Protest der IG Metall gegen Lohndumping durch Leiharbeit
Protest der IG Metall in Frankfurt am Main gegen Leiharbeit. Bildrechte: dpa

Arbeitsmarkt Fast eine Million Leiharbeiter

In Deutschland gibt es immer mehr Leiharbeiter - mit Löhnen weit unter dem regulär beschäftigter Kollegen. Auffällig ist der hohe Anteil an Kurzzeitjobs in Thüringen. Die Linke spricht von organisierter Lohndrückerei und forderte eine Regulierung wie in Frankreich, wo Leiharbeiter sogar mehr verdienen als die Stammbelegschaft.

Protest der IG Metall gegen Lohndumping durch Leiharbeit
Protest der IG Metall in Frankfurt am Main gegen Leiharbeit. Bildrechte: dpa

Leiharbeit ist weiter auf dem Vormarsch. Im Dezember gab es deutschlandweit 993.000 Leiharbeitskräfte, 4,4 Prozent mehr als 2015. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. Binnen drei Jahren ist das ein Anstieg um mehr als 16 Prozent. Seit 2003 verdreifachte sich die Zahl sogar. 

Mitteldeutschland über dem Bundesschnitt

Besonders hoch ist der Anteil von Leiharbeitskräften an allen Beschäftigten in Bremen mit 4,7 Prozent und in Thüringen mit 3,9 Prozent. Im Bundesschnitt liegt die Quote bei 2,7 Prozent. Sachsen hat eine Quote von 3,1 Prozent, in Sachsen-Anhalt sind es drei Prozent.

Klaus Ernst
Klaus Ernst: "Leiharbeit ist organisierte Lohndrückerei." Bildrechte: Maja Hitij/dapd

Leiharbeiter erhalten nur 58 Prozent des Durchschnittslohns. Sie kommen im Schnitt auf 1.816 Euro im Monat, ein regulär Vollzeitbeschäftigter auf 3.133 Euro. Allerdings gibt es in dem Sektor große Unterschiede je nach Branche und Arbeitgeber. Die Leiharbeits-Tarifverträge liegen in der Regel über dem gesetzlichen Mindestlohn.

Gut die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse waren spätestens nach drei Monaten beendet, nur jeder fünfte Leihjob dauerte länger als neun Monate, nur 14 Prozent länger als 15 Monate. In diesem Jahr ist eine schrittweise Erhöhung der Mindestlöhne beschlossen worden.

Linksfraktionsvize Klaus Ernst kritisierte: "Leiharbeit ist organisierte Lohndrückerei, die mittlerweile eine fatale Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielt. Die einzigen, die davon profitieren, sind Arbeitgeber."

Höherer Lohn als regulär Beschäftigte?

Ernst wies zugleich das Argument der Arbeitgeber von der 'Leiharbeit als Brücke in reguläre Jobs' zurück. Vielmehr handele es sich um eine Form prekärer Beschäftigung – mit meist wechselnden Jobs und niedrigen Löhnen.

Fast die Hälfte der Leiharbeitskräfte war den Angaben zufolge einen Monat nach Ende des Arbeitsverhältnisses  immer noch ohne Beschäftigung. Jeder Vierte hatte nach 30 Tagen einen sozialversicherungspflichtigen Job außerhalb der Leiharbeit gefunden. Jeder Fünfte hatte wieder ein Leiharbeitsverhältnis.

Ernst forderte eine Regulierung der Leiharbeit wie in Frankreich: "Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit plus ein zehnprozentiger Flexibilitätszuschlag."  

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.08.2017 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 14:10 Uhr

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44 Kommentare

10.08.2017 09:24 Realist2014 44

@Ekkehard Kohfeld: Sie bringen mich wirklich zum Lachen. Vor allem vermengen Sie alles miteinander. Leiharbeiter sind nicht automatisch Niedriglöhner. Deutschland mit Weißrussland zu vergleichen ist auch schlichtweg lächerlich. Als Niedriglohn wird gemäß der Definition internationaler Organisationen (ILO, OECD) ein Stundenentgelt bezeichnet, das geringer ist als zwei Drittel des mittleren Lohns. Dem Niedriglohnenpfänger oder H4-Enpfänger geht es beim Thema Lebensstandard deutlich besser als einem Großteil der Weltbevölkerung und beispielsweise dem Durchschnittsverdiener in Weißrussland. Aber ich weiß schon, uns geht es in Deutschland so schlecht. Böse Politik, böse Unternehmen, böse Marktwirtschaft, alles Mist...Wutbürgertum und Pessimismus in Reinform. Wählen Sie zufällig AfD oder Linke?

