Tweet von Lutz Bachmann
Der umstrittene Tweet von Lutz Bachmann am Montag, 19. Dezember 2016, um 22:16 Uhr Bildrechte: Twitter

Nach Berlin-Attentat "Täter tunesischer Moslem" - Weißer Ring entsetzt über Bachmann-Tweet

Polarisieren, Feindbilder pflegen und desinformieren: 2016 stand auch im Zeichen von rechtem Populismus. Bis zuletzt war das so, als Pegida-Gründer Lutz Bachmann nach dem Berlin-Attentat unter Berufung auf eine Polizeiquelle behauptete: "Täter tunesischer Moslem." Laut Polizei war das zu diesem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht bekannt. Der Opferverband "Weißer Ring" wirft Bachmann deshalb ein perfides Spiel auf Kosten der Opfer vor.

Tweet von Lutz Bachmann
Der umstrittene Tweet von Lutz Bachmann am Montag, 19. Dezember 2016, um 22:16 Uhr Bildrechte: Twitter

Anderthalb Stunden nach der ersten Eil-Meldung zum Berlin-Attentat schreibt Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf Twitter: "Interne Info aus der Berliner Polizeiführung: Täter tunesischer Moslem. Dass der Generalbundesanwalt übernimmt, spricht für die Echtheit."

Als später durchsickert, dass die Polizei einen Pakistaner für tatverdächtig hält, schreibt Bachmann auf Twitter: "Täter wohl doch Pakistaner nicht Tunesier… Egal, TÄTER IST MOSLEM!". Dieser Tweet steht nicht lange im Netz, Bachmann löscht ihn wieder. Stattdessen schreibt er, als die Polizei begründete Hinweise auf die Nationalität des mutmaßlichen Täters Anis Amri findet: "Da stimmte meine Info von 1h nach dem Anschlag wohl doch? Polizei sucht nun doch Tunesier…"

Tweet von Lutz Bachmann
Bachmanns Tweet, nachdem der Tunesier als Tatverdächtiger durchgesickert war. Bildrechte: Twitter

Informant oder "Glaskugel"?

Tweet von Lutz Bachmann
Bachmanns Tweet, nachdem der Tatverdacht gegen den Tunesier am Dienstag weit verbreitet wurde. Bildrechte: Twitter

Doch woher konnte Bachmann das wissen? Eine Korrespondentin der New York Times will ihn am Mittwoch um ein Statement bitten – ebenfalls über Twitter. Ein weiterer Nutzer schaltet sich ein. Er bittet die Journalistin, bei der Berliner Polizei anzufragen, wie Bachmann zu solchen Informationen gelangen kann. Bachmann daraufhin in diesem Twitter-Disput auf Englisch: "Ziemlich einfach… Du brauchst nur die richtigen Verbindungen und einen Informanten, der die Nase voll hat von den Lügen!" Später räumt er auf weiteres Nachfragen schließlich ein: "Liebe Presse, ich gebe es ja zu, ich hatte natürlich nur meine Glaskugel und keinen Informanten!"

Am Tat-Abend keine Hinwesie auf Tunesier

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Am Mittwoch prahlte Bachmann gegenüber einer NYT-Journalistin mit einem Informanten. Bildrechte: Twitter

Tatsächlich hatte die Polizei nach eigenen Angaben am Montag noch keinen Hinweis auf eine tunesische Nationalität des Tatverdächtigen. Ein Polizeisprecher versichert auf Nachfragen von MDR AKTUELL: "In der Polizei Berlin gab es am Abend des 19.12.2016 keine Information über die tunesische Staatsangehörigkeit eines Verdächtigen." Erst im Laufe der Tatortarbeit im Führerhaus des Tat-Lkw sei am Diensttagnachmittag erstmals ein konkreter Hinweis im Hinblick auf die Staatsangehörigkeit eines Tatverdächtigen gefunden worden: "Es handelte sich dabei um eine Duldung, die zur Person des jetzt gesuchten Tunesiers Anis Amri führte."

