Straße und Windräder
Windenergie hat großes wirtschaftliches Potenzial - ist bei Naturschützern und Anwohnern aber oft umstritten. Bildrechte: colourbox

Leipziger Umweltforscher stellen Karte vor Stand der Energiewende in Deutschland sehr unterschiedlich

Leipziger Helmholtz-Forscher haben eine neue Deutschlandkarte erarbeitet, auf der der Westen rot leuchtet und der Norden grün. Dabei geht es aber nicht um eine Zukunftsvision der politischen Situation in Deutschland: Es geht um die Energiewende. Die Karte zeigt den Stand in jeder einzelnen Gemeinde und markiert das farblich. Wie weit ist die Energiewende in Mitteldeutschland?

von Annegret Faber, MDR AKTUELL

Straße und Windräder
Windenergie hat großes wirtschaftliches Potenzial - ist bei Naturschützern und Anwohnern aber oft umstritten. Bildrechte: colourbox

"Wir wollen nicht werten, wir wollen nur aufzeigen", sagt Professorin Daniela Thrän vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, und zeigt auf die bunte Deutschlandkarte. Rot, gelb, orange, grün und hellgrün leuchtet sie. Die Daten von über 12.000 Gemeinden sind in die Karte geflossen und lassen eine bunte Republik Deutschland entstehen. Auch die Gemeinden in Mitteldeutschland leuchten in allen Farben. Es gibt Vorreiter und Nachzügler. Ins Auge fällt ein dicker, grüner Streifen in Sachsen Anhalt. "Sachsen-Anhalt ist das Bundesland, wo der Strombedarf nicht so hoch ist und wo auf der anderen Seite die Erneuerbaren schon einen großen Anteil ausmachen", so Daniela Thrän.

Sachsen-Anhalt top

Die Farben zeigen nicht nur die Stromproduktion. Die Farben sind ein Indikator für die Region, erläutert Daniela Thrän. Dazu gehören Stromquellen aus Wind, Sonne oder Biomasse, aber auch der Stromverbrauch. Gemeinden, die einen hohen Stromverbrauch haben, schneiden auf dieser Karte dadurch immer schlechter ab als jene, die wenig Strom nutzen. Daniela Thrän: "Insofern ist die Aussage der einzelnen Gemeinde nicht die finale Aussage, sondern das Gesamtbild."

Anteil an erneuerbaren Energien weiter steigern

Es geht also ums Große und Ganze: um die Energiewende. Darum, 600 Terawattstunden Jahresstromverbrauch in Deutschland durch grünen Strom zu ersetzen. Derzeit sind wir schon bei 27 Prozent grünem Strom und das soll von Jahr zu Jahr mehr werden. Und zwar im Zusammenspiel aller Gemeinden. Sachsen-Anhalt leuchtet grün, produziert also viel grünen Strom. Das Bundesland ist schneller als andere auf den Zug der erneuerbaren Energien aufgesprungen. 2015 wurden dort schon 60 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren gewonnen. In Thüringen sind es knapp 30 Prozent; in Sachsen knapp 20 Prozent.

Sachsen und Thüringen mit Nachholbedarf

"Thüringen und Sachsen sind sowohl im Angebot als auch in der Nachfrage nach Strom eher durchschnittlich und geben damit auch ein durchschnittliches Bild für Deutschland ab. Also weder die Regionen, die besonders weit vorangeschritten sind, noch die, die weit hinterher sind", fasst die Professorin zusammen. In Sachsen spielt die Kohle noch eine große Rolle. Ein Verhinderer der Energiewende? Frank Masurowski, wissenschaftlicher Mitarbeiter am UFZ meint: "Es ist eine ältere Energie, die mit der neuen Energie konkurriert. Ob da Sachsen nun ein Verhinderer ist, sei mal dahin gestellt. Das steuert die Politik."

Ein Thema, zu dem sich die Wissenschaftler im Rahmen dieser Studie nicht äußern wollen. Der Geograf Frank Masurowski zeigt stattdessen eine Entwicklung im Nachbarland von Thüringen und Sachsen auf: Es geht um die Windkraft in Bayern: "Dort ist ja Ende 2014, Anfang 2015, die 10-H-Regelung eingeführt wurden. Das bedeutet, dass der Mindestabstand zu den Wohnsiedlungen zwischen den Windenergieanlagen jetzt die zehnfache Höhe der Windenergieanlage betragen muss."

