Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf
Software-Update für einen VW-Golf. Bildrechte: dpa

Ergebnisse beim Diesel-Gipfel Updates und Prämien

Beim Treffen von Politik und Autobauern in Berlin wurden erste Maßnahmen vereinbart, um die Stickoxidemissionen von Diesel-Pkw zu senken. Demnach sind Software-Updates für fünf Millionen Wagen durch die Hersteller geplant. Außerdem bieten die Autobauer Prämien beim Kauf schadstoffarmer Neuwagen an. Der ADAC kritisiert die Vereinbarungen als ungenügend. Die Politik sei vor den Autokonzernen eingeknickt.

Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf
Software-Update für einen VW-Golf. Bildrechte: dpa

Insgesamt rund fünf Millionen Dieselautos mit Euro-5 und Euro-6-Norm in Deutschland sollen eine neue Motorsoftware erhalten. Das haben die Autokonzerne beim Krisentreffen mit der Politik zugesagt. Darin enthalten sind die rund 2,5 Millionen Diesel-Pkw des Volkswagen-Konzerns, die nach Bekanntwerden der Manipulationen bereits ein Update erhalten haben. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit.

BMW-Chef Harald Krüger, Daimler-Chef Dieter Zetsche und Volkswagen-Chef Matthias Müller kommen am 02.08.2017 in Berlin zum Diesel-Gipfel
VW-Konzernchef Müller (l.), Daimler-Chef Zetsche (m.) und BMW-Chef Krüger beim Diesel-Krisentreffen. Bildrechte: dpa

Damit soll die Stickoxid-Belastung dieser Dieselmodelle um 25 bis 30 Prozent reduziert werden. Laut VDA zeigen Studien, dass die Schadstoffbelastung durch die neue Software mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote.

Angeboten werden die Nachrüstungen von BMW, Daimler, Volkswagen und Opel. Den Haltern sollen keine Kosten entstehen. Die Aktion soll laut VDA auch keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben.

Hersteller locken mit "Umweltprämien"

Zudem versprachen die Autobauer "herstellerspezifische Vertriebsmaßnahmen". So bietet BMW seinen Kunden mit einem Diesel der Abgasnorm Euro 4 oder älter beim Kauf eines Neuwagens modellabhängig eine Umweltprämie von bis zu 2.000 Euro an. Die Aktion soll noch im August starten und bis Jahresende dauern. Kunden müssen demnach ihren alten BMW beim Händler in Zahlung geben und einen Elektro-, Hybrid- oder Diesel-Neuwagen der Marke BMW oder Mini kaufen.

Gipfelteilnehmer müssen umziehen

Greenpeace-Aktivisten entrollen am 02.08.2017 in Berlin auf dem Bundesverkehrsministerium ein Transparent mit der Aufschrift
Greenpeace-Aktion in Berlin am Bundesverkehrsministerium. Die Teilnehmer des Diesel-Gipfels zogen ins Innenministerium um. Bildrechte: dpa

Der Diesel-Gipfel von Bund, Ländern und Autobranche in Berlin hatte am Mittag mit Verspätung begonnen. Das im Verkehrsministerium geplante Treffen wurde wegen Sicherheitsbedenken kurzfristig ins nahe Bundesinnenministerium verlegt.

Vor dem Verkehrsministerium, das direkt an einer stark befahrenen Straße liegt, gab es mehrere Protestaktionen von Umweltschützern.

Billiglösung für die Autobauer

Die Autobauer hatten Updates statt teurer Nachrüstung von Filtersystemen favorisiert. Eine neue Software kostet je Fahrzeug um die 100 Euro, Umrüstungen etwa 1.500 Euro.

Allerdings blieb zunächst offen, ob damit alle Motormanipulationen abgestellt werden. Im Vorfeld war von insgesamt neun Millionen Schummeldieseln der Schadstoffklassen Euro-5 und Euro-6 die Rede. Auch der Wirkungsgrad der Updates ist umstritten. Unsicher ist zudem, ob das Prämienmodell zieht und damit die rund sechs Millionen Altdiesel mit Euronorm 1 bis 4 von der Straße kommen.

Umweltministerin Hendricks hatte vor dem Gipfel im SWR gesagt, Software-Updates könnten nur ein erster Schritt sein. Die Autoindustrie müsse weitergehende Angebote machen.

500 Millionen für Verkehrsprojekte

Bundesminister und Ministerpräsidenten werden am 02.08.2017 in Berlin in ihren Dienstwagen zum Bundesinnenministerium gefahren. Der Diesel-Gipfel wurde vom Verkehrsministerium in das Innenministerium verlegt
Die Teilnehmer bei der Ankunft im Bundesinnenministerium. Bildrechte: dpa

Ferner wollten Industrie und Bund laut Erklärungsentwurf je zur Hälfte einen Fonds von 500 Millionen Euro für die 28 am stärksten belasteten Kommunen auflegen. Es sollen intelligente Verkehrs- und Mobilitätslösungen entwickelt werden. Das Förderprogramm für Taxen und Busse mit Elektroantrieb soll ausgeweitet werden. Kommunen können demnach für E-Busse 80 Prozent des Preisunterschieds zu Dieseln erstattet bekommen, statt bislang 40 Prozent.

