Die Parlamentarier des Deutschen Bundestages im Deutschen Bundestag in Berlin.
Zur Abstimmung über die "Ehe für alle" am Freitag dürfte der Bundestag voll werden. Bildrechte: dpa

"Ehe für alle" Riskantes Spiel im Bundestag

Am Freitag will die SPD fremdgehen: Gemeinsam mit der Linken und den Grünen wollen die Sozialdemokraten gegen den Willen ihres Koalitionspartners CDU/CSU die "Ehe für alle" im Bundestag durchsetzen. Rot-Rot-Grün besitzt eine knappe Mehrheit von zehn Stimmen im Parlament. Trotzdem könnte der Seitensprung der SPD schon im ersten Akt - dem Hammelsprung - scheitern.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR Aktuell

Die Parlamentarier des Deutschen Bundestages im Deutschen Bundestag in Berlin.
Zur Abstimmung über die "Ehe für alle" am Freitag dürfte der Bundestag voll werden. Bildrechte: dpa

Das Vorspiel: Änderung der Tagesordnung

Zeitig am Freitagmorgen, um 8 Uhr, wird der Bundestag zusammentreten. Bundestagspräsident Lammert lässt sich diesen womöglich letzten Höhepunkt in seiner langen Karriere als Parlamentarier sicher nicht nehmen und mit der Begrüßung verkünden, dass SPD, Grüne und Linke eine Änderung der Tagesordnung wünschen.

Sie wollen über die Drucksache 18/6665 nach einer kurzen Debatte abstimmen. Anders als üblich handelt es sich nicht um einen Gesetzentwurf der Fraktionen des Bundestages oder der Bundesregierung. Hier wurde der "Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts", kurz "Ehe für alle", vom Bundesrat ausgeliehen. Dort war er von den Ländern Rheinland-Pfalz und Thüringen eingebracht worden und hatte im Herbst 2015 eine Mehrheit gefunden. Die Länder baten danach Angela Merkel im Herbst 2015 auch den Bundestag um Zustimmung, doch dort verschwand die Vorlage in den Schubladen der Großen Koalition. Nun bekommt er am Freitag eine neue Chance.

1. Akt: Der Hammelsprung

Wenn Bundestagspräsident Lammert den Vorschlag unterbreitet hat, kommt es zu einer Premiere. Zum ersten Mal wird Rot-Rot-Grün die vorhandene parlamentarische Mehrheit nutzen, um eine Abstimmung zu gewinnen. Doch so leicht will die Union den Treuebruch der Sozialdemokraten nicht zulassen. Wahrscheinlich wird der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Michael Grosse-Bröhmer, aufstehen, sein Mikrofon rausziehen und den Antrag stellen, nicht einfach per Blockabstimmung festzustellen, ob es für den Antrag zur Änderung der Tagesordnung eine Mehrheit gibt, sondern einen Hammelsprung verlangen.

Hektik ist dann vorprogrammiert. Alle Fraktionen werden versuchen, mögliche Schlafmützen in den weitläufigen Gängen des Bundestages aufzutreiben, die den zeitigen Beginn der Plenarsitzung verpasst haben. Als Weckruf tönt auch das parlamentarische mit lautem Tuten durch den Reichstag. Dann geht es durch die beiden Türen am Ende des Plenarsaales, für die Befürworter der Änderung der Tagesordnung durch die Tür mit der Überschrift "Ja", für die Gegner mit der Überschrift "Nein".

Schon da könnte das Drama ein vorzeitiges Ende finden, denn die rot-rot-grüne Mehrheit besteht aus knappen zehn Stimmen. Ein Linker liegt im Krankenhaus. Bei den Sozialdemokraten haben sich einige Abgeordnete wohl schon in den Urlaub verabschiedet. Die Union dagegen wird auf alle Fälle alles, was laufen kann, mobilisieren. Hat sie beim Hammelsprung die Mehrheit, ist das Ansinnen von Rot-Rot-Grün gescheitert und die "Ehe für alle" bleibt Verhandlungsmasse für die kommenden Koalitionsverhandlungen im Herbst. Aufstand beendet.