Eine aktuelle Windenergieanlage mit 200 Metern Höhe müsste mit dieser Regelung zur nächsten Gemeinde einen Abstand von 2 Kilometern einhalten. Was würde passieren, wenn alle Bundesländer diese Regelung anwenden? "Das gesamte Energieangebot würde im gesamten Bundesland um 74 Prozent sinken", rechnet Masurowski vor. Behindert das den Ausbau der Erneuerbaren? "In Bayern, ja."

Windenergie-Potenzial trotzdem hoch

Doch das Potenzial von Windenergie sei groß, sagt der Diplom-Geograf Philip Tafarte vom Helmholtz Zentrum. Nicht nur an der Küste. Auch in Mitteldeutschland. Neue Anlagen würden das Vielfache an Strom liefern. Er selbst ist an einer Bürgerwindanlage in Sachsen beteiligt und erläutert: "Da werden gerade alte Windanlagen abgebaut und die neuen Anlagen produzieren etwa das sechs- bis neunfache. Insofern kann man sich vorstellen, dass zukünftige Stromversorgung mit wesentlich weniger Anlagen gewährleistet werden kann."

In einer Studie errechnete er: Würden Wind, Sonne, Biomasse und Stromspeicher wie Zahnräder ineinandergreifen und wären alle Anlagen auf dem neustens Stand, bräuchten sie 25 Prozent weniger Platz. Spannend würde es in den nächsten Jahren, sagen die Forscher. Die Energiewende-Karte wird immer weiter aktualisiert. 2017 gibt es die Nächste. Dann werden rot leuchtende Gemeinden in Mitteldeutschland langsam orange, vielleicht sogar grün. So gesehen ist die Landkarte eine eindrückliche Dokumentation der Energiewende.

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2016, 17:39 Uhr

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10 Kommentare

11.10.2016 10:15 Wieland der Schmied 10

Mein Wohnort wurde in den letzten Jahren von Windrädern umzingelt. Seither ist die Population von Mauererseglern und Fledermäusen drastisch zurückgegangen und die Baumläufer sind restlos ausgerottet. Auf Anfrage hat mit der NABU, das ist der mit dem hübschen Storch im Signet, mitgeteilt, dass das ihm bekannt sei, aber trotz Bemühungen seinerseits nicht zu verhindern gewesen sei. Mittlerweile weiß ich, dass sie Gutachten erstellen, die mit sechsstelligen Beträgen vergütet werden. Alle Spenden an diesen und ähnliche Vereine habe ich eingestellt. Noch Fragen?

10.10.2016 21:25 Wieland der Schmied 9

O-Perler(1) hat Recht. Die Stromversorgung ist labil wie am Ende der Krieges. Manchmal treten Stromspitzen auf, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, dann liefern wir den Überstrom an die Nachbarlände kostenlos und zahlen denen für die Abnahme noch drauf, kein Witz. Verkehrte Welt. Der Dumme sind die Armen und Alten, für die jetzt schon Strom zu teuer ist. Die Investoren sehen in den Aggregaten Gelddruckmaschinen ohne Ende.

10.10.2016 12:56 Rainer 8

Wer hat die Energiewende eigentlich beschlossen?
Es ist ein Weg in die Sackgasse, weil unbezahlbar und bis jetz sind alles Wunschträume.
Was leisten denn die 27.000 WKA wirklich, es sind am Primärenergieverbrauch etwas über 2 %, also verschwindend gering. Und man beachte: die Zahlen sind immer nur rechnerisch. Den Unterschiede werden wir im Winter bei dunkelflaute merken. Dann heisst es, rechnerisch hatten wir über 100 % aber z.Z haben wir gerdae keinen Strom.

10.10.2016 08:15 Mau Mau 7

@ Bruno ist ein Guter er glaubt wirklich alle Märchen die hier erzählt werden.