ADAC: Politik ist eingeknickt

Der ADAC bewertet die Ergebnisse des Dieselgipfels lediglich als "ersten Schritt" und sieht erhebliche Lücken. Gut sei die Vereinbarung, Verfehlungen der Hersteller nicht auf Kosten der Diesel-Besitzer zu beheben. Mit der Beschränkung auf Software-Updates, so der Automobilclub, sei die Politik jedoch vor der Industrie eingeknickt. Mit Hardware-Nachrüstungen ließe sich der Stickoxidausstoß nicht nur um 25 Prozent, sondern um bis zu 90 Prozent senken.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio und Fernsehen | 02.08.2017 | ab 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 17:35 Uhr

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54 Kommentare

04.08.2017 08:31 OHNEWORTE 54

Dumm gelaufen, mit VW ist alles aufgeflogen. Was ist mit Skoda ? Dort wurde doch auch Hand angelegt von Volkswagen.Dieser Diesel Gipfel diente doch nur dazu , die Politik sauber zu waschen.
Vorher sind die Politiker gerne mit den Marken Volkswagen,Audi,Porsche glaenzend aufgetreten...einige Politiker werden sicherlich auch in den Vorstaenden sitzen un ihre erbaermlichen Silberlinge ,von denen sie leben muessen , bei diesen Hausmarken aufbessern.Kapitalismus ist nunmal ...eine Hand waescht die andere ...Hauptsache es klingelt im Geldbeutel. Dieselgipfel ...der Versuch ,die Teppichkante gemeinsam anheben und den Dreck drunter zu kehren.

03.08.2017 18:59 NRW-Wessi 53

@ 43 Karin

Volle Zustimmung.

Hätte vor knapp 10 Jahren das Alter und die Kilometerleistung meines damaligen Euro1-Diesels nicht ohnehin zum Verkaufen gepasst, so hätte man mich schon damals enteignet, weil es für dieses Fahrzeug keine lächerliche Feinstaubplakette gab. Der Wagen fuhr dann in einer deutschen Region ohne Plakettenwahn mit seinem neuen Besitzer munter weiter.

Jetzt habe ich einen im Vergleich zum Benziner des gleichen Modells sparsamen Euro4-Diesel, der schon wieder eine "Dreckschleuder" sein soll.
Aus diversen Gründen wie beispielsweise Asylpolitik, Bargeldabschaffung und Homo-Ehe, aber auch weil ich gegen die Diskriminierung von Dieselfahrern bin, werde ich diesmal entsprechend wählen - keinesfalls aber links-grün-ideologische Weltverbesserer.

03.08.2017 17:09 manfred molls 52

Kann mir jemand sagen, warum ford behauptet, keine up dates vornehmen zu müssen. Sind fordmotoren sauberer als andere?

03.08.2017 13:36 Lächerlich 51

war der Redebeitrag von BMW in der Pressekonferenz...was sind denn 2000 EURO Bonus bei den Preisen von BMW Fahrzeugen. Die Leute, die diese Autos kaufen, brauchen keinen Bonus. Man sollte besser aufpassen, welche Politiker von der Autoindustrie gekauft werden und dann eine Wahlentscheidung treffen.

03.08.2017 12:16 Nordharzer 50

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass allein Zetsche geäußert hat, dass Mercedes für Folgeschäden, die durch das Softwareupdate entstehen, einstehen wird. Alle anderen Kunden werden selbst bei dieser Minimalvariante mit den Problemen allein gelassen.

03.08.2017 12:07 Peter 49

@44: Ach, Gerd, Sie sollten wissen, dass ich nichts ohne Beleg in die Welt setze.
Sie können sich gern über die Initiative von Heiko Maas zur Einführung einer Musterfeststellungsklage informieren u.a.: 1. Auf der Web-Site des Deutschen Bundestages (Beitrag vom 13.12.2016), 2. Im Bericht des "Handelsblatt" vom 28.04.2017

03.08.2017 12:06 Maria 48

Wenn betrifft dies wieder den kleinen Steuerzahler, dann sollten sie mal anfangen bei den ganzen Kreuzfahrtschiffen, denn von denen gibt es immer mehr. Ich denke da mus man auch ran denn die Verschmutzung der Umwelt ist glaube ich durch die viel gravierender . Aber da will keiner ran bringt ja einen Haufen Geld. Da könnte man noch viel mehr aufzählen, die Politiker spinnen doch, wenn dann nicht immer an einer Stelle ansetzen sondern dann alles im Auge haben.

03.08.2017 08:13 karstde 47

Das ist der schlagende Beweis, das Politik und kapitalistisches Privateigentum eng miteinander verflochten sind. Man nennt dies staatsmonopolistischer Kapitalismus. Gibt ja Leute, die finden so etwas Geil.

03.08.2017 07:45 Hans-Jürgen Rumler 46

Guten Morgen,
hier wird über den Diesel gesprochen als ob auf unseren Straßen nur deutsche Autos fahren. Was ist mit den ausländischen Fabrikaten? Was sollen, wollen, oder müssen die anderen Hersteller tun? Machen die jetzt auch nur ein Update?

03.08.2017 06:49 pkeszler 45

"Politik ist vor der Autoindustrie eingeknickt"
Und für dieses schwache Ergebnis wurde extra der Dieselgipfel einberufen? Ich denke, dass sich unsere Regierung klar zu den Dieselfahrern bekennen muss, denn Wählerstimmen sind doch wichtiger, als die Kosten der Automobilproduzenten? Allein ein Softwareupdate bringt nichts, es muss eine richtige Umrüstung der Fahrzeuge auf Kosten der Produzenten erfolgen, die minderwertige Ware (Fahrzeuge) an die Verbraucher verkauft haben. Das bestätigen doch alle Fachleute. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Ergebnisse des Dieselgipfels als unzureichend bezeichnet. "Mit der Entscheidung für reine Software-Updates, die nicht einmal verpflichtend sind, werden Fahrverbote unausweichlich", erklärte der BUND-Vorsitzende Weiger. "Erneut haben sich die Autohersteller gegen die Interessen von Verbrauchern und Umweltschützern durchgesetzt."