Jugendwerkhof Torgau (historische Aufnahme)
Die Spezialeinrichtungen der DDR-Jugendhilfe waren für besonders grausame Methoden der sogenannten "Umerziehung" bekannt, beispielsweise der berüchtigte Jugendwerkhof in Torgau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aufarbeitung Studie belegt Zwangsarbeit in DDR-Jugendwerkhöfen

Knapp eine halbe Million Kinder in der DDR durchliefen die Heime der sogenannten Jugendhilfe. Dabei wurden sie oftmals auch Opfer psychischer und physischer Gewalt, von Freiheitsberaubung und weiteren Menschenrechtsverletzungen. Das Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung (DIH) hat nun untersucht, inwieweit die Kinder und Jugendlichen zu Zwangsarbeit genötigt wurden.

Jugendwerkhof Torgau (historische Aufnahme)
Die Spezialeinrichtungen der DDR-Jugendhilfe waren für besonders grausame Methoden der sogenannten "Umerziehung" bekannt, beispielsweise der berüchtigte Jugendwerkhof in Torgau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Insassen von DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen sind wiederholt zu Zwangsarbeit genötigt worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Heimerziehungsforschung (DIH), die von der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, in Auftrag gegeben wurde. Darin heißt es aber auch, dass es sich nicht bei jeder Tätigkeit in den Heimen automatisch um Zwangsarbeit gehandelt habe.

Arbeitsverpflichtungen waren auf Ausnutzung ausgerichtet

So sei das Phänomen "Arbeit" in den Jugendhilfeeinrichtungen der DDR immens vielfältig gewesen. Das Ausmaß reiche von Arbeitserziehung bis zur wirtschaftlichen Ausbeutung, von Selbstbedienung, Strafarbeit, Berufsausbildung, Leiharbeit bis zu gesellschaftlich nützlicher Arbeit. Abhängig sei dies auch von der Heimart zwischen dem "Normalkinderheim" und dem Jugendwerkhof.

Autoren der Studie sind der Ethik-Professor Karsten Laudien von der Evangelischen Hochschule Berlin und die Leiterin des DIH, Anke Dreier-Hornig. Hinsichtlich der Jugendwerkhöfe kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsverpflichtungen für die Insassen keine pädagogischen Absichten erfüllt haben, sondern auf die wirtschaftliche Ausnutzung der Arbeitskraft der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet waren. Zudem gehe die Arbeit mit Demütigungen der Betroffenen einher, weshalb diese Formen auch als Zwangsarbeit bezeichnet werden könnten.

Gleicke: "Sprachlosigkeit überwinden"

Iris Gleicke
In der Kindheit erlittenes Unrecht wiege besonders schwer, sagt Iris Gleicke, Ostbeauftragte der Bundesregierung. Bildrechte: dpa

Für Iris Gleicke, die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, steht fest, dass die Arbeit von Jugendlichen in Werkhöfen und Durchgangseinrichtungen weit über das Vertretbare hinausging. "Jugendliche wurden aus wirtschaftlichen Gründen übel ausgebeutet, berufliche und persönliche Chancen wurden verbaut und Lebensträume zerstört."

Nun gehe es darum, die Sprachlosigkeit zu überwinden und zu verstehen, "wie die Mechanismen funktionieren, die zu solchem Unrecht geführt haben". Die weitere systematische Auseinandersetzung mit dem in der DDR erlittenen Unrecht sei ein zentrales politisches Anliegen für sie. Verbliebene Lücken bei der Aufarbeitung müssten geschlossen werden.

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2016, 11:19 Uhr

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44 Kommentare

12.12.2016 09:46 Laue 44

karstde Wir die im JWH oder SKH waren und nur 7 oder 8 Klassen haben sindschlauer als sie ,da unser Schulbildung intensiver war und auch jeden Samstag ,also stellen Sie uns nicht als dumm hin . Wir sind nicht freiwillig da rein gegangen sondern wir mussten. Informieren Sie sich erst richtig bevor sie uns als dumm hinstellen

11.12.2016 19:12 elke massarik 43

warum fragt uns keiner wie wir es empfunden haben in den jwh eingewiesen wurden zu sein zack und weg wer nicht in das System gepasst hat ,wir waren kinderund die bonzen sitzen immernoch in hohen Ämtern wir wurden gedrillt bis wir willenlos waren ich bin 56 jahre und kriege diese zeit nicht aus meinen kopf und die verantwortlichen sitzen mit ihren fetten renten zu hause und lachen während viele von uns mit eu rente gerade so überleben weil dieses System uns kaputt gemacht hat und solange ich lebe werde ich für die Rehabilitation aller kämpfen