09.10.2016 00:05 Erst denken, dann handeln 6

Obwohl ich niemals die Rot-Rot-Grünen und wahrscheinlich nicht mehr die CDU wählen würde, bin ich doch ein Befürworter der Energiewende. Wir werden damit energiemäßig Autark; denn Sonne, Wind und Wasserkraft sind unendlich vorhanden und dadurch müssen wir bei den arabischen Islamisten kein Öl mehr einkaufen sondern klinken irgendwann unser Elekroauto einfach an die nächste Ladesäule.
Soviel zur Zukunftsmusik.
Allerdings ist der Weg dahin nicht einfach. Wenn ich von Gera aus die Bundesstraße nach Sachsen-Anhalt hoch fahre, und dann irgendwann bei Weißenfels auf die Autobahn fahre, finde ich, dass wir den Strom intelligenter Gewinn gewinnen müssen. Da sind locker 50 Windräder + kostenlose Lichtshow nachts; also dort möchte ich nicht wohnen. Wir sollten uns lieber mehr auf Wasser- und Gezeitenkraft spezialisieren,auch unter Ausnutzung kleinerer Potenziale und schon halbwegs bestehender, künstlicher Bauten wie z.B. dem Oberharzer Wasserregal oder dem Entwässerungsystem im Erzgebirge.

09.10.2016 22:00 Dezentralisierung 5

Man sollte sich endlich mit der Zukunft unserer stromerzeugung und -Versorgung beschäftigen und aufhören vergleiche mit der vergangenheit zu bemühen.
Vielleicht wird es zunächst nicht billiger, aber es wird umweltfreundlicher, unabhängiger, effizienter und komfortabler werden.
Die Zukunft heißt dezentral und erneuerbar. Dafür benötigen wir keine pumpspeicherkraftwerke sondern dezentrale Speicher. Und kosten verursachen heute nicht nur die Erzeugung, die Verteilung und die speicherung von Strom sondern auch die sinnlose ineffizienz von 1000 stadtwerken.

09.10.2016 21:12 Dietz 4

Für Pumpspeicherkraftwerke benötigen wir Strom, aber aus welcher regenerativen Quelle soll dieser fließen?!
Versorgungssicherheit bei Windflaute und Bewölkung?!
Die Versorgungssicherheit durch fossile Brennstoffe wird viel Geld verschlingen, denn die Kraftwerke müssen trotzdem permanent online sein, um kurzfristig zuschalten zu können.
Weniger Kosten für den Endverbraucher???

09.10.2016 21:09 Guter Schwabe 3

@2 Bruno: >>Die Stromerzeugung wird Dank der erneuerbaren Energieerzeuger (Solar, Windkraft) in Zukunft billiger. << Richtig, sprach der erste Lemming und stürzte sich in die Schlucht. Wie naiv muss man sei, um das zu glauben. Der Strompreis wird in Zukunft sich verdoppeln. Die Stromtrassen, sofern diese mal gebaut werden können (wenn die Grünen und selbsternannte Naturschützer nicht den langen Klageweg bestreiten) kosten Milliarden. Das wird umgelegt. Außerdem werden wir immer den zu viel erzeugten Strom sehr teuer ins Ausland verkaufen müssen, was wiederum die Kosten in die Höhe treibt. Andersrum, kein Wind, keine Sonne, was dann? Träumen wie Bruno?

09.10.2016 20:34 Bruno 2

Zum Beitrag von O Perler. Warum verbreiten Sie hier Unwahrheiten? Die Stromerzeugung wird Dank der erneuerbaren Energieerzeuger (Solar, Windkraft) in Zukunft billiger. Im Gegensatz zu Gas, Kohle und Atom müssen wir für die Sonne und den Wind nichts bezahlen, auch müssen keine un planbaren Rücklagen für die Entsorgung von Atommüll gebildet werden. Wenn die Wind und Solaranlagen bezahlt sind, kann Strom zu Preisen produziert werden, wie es bis jetzt nicht möglich war. Und ihre Angst um unsere Wirtschaft ist noch unlogischer, da diese bereits heute von günstigen Strompreisen, dank Windkraft und Solar, profitiert.

09.10.2016 17:14 O-Perler 1

Zitat: "Es geht um die Energiewende in Deutschland"; Zitat Ende! Es geht um einen Alptraum in Deutschland, der mehr und mehr Gestalt annimmt! Die Versorgung mit elektrischen Strom wird mehr und mehr ein Vabanque-Spiel; sie wird immer unzuverlässiger werden! Der Preis für elektrischen Strom wird im nächsten Jahr MIT ABSTAND der höchste in Europa werden. Vor allem werden dies diejenigen spüren, die sich KEIN INVESTMENT in die Umverteilungsmaschinerie des EEG von unten nach oben leisten können; also die einkommensschwächeren Bevölkerungskreise. Immer mehr Unternehmen werden auch die massiv gestiegenen Kosten der Energiebereitstellung bei ihren Investitionen berücksichtigen MÜSSEN; das ist KEIN gutes ökonomisches Klima.