19 Bundestagsabgeordnete "Ehe für alle" – So haben die Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt gestimmt

Eine neue (l) und alte Wahlurne im Bundestag für die namentliche Abstimmung.
Am Freitag hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen. So haben die 19 Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt abgestimmt: Bildrechte: IMAGO
Eine neue (l) und alte Wahlurne im Bundestag für die namentliche Abstimmung.
Am Freitag hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen. So haben die 19 Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt abgestimmt: Bildrechte: IMAGO
Manfred Behrens, CDU, im Deutschen Bundestag
Manfred Behrens, CDU (Wahlkreis 67, Börde-Jerichower Land) NEIN

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Der Deutsche Bundestag wird am Freitag, den 30.06.17 um 8.00 Uhr, über die Aufsetzung des Gesetzentwurfs des Bundesrates auf Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts als Zusatzpunkt zur Tagesordnung abstimmen. Eine parlamentarische Debatte dazu wird im Anschluss an die Aufsetzung des Tagespunktes geführt. Dieser möchte ich beiwohnen, um dann mit Augenmaß eine Entscheidung zu fällen."
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Dr. Christoph Bergner, CDU, im Deutschen Bundestag
Christoph Bergner, CDU (Wahlkreis 72, Halle) NEIN

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Ehe und eingetragene Partnerschaft unterscheiden sich lediglich durch die Bezeichnung 'Ehe' und das volle Adoptionsrecht – ich bin der Auffassung, dass wir die Adoptionsentscheidung, die strikt nach dem Kindeswohl ausgerichtet wird, nicht zu einer Frage der Gleichberechtigung von Homosexuellen oder gar einer Frage der Selbstverwirklichung machen sollten, das ist keine Frage von Diskriminierung, sondern von Differenzierung."
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Heike Brehmer, CDU, im Deutschen Bundestag
Heike Brehmer, CDU (Wahlkreis 68, Harz) NEIN

Vor der Abstimmung sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT:
"Nach meiner persönlichen Auffassung vertrete ich das traditionelle Eheverständnis und Familienbild. Für mich ist es ein glatter Vertrauensbruch seitens der SPD, dieses Thema mit den Stimmen der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen noch am Freitag – dem letzten Sitzungstag dieser Legislaturperiode – über eine Geschäftsordnungsdebatte auf die Tagesordnung zu hieven und somit kurzfristig ohne vorherige Beratungen eine gesetzliche Änderung zu erzwingen. Dabei sind viele rechtliche Regelungen von Ehe und Lebenspartnerschaft bereits jetzt aneinander angeglichen (beispielsweise der gemeinsame Name, die gegenseitigen Rechte und Pflichten, die beamtenrechtliche Versorgung, das Erbrecht, der Unterhalt, Getrenntleben und Auflösung, die Ermöglichung von Sukzessivadoptionen). Laut Bundesjustizminister Maas ist eine Änderung des Grundgesetzes nicht vorgesehen und lässt somit Rechtsunsicherheiten offen."
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Uda Heller, CDU, im Deutschen Bundestag
Uda Heller, CDU (Wahlkreis 74, Mansfeld) ENTHALTUNG

Vor der Abstimmung sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT:
"Ich werde mich bei der Abstimmung enthalten und eine ergänzende Erklärung abgeben. Die 'Ehe für alle' hätte weitreichende Einschnitte in unsere Sozialsysteme zur Folgen. Darüber muss in Ruhe entschieden werden. Ich sehe keine Notwendigkeit, mich innerhlab von zwei Tagen in eine erzwungene Abstimmung zu begeben. Das ist Wahlkampfpopulismus."
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Jörg Hellmuth, CDU, im Deutschen Bundestag
Jörg Hellmuth, CDU (Wahlkreis 66, Altmark) NEIN

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Ich stimme gegen den Gesetzentwurf des Bundesrates 'Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts'."
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Ulrich Petzold, CDU, im Deutschen Bundestag
Ulrich Petzold, CDU (Wahlkreis 70, Dessau-Wittenberg) NEIN

