NSU-Ermittlungen Handy von V-Mann Corelli aufgetaucht

Bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem sogenannten NSU-Terrortrio ist überraschend ein neues Handy des V-Manns Corelli aufgetaucht. Darüber wurde am Mittwoch der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages informiert. Corelli war 2014 überraschend mit 39 Jahren an einer unerkannten Diabetes-Erkrankung verstorben.

von Matthias Reiche, Hauptstadtstudio Berlin

Vier Jahre lang lag das Mobiltelefon  angeblich vergessen im Bundesamt für Verfassungsschutz in einem Panzerschrank. Dort wurde es im vergangenen Juni entdeckt. Warum man dann noch einmal zehn Monate brauchte, um das Gerät dem  ehemaligen V-Mann Corelli zuzuordnen und die Regierung zu informieren, konnte den Mitgliedern des NSU-Untersuchungsausschuss nicht erklärt werden. Nicht nur SPD-Mann Uli Grötsch war entsprechend verärgert: "Wir hatten jede Menge Fragen, auf die das Bundesinnenministerium und auch das Bundesamt für Verfassungsschutz keine Antworten geben konnten. Das halte ich für sehr, sehr unbefriedigend."

Corelli spielte zentrale Rolle bei Ermittlungen

Thomas R. alias Corelli spielt im NSU–Komplex eine wichtige Rolle. Der V-Mann galt als Top-Quelle in der rechtsextremen Szene und war dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund vermutlich sehr nahe gekommen. Das wusste man auch beim Bundesamt für Verfassungsschutz, wo die Leitung erst vor einer Woche, am Himmelfahrtstag, über die Vorgänge informiert wurde, sagt Armin Schuster. Er sitzt für die CDU im NSU-Untersuchungsausschuss: "Eine für das Bundesamt für Verfassungsschutz wirklich schwierig zu beantwortende Frage wird sein: Bei der Relevanz, die Corelli hier seit Jahren im Parlament hat - warum machen Mitarbeiter über Jahre nicht darauf aufmerksam? Dem müssen wir uns jetzt widmen, diese Fragen zu klären. Da möchte ich jetzt ehrlich gesagt nicht in der Haut des Amtschefs stecken."

Die drei Mitglieder des NSU Terrortrios
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nur ein organisatorischer Fauxpas?

Es steht die Frage im Raum, ob allein organisatorische Defizite die Ursache für diese neue Panne beim Verfassungsschutz sind. Nicht wenige denken wie die grüne Abgeordnete Irene Mihalic: "Das ist jetzt natürlich noch einmal so ein Moment, der uns alle in Erstaunen versetzt hat. Wenn da jetzt plötzlich so ein Handy gefunden wird, das über viele Jahre eigentlich nicht wirklich aufgetaucht ist beziehungsweise keinem zugeordnet werden konnte - dann stelle ich persönlich mir nicht nur die Frage nach organisatorischen Mängeln."

"Warum konnte das Handy übersehen werden?"

Im Augenblick wird das Gerät vom Bundeskriminalamt ausgewertet. Angeblich soll es viele Bilddateien und über 200 Kontakte zu Neonazis in ganz Europa enthalten. Man wolle jetzt auf keinen Fall Wochen oder gar Monate auf Antworten warten, sagt der CDU-Abgeordnete Clemens Binniger. Für den Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses geht es dabei vor allem um zwei Punkte: "Erstens: Warum konnte das Handy übersehen werden? Zweitens: Gibt es verfahrensrelevante Inhalte? Das sind sicher die zwei ganz wichtigen Fragen."

Zschäpe-Prozess geht weiter

Währenddessen wird heute der Prozess gegen die mutmaßliche NSU-Mittäterin Beate Zschäpe fortgesetzt. Geplant ist, dass sie über ihre Anwälte weitere Fragen beantworten wird, beispielsweise, warum sich ihre Gefährten Mundlos und Böhnhardt "Killer" und "Cleaner" nannten. Die beiden sollen für den Tod von neun ausländischen Mitbürgern und einer Polizistin verantwortlich sein.

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2016, 09:56 Uhr

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18 Kommentare

13.05.2016 12:07 Hubert 18

@17 Mal ne Anmerkung 13.05.2016 09:30 - Den Satz "Egal wer die Morde begangen hat, den Nazis schiebt man es bloß in die Schuhe." hat Blumenfreund schon x-mal gepostet, und er wird ihn noch x-mal posten.

