Abiturienten während des Zentralabiturs, 2009.
Die Fortschritte der Länder bei der Leistungsfähigkeit ihrer Bildungssysteme lassen nach. Bildrechte: IMAGO

Vergleich der Bildungssysteme So schneidet Mitteldeutschland ab

Es scheint nicht gut zu stehen um die Bildung in Deutschland, nicht nur wegen des Lehrermangels. Die arbeitgebernahe Initiative neue Soziale Marktwirtschaft sieht in Deutschland weniger Verbesserungen im Bildungssystem im Vergleich zu früheren Jahren. In den Bundesländern habe es nur noch wenige Fortschritte gegeben, heißt es im sogenannten Bildungsmonitor der Initiative, der jetzt vorgestellt wurde.

von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Abiturienten während des Zentralabiturs, 2009.
Die Fortschritte der Länder bei der Leistungsfähigkeit ihrer Bildungssysteme lassen nach. Bildrechte: IMAGO

Die leistungsfähigsten Bildungssysteme hätten Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg, heißt es im INSM-Bildungsmonitor 2017, den das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erarbeitet hat. Am schwächsten schnitten die Stadtstaaten Bremen und Berlin ab. Bewertet wurden unter anderem Forschungsleistungen an den Hochschulen, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler, Schulabbrecherquoten und der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg.

So sieht es in Sachsen aus

In Sachsen, das sich über Platz 1 von allen 16 Bundesländern freuen kann, lobt die Studie die guten Leistungen im Lesen, die vielen Forschungsgelder, die die Hochschulen einwerben, die vielen ausländischen Studentinnen und Studenten und den hohen Anteil von Ganztags-Betreuung in Schulen und Kitas. Kritisiert wird die hohe Abbrecherquote bei ausländischen Schülern, die deutlich über dem Bundesschnitt liegt. Außerdem bemängeln die Autoren der Studie die Altersstruktur der Lehrer an sächsischen Schulen: Zu viele Ältere, die bald in Rente gehen.

So sieht es in Sachsen-Anhalt aus

Sachsen-Anhalt landet auf Platz 9 von 16 Bundesländern, im Mittelfeld also. Die Studie lobt hier die guten Leistungen der Schüler im Lesen, in Mathe und Naturwissenschaften und die vergleichsweise kleinen Klassen, besonders in den weiterführenden Schulen. Kritisiert wird die offenbar nicht besonders gute Förderung ausländischer Schüler. In Sachsen-Anhalt machen nur gut ein Prozent von ihnen Abitur, der Bundesschnitt liegt bei gut neun Prozent. Und ein Viertel der ausländischen Schüler macht gar keinen Schulabschluss. Das ist der schlechteste Wert bundesweit. An den Hochschulen im Land wird bemängelt, dass sie vergleichsweise wenig Forschungsgelder einwerben.

So sieht es in Thüringen aus

Thüringen schneidet mit seinem zweiten Platz sehr gut ab und bekommt viel Lob für kleine Klassen in allen Schulformen, hohe Bildungsausgaben und eine sehr gut ausgebaute Ganztags-Betreuung bei Schulen und Kitas. Außerdem ist Thüringen das Land, in dem Schulabgänger am leichtesten eine Lehrstelle finden. Negativ schlägt zu Buche, dass Thüringer Grundschüler seltener Fremdsprachen lernen als Gleichaltrige in anderen Ländern. Damit könnte auch zusammenhängen, dass Thüringen bei den Leistungen in Englisch nur unterdurchschnittlich abschneidet.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.08.2017 | 13:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 17:04 Uhr

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15 Kommentare

19.08.2017 13:01 annerose will 15

"...Kritisiert wird die hohe Abbrecherquote bei ausländischen Schülern, die deutlich über dem Bundesschnitt liegt. Außerdem bemängeln die Autoren der Studie die Altersstruktur der Lehrer an sächsischen Schulen: Zu viele Ältere, die bald in Rente gehen." 1. Liegt die hohe Abbrecherquote von ausl. Schülern in Sachsen vielleicht am immer noch (Gott sei Dank!) normal hohen Schulniveau? Im rot-grünen Berlin gibt es z.B. ja im Abi überduchschn. viele 1en bei an das Schülerklientel "angepasstem" Schwierigkeitsgrad des Schulstoffs und der Prüfungen. In Sarrazins Büchern stehen die klaren Fakten und Zahlen. Hoffentlich bleibts in Sachsen dabei und man läßt sich nicht auf den links-grünen Irrweg der Gleichmacherei im Bildungswesen, was letztlich nur in einer Absenkung des Niveaus enden kann, ein. 2. Gut, dass es noch viele ältere Lehrer in Sachsen mit DDR-Erfahrung gibt. Man mag auf die DDR schimpfen wie man will, aber die Bildung der DDR war hervorragend und wurde z.B. von Finnland kopiert.

18.08.2017 17:15 PeterPlys 14

Da bekannt ist, wer hinter der INSM steht und diese finanziert, ist erst einmal Skepsis angebracht.
Da auch bekannt ist, dass Deutschland immer noch zu wenig Geld für Bildung ausgibt, werden wir weiter hinter den bei PISA führenden Staaten bleiben. Das betrifft alle Bundesländer. Bildung sollte endlich harmonisiert werden und Bundesangelegenheit sein. Ein Blick nach Skandinavien lohnt sich.

17.08.2017 22:39 Bernd Ludwig 13

Rico 10:
Warum "Gute Nacht"? Sachsen ist mit an der Spitze -das ist klar.

17.08.2017 21:49 Bürger 12

@Graf Zahl
Es geht nicht nur um Gelder der Wirtschaft. Der Löwenanteil sind Bundessteuermittel für Forschungsprojekte der Geldgeber DFG und BMBF.
Drittmittel müssen mit der Wirtschaft nichts zu tun haben.

17.08.2017 17:17 GEWY38 11

Wenn im Sport meine Mannshaft in der 1. Kreisklasse erster wird, ist das noch lange kein Grund von einer Spitzenmannschaft zu sprechen.

17.08.2017 16:26 Rico 10

Wenn Sachsen mit diesen Bedingungen im Bildungssektor deutlich auf Platz 1 steht, dann Gute Nacht Deutschland!

17.08.2017 15:43 Hans 9

@Brandt

Nee, Brauner, das Ergebnis lautet: entweder gute oder schlechte Bildungspolitik. Sachsen-Anhalt hat einen geringeren Migratenanteil als Sachsen. Sachsen hat den höchsten aller ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin).

17.08.2017 15:31 Kerstin 8

"Außerdem bemängeln die Autoren der Studie die Altersstruktur der Lehrer an sächsischen Schulen: Zu viele Ältere, die bald in Rente gehen. "

Genau diesen "älteren" Lehrern ist es zu verdanken, dass Sachsen so dasteht. Wenn erstmal die Generation Kinder getestet wird, die nicht mehr bei ausgebildeten Lehrern sondern fast ausschließlich bei Quereinsteigern Unterricht gehabt haben, wird das Ergebnis völlig anders ausfallen.

17.08.2017 15:29 Fragender Rentner 7

In so manchen Schulen in Sachsen gab es auch erst nach 1 1/2 Wochen nach Schulbeginn einen Stundenplan.

Hatte so seine Gründe, lag vielleicht auch am Lehrermangel?

17.08.2017 15:22 Graf Zahl 6

Warum ist es ein Merkmal guter Forschung, Gelder von der Wirtschaft anzuwerben und sich damit von dieser abhängig zu machen?