Blick auf die Montagenbänder für den E-Golf aus der Gläsernen Manufaktur Dresden.
In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird der E-Golf gebaut. Die Nachfrage nach E-Autos ist aber bescheiden. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Elektromobilität Deutsche kaufen trotz Prämie keine E-Autos

Eine Million Elektroautos sollten auf deutschen Straßen bis 2020 fahren. Von diesem Ziel hat sich die Bundesregierung schon lange verabschiedet. Um mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen, setzte die Regierung immerhin einen Kaufanreiz in Form eines finanziellen Zuschusses in Höhe von bis zu 4.000 Euro. Seit einem Jahr kann die Förderung in Anspruch genommen werden. Das E-Auto bleibt jedoch ein Ladenhüter. 

von Michael Kück, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Blick auf die Montagenbänder für den E-Golf aus der Gläsernen Manufaktur Dresden.
In der Gläsernen Manufaktur in Dresden wird der E-Golf gebaut. Die Nachfrage nach E-Autos ist aber bescheiden. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Das Interesse an E-Autos bleibt gering. "Bringt mir ja nix, wenn ich nach 300 Kilometern nicht weiß, wo ich mein Auto aufladen kann. Wenn das Netz ausgebaut ist und ich kann auf der Autobahn schnell ranfahren, ok.", sagt ein Autofahrer. 4.000 Euro seien schön und gut, aber bei den hohen Anschaffungskosten und dem fehlenden Ladenetz sei der Anreiz zu gering.

Nur 20.000 Prämien beantragt

So sehen das offenbar viele. 1,2 Milliarden Euro hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für das Programm lockergemacht – das reicht theoretisch für 300.000 Förderungen. Doch im ersten Jahr wurden gerade etwas mehr als 20.000 Prämien beantragt. Zwar geht die Tendenz nach oben, sie bleibt aber auf niedrigem Niveau. Das hatte sich schon nach wenigen Monaten angedeutet.

Die Bundesregierung bleibt gelassen, Nachbesserungen sind vorerst nicht geplant. Das Förderprogramm laufe schließlich noch zwei Jahre weiter, argumentiert die Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Zypries, Tanja Alemany: "Wir werden erst mal das Ende der Förderperiode abwarten und gucken, wie sich die Zahlen entwickeln und dann sehen wir weiter."

Opposition fordert Steueranreize

Das reicht nicht, findet der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn aus Dresden. Ihm fehlen vor allem steuerliche Anreize: "Wer sich ein E-Auto anschafft, der kriegt über die Kfz-Steuer einen Bonus, also zahlt eine negative Steuer und wer ein Auto will, dass über dem CO2-Standard liegt, der zahlt einen Malus – und darüber kann dann die Anschaffung der Elektrofahrzeuge gefördert werden", schlägt er vor.

Ladestationen fehlen

Ein Problem bleibt: das fehlende flächendeckende Netz an Ladestationen. Hier müsse der Gesetzgeber nachhelfen und beispielsweise bei Neubauten von Supermärkten oder Einkaufszentren dafür sorgen, dass der Bau zur Pflicht werde. Und auch Mieter wollen die Grünen in ihren Rechten stärken: "Wenn der Mieter gerne eine private Ladestation in die Tiefgarage haben will, ist es heutzutage einfach für den Vermieter zu sagen, er will das nicht", sagt Grünen-Politiker Kühn. Elektroinstallateure verlieren dadurch nach seiner Erfahrung viele Aufträge.

E-Auto-Boom in China

Blick von einem Hochhaus in eine vernebelte Straße.
In China, hier in Hongkong, sind die Straßen verstopft, und das sorgt für Smog. Dort rollen deshalb immer mehr E-Autos über die Straßen. Bildrechte: dpa

Dennoch: Das gewünschte Umdenken in der Industrie hat längst begonnen. Daimler zum Beispiel rüstet gerade sein Werk in Bremen zum Zentrum für E-Autos um. In anderthalb Jahren sollen hier fünf neue umweltfreundliche Modelle serienmäßig vom Band rollen. In Kamenz legte die Daimlertochter Accumotive im Mai den Grundstein für ein zweites Batteriewerk.

Der Treiber der Entwicklung ist China, der derzeit am schnellsten wachsende Automarkt bringt es auf eine halbe Million neuer E-Autos pro Jahr. Der Boom wird auch bei uns kommen, glaubt deshalb Stephan Kühn. Aber etwa zehn Jahre werden wir darauf wohl noch warten müssen, prophezeit der Bundestagsabgeordnete.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.07.2017 | ab 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2017, 11:39 Uhr

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25 Kommentare

04.07.2017 09:19 Ekkehard Kohfeld 25

@ Grüße aus dem Hunsrück 18 Hallo zusammen,
ich wundere mich immer wieder welche Schlussfolgerungen man aus Halbwahrheiten ziehen kann.Mal ein paar Fakten
1. E-Mobile haben eine bessere Ökobilanz (langlebiger, wartungsärmer, weniger co2 bei Betrieb)##Tut mir ja aufrichtig leid das ich ihre Träume platzen lasse,schauen sie dazu mal
http://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/faktencheck-elektroautos100.html##Und mal nur ein Frage zur Handhabung,wie laden Menschen in unsern Wohnsiedlungen ihre E-Autos,schmeißen die alle Kabeltrommeln aus dem Fenster?

