Reaktionen auf Köln-Übergriffe "Widerwärtige kriminelle Taten völlig inakzeptabel"

Die massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und in Hamburg haben eine heftige Debatte in Politik und Gesellschaft ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Konsequenzen aus diesen "widerwärtigen kriminellen Taten". Auch Alice Schwarzer meldete sich zu Wort, ebenso wie die Journalistin Dunja Hayali oder Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig. Hier die Stimmen:

Merkel: Konsequenzen aus Übergriffen in Köln

Angela Merkel
Merkel: "Widerwärtige kriminelle Taten völlig inakzeptabel." Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die "widerwärtigen kriminellen Taten" als völlig inakzeptabel. Die CDU-Chefin forderte Konsequenzen aus den sexuell motivierten Angriffen Sie würden vom deutschen Staat nicht hingenommen: "Das Gefühl - von Frauen in diesem Fall -, sich völlig schutzlos ausgeliefert zu fühlen, ist auch für mich persönlich unerträglich." Die CDU-Chefin erklärte, es stellten sich einige sehr ernsthafte Fragen, die über Köln hinausgingen. So müsse geklärt werden, ob es gemeinsame Verhaltensmuster oder in manchen Gruppen Frauenverachtung gebe. "Wir müssen dem mit aller Entschiedenheit entgegentreten". Sie glaube nicht, dass es sich nur um Einzelfälle handele, sagte Merkel weiter. Wenn es Rechtsänderungen oder einer größeren Polizeipräsenz bedürfe, seien dies die notwendigen Antworten. Geprüft werden müsse auch, ob etwa bei "Ausreise-Notwendigkeiten" oder Ausweisungen schon alles Notwendige getan worden sei.

Schwesig: Zeiten des Minirock-Verbots sind vorbei

Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig, SPD erklärte, Männer, die so etwas machten, müssten ihr Verhalten ändern, und vor allem zur Rechenschaft gezogen werden. Die Zeiten, "wo wir Frauen uns nicht frei bewegen dürfen, wo wir keine Miniröcke tragen dürfen, diese Zeiten sind vorbei." Würden diese Probleme nicht angesprochen, sei dies Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremisten.

Hayali: Übergriffe kein Auswuchs spezieller Kultur

Dunja Hayali und Heiko Maas stehen vor Mikrofonen
Hayali, hier links im Bild, warnt vor kultureller Vorverurteilung. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali warnte auf Facebook vor einer kulturellen Vorverurteilung, denn die Vorgänge in Köln, Hamburg, Stuttgart seien kein Auswuchs einer speziellen Kultur. Zugleich äußerte sie ihr Mitgefühl: "Männer schließen sich in Horden zusammen, organisiert oder nicht, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Da muss man keine Frau sein. Die Angst kann jeder nachfühlen, ob Frau, Mann, jung, alt, schwul oder sonst was." Das Geschehene sei unerträglich und gehöre vor Gericht.

Bundesjustizminister Heiko Maas warnte auf Twitter, "nicht Frauen tragen Verantwortung, sondern Täter". Zugleich stellte er fest, wenn sich eintausend Menschen zu einer enthemmten Horde zusammenfänden, und das so geplant gewesen sei, dass sei das nichts weniger als ein Zivilisationsbruch gewesen. Nie wieder dürften Menschen solchen zügellosen Massen schutzlos ausgeliefert sein.

Seehofer fordert "sehr, sehr harte" Konsequenzen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer forderte, der Rechtsstaat müsse mit aller Konsequenz vorgehen, "und zwar sehr, sehr hart." Die Übergriffe bezeichnete er als erschütternd und unsäglich. Bundesinnenminister Thomas de Maizière nannte das Verhalten der Täter empörend, abstoßend und nicht hinnehmbar.

Kölns Oberbürgermeisterin verteidigt sich wegen #einearmlaenge

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht am 05.01.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) mit dem Polizeipräsidenten Wolfgang Albers vor der Presse.
Reker bei der Pressekonferenz Bildrechte: dpa

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker verteidigte sich gegen einen Shitstorm in den Sozialen Medien. Sie hatte auf einer Pressekonferenz am Dienstag verschiedene Verhaltenstipps gegeben und Frauen ans Herz gelegt, es gebe "immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft". Sie sei verkürzt dargestellt worden, damit sei der Eindruck entstanden, "meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken."

Alice Schwarzer warnt vor falschem Rassismus

Alice Schwarzer
Schwarzer stellt klar: Eine Armlänge hilft nicht. Bildrechte: dpa

"Emma"-Chefin Alice Schwarzer sagte dazu, "es ist wahrscheinlich gut gemeint, aber natürlich wahnsinnig naiv. Bei diesen Jungs, die da Terror gemacht haben, ist natürlich eine Armlänge gar nichts. Statt potenziellen Opfern Ratschläge zu geben, würde ich lieber dafür sorgen, dass die Täter nicht mehr zu Tätern werden können. Und da hat eine Oberbürgermeisterin eine Menge zu tun."