11.12.2016 18:21 karstde 42

Axel Flemming@40:
"Mein Vergehen war es auch nur,dass ich nicht anpassungsfähig war und nicht in das Bild eines sozialistischen Staates passte."
Das ist zu allgemein. Was heißt den dass konkret?
Klärt mich doch mal auf? Ich kenne unzählige viele Bürger aus der DDR, die nicht anpassungsfähig waren. Die nur Hohn und Spott für die DDR übrig hatten. Die können doch nicht alle im Jugendwerkhof gewesen sein?

11.12.2016 17:54 Volkmar 41

Wenn ich die Kommentare lese, kann ich mir feststellen hier treffen zwei unterschiedliche Welten aufeinander. Die Welt der vor 1970 und die Welt danach. Fakt ist aber es gab Ausbeutung durch Arbeit sowohl in den Jugendwerkhöfen oder in Spezialkinderheimen. Es spielt da erstmal keine Rolle warum man da war, ausgebeutet wurde man so und so. Die berühmten Arbeitseinsätze an den Wochenenden (Jugendwerkhof) oder nach der Schule (Heimen). Dafür gab es direkt keine Hausaufgaben auf, das man auch frei war. Da ging es in die Burger Knacke Werke( hier gab es nichts weder Lohn noch sonst etwas), Brauerei Magdeburg (pro Person 2 Flaschen Bier aber man musste schon mind. 16 Jahre sein sonst gab es nichts), Netzfarm Plau am See (Da gab es nichts), LPG Ganz, LPG Wangelin, (bei den LPG gab es eine beschmierte Stulle und eine Flasche Brause) man könnte die Liste noch weiter fortsetzen. Wer sich weigerte ist zwangsläufig bestraft wurden, Reduzierung des Taschengeldes oder andere Strafarbeit im Heim.

11.12.2016 17:14 Axel Flemming 40

Wenn Frau Gleicke wirklich an einer Aufarbeitung liegt,dann sollten die Betroffenen auch entschädigt werden.Mein Vergehen war es auch nur,dass ich nicht anpassungsfähig war und nicht in das Bild eines sozialistischen Staates passte.Ich hatte damals fast mein Leben dort verloren!!

11.12.2016 16:33 rogmann klaus 39

ich war in burg ( 78-79 ), der größte werkhof damals, alles lief den ganzen tag im gleichschritt ab, Pri­vat­sphä­re gab es nicht, das war knast für uns minderjährige !!

11.12.2016 16:19 karstde 38

Petra @35: Mir ist aufgefallen, dass hier nur diejenigen Klagen, die bis zur 8. Klasse ihre Bildung in der DDR genossen haben. Ich finde allerdings hier keinen, der eine volle Schulbildung abgeschlossen hat, geschweige denn ein ehemaliger Abiturient. Komisch.

11.12.2016 16:15 karstde 37

Andreas Horn @34: Also ist das Ihrer Meinung nach viel besser. Keine Zukunft für unsere Jugend. Wer kein Geld hat, kommt auch nicht weiter? Drogen, Kriminalität und und und. Ich will das nicht negieren in der DDR. Mir kommt das aber alles ein bisschen Einseitig rüber. Wenn ich mal Fragen darf, was heißt in Ihren Augen nicht Anpassungsfähig?

11.12.2016 16:09 karstde 36

AufmerksamerBeobachter @32: Ich sehe im Allgemeinen keinen großen Unterschied zu heute. Im Besonderen schon. Wir leben heute im Kapitalismus. Da ist der größte Betrug noch Ehrenwert. Vorausgesetzt, man legt mal seine ideologisch-politisch vorgefasste Brille ab.

11.12.2016 14:39 Petra 35

auch ich war in Wittenberg,erst beschloss man das die 8.Klasse für mich reicht und dann wurde ich aus meiner Lehre genommen und durfte einen sogenannten Teilberuf erlernen.Aber nicht meinen Wunschberuf.Meine Mutti war alleinerziehend und angeblich überfordert.Ich war 14 Jahre alt durfte dann in 2 Schichten arbeiten und einmal im Monat ging es Sonntags noch nach Bitterfeld in die Braunkohle die Tagebaubagger saubermachen.

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