bahn-Waggon in die Luft, als sich die Metro der Haltestelle Maelbeek im Europaviertel näherte. Er war in Belgien geboren und hatte die belgische Staatsbürgerschaft. Eigentlich hätte er nicht auf freiem Fuß sein dürfen: 2011 war er in Belgien wegen Autodiebstahls mit Gewaltanwendung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden – hatte sich der Haft aber entzogen. Unter einem anderen Namen soll er eine Wohnung in Brüssel als Versteck für weitere Mitglieder der Terror-Miliz Islamischer Staat angemietet haben, darunter war auch Salah Abdeslam - der Drahtzieher der Anschläge von Paris vom November 2015. Khalid El Bakraoui ist der Bruder des zweiten Attentäters, Ibrahim El Bakraoui, der sich auf dem Brüsseler Flughafen in die Luft sprengte.

Ibrahim El Bakraoui (Brüssel, Flughafen)

Der 29-jährige wird für den Tod von elf Menschen verantwortlich gemacht: Er sprengte sich nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft am 22. März 2016 in der Abfertigungshalle des internationalen Flughafens von Brüssel in die Luft.

Ibrahim El Bakraoui
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Auch der Bruder von Khalid El Bakraoui hatte eine kriminelle Vorgeschichte: Weil er bei einem versuchten Raubüberfall mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen hatte, war er 2010 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Im August 2015 kam es zur zwischenzeitlichen Haftentlassung, er tauchte umgehend unter. Nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wurde der gebürtige Belgier 2015 an der türkisch-syrischen Grenze festgenommen und danach in die Niederlande ausgewiesen. Erdogan erklärte, man habe Brüssel unterrichtet, dass es sich um einen Terroristen handle. Die Brüsseler Behörden dementierten das sie die Information erhalten hätten.

Najim Laachraoui (Brüssel, Flughafen)

Als weiteren Selbstmordattentäter des Flughafenanschlages in Brüssel haben die belgischen Behörden den 24-jährigen Najim Laachraoui ausfindig gemacht. Er soll laut belgischen Behörden auch am Bau von Bomben beteiligt gewesen sein, die bei den Anschlägen im November 2013 in Paris eingesetzt wurden. Sein Bruder erklärte, er habe seit Februar 2013 keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, nachdem er nach Syrien gereist war. Unter falschen Namen ist Laachraoui zusammen mit Salah Abdeslam im September 2015 auf dem Weg von Ungarn nach Österreich gesehen worden. Die Ermittler fanden seine DNA auch in Wohnungen der Attentäter von Paris.

Mohammed Abrini (Brüssel, Flughafen)

Der 31-jährige Belgier gilt als Freund der Abdeslam-Brüder. Er wurde am 8. April in Anderlecht festgenommen. Medienberichten zufolge könnte er der dritte Mann sein, der am Brüsseler Flughafen einen Selbstmord geplant hatte, dann aber seine Bombe zurück ließ und flüchtete. Abrini soll in Syrien gekämpft haben. Er war kurz vor den Pariser Anschlägen mit Salah Abdeslam in der französischen Hauptstadt gefilmt worden und wurde seit Ende November öffentlich gesucht.  

Osama Krayem (Brüssel)

Osama Krayem, auch unter dem Namen Naim al-Hamed bekannt, war - so vermutet es die belgische Staatsanwaltschaft - ebenfalls an den Anschlägen von Brüssel beteiligt. Er sei auf Überwachungskameras in einem Einkaufszentrum aufgenommen worden, wie er Reisetaschen gekauft habe, die bei den Brüsseler Anschlägen verwendet worden seien. Medienberichten zufolge könnte Krayem mit Khalid El Bakraoui in der Brüsseler Metro gesehen worden sein, kurz bevor sich dieser nahe der Station Maelbeek im EU-Viertel in die Luft sprengte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war Krayem einige Wochen vor den Paris-Anschlägen in einem von Salah Abdeslam gemieteten Auto unterwegs. Dieser habe Krayem Anfang Oktober 2015 in Ulm abgeholt und nach Belgien gebracht.

Youssef E. A. (Brüssel)

Najim Laachraoui
Najim Laachraoui Bildrechte: dpa

Youssef E. A. ist ein weiterer Verdächtigen der Anschläge in Brüssel. Er wurde am 18. Juni festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mord sowie die Teilnahme an Aktivitäten einer Terrorgruppe vor.

