Screenshots zur Bundeswehr-Serie Die Rekruten
Im Trailer wird die Reihe im Stil einer Netflix-Serie vorgestellt. Nicht jedem gefällt das. Bildrechte: MDR/Screenshot (Bundeswehr)

Reality-Doku "Die Rekruten" Bundeswehr zahlt 1,7 Millionen Euro für Youtube-Serie

Der Trailer könnte auch zu einer neuen Netflix-Serie gehören. Doch geworben wird für die Armee. Mit einer neuen Reality-Reihe will die Bundeswehr neue Soldaten gewinnen. Die zwölf Darsteller sind echte Rekruten - und das Drehbuch ist ihr Alltag in der Ausbildung. Gefilmt wird mit Hightech-Equipment wie Drohnen. Doch nicht jedem gefallen die millionenteuren Werbe-Clips.

von Kilian Pfeffer, ARD-Haupstadtstudio

Screenshots zur Bundeswehr-Serie Die Rekruten
Im Trailer wird die Reihe im Stil einer Netflix-Serie vorgestellt. Nicht jedem gefällt das. Bildrechte: MDR/Screenshot (Bundeswehr)

Der Trailer der Serie sieht aus wie bei einer hippen amerikanischen TV-Serie. Dabei geht es um etwas, was eigentlich so spannend gar nicht klingt: die Grundausbildung bei der Bundeswehr. Zwölf Rekruten, zwei Frauen und zehn Männer, werden drei Monate lang auf einem Marinestützpunkt in Mecklenburg-Vorpommern begleitet. Dabei entstehen 90 kurze Filme, die jeden Tag neu hochgeladen werden sollen. Jeder von ihnen ist nur fünf Minuten lang und angepasst an die Gewohnheiten von Youtube-nutzenden Teenagern. Das heißt: schnelle Schnitte, wackelige Selfie-Optik, kurze O-Töne, knallige Musik. Einige der Kandidaten wurde bereits vorab in ihrem bisherigen Umfeld vorgestellt. Das klang dann beispielsweise so: "Ich bin Jerome, 18 Jahre alt, wohn hier in Moers. Das ist jetzt nicht spektakulär, hier fahren vielleicht mal ein paar Autos vorbei …"

Das Skript ist der Ausbildungsplan

Der 18-jährige Jerome mit dem Hobby Breakdance ist ein cooler Typ und geradezu der ideale Kandidat für die Serie. Denn die Bundeswehr will die 17- bis 25-Jährigen ansprechen, um Nachwuchs zu gewinnen. Bundeswehr-Kommunikationschef Dirk Feldhaus, meint, man wolle zeigen, wie die Ausbildung heute wirklich sei: "Wir zeigen dabei die Höhen, aber auch die Niederlagen, denn letztendlich werden bei der Ausbildung fast alle an ihre Grenzen kommen. Und auch das wollen wir authentisch zeigen. Es gibt kein Skript. Das Skript sind unser Ausbildungsplan und die Rekruten selbst, wie sie ihre Ausbildung erleben."

Screenshots zur Bundeswehr-Serie Die Rekruten
In der Serie soll gezeigt werden, wie die Bundeswehr wirklich ist. Strammstehen und Gehorsam gehören auch dazu. Bildrechte: MDR/Screenshot (Bundeswehr)

Betten machen, früh aufstehen, Ausrüstung schleppen - natürlich wirkt das angesichts der knalligen Aufarbeitung in den Filmchen deutlich spannender, als es in Wahrheit ist. Wobei die Rekruten in den ersten Folgen deutlich weniger angeschrien werden, als viele vermuten würde. Ob sich die Ausbilder für die Serie extra zurückgenommen haben? Oberbootsmann Christof Sowa muss ein bisschen grinsen: "Es kommen noch weitere Folgen, wo der Ton rauer wird, jetzt war es ein bisschen entspannt, aber es wird noch richtig hart."

Die Serie kostet eine Millionensumme

Denn die Serie soll ja realistisch sein. Die Bundeswehr hat sich die Reality-Doku einiges kosten lassen. 1,7 Millionen Euro, um genau zu sein. Dafür gab es schon vorab Kritik. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner meinte, so lange die Ausrüstung der Bundeswehr marode sei, nützten die teuersten Werbefilmchen nichts. Die Millionen solle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen doch lieber für die Soldaten ausgeben. Dirk Feldhaus glaubt dagegen, das Geld sei eine gute Investition: "So haben wir 90 Tage lang immer wieder neue Inhalte auf Youtube, die noch jahrelang immer wieder auf Youtube gefunden werden. Das interessiert auch Jugendliche in der Zukunft noch."