Zugleich warnte sie vor falschem Rassismus: "Ich glaube, die Vorverurteilung ist groß, wenn wir darüber schweigen. Der wirkliche Rassismus ( ... ) ist, dass man es nicht sagt."

Kriminologin: Einzelne Frau stärken im Falle von Köln Utopie

Auch aus Sicht der Kriminologin Rita Steffes-enn helfen Verhaltensvorschriften für Frauen bei Vorkommnissen wie in Köln nicht: "Bei solchen Großgruppen können wir nicht sagen, wir stärken die einzelne Frau, das ist ja Utopie", sagte sie bei MDR INFO. Da sei die Gesellschaft gefragt. Die habe aber bisher nicht einmal das Bewusstsein dafür gehabt, dass Menschen so mit anderen Menschen noch dazu im öffentlichen Raum umgehen würden. Jetzt seien alle gefordert, genauer hinzuschauen.

Guckt doch bitte genauer hin, ruft Verstärkung, stellt lärmige Öffentlichkeit her, versucht mit Massen dagegenzusetzen, also die Gelegenheitsstruktur zu unterbinden.

Rita Steffes-enn, Kriminologin

Steffes-enn schloss nicht aus, dass die Strategie vom Köln, das Einkesseln und Isolieren von Frauen durch große Gruppen, die dann Übergriffen ausgesetzt waren, Schule machen wird: "Aus dieser Masche oder Strategie kann sich natürlich ein krimineller Trend für entsprechend motivierte Täter entwickeln", sagte sie dem MDR. Die Masche sei alt, die Dimension von Köln aber neu.

 

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Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2016, 18:00 Uhr

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103 Kommentare

09.01.2016 08:52 Henning 103

Eigentlich könnte man den Begriff "rassistisch" auch verwenden wenn beispielsweise die Einwanderungs- bzw. Flüchtlingspolitik zu Lasten der hiesigen Bevölkerung geht. Das ist im Duden so definiert - für den Fall, wenn es sich um Diskriminierung handelt.

08.01.2016 23:29 Finja 102

Die Merkeln hat doch die Flüchtlinge eingeladen zu kommen. Nun haben Sie die Konseguenz zu tragen. Deutsche geht auf die Straße die Merkel muß weg.Die hat eine Falsche Politik.

08.01.2016 15:28 Anti-Klaus 101

@61: Deutschland schafft nicht nur sich selbst - nein, es schafft sogar Europa ab.

08.01.2016 15:12 mitteldeutscher 100

Widerwärtig sind eigentlich nur die gegenseitigen Schuldzuweisungen und dieser Eiertanz.

08.01.2016 12:28 Otto der Teutone 99

Ich glaube kaum, dass es ernsthafte Konsequenzen und Aufklärung im großen Stil geben wird. Alles in allem wahrscheinlich ein schöner Freibrief zum "Weiter so!". Das Problem wird uns entgleiten, da soll sich mal keiner was vor machen!

08.01.2016 09:30 Helga 98

Finde die Aussage bzw. Definition von Frau Schwarzer zu Rassismus bemerkenswert.

08.01.2016 08:28 olvenfcm 97

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn nur immer gesagt wird was getan werden muss und dann aber nicht zeitnah gehandelt wird, dann verliere ich das Vertrauen in die Politiker und in das was sie sagen.

08.01.2016 07:59 Vielleicht wird es keine Wahlen geben? 96

Frau Dr. Merkel wird ihren Posten nicht so schnell räumen wollen. Da wird die Wahl eben mal ausgesetzt. Denn Geld für Rentenerhöhung - für die CDU-Wähler - ist nicht mehr vorhanden. Fließt nun in Integrationsseminare für Deutsche (um sich dem Islam anzupassen). Das muss eine Demokratie auch mal aushalten. Wir schaffen das! Deutschland fordert M=e=r=k=e=l=s R=ü=c=k==t=r=i=t=t, mit all ihren Politkommisaren! PS: Bis jetzt ist keine öffentliche Entschuldigung an die Opfer ergangen. Pfui!

08.01.2016 07:11 Reiner Hass 95

Merkel hat die Einheimischen belogen, betrogen und als obendrein als Verwirrte beschimpft. Nur diese Dame allein ist Schuld daran, dass wir von Dünnbrettbohrern und Asylbetrügern vorgeführt werden. Ich persönlich habe meine Richtung gefunden und werde konsequent nur noch rechte Parteien wählen.

08.01.2016 06:33 harzer 94

Euer OB Jung, er müsste eine Lichterkette gegen die Flüchtlinge , die in Köln Frauen angegriffen hat! Wo lebt dieser Mann laut Polizei und die Welt ( Zeitung) waren es neu ein gereiste Wirtschaftsflüchtlinge. Legida hat keine Frauen angegriffen, der OB ein Lacher.