Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Suhl (Thüringen). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat seit einem Jahr eine Außenstelle in Suhl, in der jede Woche rund 100 Menschen ihren Asylantrag stellen
Kann keine konkreten Zahlen zu Kinderehen in Deutschland sagen: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Bildrechte: dpa

Probleme mit Ausländerzentralregister Keine gesicherten Daten zu Kinderehen in Deutschland

Mit der Flüchtlingskrise hat die Zahl der Kinderehen in Deutschland zugenommen. Doch wie viele dieser Verbindungen gibt es? Genaue Auskünfte sind nicht möglich. Grund sind Probleme mit dem Ausländerzentralregister.

Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Suhl (Thüringen). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat seit einem Jahr eine Außenstelle in Suhl, in der jede Woche rund 100 Menschen ihren Asylantrag stellen
Kann keine konkreten Zahlen zu Kinderehen in Deutschland sagen: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Bildrechte: dpa

Die zentrale Informationsplattform im Ausländer- und Asylrecht enthält nach MDR-AKTUELL-Informationen fehlerhafte Einträge. Das räumte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im Zusammenhang aktuellen Zahlen zu Kinderehen in Deutschland ein. Dabei geht es um Einträge im sogenannten Ausländerzentralregister.

"Im Ausländerzentralregister sind zwar Informationen wie Alter und Familienstand ausländischer Personen gespeichert, diese Angaben haben sich jedoch als nicht valide herausgestellt", sagte eine Bamf-Sprecherin MDR AKTUELL. Das Bundesamt könne deshalb derzeit keine genauen Auskünfte über die Anzahl an Kinderehen in Deutschland geben.

Verbesserung der Datenqualität

Am Donnerstag hatte bereits die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen "Leitfaden zur Verbesserung der Datenqualität im AZR" vom Beauftragten für Flüchtlingsmanagement, Frank-Jürgen Weise, von Fehleintragungen im Ausländerzentralregister berichtet. Dieser Leitfaden liegt auch dem MDR vor.

"Aktuell weist die Datenlage jedoch teils erhebliche Defizite auf", stellt Weise darin fest. Eine Analyse habe eine hohe Anzahl von nicht plausibel erscheinenden Datensätzen ergeben. Weise warnt: "So kann es auf Grund von Datenmängeln zu teils gravierenden Fehlentscheidungen auf unterschiedlichen Handlungsebenen kommen."

Knapp 1.500 verheiratete Minderjährige

Das Bundesinnenministerium hat dem MDR dennoch Zahlen zu Kinderehen zur Verfügung gestellt. Sie stammen aus einer Sonderauswertung des Ausländerzentralregisters vom September 2016. Demnach waren zu diesem Zeitpunkt 1.491 in Deutschland lebende minderjährige ausländische Personen als verheiratet registriert. Diese Angaben beziehen sich laut Ministerium nicht nur auf Asylantragsteller.

Kinderehen im Bundesrat

Kinderehen waren am Freitag auch Thema im Bundesrat. Die Länderkammer unterstützte einen Gesetzentwurf der Regierung, wonach Heiraten in Deutschland künftig ausnahmslos erst mit 18 möglich sein soll. Bislang liegt die Ehemündigkeit noch bei 16 Jahren, sofern ein Familiengericht zustimmt.

Mit dem Gesetz zum Verbot von Kinderehen reagiert die Bundesregierung auf die gestiegene Zahl von Kinderehen in Deutschland im Zuge der ins Land gekommenen Flüchtlinge. Mit der Neuregelung sollen Ehen mit Kindern unter 16 von vornherein nichtig sein, Ehen mit 16- und 17-Jährigen sollen im Regelfall aufgehoben werden. Nur in Härtefällen soll davon abgesehen werden - sowie dann, wenn der minderjährige Ehegatte zwischenzeitlich volljährig geworden ist und die Ehe bestätigt. Das Gesetz soll noch in der laufenden Legislaturperiode endgültig beschlossen werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 12.05.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2017, 15:39 Uhr