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Die Erweiterung des Ehebegriffs ist so gravierend, dass sie nicht in einem einfachen Gesetzgebungsverfahren neu geordnet werden kann, sondern für mich in jedem Fall Verfassungsrecht hat. Deswegen kann ich nur eine einfach gesetzliche Regelung ablehnen."
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Tino Sorge, CDU, im Deutschen Bundestag
Tino Sorge, CDU (Wahlkreis 69, Magdeburg) JA

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Ich begrüße den Vorschlag der Kanzlerin, die Abstimmung über die "Ehe für alle" zu öffnen. In vielen homosexuellen Partnerschaften werden wie in heterosexuellen Partnerschaften Werte gelebt, für die die CDU steht. Als Volkspartei spiegelt die CDU das gesamte Spektrum der gesellschaftlichen Diskussion wider. Unabhängig davon, dass nach meinem Eindruck die Menschen andere Themen brennender interessieren, erwarten sie aber auch, dass wir das Thema aufgreifen und zu einer Entscheidung darüber kommen. Diese aber jetzt in der bereits laufenden letzten Sitzungswoche im "Schnellverfahren" im Deutschen Bundestag herbeizuführen, halte ich für wenig gelungen. Das war übrigens auch mit unserem Koalitionspartner SPD anders vereinbart."
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Dieter Stier, CDU, im Deutschen Bundestag
Dieter Stier, CDU (Wahlkreis 73, Burgenland-Saalekreis) JA

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern. Mein Abstimmungsverhalten kann dann im Protokoll nachgelesen werden."
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Kees de Vries, CDU
Kees de Vries, CDU (Wahlkreis 71, Anhalt) NEIN

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Obwohl ich viele Argumente für und nur wenige Argumente gegen die Ehe für alle habe, werde ich trotzdem dagegen stimmen. Am Ende ist es tatsächlich eine Gewissensfrage und mein Gewissen sagt mir, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Menschen nie auf einer Stufe mit der Ehe von Mann und Frau gleichgestellt werden kann. Dies begründe ich vor allem damit, dass nur die Verbindung zwischen Mann und Frau sich fortpflanzen kann, das ist nun einmal so von Gott gewollt."
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Roland Claus, DIE LINKE, im Deutschen Bundestag
Roland Claus, DIE LINKE (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Eine gute Entscheidung. Die Empörung der Union ist schlecht gespielt."
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Karamba Diaby, SPD, im Deutschen Bundestag
Karamba Diaby, SPD (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Das Gesetz markiert einen historischen Moment, weil es die strukturelle Benachteiligung von gleichgeschlechtlichen Paaren aufhebt. Dass die 'Ehe für alle' seit so vielen Merkel-Jahren durch CDU und CSU verhindert wird, zeigt nur, wie stark die diskriminierenden Denkstrukturen in Teilen der Union sind. Es ist deshalb richtig, dass die SPD gegen den Willen der Union das Gesetz für die 'Ehe für alle' noch in dieser Wahlperiode durchsetzt."
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Dr. Rosemarie Hein, DIE LINKE
Rosemarie Hein, DIE LINKE (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT:
"Die Öffnung der Ehe für alle ist eine Frage der Gerechtigkeit für alle und ich bin selbverständlich dafür."
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Marina Kermer, SPD, im Deutschen Bundestag
Marina Kermer, SPD (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT:
"Es gibt für mich keine Liebe zweiter Klasse und ich will, dass Menschen, die einander lieben und ein Leben lang Verantwortung füreinander übernehmen wollen, das auch können – und zwar mit allen Rechten und Pflichten. Deshalb stimme aus Überzeugung und aus tiefem Herzen mit 'JA'."
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Jan Korte, DIE LINKE, im Deutschen Bundestag
Jan Korte, DIE LINKE (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte er MDR SACHSEN-ANHALT:
"Es ist gut, dass die Bundesrepublik im Bereich der Gleichstellung jetzt den Weg ins 21. Jahrhundert gehen kann, auch wenn Angela Merkel ihn nur aus wahlstrategischen Gründen freigemacht hat. Anderseits zeigt diese Debatte auch, welches Modernisierungspotential in den letzten vier Jahren leider liegengeblieben ist."
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Katrin Kunert, DIE LINKE, im Deutschen Bundestag
Katrin Kunert, DIE LINKE (Landesliste) JA