10.08.2017 09:12 Bernd Escher 43

Als "Leihfuzzi" mache ich mein eigenes
Ding,brauche keinen Funktionär ob nun
Partei/Gewerkschaft,diese Laberei
geht mir am Arsch vorbei,entweder
es passt zwischen mir+Leihfirma oder
eben nicht.Ach so,bei den Entleihern
gibts nicht nur zufriedene Mitarbeiter
dort kann man einiges erleben.
mfg Bernd Escher

10.08.2017 08:34 Ekkehard Kohfeld 42

@ Realist2014 40 Ach, 2006 lag die allerdings sogar Arbeitslosenquote bei 10,8%! Das zeigt ja umso mehr, wie gut sich unser Land seither glücklicherweise entwickelt hat. Ich weiß, dass einige Leute aus politischem Kalkül oder chronischem Pessimismus heraus den enormen wirtschaftlichen Aufschwung und die erheblich gesunkene Arbeitslosigkeit gern schlecht reden bzw. mit absurden Behauptungen (gefalteten Statistiken) anzweifeln. Drauf fällt doch aber keiner mehr rein.##Ach nein sie zeigen gerade mit ihrem Kommentar wie einfach man doch Lemminge manipulieren kann sind sie zufällig mit der Märchenfee verwandt?Nur ein Einwand Deutschland ist bei den Niedriglöhnen vorletzter in Europa vor Weißrussland und da sie ja Statistiken glauben die kann man Googeln und dann erzählen sie uns doch nochmal wie gut es unsern Minijober geht.Ich empfehl zu dem mal "Mehr Niedriglöhne als die Nachbarn"Deutschland abgehängt: So hoch sind die Mindestlöhne in Europa"Niedriglöhne in Europa: Deutschland und GB.

09.08.2017 20:23 Peter 41

Was regen sich die einschlägig bekannten alternativen Kommentatoren über die Leiharbeit auf?
Gemessen an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten beträgt die Quote der Leiharbeiter 2,5%, gemessen an den mit Tarifvertrag 5%.
Die AfD schlägt in ihrem Wahlprogramm eine Höchstgrenze in Unternehmen von 15% vor.
An alle Leiharbeiter: Erwartet ihr Hilfe von der neoliberalen AfD?
An alle sonstigen Beschäftigten: Kann es sein, dass es mit der AfD mehr Leiharbeiter geben wird?

09.08.2017 19:58 Realist2014 40

@39: Ach, 2006 lag die allerdings sogar Arbeitslosenquote bei 10,8%! Das zeigt ja umso mehr, wie gut sich unser Land seither glücklicherweise entwickelt hat. Ich weiß, dass einige Leute aus politischem Kalkül oder chronischem Pessimismus heraus den enormen wirtschaftlichen Aufschwung und die erheblich gesunkene Arbeitslosigkeit gern schlecht reden bzw. mit absurden Behauptungen (gefalteten Statistiken) anzweifeln. Drauf fällt doch aber keiner mehr rein. @Nr. 35: Leiharbeiter erhalten auch ganz normal mindestens den Mindestlohn, viele auch um einiges mehr. Die Durchschnittslöhne sind in den letzten Jahren auch gestiegen. Auch minijober sind übrigens nicht alle unfreiwillig Minijober bzw. wöllten/könnten mehr arbeiten (man denke nur an Studenten, Schüler, Rentner, Erwerbsgeminderte, Hinzuverdiener).

09.08.2017 18:01 Ekkehard Kohfeld 39

Realist2014 34 @Nr.29: Nochmal, 2003 war die Arbeitslosenquote 10,5 %, 2017 soll die wohl 5,9 % betragen.##Nur was sie geflissentlich vergessen
"Das Arbeitslosengeld II wurde zum 1. Januar 2005 durch das Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt („Hartz IV“) eingeführt"Und ab da zählten die H4 nicht mehr zu den Arbeitslosen,sie scheinen zu glauben sie haben es hier in den Foren nur mit Klauspeterwessis zu tun.

09.08.2017 17:50 pudd'nhead 38

ohne leiharbeiter könnte die bürgerliche mitte nicht mehr überleben, was die dann alles so selber machen müßte! iiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

09.08.2017 17:32 Mediator an Rentner(36) 37

Lieber Rentner, ich beziehe mich auf die im Artikel genannten Zahlen, die sich auch mit den mir bekannten Zahlen der Bundesagentur decken.

Wenn du Zweifel an diesen Zahlen hast, dann begründe deinen Zweifel mit Argumenten!

Allerweltsweisheiten wie "Traue keiner Statistik ..." sind aber keine Argumente und schon gar keine unumstösslichen Wahrheiten.

Ansonsten bleib doch beim Thema. Dieses lautet LEIHARBEIT. Wenn du nur ins Forum einwerfen willst <Alles Betrug>, dann hast du dies hiermit getan. Da du aber keine Argumente lieferst muss man deinen Worten wohl keinen großen Wert beimessen.

09.08.2017 16:22 Fragender Rentner 36

@Mediator zu 23

Wo hast die AN die für den Mindestlohn arbeiten und wieviele von deine Porzenten haben 2 oder 3 Jobs?

Nach dem Motto, traue nur dieser Statistik die du selber gefälscht hast.

09.08.2017 16:17 Fragender Rentner 35

@Realist2014 zu 34

Ob deine Zahlen stimmen?

Denn viele die damals Geld über andere Leistungsträger erhielten wurden aufeinmal als Arbeitslose und H4ler geführt.

Das Jahr vorher hatte nehmlich nicht so viel Arbeitslose wie nach der Einführung der Hartz-Gesetze!

Du bist also der Meinung, dass die Arbeitslosigkeit nur mit Leiharbeitern und Minijobs beseitig werden kann?

Das heißt dann Aufstocker und einen 2. oder 3. Job und wenn sie mals ins Rentenalter kommen dürfen sie die Grundsicherung beantragen?

Meinst du das diese armen Menschen Kinder bekommen wollen als Minijober oder Leiharbeiter?

Die wissen ja garnicht wie sie die Kinder vernünftig ernähren sollen!

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