Ein Mädchen mit einer Puppe "My Friend Cayla"
"My Friend Cayla" - wer eine solche Puppe zu Hause hat, solle sie zerstören, rät die Netzagentur Besitzern. Bildrechte: Getty Images

Bundesnetzagentur warnt vor Puppe Eine Spionin im Kinderzimmer

Sie glauben gar nicht, was im Kinderzimmer alles los sein kann: Schauen Sie mal nach, vielleicht finden Sie dort ein echtes Spionage-Werkzeug. Das kann nicht sein? Doch, das kann es durchaus. Es gibt nämlich eine Puppe, die die Bundesnetzagentur jetzt hochoffiziell als "Abhöranlage" eingestuft hat.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Ein Mädchen mit einer Puppe "My Friend Cayla"
"My Friend Cayla" - wer eine solche Puppe zu Hause hat, solle sie zerstören, rät die Netzagentur Besitzern. Bildrechte: Getty Images

Cayla sieht aus wie ein ganz normales Püppchen. Blonde Haare, Stupsnäschen, rosa Strumpfhose. Aber das süße Ding ist laut Bundesnetzagentur ein Spionagewerkzeug oder auch eine getarnte Abhöranlage. Und das liegt am Innenleben der Puppe. Cayla kann nämlich sprechen und Fragen beantworten. Ein Werbetrailer führt das vor. "Cayla hat Millionen Dinge zu erzählen. Was ist das größte Tier der Welt? - Das größte Tier auf der ganzen Welt ist der Blauwal. - Wie schnell kann ein Delphin schwimmen? - Manche Delphine können bis zu 50 Kilometer pro Stunde schwimmen."

Überwachung im Kinderzimmer ausschließen

So schlau ist das Püppchen nur, weil es die Fragen ans Internet weiterreicht, ähnlich wie ein Smartphone, bei dem man eine Suchanfrage mündlich eingeben kann. Damit das bei der Puppe klappt, braucht sie ein Mikrofon und eine Verbindung zum Internet, in diesem Fall via Bluetooth. Mit dieser Ausstattung sei Cayla schon eine getarnte Abhöranlage, erklärt Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur.

Das Problem sind Geräte, die funkfähig sind und zur heimlichen Bild- oder Tonaufnahme geeignet.

Fiete Wulff | Bundesnetzagentur

Lauschangriffe selbst durch Dritte vorstellbar

Von 'heimlich' kann man hier sprechen, weil bei einer Puppe niemand erwartet, dass sie mithören kann, anders als bei einem Handy. Problematisch ist das Mithören aus zwei Gründen. Die Bundesnetzagentur befürchtet zunächst, dass der Hersteller und die dazugehörige Internetplattform das Lauschpüppchen ausnutzen. Fiete Wulff erklärt: "Wo ohne Kenntnis der Eltern Gespräche des Kindes oder anderer Personen aufgenommen und weitergeleitet werden können, ist das ein Problem. Über das Spielzeug könnte ein Unternehmen die Personen individuell mit Werbung ansprechen. Das ist nicht zulässig.

Das zweite Problem: Die Bluetooth-Verbindung der Puppe ist möglicherweise nicht sicher.

Ein solches Spielzeug kann auch, wenn die Verbindung vom Hersteller nicht ausreichend geschützt ist, von Dritten in der Nähe unbemerkt genutzt werden, um Gespräche abzuhören.

Fiete Wulff | Bundesnetzagentur

Es gibt keinen Schadenersatz

Was soll nun mit Cayla passieren? Die Bundesnetzagentur ist da ganz rigoros. "Keinesfalls empfehlen wir Käufern solcher Gegenstände, sie an den Verkäufer zurückzusenden. Wir raten, diese selbst zu vernichten." Auch wenn die Kinderaugen dann noch so groß und traurig schauen: Cayla muss sterben. Und Schadenersatz kann man auch nicht fordern. Die Puppe ist im Prinzip so illegal wie ein paar Gramm Marihuana. "Es ist in Deutschland verboten, Geräte zu besitzen, die geeignet sind, Spionageaufnahmen zu machen."

Vernichtung soll belegt werden

Zum Nachweis der Vernichtung von solchen getarnten Abhöranlagen gibt es sogar ein Formular bei der Bundesnetzagentur. Und die Puppe darf natürlich nicht mehr verkauft werden. Händler wurden darüber informiert. Und eine Stichprobe bei großen Internetanbietern zeigt: Oft gibt es zwar noch einen Link zu Cayla, aber das Angebot ist von den Seiten weg. Online ist nur noch die Cayla-Seite des Unternehmens  Vivid Deutschland, die das englische Produkt hier vertrieben hat. Einen Hinweis auf das Verbot gibt es aber nicht. Für eine Stellungnahme war Vivid auch nicht zu erreichen. 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 17.02.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 21:17 Uhr

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18 Kommentare

19.02.2017 17:05 Fragender Rentner 18

Nichts gönnen die unseren Kindern!