Neunzig Tage lang kann man nun dabei zusehen, wie aus jungen Menschen junge Soldatinnen und Soldaten werden, wie es die Bundeswehr formuliert. Und wer tatsächlich dranbleibt wird dann auch erfahren, ob der junge Breakdancer Jerome noch genauso begeistert als Werbefigur für seinen neuen Arbeitsgeber zur Verfügung steht: "Ich bin heiß! Heiß auf den Dienst meine ich!"

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2016, 18:48 Uhr

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12 Kommentare

25.10.2016 20:36 Bernd Escher 12

Wie wärs denn mit Bundeswehr
Überraschungseiern in den
Kaufländern,so für die lieben Kleinen
mit einem"Banzer"drin.Wenn schon in
Einkaufszentren geworben wird.Danke

25.10.2016 16:15 Mensch 11

Wer will schon Felder in AFG bewachen...?

Und hört euch die Grünen "Pazifisten" an: Die BW ist marode, wir brauchen mehr Steuergelder für die Waffenkonzerne.....

Für diese Leute sein Leben aufs Spiel setzen? NIEMAAAAAAAAAAAALLLLLLLS!!!

25.10.2016 15:04 HERBERT WALLASCH, Pirna 10

An @4-tmp: "Entwertende Meinung ", die jungen Leute können weniger dafür, es sind die Werte, die Moralvorstellungen die ihnen als Maß vermittelt werden. Bewußt manpuliert werden, wie z.Bsp.: Die Möglichkeit einer Nichtausführung des Befehles aus moralischen Gründen! - Der Zweck jedweiliger Waffen - mündige, unabhängige politische Ansichten und die öffentliche Darlegung - u.s.w. Das bei zunehmender internationaler Beteiligung unter internationaler Befehlsstruktur. Das bedeutet, es werden nur strikte Befehlsausführer benötigt, ohne Zweifel, mit dem Ego zur Elite dazuzugehören, das ist nunmal die Realität, nicht die bewußt verbreiteten Illusionen.

25.10.2016 14:25 OHNEWORTE 9

1,7 Millionen Euro sind besser aufgewendet in einer maroden Schule .... Verbesserung der Altenpflege in den Einrichtungen, und es gibt noch unendlich viele gute sinnvolle Anwendungsbeispiele fuer 1,7 Millionen Euro, als das Soldatsein mit verpulverten Geld als cool zu praesentieren....

25.10.2016 13:43 OHNEWORTE 8

Soldatenfriedhoefe sind die besten Argumente fuer eine ANTIANWERBUNG von neuen Rekruten.....

25.10.2016 13:39 OHNEWORTE 7

Und immer wieder Kriege ..... wofuer Soldaten gebraucht werden. Vom deutschen Boden aus sollten keine Kriege mehr ausgehen , dass ist auch nicht geschehen,aber man mischt gerne als Kaempfer und Verteidiger der Demokratie mit auf Kriegsschauplaetzen ,die der Freund aus Amerika braucht fuer seine Politik . Die am lautesten sich engagieren fuer Frieden auf der Welt sind die Brandstifter , weil sie unter Frieden etwas anderes meinen.....

25.10.2016 12:07 hag 6

1,7 Mio für die Serie + 6,2 Millionen Euro an dazu gehörigen "Medialeistungen" (laut BMfV) also Reklame, kann man als symptomatisch sehen, irgendwann fallen die eigentlichen Ausgaben im Verhältnis zur Werbung nicht mehr ins Gewicht.

Siehe z.B. die "forschenden" Pharmaunternehmen

25.10.2016 11:00 tmp 5

Auch hier bei der Bundeswehr der Eindruck: Statt die Arbeitsbedingungen gut zu gestalten und diese auch so zu benennen (Vereinbarkeit von Soldat und Familienplanung? Häufige Umzüge? Zustand und Art der Ausstattung [z.B. die ist im Vergleich zu den amerikanischen Soldaten beispielsweise furchtbar schlecht, man frage die Soldaten beispielsweise einmal ob sie ihre Stiefel lieber selbst kaufen weil die Qualität der Stiefel von der Bundeswehr sehr schlecht ist]) wird einfach die Werbetrommel gerührt. Ich frage mich wann man wieder auf die Idee kommt die Wehrpflicht einführen zu wollen, damit mehr Leute einfach bleiben und Zeitsoldaten werden.

25.10.2016 10:49 tmp 4

@1 Sie haben ja eine ziemlich klare und entwertende Meinung über "junge Leute".

25.10.2016 10:01 Franz-Josef Murnau 3

Schon 2010 bewarben FDP-Nahestehende die glorreiche Bundeswehr mit einem eigenen Actionkanal auf YouTube. Ganz neu ist das also nicht. Gezeigt wurden vor allem großkalibrige Waffen und stählerne Fahrzeuge für ein biegsames Heer aus Aluminium.