Mackenroth: "Populistisches Windei"

Tweet von Lutz Bachmann
Am Donnerstag ruderte Bachmann dann zurück. Bildrechte: Twitter

Der Opfer-Verband "Weißer Ring" verurteilt deshalb Bachmanns Äußerungen auf Twitter. Der Vorsitzende des Weißen Rings Sachsen und frühere sächsische Justizminister Geert Mackenroth sagte bei MDR AKTUELL, dafür gebe es nur zwei Möglichkeiten. Entweder habe er tatsächlich Informationen gehabt und diese "ausgeplaudert und dadurch die Ermittlungen ganz massiv beeinträchtigt". Mehr spreche aber dafür, dass es sich um ein "populistisches Windei" handle, einen Bluff und damit um eine "widerliche Wichtigtuerei und eine Trittbrettfahrermentalität, die ganz abscheulich ist, auch aus Opfersicht gar nicht hinzunehmen ist." Sie füge sich nahtlos in die neue Strategie der Populisten ein, möglichst viel Staub aufzuwirbeln, mediale Wirkung zu erzielen, so Mackenroth. Opfer aber müssten sich im Rechtsstaat auf die saubere und ungestörte Arbeit der Ermittler verlassen können.

Mackenroth sagte, er könne sich vorstellen, dass die zuständigen Staatsanwaltschaften Bachmann jetzt als Zeugen vernehmen. Er habe kein Zeugnisverweigerungsrecht und müsse die Dinge, die er wisse, tatsächlich offenbaren. Ermittlungen wurden nach aktuellem Wissensstand der Staatsanwaltschaft Berlin bisher aber nicht gegen Bachmann aufgenommen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im Radio | 22.12.2016 | 07:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2016, 06:49 Uhr

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53 Kommentare

25.12.2016 17:31 Messi 53

Viel spannender ist doch die Frage "Wie konnte der Attentäter drei Tage unbehelligt in Deutschland untertauchen und dann unbemerkt nach Italien reisen? Wer gab ihm Unterschlupf, Essen Auto, Geld?" Stattdessen wird sich hier an Nebenschauplätzen abgearbeitet, nur um auf ideologischer Linie zu bleiben. Widerlich.

25.12.2016 14:12 Jürgen 52

"Täter tunesischer Moslem" - war er doch auch!

25.12.2016 11:53 Locke 51

Da muss man sich fragen, was diese Aufregung hier soll. Wer an diesen Abend die Nchichten genau verfolgt hat wuste es scho 0,45 min nach dem Anschlag das der Täter tunesischer Moslem was. Es wurde ausfürlich von ORFII und anderen Sendern darüber berichtet. Den Leuten ist aber auch alles recht, wenn man nur jemanden oder einer Partei schaden .kann, die eine andere Meinung hat.

24.12.2016 15:14 Steiner 50

Vermutlich wird Bachmanns Pegida-Kreuzritter-Brigade von Putin unterstützt. Ebenso wie die AfD, die ja diesen Chef der syrischen Bombem-Werfer besonders hofiert. Aus dem Kreml wehen die Gerüch(t)e, die Bachmann mit seiner braunen Schnauze erschnuppert.

24.12.2016 15:14 fischotter 49

Wie wär’s denn mit dieser Antwort Bernd: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" (Innenminister Thomas de Maizière zur Absage des Länderspiels in Hannover wegen Terroralarms) Und schlafen Sie ihn weiter, den Schlaf der Gerechten.

24.12.2016 14:17 D.o.M. 48

Na, da hätte Putin seinem IM Bachmann nicht so frühzeitig was stecken sollen über den Anschlag. Der kann ja seine Klappe nicht halten. Walter46- ziehen Sie sich mal die Reden des Bachmann rein, da verstehen Sie den Kommentator @40.

24.12.2016 14:08 Bingo 47

Man muß Ihn nicht unbedingt mögen -Hat Bachmann etwa ein Attentat begangen?????Falschmeldungen bewusst oder unbewusst erreichen uns doch täglich ,viel Lärm um nichts.Gedenken wir lieber denn Opfern von Berlin .Frohes Fest.

24.12.2016 13:48 Walter 46

@40. Wieso Lügenbaron, er hatte ja wohl Recht.

24.12.2016 13:18 Anonymous 45

44......nehmen sie die Option "Glaskugel". Ist besser für sie!! Die Wahrheit würde sie verunsichern!!

24.12.2016 12:26 Bernd 44

Es sollte im Interesse der Gesellschaft geklärt werde woher der Justizkenner sein Täterwissen hat, da die Polizei erst nach Ermittlungen die Nationalität des mutmaßlichen Mörders hatte. Bei der Vorgeschichte des Bachmann