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50 Kommentare

14.05.2017 20:29 aus Sachsen und denkt 50

@Agnes: ich meine das auch nicht so, dass die hier gültige Rechtslage nicht bekannt sei - sondern dass die Beteiligten ein psychisches Problem mit dem vermeintlich "verdorbenen Marktwert" haben könnten, und von daher hätte ich ein "Ruhen" der Ehe für besser gehalten als gleich eine Trennung ohne Einzelfallprüfung. Wir Frauen in Dtl. haben doch den Zirkus mit den Hausherren, die sich vom Thron geschubst fühlten, auch erst teilweise hinter uns, und wir haben viel mehr Zeit und viel mehr soziales Umfeld gehabt. Verstehen Sie, was ich meine? Nicht so sehr die rechtliche als die seelische Ebene. Wenn wir hier unbedacht vorgehen, reißen wir mit dem Hintern ein, was wir mit den Händen aufbauen. Deshalb Einzelfallbegutachtung und keine Pauschalbehandlung.
Wenn ich <18 und verheiratet wäre und mit meinem Mann gut genug klar käme, würd ich bis zum Geburtstag die Klappe halten und dem Ersteller des Zentralregisters danken.

14.05.2017 08:01 Agnes 49

@46 aus Sachsen denkt
Da muß ich aber widersprechen. In D ist es keine Schande, ein sogenanntes uneheliches Kind zu haben. Außerdem wissen die Leute, die zu uns kommen, daß wir eine völlig andere Kultur und auch Rechtssystem haben, das zu akzeptieren ist. Es kann nicht sein, nur die sozialen Leistungen in Anspruch zu nehmen.
In Niedersachsen, was aus der Presse zu entnehmen war, werden viele Frauen (nicht alle), die zwangsverheiratet oder deren Ehe arrangiert waren, inzwischen speziell betreut, weil sie mit ihren herrschsüchtigen und gewalttätigen Männern nicht mehr zurecht kommen.

13.05.2017 21:05 Peter 48

@34: Wieso nichts verstanden? Bundestag und Bundesrat haben ein von Justizminister Heiko Maas erarbeitetes Gesetz verabschiedet, das Kinderehen für ungültig erklärt. Absolut konsequent. Oder?

13.05.2017 20:28 Wachtmeister Dimpfelmoser 47

Probleme mit Ausländerzentralregister? Also sorry, nee, liebe MDR-Redaktion, aber das kann doch nicht Euer Ernst sein? So etwas darf doch nie und nimmer geduldet werden! Pfeift drauf, wie die Institution sich nennt, die das schönredet! Das war doch früher unvorstellbar! Wieso schreibt Ihr keine ultrascharfe Philippika gegen solche Zustände? Dürft Ihr das nicht? Warum müssen wir alle uns so etwas bieten lassen? Das ist doch krank!!!

13.05.2017 20:01 aus Sachsen und denkt 46

'2)Was mich hier so anwidert, ist diese Bigotterie: Personen unter 16 und deren Partner werden kriminalisiert, wenn sie ihre Beziehung öffentlich dokumentieren. Wenn sie allerdings im Alter ab 14 wild durch die Gegend vö… und dabei vielleicht noch Kinder entstehen, ist alles happy hippo und legal? Das ist doch höchst scheinheilig.
Mein Vorschlag wäre gewesen, die Ehe „ruhen“ zu lassen, aber nicht zu trennen, solange, bis der jüngere Partner volljährig ist, und dann eine Konfirmation (im wörtlichen Sinne) durchzuführen oder eben aufzulösen, falls sie nicht mehr relevant und von beiden ohne Zwang gewollt ist.
Jetzt werden v. a. die Mädchen, die geschützt werden sollen, wieder verletzt: als Geschiedene oder „ledig Entehrte“ sehen sie sich vll. als wertlos an, und wir haben sowohl organisch als auch seelisch angeschlagene Mädchen (und Männer, vergesst das nicht!). Zumindest der seelische Aspekt würde ohne die gewaltsame Trennung der beiden wegfallen.

