Vorläufiges Endergebnis Drastische Verluste für Union und SPD, AfD jubelt

Die Union muss deutliche Verluste hinnehmen, gewinnt aber die Wahl. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief. Die AfD hingegen jubelt. Sie wird drittstärkste Kraft und kommt erstmals in den Bundestag. Am frühen Montagmorgen kam das vorläufige amtliche Endergebnis.

Die Union von Kanzlerin Angela Merkel hat die Bundestagswahl gewonnen - trotz deutlicher Verluste. Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge kommen CDU/CSU auf 33,0 Prozent der Stimmen. Das sind 8,5 Prozent weniger Stimmen als bei der Wahl von 2013. Damals war die Union auf 41,5 Prozent der Stimmen gekommen. Die SPD fährt ein historisches Tief ein. Mit 20,5 Prozent der Stimmen verzeichnet sie ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl.

Drittstärkste Kraft ist AfD

Die AfD holt bei der Wahl 12,6 Prozent der Stimmen, sie zieht damit erstmals in den Bundestag ein. Sie konnte von der Union über eine Million Wähler gewinnen, von der SPD rund 470.000 Wähler und von der Linken 400.000 Wähler. Zudem konnte die Partei über 1.190.000 Nichtwähler für sich mobilisieren.

FDP kommt wieder in den Bundestag

Die FDP kann sich nach vierjähriger Pause über einen Wiedereinzug in den Bundestag freuen. Sie kommt auf 10,7 Prozent der Stimmen. Die Linken liegen bei 9,2 Prozent der Stimmen. Auch für Bündnis 90/Die Grünen ist der Einzug in die Volksvertretung gesichert, sie fahren 8,9 Prozent der Stimmen ein. Die restlichen Parteien und Bündnisse bei der Wahl kommen auf 5,0 Prozent der Stimmen.

Die Wahlbeteiligung lag dem Bundeswahlleiter zufolge bei 76,2 Prozent. Damit hat sie gegenüber der letzten Wahl 2013 zugelegt. Damals waren es 71,5 Prozent.

Bodo Ramelow Ministerpräsident Thüringen in der Staatskanzlei
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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat der Union eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD gegeben. Die Union habe den Platz rechts von ihr freigemacht.

MDR AKTUELL Mo 25.09.2017 07:43Uhr 07:24 min

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CSU-Spitzenkandidat Herrmann nicht im Bundestag

CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann zieht übrigens nicht in den nächsten Bundestag. Der bayerische Innenminister stand zwar auf Platz eins der CSU-Liste für die Bundestagswahl, trat jedoch nicht als Direktkandidat an. Da die Christsozialen zwar deutlich bei den Zweitstimmen einbüßten, jedoch in allen 46 Wahlkreisen in Bayern jeweils das Direktmandat holten, ist für Herrmann kein Platz mehr frei.

Insgesamt kam die CSU im Freistaat auf 38,8 Prozent. Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl ist das ein Stimmenverlust von 10,5 Prozent (2013: 49,3 Prozent). Im bundesweiten Vergleich stürzte die CSU von 7,4 Prozent 2013 auf nunmehr 6,2 Prozent ab.

Wie hat Mitteldeutschland gewählt?

Die Wahlergebnisse in Mitteldeutschland zeichnen ein ganz anderes Bild wie auf Bundesebene. In Sachsen wird die AfD stärkste Kraft, in Thüringen und Sachsen-Anhalt zweitstärkste. Die etablierten Parteien wie CDU und SPD müssen klare Verluste einstecken. Während die Linken auf Bundesebene nur auf Platz fünf kommen, liegen sie im MDR-Sendegebiet auf Platz drei. Die FDP kommt in allen drei Ländern wieder deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde. Die schwächste Partei im MDR-Sendegebiet sind Bündnis 90/Die Grünen, die dort an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würden.

Merkel sieht Auftrag zu Regierungsbildung

CDU-Chefin Angela Merkel sagte zu den Wahlverlusten ihrer Partei auf Bundesebene, man habe sich ein besseres Ergebnis erhofft. Die Wähler hätten der Union aber den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben. "Und gegen uns kann keine Regierung gebildet werden", fügte Merkel hinzu.

Mit wem sie eine Koalition bilden wolle, ließ sie aber zunächst offen. Mit Blick auf die AfD sagte die CDU-Parteichefin, man wolle die Wähler von dort wieder zurückgewinnen, "vor allen Dingen durch gute Politik".