Vor der Abstimmung sagte sie MDR SACHSEN-ANHALT:
"Alle, die heiraten wollen, sollen dies tun dürfen. Denn jede Liebe verdient Respekt.
Die CDU/CSU sollte mit ihren Homosexuellen in der Fraktion mal darüber auf Augenhöhe reden."
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2. Akt: Die Debatte

Hat Rot-Rot-Grün die Mehrheit, wird es eine kurze Debatte von 38 Minuten geben. Jede Fraktion schickt einen Redner ins Rennen. SPD und Union dürfen ein bisschen länger reden, Grüne und Linke dagegen müssen sich ziemlich kurz halten. Eigentlich wissen auch alle, worum es geht, aber wir vom Fernsehen und vom Hörfunk brauchen auch ein paar knackige Töne. Außerdem ist Wahlkampf. Zeit also das scharfe rhetorische Schwert zu ziehen.

Die Union wird der SPD "Koalitionsbruch" vorwerfen, die SPD der Union "Blockade". Immer wieder stand die "Ehe für alle" beim Rechtsausschuss und beim Koalitionsausschuss auf der Tagesordnung und wurde dann auf Wunsch der Union wieder gestrichen. Die Linken dürfen noch einmal sagen, dass man diese rot-rot-grüne Mehrheit noch für viel mehr "Wohltaten" hätte nutzen können in den letzten vier Jahren. Die Grünen werden die "Ehe für alle" als ein Symbol der liberalen Gesellschaft loben und als "Sternstunde" für alle Lesben und Schwule in diesem Land.

3. Akt: Die Abstimmung

Dann könnte die Abstimmung folgen und das Drama seinem Höhepunkt zustreben. Aber dann tritt die SPD noch einmal auf die Bremse. Man möchte die Union noch ein bisschen mehr demütigen. Auch wenn der Fraktionszwang bei CDU/CSU aufgehoben ist, also wirklich jeder Abgeordnete - so wie es laut Grundgesetz eigentlich sein sollte - seinem Gewissen und nicht seinem Parteibuch folgt, fordert die SPD nun eine namentliche Abstimmung. Sie möchte eigentlich nur von einer einzigen Abgeordneten der Union wissen, wie sie abstimmt: Angela Merkel. Ein "Nein" wäre vielleicht ein Trumpf im Wahlkampf für SPD und Co. Ein "Ja" würde ihr in den konservativen Kreisen der eigenen Partei schaden. Oder enthält sie sich?

Ob namentlich oder auch nicht, dann geht es mit den roten, blauen oder weißen Stimmkarte an die Urnen. Prognosen sehen eine deutliche Mehrheit für die "Ehe für alle". Bei der Union könnte ein Viertel bis ein Drittel der Abgeordneten auch für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmen. Ist die Abstimmung geschlossen und sind die Urnen in einen der Räume hinter dem Plenarsaal getragen, beginnen die Beisitzer mit der Auszählung.

Lammert könnte die Sitzung bis zur Verkündung des Ergebnisses unterbrechen oder den nächsten Tagesordnungspunkt aufrufen, das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Dabei geht es um den Umgang mit Hasskommentaren und Fake News durch die Betreiber sozialer Netzwerke. Das wird nicht mehr so viele Abgeordnete interessieren. Zeit für ein Frühstück im Abgeordnetenrestaurant in der Westlobby oder eine Boulette in der Selbstbedienung im Nordflügel des Reichstages.

Nach ungefähr 30 Minuten tritt der Direktor des Bundestages zum Parlamentspräsidenten und reicht ihm einen gefalteten Zettel. Das Ergebnis ist da. Der Abgeordnete am Pult darf noch ausreden, dann nimmt sich Lammert das Rederecht und verkündet das Ergebnis. Keine Überraschung mehr. Das Gesetz hat eine Mehrheit. Aber trotzdem zählt jetzt die Inszenierung.

