Prekäre Arbeitsbedingungen Netzwerk will Uni-Mitarbeitern das Streiken beibringen

Von Leipzig soll eine kleine Revolution ausgehen - jedenfalls liest sich der Aufruf zum "Gründungstreffen für ein bundesweites Netzwerks von Hochschulinitiativen" so. Das findet an diesem Wochenende statt und die Initiatoren meinen: Über miese Arbeitsbedingungen an Hochschulen wurde genug gejammert.

von Jennifer Stange, MDR AKTUELL

In kaum einer Branche gibt es so viele prekär Beschäftigte, wie an deutschen Hochschulen. Davon ist Mathias Kuhnt überzeugt. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden und sagt: "Mitarbeiter mit Lehraufträgen beispielsweise, arbeiten für drei, vier Euro die Stunde." 

Diese Mitarbeiter geben Seminare an Hochschulen. Ein Seminar bedeutet für etwa drei Monate lang zwei Stunden Unterricht pro Woche plus Vorbereitung. Dazu kommen Besprechungen mit Studierenden, die Korrektur von Hausarbeiten oder Klausuren in der vorlesungsfreien Zeit.

Und für das alles, so Kuhnt, gibt es an sächsischen Hochschulen derzeit gerade einmal 630 Euro Honorar. "Das ist sicherlich ein dickes Brett, das wir angehen müssen, um da zu einer höheren Grundfinanzierung zu kommen, zu einer besseren Ausstattung", sagt Kuhnt.

Vernetzung statt Ellenbogen

Weil man mit Ehrgeiz und Ellbogen nicht weiterkomme, hat Kuhnt das "Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft" mitbegründet. Eine Initiative, die noch in den Kinderschuhen steckt und für bessere Arbeitsbedingungen an Hochschulen kämpfen will. Das Treffen an diesem Wochenende in Leipzig wird unterstützt von den Traditionsgewerkschaften. Verdi ist zum Beispiel dabei und deren Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW.

Bei der GEW ist Andreas Keller zuständig für Hochschulpolitik. "Unser Anspruch ist, dass wir als GEW diese Vernetzung über verschiedene Hochschulen, über verschiedene Bundesländer organisieren", sagt er. "Wir hoffen, dass uns diese Veranstaltung in Leipzig auch hilft, ein Stück weiter zu kommen." 

Gewerkschaften an Unis oft wirkungslos

Das bedeutet für die Gewerkschaft: Mitglieder sammeln. Denn obwohl sie an Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst bundesweit beteiligt sind, sind Gewerkschaften nur etwa an jeder vierten Hochschule in Deutschland präsent. Obendrein erreichen sie hier hauptsächlich das klassische Mustermitglied: die Angestellten.

Dabei sind so genannte atypische Beschäftigungen an Unis längst Alltag. Freiberufliche Wissenschaftler, die für Honorar oder auf Werkvertragsbasis arbeiten. Oft für ein nicht existenzsicherndes Einkommen. Die wenigsten sind gewerkschaftlich organisiert, ein Problem, sagt Keller: "Ein Organisationsgrad, der im einstelligen Bereich liegt, der reicht nicht aus um beispielsweise einen Arbeitskampf durchzuführen."

Neue Hochschulgewerkschaft beim Treffen dabei

Das will auch die Hochschulgewerkschaft Unterbau ändern. Sie hat sich im November an der Universität Frankfurt gegründet, ist ebenfalls beim Vernetzungstreffen in Leipzig vertreten und verfolgt einen statusübergreifenden Ansatz.

Unterbau-Sprecherin Conny Pretz sagt: "Wir versuchen Solidarität nicht nur in der eigenen Gruppe zu erreichen. Stattdessen richten wir uns an alle: die Studierenden, die Promovierenden, die wissenschaftlichen Mitarbeiter. Aber eben auch die externen Dienstleister, die meistens outgesourced sind über Subunternehmen." Das seien vor allem Menschen, die als Sicherheitsleute, Putzkraft oder in der Mensa arbeiten.

Ein Ansatz, der sich in Leipzig wohl nicht durchsetzen wird. Hier soll es erstmal darum gehen, die Nachwuchsakademiker für ihre Interessen zusammen zu bringen. 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio | 21.01.2017 | 09:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2017, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

21.01.2017 13:24 hag 3

Aus den Kommentaren spricht mal wieder das blanke Unwissen, leider!

Vll. sollte der MDR das Thema deswegen ein wenig näher beleuchten! Es ist ja nicht unwichtig, für die Gesellschaft, über die Änderungen an den Hochschulen Dank Bologna und Sparkurs der letzten 20 Jahre (Sachsen) informiert zu werden.

21.01.2017 10:56 Hor Es Te 2

Wer finanziert diese neue "Initiative "Doch nicht auch noch die Allgemeinheit,der Steuerzahler?Und warum werden hier " Das seien vor allem Menschen, die als sicherheitsleute, Putzkraft oder in der Mensa arbeiten. " benutzt?Die unterleigen per Gesetz den Bedingungen des MIndeslohnes und auch der Tarif der reinigungskräfte liegt über dem Mindestlohn schon seit Jahren.Ja es geht um die Freiberufler oder Honorarkräfte, um nichts anderes.Und die sind unter anderem deshalb selbständig,freiberuflich weil sie es so wollen.Sie haben sich selbst dafür entschieden und bestimmen selbst wieviele Stunden an wievielen Einrichtungen sie was machen.Ja und Honorarkräfte?Na ich habe selbst mehr als 20 Jahre zusätzlich als Honorarkraft Unterricht gegeben.Und die Bedingungen mit dem jeweiligem Träger ausgehandelt.Also"nebenbei" , neben meiner hauptamtlichen bezahlten Tätigkeit.Und ICH nur ich habe entschieden ob ich zu den Bedingungen gearbeitet habe.Also warum Gewerkschaft für Freiberufler?

21.01.2017 10:16 Ludwig 1

Welcher Geist herrscht da an den Universitäten? Gebildet heißt eben nicht gleich schlau. Wie könnte sonst ein Mensch für nicht einmal die Hälfte des Mindestlohnes arbeiten - wenn das so stimmt. Oder bietet man vielleicht eher seine Leistungen für dieses miese Entgelt an? Übrigens - was soll dieses dämliche Unternehmensberater-Neusprech "outgesourced"? Seid stolz auf Eure Deutsche Muttersprache, pflegt sie!

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