SPD will in Opposition gehen

Stapel Fachgedrückter roter Boxen mit SPD-Logo
SPD fährt schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein. Bildrechte: IMAGO

SPD-Parteichef Martin Schulz erklärte nach der historischen Wahlpleite, er wolle als Parteichef die Sozialdemokraten in die Opposition führen. Den Fraktionsvorsitz im Bundestag will Schulz aber nicht übernehmen, sondern sich "voll auf die Erneuerung der Partei konzentrieren".

Auch SPD-Parteivize Manuela Schwesig und Fraktionschef Thomas Oppermann erklärten, der Platz der SPD sei nun in der Opposition. SPD-Parteichef Schulz kündigte der AfD den Kampf an. Dass diese Partei so viele Stimmen eingefahren habe, sei eine Zäsur. Darüber könne kein Demokrat hinweggehen.

Petry sieht Wahlergebnis als Ansporn

AfD-Chefin Frauke Petry sagte bei MDR AKTUELL, sie freue sich riesig über den Einzug in den Bundestag. Den Wahlerfolg ihrer Partei nannte sie einen Ansporn, in den kommenden vier Jahren im Bundestag den "Regierungswechsel für 2021" vorzubereiten. Mit Blick auf die CDU sagte Petry, die Partei habe zwar drastisch verloren, doch sei das viel zu wenig gewesen. AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland sagte zum Wahlergebnis, dies sei ein großer Tag für seine Partei. Die künftige Bundesregierung werde sich "warm anziehen" müssen. "Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen", sagte Gauland wörtlich.

Die AfD und die Wähler

Die AfD hat laut vorläufigem Endergebnis bei der Bundestagswahl 12,6 Prozent der Stimmen geholt. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hat Wähler befragt, was sie von der Partei erwarten.

Wählerwanderung zur AfD
Welche Parteien haben an die AfD Wähler verloren? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wählerwanderung zur AfD
Welche Parteien haben an die AfD Wähler verloren? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wahlentscheidung für AfD
Was war den AfD-Wählern bei ihrer Wahlentscheidung wichtig? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
AfD-Wähler und ihre Sorgen
Was treibt die AfD-Wähler um? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Warum sich Wähler für die AfD entschieden haben? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Lindner spricht von "großer Verantwortung"

Auch FDP-Chef Christian Lindner feierte am Sonntagabend das Wahlergebnis. Die Menschen hätten den Liberalen ein "Comeback ermöglicht". Daraus erwachse eine "große Verantwortung" für die Partei. Zu einer möglichen Regierungsbeteiligung äußerte sich Lindner nicht. Nachdem die SPD einer neuen großen Koalition eine Absage erteilt hat, bleibt als einzige Regierungsoption ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen.

Linke zufrieden mit Ergebnis

Linken-Spitzenkandidatin Sarah Wagenknecht zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Partei. Es sei das zweitbeste in der Parteiengeschichte. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte, der Rechtsruck bei der Wahl sei eine besondere Herausforderung für die Linke. Positiv sei immerhin, dass seine Partei zugelegt habe, wenn auch nur gering.

Grüne bereit für Koalitionsgespräche

Katrin Göring-Eckardt
Spitzenkandidatin Göring-Eckardt Bildrechte: dpa

Bündnis 90/Die Grünen zeigten sich nach ihrem Wahlerfolg selbstbewusst für anstehende Koalitionsgespräche. Spitzenkandidation Katrin Göring-Eckardt sagte am Sonntag, man werde kein einfacher Partner sein. Man würde mit allen Parteien reden, außer mit der AfD. Sie mahnte ihre Partei an, weiter zusammenzuhalten, um zusammen Verantwortung zu übernehmen.

So viele Parteien zur Wahl wie noch nie

Am Wahlsonntag waren bundesweit rund 73.500 Wahllokale geöffnet. Insgesamt standen 42 Parteien zur Wahl - so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Wahlbeteiligung liegt bei 75,9 Prozent, vor vier Jahren hatte sie bei 71,5 Prozent gelegen.

Wahlberechtigt waren diesmal etwa 61,5 Millionen Deutsche - 31,7 Millionen Frauen und 29,8 Millionen Männer. Gut ein Drittel von ihnen sind der Bundeswahlleitung zufolge 60 Jahre alt oder älter, etwa drei Millionen Erstwählerinnen und Erstwähler. In den drei mitteldeutschen Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren gut sieben Millionen Menschen wahlberechtigt.  

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.09.2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 08:25 Uhr

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150 Kommentare

26.09.2017 23:58 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 150

Ich schau gerade "Lanz"...

... und wenn der Lanz den Kubicki noch länger quatschen läßt, werd' ick doch noch Sozialdemokrat!

