Syrische Flüchtlinge
Die Dublin-Verordung der EU sieht vor, dass Familien im Asylverfahren zusammen gehören. Bildrechte: dpa

Asyl Deutschland bremst Familiennachzug aus Griechenland

Familien gehören zusammen – auch im Asylverfahren. Das zumindest sieht die sogenannte Dublin-Verordnung der EU vor. Wenn eine Familie während ihrer Flucht getrennt wird, müssen die betroffenen Staaten dafür sorgen, dass die Familienmitglieder innerhalb von sechs Monaten zusammenkommen können. Die Realität sieht jedoch anders aus. So sitzen in den Flüchtlingslagern in Griechenland bis zu 3.000 Menschen fest, die einen verbrieften Rechtsanspruch haben, nach Deutschland zu kommen.

von Gabriele Intemann, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Syrische Flüchtlinge
Die Dublin-Verordung der EU sieht vor, dass Familien im Asylverfahren zusammen gehören. Bildrechte: dpa

"Wir haben Fälle, wo Menschen gewartet haben und inzwischen gestorben sind", sagt Karl Kopp, der Europareferent der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Dabei ist bei 2.000 bis 3.000 Flüchtlingen mit engen Familienangehörigen in Deutschland eigentlich schon alles klar: Alle Anträge sind bereits gestellt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat schon zugestimmt, dass die Familienmitglieder nach Deutschland kommen können. Trotzdem sitzen die Menschen in den griechischen Lagern fest, kritisiert Kopp. "Da ist es ganz klar, dass die griechische Seite sagt, 'wir sind von den Deutschen aufgefordert worden, das zu drosseln oder gar zu quotieren'."

Innenministerium: Großer Koordinierungsaufwand

Kamen Anfang des Jahres über den Familiennachzug noch bis zu 500 Flüchtlinge pro Monat, sind es inzwischen nur noch rund 100. Eine feste Quote gibt es nicht, sagt Johannes Dimroth, Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Es ist mitnichten so, dass wir hier eine feste Obergrenze vorgegeben hätten oder jetzt exekutieren würden.

Johannes Dimroth | Sprecher des Bundesinnenministeriums

Das Ministerium begründet den Tritt auf die Bremse mit dem großen Koordinierungsaufwand. Man habe deshalb mit den griechischen Kollegen vereinbart, sich eng abzustimmen. Ziel sei es, "den besonderen Umständen jedes Antragstellers" und "den Familienangehörigen in Deutschland" Rechnung zu tragen, so wörtlich.

Pro Asyl: Abschreckung wegen des Wahlkampfes

Ein Schritt also im Interesse der Betroffenen? Mitnichten, sagt Karl Kopp von Pro Asyl. Die lange Wartezeit produziere nicht nur bei den in Griechenland Wartenden viel Leid: "Es blockiert Menschen auch hier, im Hinblick auf Ankunft in dieser Gesellschaft. Die Leute sind verzweifelt und haben Angst um ihre Lieben, die noch auf dem Weg sind."

Flüchtlinge kommen in einem Schlauchboot auf der griechischen Insel Lesbos an.
Nach dem Ankommen in Griechenland folgt für viele erst einmal eine lange Wartezeit. Bildrechte: dpa

Beim jetzigen Tempo würde es Jahre dauern, bis die Flüchtlinge ihr Recht verwirklichen können, sich mit der Familie zu vereinen. Das sei so gewollt, vermutet der Pro-Asyl-Vertreter. Um abzuschrecken – auch und gerade jetzt im Wahlkampf. "Es soll sich rumsprechen, dass es nicht mehr so einfach ist, wenn ich lebend nach Griechenland komme und gar Familie in Europa habe und einen Rechtsanspruch, dass das lange dauert. Manchmal bis zum Nimmerleinstag. Das soll schon eine Botschaft sein", meint Kopp.

In Deutschland und Griechenland drohen Klagen

Auch Ulla Jelpke, die innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, lässt das Argument nicht gelten, dass zu wenig Betreuungs- und Unterbringungsplätze für die Flüchtlinge bereitstehen:

Wenn es um die Zahl 400 oder 500 im Monat geht, ist das absolut zu bringen. Die Unterkünfte sind zur Zeit leer.

Ulla Jelpke | Innenpolitische Sprecherin der Linken

Auch aus humanitären Gründen hält Jelpke die gegenwärtige Praxis nicht für vertretbar. Sie spricht von einem Riesenskandal: "Ich finde das geht gar nicht, insbesondere was die Kinder angeht, die monatelang ohne Mutter oder Vater sind." Familienzusammenführung müsse ein Grundrecht bleiben, sagt die Linken-Politikerin.