Wollen auch noch die Puppen die Sprechen verbieten!

19.02.2017 11:50 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 17

Mit solchen Aktionen, die gewisse informationspolitische Belange bei solchem Spielzeug nicht offen ansprechen, verderben die Hersteller solcher 'Gimmicks' die Akzeptanz solcher in der Gesellschaft:
Mitgeführte 'sprechende Puppen' werden in der Öffentlichkeit sicherlich andere Reaktionen auslösen: plötzlich steht man allein in der U-Bahn mit seiner Puppe...
Wer auf seinem Smartphone sämtliche Sicherheitsmaßnahmen abschaltet, sollte sich nicht wundern, wenn die NSA oder ein paar 'schwere Jungs aus der Nachbarschaft' die Kreuzworträtsel genauso schnell lösen wie man selbst.
So genauso bei der Puppe: wenn man sie den firmeneigenen Server ansprechen läßt, so wird sie dort sämtliche 'Anfragen' speichern.
Das ist das gleiche wie mit 'Hallo, Google!': diese Anfragen werden auch nicht auf dem eigenen Smarty aufgelöst, sondern auf Googles Servern und damit werden die 'Profile' verfeinert.
Jeder ist für die Informationen verantwortlich, die er über sich preisgibt. Nur vergessen das viele!

18.02.2017 17:53 Curt Cobain 16

Insbesondere im Demenz und Pflegebereich, im Bereich Hausnotruf usw. sind Anwendungen denkbar, die Umgebungsinformationen übertragen können.
Püppchen kann Fragen sachgerecht beantworten, bei denen Eltern, die in 5 Minuten nicht 91 durch 7 teilen können, a priori scheitern.
Ich denke, wenn eine Familie im 21. Jahrhundert entscheidet, ein dial-use Produkt zu verwenden, dann ist das der bessere Weg als die Zukunft solcher Inklusionsprodukte im Keim zu ersticken.

18.02.2017 13:47 SHKreis 15

....in den 50/60 er Jahren haben wir unsere Puppen sogar mit an die frische Luft genommen,sahen hinterher oft genauso schmutzig aus,wie wir selbst.Aber Puppe u.Kind waren gesund...

18.02.2017 11:11 Fragender Rentner 14

Hoffe doch nicht, dass der BND oder die NSA dahinter steckt.

18.02.2017 10:27 colditzer 13

@7.02.2017 16:23 Klarheit
Selten hat einer wie Sie den Nagel auf den Kopf getroffen!
Reichen nicht gerade auch Amazon und andere amerikanische Hersteller solche Tischspione an den Bürger weiter?
Oder sollen hier nur die Kinder vor Spionage geschützt werden?
Mata Hari läßt grüßen.

18.02.2017 10:09 RÜDI 12

Die Verblödung dieser Gesellschaft zeigt sich schon dadurch, dass nicht Mütter mit ihren Kindern sprechen, sondern Puppen und Smartphones. Auch sieht man Junge Mütter mit Kinderwagen, deren liebstes Kind eher das Smartphone ist, oder der freilaufende Hund. Bald werden sie mit dem Eisschrank reden, als gemeinsam einen Schneemann bauen.- Gleich antworten die Ökofuzzis hier mit Klimaerwärmung- Die Menschen werden verblödet und zum Globalisierten Verbraucher degradiert - Nichts von wegen "die Würde des Menschen ist unantastbar". Welche Würde? Welche Kultur? Wenn wir keine mehr haben, werden neue Kulturen kommen -und das ist gut so! Oder?

18.02.2017 07:43 Kein Schadenersatz? 11

Ich wüsste gern, wie sich der Satz erklären lässt: "Und Schadenersatz kann man auch nicht fordern."?

18.02.2017 06:32 Mölle 10

Da muss ich aber der Nummer 4 Klarheit Recht geben,jedes Smartphone,auch Fernseher inzwischen,PC kann als Abhöranlage funktionieren,es gibt Diktiergeräte,alle diese Geräte sind in Deutschland dann eigentlich verboten.Diese Puppe wurde doch bestimmt hergestellt um Kinder etwas lernen zu lassen.Aber gut ich will die Entscheidung der Bundesnetzagentur nicht infrage stellen,das wird schon einen Hintergrund haben,und der dient da wohl in erster Linie dem Schutz der Kinder, denn diese Puppe spricht da wohl Kinder an die ich sag mal ab 3 Jahre sind, und da ist ein besonderer Schutz noch nötig damit diese nicht schon so früh durch das Netz manipuliert werden können.

17.02.2017 21:55 D.o.M. 9

Wer seinen Kindern solchen Kram als Spielzeug antut, ist selber schuld.