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

26.09.2017 22:26 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber ..." 149

@ 148:
Zitat **Alles wie in "Kaisers neue Kleider"**

Lieber nackt als rechtsextremistisch!

26.09.2017 19:42 Jens der Lausitzer 148

@147, Krause "Alle Welt lacht über Deutschland".

Ja, alle Welt lacht über Deutschland - "Hochwohlgeboren" und die Hofschranzen tanzen im Kreise ihres Dunstes weiter ...

Alles wie in "Kaisers neue Kleider"

26.09.2017 09:40 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber ..." 147

@ 145. Ureinwohner:
"Ich könnte mir das gar nicht vorstellen.Alle Welt lacht über Deutschland. Stellen sie sich einmal vor
Außenminister Özdemir träfe auf Lawrov."

'Außenminister Özdemir' hört sich sehr gut an... vor allem, wenn man hört, wie eloquent sich Cem ausdrücken kann. Ob Cem AM werden wollen würde, wäre eine ganz andere Frage, aber meiner Meinung nach hat er 'die richtigen Werkzeuge' dafür im Repertoire.

Daß ein paar 'Rechtsextremisten im Bundestag' und ihre Zujubler allein mit dem Namen 'Cem Özdemir' (unabhängig von der Personalie) Probleme zu haben scheinen, gibt der Sache noch eine zusätzliche Würze - sozusagen ein 'kleines Bonmot'.

26.09.2017 08:27 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber ..." 146

@ 144:
Wenn Du 'Wutbürger' in Deiner #3 über die Deutsche Einheit als 'Annexion' ('Annektierung' war auch lustig wie 'weiße' als 'weise' - die Orthographie vertreibt mich zudem) sprichst, wo doch die Länder der DDR der Bunten Republik Deutschland beitreten wollten, ist eine weitere 'Geschichtsklitterung', wie wir sie von Dir gewohnt sind.

25.09.2017 23:07 Ureinwohner 145

143 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber Cem Özdemir als 'Bundesministe .Ich könnte mir das vorstellen!
Ich könnte mir das gar nicht vorstellen.Alle Welt lacht über Deutschland. Stellen sie sich einmal vor
Außenminister Özdemir träfe auf Lawrov.

25.09.2017 21:11 007 144

@ Kritischer Bürger 139 ... Jaja ich würde den Herrn persönlich noch zum Flieger schaffen, damit der Hass hier mal aufhört. Klar Deutschland geht unter weil eine neue Partei mit 13% in den Bundestag einzieht. Ohje schönes buntes Bummiheft lässt grüßen. Aber naja K.B., mir kommt es so vor als hat sich der Wind um 180 Grad gedreht. Wir Patrioten als (M)utbürger und inzwischen die Gutmenschen als Wutbürger. Das entspricht wohl dem Trend. Was die neuen Wahlergebnisse bringen, der bayrische Löwe ist endlich aufgeschreckt. Nächstes Jahr in Bayern Wahl, die Union abgekocht, die AfD gigantisch stark. Wenn jetzt Seehofer sich nicht durchsetzt ist auch die CSU nur noch Schmelzwasser. Merkel schrumpft zu einer Marionette. Die Regierung wird für die Merkel Union die letzte Amtszeit. Es geht nur noch um puren Machterhalt. Niemand kann jetzt sagen was aus diesem Mischmasch, der überhaupt nicht zusammenpasst, bei raus kommt ...

25.09.2017 19:18 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber ..." 143

Cem Özdemir als 'Bundesminister'?

Ich könnte mir das vorstellen!

25.09.2017 19:09 Klaas aus Holland 142

Die Wildersen, Gaulender und andere rechtspopulisten koennen hetzen wie man will aber die Demokraten sind in Europa noch immer mit mehr.

25.09.2017 18:24 Kritischer Bürger 141

Jamaika-Koalition bedeutet auch das es neben den ökologischen-umweltfreundlichen Politikern auch ökonomische-wirtschaftsinteressierende Politiker geben wird. Beides wird sich entweder nur mit gewaltigen Kompromissen vereinen lassen oder eine Seite wird sich zurückziehen. Da der Wirtschaft überall auf der Welt eine Produktionsmöglichkeit offen steht wird diese sich dann sicherlich in vielen, gerade durch Umweltauflagen etc. hier verabschieden. Was das bedeutet muss man sich nicht vorstellen. Dann wird es vorbei sein mit den Steuerhöchsteinnahmen für Kommune. Land und Bund und damit mit vielem was danach wirtschaftlich wie gesellschaftlich folgen wird!