Pro Asyl will jetzt den Klageweg bestreiten, um den Flüchtlingen zu ihrem Recht zu verhelfen. Bereits in den nächsten Wochen sollen die ersten Fälle vor deutschen Verwaltungsgerichten landen. Ähnliche Schritte sollen in Griechenland erfolgen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.07.2017 | 10:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2017, 14:29 Uhr

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81 Kommentare

26.07.2017 19:58 Diddy 81

Gegen was wollen die in Griechenland festsitzenden Flüchtlinge klagen? Die sollten doch als Verfolgte von Krieg und Terror froh sein in einem Land, wo Frieden herrscht, aufgenommen worden zu sein. Nein, es wurde ihnen ja von Mutti suggeriert das sie in Deutschland Wohnung, Geld und Nahrung bekommen. Deutschland, das Schlaraffenland, hier kann man gut leben ohne zu arbeiten. Deshalb wollen ja auch fast alle Flüchtlinge nach Deutschland. Ich könnte eine Wette abschließen, das einige der Flüchtlinge, mehrmals, unter verschiedenen Identitäten, in Deutschland gemeldet sind und ihre Unterstützungsgelder mehrfach beziehen. Das hat ja sogar schon ein deutscher Armeeangehöriger geschafft, zusätzlich zu seinen Sold.

26.07.2017 17:16 Diddy 80

@ Albert Krohn 71: Sie bringen Birnen und Äpfel durcheinander. Außerdem sitzen die Armen aus den Kriegsgebieten noch in ihren Ländern, denn die haben kein Geld für die Schleuser. Denen sollte man helfen. Die hierher kommen, kommen nicht aus unbedingt aus armen Familien, denn die konnten die Schleuser bezahlen. Wird man denn hier nur noch verarscht?

26.07.2017 15:21 Klarheit 79

@00:39 Albert Krohn 71 +..,
Sie weisen eine mangelnde Fähigkeit auf geschichtliche /wirtschaftliche Zusammenhänge in Einklang zu bringen.
Eventuell kommen Sie beim länger nachdenken auf die Unterschiede zwischen dt. Auswanderer zu allen Zeiten und den hier einströmenden "Asylanten" ........

26.07.2017 15:12 Rico 78

...oder wollen sie sich bestimmte aussuchen?

26.07.2017 15:06 Fragender Rentner 77

Wenn in Griechland ca. 3.000 Menschen festsitzen ist das auch schon eine Menge aber zu den 125.000 Menschen die noch im Ausland warten das sie nachkommen dürfen als Familiennachzug, ist die Zahl wohl eher gering.

26.07.2017 14:31 Winter 76

Genau MICHA-- Alle die vorhaben nicht wählen gehn zu wollen,geht um Himmels Willen zur Wahl.Gebt eure Stimme einer Partei,nur nicht CDU-CSU SPD-- GRÜNEN und wie sie alle heißen.Denn diese Parteien haben uns Jahrelang nur verarrscht und versuchen uns jetzt wieder mit Vesprechungen hinters Licht zu führen.Da muss mal ein Riegel vorgeschoben werden!!!

26.07.2017 13:42 Klarheit 75

@00:39 Albert Krohn 71 +..,
Sie weisen eine mangelnde Fähigkeit auf geschichtliche /wirtschaftliche Zusammenhänge in Einklang zu bringen.
Eventuell kommen Sie beim länger nachdenken auf die Unterschiede zwischen dt. Auswanderer zu allen Zeiten und den hier einströmenden "Asylanten" ........

26.07.2017 12:23 Rico 74

@Herrn Krohn Sie sind also dafür, dass Deutschland alle derzeit auf der Flucht befindlichen 65 Mio Menschen aufnimmt, weil wir davon angeblich sogar noch profitieren?

26.07.2017 02:29 Micha 73

An alle hier lasst euch nicht verarschen! Merkel original setze ich zitiere: "Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt. Und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann." Liebe Nichtwähler auch wenn ihr nicht wählen wollt geht und macht eure Stimme ungültig!

25.07.2017 00:45 Krohn Albert 72

Banken retten ist O.K.
Flüchtlinge retten ist ?
Was kostet mehr ?
Wie dumm muss Mensch sein, um die Rettung von Flüchtlingen und die Sicherheit für politisch Verfolgte abzulehnen.
Bisher hat Deutschland von Immigranten immer profitiert!