Das Nachspiel: Triumph und Niederlage

Schon jetzt kann die Bildregie auf die Abgeordnetenbänke links der Mitte im Plenarsaal die Kameras schwenken. Eine fokussiert natürlich auch Angela Merkel. Auf ihrem Gesicht wird sich aber nicht mehr als gespielter Gleichmut widerspiegeln. Bei SPD, Linken und Grünen springen Abgeordnete auf. Anhaltender Beifall. Claudia Roth drückt eine Träne und umarmt Volker Beck. Dann streben die Sieger nach draußen in die Westlobby: SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, das gemischte grüne Doppel Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, bei der Linken wird es sich wohl die Parteivorsitzende Katja Kipping nicht nehmen lassen. Volker Kauder fällt der Part des Verlierers zu. Hinter eine Absperrung warten wir Journalisten und nehmen die Kommentare des Erfolgs oder der Niederlage entgegen.

Doch Moment! Ist dann die "Ehe für alle" auch gleich Gesetz und geltendes Recht? Da gibt es unterschiedliche Meinungen, selbst in der Person des Justizministers, Heiko Maas. 2013 hielt er die "Ehe für alle" noch für unvereinbar mit dem Grundgesetz, nun wohl nicht mehr. Artikel 6 des Grundgesetzes stellt die Ehe unter einen besonderen Schutz, aber heißt das zugleich, ob eine Ehe nur zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Frau und Frau oder Mann und Mann geschlossen werden darf? Das ruft nach Karlsruhe und den Verfassungsrichtern. Sollte es dazu kommen, hält hoffentlich die Nation die Spannung in dieser wirklich entscheidenden Frage bis zu einem Urteil aus.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 28.06.2017 | 22:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2017, 09:09 Uhr

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45 Kommentare

01.07.2017 18:51 Kritischer Bürger 45

@Klaus 44: Warum sollte ich ein Problem mit einem urteil der BVerG? Können Sie mir das erläutern? Ist wohl wieder .... naja! Unsere Kinder sind groß (ALLE) Diese Kinder schaffen sich keine eigenen Kinder an denn das passt nicht in die beruflichen und selbstständigen Tätigkeiten. Wo also sehen Sie das ich ein Problem haben könnte?

01.07.2017 02:49 Klaus 44

{ Kritischer Bürger 43 }
Die Besorgten sind eine Minderheit, die glaubt in der Mehrheit zu sein.
Ich werde mit dem Urteil des BVerGes kein Problem haben, möglicherweise aber Sie.

30.06.2017 12:24 Kritischer Bürger 43

@Klaus 17: Was haben nun "Besorgte" damit zu tun? Die sind doch in der Minderheit, also was soll eine solche Anspielung? Mal wieder ein Ausdruck Ihrer Überzeugung? Das da alles klar sei, ist falsch! Diese Abstimmung IST NUR DER ERSTE SCHRITT und das BVerG hat da noch das letzte (Urteil)Wort: Es wird lauten: Nicht mit dem GG vereinbar und schon ist alles beim Alten. Also entspannen Sie sich und meinen nicht immer das es da nur "Besorgte" gibt nach Ihrer Überzeugung. Außer "Besorgte" gibt es auch noch eine große Anzahl unbesorgter Menschen, die auch nicht unbedingt Ihrer persönlichen Überzeugung oder persönlichen Meinung folgen! WuuFF, WuuFF!

30.06.2017 12:17 Kritischer Bürger 42

@So sieht es aus 15: Da wäre bei Arbeitslosigkeit dann auch bei gleichgeschlechtliche Ehe das hier das SGBII für die Zweipersonen-Bedarfsgemeinschaft gelten wird, also weniger AlG II statt für zwei einzelne Personen. Die gegenseitige Vorsorge für Begebenheiten im Leben. Krankheit, Pflege, Erbschaften. All das was in einer Hetro-Ehe nachteilig oder zum Vorteil gilt wird seine Fortführung mit diesen Heirats-Berechtigungen finden!

30.06.2017 06:34 Wieland der Schmied 41

@ 29 Ohne Worte Zitat „Mir gefaellt diese Zwangsgesetzgebung am Grundgesetz vorbei nicht ,weil erst einmal geprueft haette werden muss ,was das Grundgesetz mit der Bezeichnung Familie genau meint....,sicherlich nicht schwule Paare mit Adoptionskindern“. > Richtig, aber das Prinzip Merkel ist viel einfacher, dem Land schaden, wo es nur geht!