13.05.2016 09:30 Mal ne Anmerkung 17

@10 Blumenfreund,der "Braune Blumenfreund" ist wieder aktiv um seine Gesinnungsgenossen zu verteidigen.Der "Braune Blumenfreund" ist durch sehr viele "Beiträge" im MDR als "Rechter" identifiziert!So sollte man seine "Beiträge" bewerten.Nur als Hinweis!!!!

12.05.2016 21:49 Wieland der Schmied 16

Ich bin überglücklich, dass ich in einer derartig perfekten Demokratie leben darf, wo alles nur zum Wohl des Bürgers, für seine Wohlfahrt und seine Sicherheit getan wird. Ich bin überglücklich, dass ich in einer ausgezeichneten Demokratie beheimatet bin, wo der Wille des Volkes oberste Priorität für alle im Auftrag des Volkes arbeitenden Verwaltungsinstitutionen ist. Ich bin überglücklich, dass ich zu meiner eigenen Sicherheit und der meiner Familienangehörigen von Geheimdiensten und Sicherheitsorganen umzingelt bin, die schonungslos und unbemerkt nur ein Ziel tagaus und tagein verfolgen, mich vor Staatsfeinden, Sabogenten und Räubern zu schützen, lautlos, aufmerksam und zu 100%! Und wenn dann schon mal eine solche „Dattel“ beim Spielen in die Ecke eines vielwandigen Stahlschranks rutscht, Herrje, es ist ja nichts passiert, oder? Mein grenzenloses Vertrauen wird dadurch mit nichtem erschüttert.

12.05.2016 21:08 SGDHarzer66 15

Lächerlich. Aber mehr als bezeichnend im "freiesten" Land auf deutschem Boden.

12.05.2016 17:43 Insider 14

Hoffentlich findet sich bald jemand, der den A... in der Hose hat und Anzeige gegen (un)bekannt stellt, wegen Strafvereitelung im Amt. Oder wie #1 schon schrieb, zumindest einem der (damals wie auch jetzt) verantwortlichen Minister die "richtigen" Fragen stellt. (Auch wenn´s krass klingt, aber bei dem anderen Verein, der vor ca. 27Jahren zerschlagen wurde, hätte es so etwas nicht gegeben. Wenn man damals schon nicht das "Personal" übernehmen wollte, zumindest von deren Wissen hätte man profitieren können, aber da hätten man ja noch was von den "dummen Ossis" lernen müssen.)

12.05.2016 17:18 Ichich 13

@Blumenfreund, es gab in den 80ern eine sehr große Unterstützung für Kurden in der westdeutschen Studentenszene. Ende der 80er gab es sehr laute Gerüchte, daß der "Geheimdienst eines NATO-Landes" durch unsere Regierung carde blanche bekam, um kurdische Funktionäre in Westdt. oder in diesem NATO-Land "auszuschalten". Ob es einen Zusammenhang gibt ? Das weiß ich nicht.

12.05.2016 16:20 Vergessen, geschreddert, weggespült, nachgereicht 12

Ein Schelm wer Arges dabei denkt!!! Das ist Sicher!

12.05.2016 15:08 Luftikus 11

Ich hoffe, alle Beteiligten konnten mit Hilfe des Telefonanbieters, sämtliche Verbindungsdaten während der Lagerung im Panzerschrank löschen. Sonst muß wirklich das nächste Hochwasser, dieses Mobiltelefon in die Sahara spülen. Eine Hoffnung gibt es für den Untersuchungsausschuß noch. Unsere lieben Freunde von der NSA haben bestimmt über Echelon mitgehört und mitgeschnitten und haben ein Update.

12.05.2016 13:39 Blumenfreund 10

Das alles wirkt schon sehr zurecht konstruiert. So viele Pannen können einem professionellen Geheimdienst nicht passieren. Egal wer die Morde begangen hat, den Nazis schiebt man es bloß in die Schuhe.

12.05.2016 13:07 romo 9

In den Schmücker Prozessen 1976 RAF war die Waffe, welche Schmücker tötete, 16 Jahre im Panzerschrank des Verfassungsschützers Grünhagen vom Berliner Amt für Verfassungsschutz versteckt und so als Beweismittel " nicht vorhanden". Wie ähnlich sich doch die Sachverhalte sind. !!!