13.05.2017 19:57 aus Sachen und denkt 45

#1
@ein schon länger … in Moscheen in D wird keine einzige Ehe geschlossen, das geht hier seit 1876 nur auf dem Standesamt. Religiöse „Eheschließungen“ sind keine.
@alle: Ich bin gegen Kinderehen, aber das Problem ist wirklich nicht so einfach, dass es sich für Wahlkampf eignet. Bei der Verheiratung auf der Flucht geht es einerseits um die Absicherung des Mädchens vor Übergriffen anderer, aber auch um die Duldung von Handlungen durch den Partner. Letzteres tolerieren wir aus gutem Grund nicht (und treten das erste gleich mal mit in die Tonne). Wir übersehen dabei, dass auch in unserer Realität Sex unter 16 eher üblich denn die Ausnahme ist.

13.05.2017 17:33 Ekkehard Kohfeld 44

@Eulenspiegel 41 Was will unser Staat tun, wenn die Braut sagt sie sei Syrerin, 18 Jahre alt und liebt ihren Mann, auch wenn sie aus Afghanistan stammt, 15 Jahre alt ist und zur Ehe mit ihrem 30 Jahre älteren Cousin gezwungen wurde?“
Was will der Staat machen wenn ein Räuber einem Mann die Brieftasche raubt. Und dieser Mann dann vor Gericht Stein und Bein Schwört das ihm die Brieftasche gar nicht geraubt wurde sondern das er seine Brieftasche von sich aus den Räuber gegeben hat.##Ja diesen Stil nennt man Whataboutism...den hatte schon die SED, die UdSSR und ihre Filialisten im Westen im Gepäck.Kleine Kostprobe: Schlagzeile "Tödliche Schüsse auf DDR-Flüchtlinge an der Berliner Mauer"...sofortige "dialektische" Gegenfrage: ...
"Und was geschieht an der Grenze USA-Mexiko?"Wie mit Gegenfragen Diskussionen vermieden werden. „Whataboutism“ ist das Zauberwort.

13.05.2017 17:24 gerd 43

Wenn ich als Deutscher zum Standesamt gehe um mich trauen zu lassen benötige ich eine Geburturkunde und einen Personalausweis ansonsten darf nicht geheiratet werden ,Schlussendlich müssen auch schlüssige Dokumente
bei diesen Heiratswilligen vorliegen , bei eingereisten Ehepartnern muss eine Altersbestimmung vorgenommen werden bei
strittigen Fällen wenn keine Papiere vorliegen .

13.05.2017 16:47 Eulenspiegel 42

„ein schon länger in Deutschland lebender“:
„das ist ja die eine Seite, die andere ist ja, das in Deutschland selbst Ehen in Moscheen geschlossen werden, vorbei an den Behörden.“
Da sind unsere Gesetze eindeutig das diese Ehe nicht anerkannt werden. Das ist genau so wie bei unseren christlichen Kirchen. Die dürfen auch nur standesamtlich geschossene Ehen bestätigen.

13.05.2017 16:36 Eulenspiegel 41

Kuno
„Was will unser Staat tun, wenn die Braut sagt sie sei Syrerin, 18 Jahre alt und liebt ihren Mann, auch wenn sie aus Afghanistan stammt, 15 Jahre alt ist und zur Ehe mit ihrem 30 Jahre älteren Cousin gezwungen wurde?“
Was will der Staat machen wenn ein Räuber einem Mann die Brieftasche raubt. Und dieser Mann dann vor Gericht Stein und Bein Schwört das ihm die Brieftasche gar nicht geraubt wurde sondern das er seine Brieftasche von sich aus den Räuber gegeben hat.