29.06.2017 22:59 REXt 40

Biologisch ist es so, eine weibliche u. eine männlich Kreatur zeugen Nachwuchs, da kann man Gesetze machen wie man will, die Naturgesetze hebelt der Mensch nicht aus, Kinder brauchen im Idealfall, Vater u. Mutter, alles andere ist nicht "normal"!!!!!! Punkt! Und das sich der BT um solche Probleme kümmert, beweist wie lächerlich diese Haufen von Volksvertretern ist!!!!!!!!!!!!!!!'!!!!!!

29.06.2017 22:26 Klaus 39

Ich muss unsere Besorgten enttäuschen, auch Homos kommen ebenso wie die Heteros von der Natur. Das gilt auch für die, die dazwischen stehen, also mit beiden Seiten gut können. Homos, Bisexuelle sind nicht weniger fruchtbare wie Heteros. Mit der Fortpflanzung hat das also auch nichts zu tun. Man braucht eben nur Schützenhilfe von außen, was auch bei vielen Heteros der Fall ist. Und was die Kindererziehung angeht, da versagen viele Heteros. Warum sind den die Kinderheime voller Kinder? Das sind doch meistens Kinder von Heteros. Und was ist mit den vielen alleinerziehenden Elternteilen? Da hat wohl auch einiges nicht funktioniert. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass Homos unfruchtbarer sind oder weniger zur Kindererziehung taugen. Und wenn jetzt noch einer mit Gott kommt, der hat die Homos und bisexuellen Menschen doch auch erschaffen. Upps, plötzlich haben die Besorgten keine Argumente mehr. :-)

29.06.2017 22:01 I. Maier 38

@ 35 OHNEWORTE: Habe aus Versehen 2-mal senden angeklickt. Entschuldigung.

29.06.2017 21:59 I. Maier 37

@ 35 OHNEWORTE: Sehen Sie, lieber User, ich achte wohl die Demokratie. Ich höre mir Ihre und andere Meinungen an. Ich äußere meine Meinung dazu. Wenn Sie mit Ihrer Meinung aber eine Gruppe von Menschen diskriminieren, eigentlich beleidigen, dann muss ich diese Meinung anfechten. Ich kann nicht dulden, in einer Demokratie, dass Sie gleichgeschlechtlichen Paaren in der Erziehung etwas unterstellen. Lesen Sie sich den kritisierten Satz nochmal in aller Ruhe durch.
Übrigens, wenn man Mann und Frau ins All sendet, dann geht das schon in Ordnung. Man sendet aber keine Mitteilung von Homosexuellen, die ihre Kinder falsch erziehen. Warum teilt man so etwas den Aliens nicht mit. Weil es nicht stimmt.

29.06.2017 21:30 I. Maier 36

@ 34 Atze: Dass Sie ansprechen, Vater und Mutter seien besser, können wir hier nicht abschließend klären. Es kämen zu viele Hypothesen dazu, die nicht sofort bestätigt oder verworfen werden können. Da wären Scheidungen und Alleinstehende Frauen oder Männer später in der Erziehung. Alles sehr kompliziert. Mit dem neuen Gesetz käme allerdings kein Verbot von Vater, Mutter, in Familie in Ehe, mit eigenen oder adoptierten oder Pflegekindern, nichts wird geändert. Nur das noch eine kleine Gruppe dazu kommt. Ob diese Gruppe dann genauso geeignet ist in der Erziehung können, wird sich doch im Laufe der Zeit klären oder auch nicht. Was bei einer Ehe nun die "Natur zusammengefügt hat" bleibt Ihr Geheimnis. Die Ehe ist eine rein menschliche Erfindung zur Bezeichnung einer Gemeinschaft. Die Mehrheit der Deutschen hat nichts dagegen, diese Gemeinschaft zu erweitern um die Gruppe Gleichgechlechtlicher. Alles andere bleibt so wie es ist und war; ohne die kleinste Änderung.