Salah Abdeslam (Paris)

Salah Abdeslam
Salah Abdeslam Bildrechte: IMAGO

Der 26-jährige Franzose war am 18. März 2016 als mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris in Brüssel festgenommen worden. Abdeslam war im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufgewachsen und nach den Pariser Anschlägen vom November 2015 der wohl meistgesuchte Terrorist Belgiens. Er hatte nach aktuellem Ermittlungsstand die Paris-Attentäter in einem Auto zum Stadion Stade de France chauffiert, sprengte sich aber nicht selbst in die Luft, sondern machte einen Rückzieher und entsorgte seinen Sprengstoffgürtel im Pariser Vorort Montrouge. Sein älterer Bruder war einer der Selbstmordattentäter von Paris. Bei dem Anschlag waren 130 Menschen getötet worden. Von Salah Abdeslam erhoffen sich die Behörden jetzt wichtige Informationen zum Terrornetzwerk, zu dem er gehörte, doch schweigt er bislang.

Mohammed Belkaid (möglicherweise Paris)

Der 35-jährige Algerier ist mehrmals zusammen mit Laachraoui und Abdeslam gesehen worden. Er wurde am 18. März 2016 von einem Scharfschützen in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest getötet. In dieser Wohnung, die unter einem Tarnnamen von Khalid El Bakraoui gemietet war, hatte sich auch Abdeslam aufgehalten. Angeblich war Belkaid an den Anschlägen von Paris beteiligt. Belkaid war Anfang September zusammen mit Abdeslam und Laachraoui bei einer Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich aufgefallen, war aber mit falscher Identität unterwegs – unter dem Namen Soufiane Kayal.

Ibrahim Abdeslam (Paris)

Ibrahim Abdeslam ist einer der Brüder von Salah Abdeslam. Auch er lebte im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Er sprengte sich am 13. November 2015 in Paris in einem Café in die Luft. Bei dem Anschlag wurde drei Menschen verletzt. Die Türkei hatte den 31-Jährigen nach Belgien ausgewiesen. Sie hatte befürchtet, dass er sich in Syrien einer Extremistenmiliz anschließt. Die belgischen Behörden verhörten ihn daraufhin, nahmen ihn aber nicht fest.

Abdelhamid Abaaoud (Paris)

Der 28-Jährige gehörte einer Islamistenzelle in Belgien an, die Dschihadisten nach Syrien schleuste. Er galt als eigentlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier starb wie seine Cousine bei einer Schießerei mit der französischen Polizei im Pariser Stadtteil Saint-Denis im November 2015. Es soll in Syrien gekämpft haben. Er gilt als Unterstützer des Angriffs auf das Jüdische Museum in Brüssel 2014 und eines gescheiterten Anschlags auf einen Zug von Frankreich nach Belgien 2015.

Mehdi Nemmouche

Der Franzose griff im Mai 2014 das jüdische Museum in Brüssel an und erschoss dabei vier Menschen. Seit seiner Gefangennahme sitzt er in der belgischen Hauptstadt im Gefängnis – Berichten zufolge im selben, in dem auch Salah Abdeslam festgehalten wird. 2013 soll er sich in Syrien aufgehalten haben. Unter anderem soll er als Angehöriger der IS Gefangene gefoltert haben.

Djamal Eddine Ouali (Paris und Brüssel)

Der 40-jährige Algerier wurde im Zusammenhang mit gefälschten Papieren mit europäischem Haftbefehl gesucht und am Samstag in Italien gefasst. Er soll Teil einer kriminellen Bande sein, die den Selbstmordattentätern gefälschte Dokumente herstellte und damit die Einreise in die Europäische Union ermöglichte. In einer Fälscherwerkstatt fanden Ermittler unter anderem Aufnahmen von drei Männern, die die Attentate in Paris am 13. November geplant hatten, sowie ein Foto des Brüsseler Attentäter Najim Laachraoui.

Reda Kriket

Die französische Polizei fasste am 24. März im Pariser Vorort Argenteuil den Terrorverdächtigen Reda Kriket. Der 34-jährige Franzose soll Verbindungen zum mutmaßlichen Kopf der Pariser Anschläge, Abaaoud, gehabt haben. In seiner Wohnung wurde Sprengstoff gefunden. Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Cazeneuve wurde durch die Festnahme ein "im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt".

Verdächtige in Rotterdam

Am Sonntag, den 27. März, nahmen niederländische Ermittler in Rotterdam einen 32-jährigen Franzosen fest. Der Mann steht im Verdacht, im Auftrag der Brüsseler IS-Zelle zusammen mit Kriket einen Anschlag in Frankreich vorbereitet zu haben. Außerdem wurden laut Staatsanwaltschaft in Rotterdam drei weitere Männer festgenommen, darunter zwei algerischstämmige mutmaßliche Islamisten.

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2016, 05:06 Uhr