03.07.2017 11:24 annerose will 24

Physikalisch betrachtet sind E-Autos vollkommen unausgereift und nur für Kurzstrecken in Städten nutzbar. Der Grund ist die Akkutechnologie. Solang auf der Welt schon an Batterien getüftelt wird, einen wirklich durchschlagenden Erfolg, der in der Entwicklung wesentlich besserer Akkus mit viel höherer Kapazität und v.a. höherer Lebensdauer liegen würde, hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Leder kennt die Leistungen der Li-Io-Handyakkus. Also ist in Kürze wohl auch nicht damit zu rechnen. Warum die Regierung (batterie-)E-Autos und nicht vorhandene Technologien wie die Brennstoffzelle protegiert ist absolut rätselhaft. Und obendrein ließe sich H2 sich an jedem Ort gut aus Wind und Sonne dezentral produzieren. Serienreife Modelle gibt es bereits bei mehreren Herstellern. Sicher stecken wieder Lobbies dahinter und wieder mal entscheidet nicht die Vernunft über die Ziele der Regierung. p.s. Fr. Merkel ist doch Physikerin, hat sie beim Studium schlecht aufgepasst???

03.07.2017 10:36 Grüße aus dem Hunsrück 23

Hallo nochmal zusammen,
ich dachte mir schon, dass ich ein wenig Gegenwind bekomme.
Um mal eines klar zu stellen, ich bin weder Grüner noch Öko, vor allem aber kein Weltverbesserer. Ich bin nur ein kleiner Ingenieur, der zufällig mit der Matrie vertraut ist.
Das E-Auto Thema hat mich erst beschäftigt, als bei mir zu Hause die Anschaffung eines neuen PKW anstand.
Ich kann nur jedem den das Thema interessiert, oder diejenigen die einfach nur mitdiskutieren wollen raten, ordentlich zu recherchieren und eine Kostenvergleichsrechnung aufzustellen.
Es ist wirklich schade, dass ein nüchterner Blick auf diese Technology manchen sehr schwer fällt.
Da kann man wirklich nur zu einem Schluss kommen: "Was der Bauer nicht kennt...."

03.07.2017 07:01 Jens der Lausitzer 22

@Hunsrück, "weniger co2 bei Betrieb" - mag sein, das CO2 ist jedoch schon vorher beim Bau der Großbatterie verpulvert und dann beim täglichen Stromziehen.
"langlebiger" wenn überhaupt, dürfte dann eine eher theoretische Größe sein, denn welcher Hersteller hat in der heutigen Zeit ein Interesse daran ein "langlebiges" Produkt zu verkaufen.
Nicht jeder der Nutzer wird die alten abgetakelten "Akku als Heimspeicher" benötigen. Wenn ein Akku schwach wird, geht er sehr schnell seinem ultimativen Ende zu.

Viele Krümel machen noch keinen Kuchen!

02.07.2017 00:09 wolle1 21

@18 Woher haben Sie denn die " Fakten" aus ihren Halbwahrheiten? Sie sind be stimmt auch gruener. Dann beantworten sie mal meine Frage aus meinem vorigen Kommentar

02.07.2017 22:03 Gerhard 20

#9 hat recht! Wasserstoff mit Solarmodulen in der Sahara produzieren und an der Tankstelle in wenigen Minuten auftanken.
Das stromaufladen dauert doch viel zu lange. Wer hat denn mal ausgerechnet wieviel Autos in der Stunde geladen werden können - für alle E-Autos in der Stadt reicht die Schlange dann über Kilometer...
Darf man eigentlich ein Kabel aus der Wohnung über den Bürgersteig zum Auto legen - bestimmt nicht. Abgesehen von den Randalen, die dann mal das Kabel durchschneiden. Die Grünen können nicht rechnen!

02.07.2017 20:08 Prinz Eisenherz 19

Warum sollen Deutsche E-Autos kaufen? Sie haben sich doch vor kurzen Betrügerautos gekauft. Soviel Asche verdienen wir nun auch nicht!

02.07.2017 18:46 Grüße aus dem Hunsrück 18

Hallo zusammen,
ich wundere mich immer wieder welche Schlussfolgerungen man aus Halbwahrheiten ziehen kann.
Mal ein paar Fakten
1. E-Mobile haben eine bessere Ökobilanz (langlebiger, wartungsärmer, weniger co2 bei Betrieb)
2. Studie über Ökobilanz Akku: Leute lest sie mal! Weder die Herstellung des Verbrennerantriebsstranges noch die Herstellung von Treibstoff sowie das 2te Leben des Akku als Heimspeicher sind in die Rechnung mit eingeflossen.
3. E Mobile setzten sich nicht durch: Den Kampf hat unsere Auto Industrie verloren. Siehe E Auto Quote China.

02.07.2017 18:16 Ulf 17

Am umweltfreundlichsten ist doch das Fahrrad. Gesund ist diese Art der Fortbewegung auch noch und auch reicht wirtschaftlich. In den größeren Städten hat man mit dem Fahrrad noch den weiteren positiven Effekt, dass man öfters eher am Ziel ist. In meinen Augen ist die Automobilität in ihrer jetzigen Art und Weise, mit welchem Motor auch immer, nicht gerade die zukunftsorientierteste Art der Fortbewegung.

02.07.2017 17:31 wolle1 16

E-Autos ist pure Verlogenheit deutscher Politiker. Nur damit man hier grosskotzig prahlen kann was man fuer die Umwelt tut werden woanders Regenwaelder abgeholzt, muessen die dortigen Tiere sterben usw. Die Politiker, insbesondere die verlogenen Gruenen bleiben darauf jede Antwort schuldig. Genau wie darauf: was passiert mit den alten Batterien? Scheinheiliges Deutschland

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