Ein Junge im Rollstuhl auf einem Balkon.
Das deutsche Pflegesystem konzentriert sich auf die Altenpflege, junge Patienten sind "Stiefkinder". Bildrechte: KariDesign/Fotolia

Barmer-Pflegereport 2017 Zu wenig Pflegeplätze für junge Menschen

Die Art der Pflege hängt vom Alter der Betroffenen ab. Der Barmer-Pflegereport kritisiert, dass das System hierzulande vorwiegend auf ältere Menschen ausgerichtet ist. Jüngere Menschen seien die "Stiefkinder der Pflegeversicherung".

Ein Junge im Rollstuhl auf einem Balkon.
Das deutsche Pflegesystem konzentriert sich auf die Altenpflege, junge Patienten sind "Stiefkinder". Bildrechte: KariDesign/Fotolia

In Deutschland gibt es für junge Pflegebedürftige zu wenige Betreuungsplätze. Das geht aus dem Pflegereport der Barmer-Krankenkasse hervor. Insgesamt fehlen demnach 4.000 teilstationäre und rund 3.400 Kurzzeit-Pflegeplätze. Zudem gebe es bei der Pflege von Menschen unter 60 Jahren Qualitätsmängel. Barmer-Chef Christoph Straub nannte junge Pflegbedürftige "Stiefkinder der Pflegeversicherung". Ihre Situation müsse kurzfristig dringend besser werden.

Andere Krankheitsbilder und Bedürfnisse

Eine Pflegefachkraft hält die Hand eines dreijährigen Mädchens einer Intensivpflege-Wohngruppe für kranke Kinder.
Jüngere Menschen brauchen andere Pflege als ältere. Bildrechte: dpa

Dem Barmer-Report zufolge dreht sich die Pflege-Debatte um Erkrankungen wie Demenz und Schlaganfall. Es gebe in Deutschland aber auch 386.000 Pflegebedürftige unter 60 Jahren.

Sie litten unter anderen Beschwerden wie Lähmungen, Intelligenzminderungen, Epilepsie oder Entwicklungsstörungen. Das seien Symptome, die behandelt werden könnten.

Dafür gebe es im deutschen Pflegesystem aber zu wenige Angebote, weil es vor allem auf die Altenpflege ausgerichtet sei. Eine weitere Besonderheit sei, dass die jüngeren Pflegebedürftigen überwiegend männlich seien, während die Altenpflege mehrheitlich Frauen betreue.

Zu wenige Wohnungsangebote

Ein weiteres Problemfeld ist dem Bericht zufolge das selbstbestimmte Wohnen. Viele Pflegebedürftigen wollten ihren Alltag zwar mit Hilfe, aber doch selbst meistern. Dafür gebe es aber viel zu wenige Plätze. Laut Barmer bleibt der Wunsch nach Selbstbestimmung in jedem zweiten Fall unerfüllt. Krankenkassenchef Straub sieht Politik, Bauwirtschaft und Interessenverbände in der Pflicht. Sie müssten gemeinsam nach Lösungen suchen.

Pflegekosten steigen weiter

Die Pflege bleibt teuer und die Ausgaben nehmen weiter zu. Dem Bericht zufolge wurden im vergangenen Jahr 31 Milliarden Euro ausgegeben. Das sind zwei Milliarden Euro mehr als 2015. Damit haben sich die Pflegekosten seit 1995 versechsfacht.

Regional gibt es aber große Unterschiede. Am teuersten ist die Pflege in Nordrhein-Westfalen. Dort kostete die Betreuung 2.252 Euro im Monat. Am günstigsten ist es in Sachsen-Anhalt, wo im Monat im Schnitt 1.107 Euro aufgewendet werden müssen. In Sachsen sind die Kosten mit 1.131 Euro im Monat unwesentlich höher.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.11.2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 11:00 Uhr

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1 Kommentar

10.11.2017 15:23 Fragender Rentner 1

Diese armen Menschen haben wohl keine Lobby in oder bei der Politik?