Studie Europa braucht Zuwanderung

Europa droht Bevölkerungsschwund und starke Alterung. Nach Einschätzung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung gilt das vor allem für Süd- und Osteuropa - mit großen Problemen für die Wirtschaft und Sozialsysteme. Deutschland hingegen steht vergleichsweise gut da. In einem europaweiten Ranking machten Leipzig und Berlin einen Sprung nach vorn.

Viele Regionen Europas müssen sich auf einen starken Rückgang und die Alterung der Bevölkerung einstellen. Eine Expertise des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung warnt dabei vor einer wachsenden Spaltung.

Demnach sorgen im Norden und im Westen des Kontinents vergleichsweise hohe Geburtenzahlen und Zuwanderung auf absehbare Zeit für ein Bevölkerungsplus. Vielen Regionen in Süd- und Osteuropa drohten hingegen Einwohnerverluste.

Studienautor Stephan Sievert zufolge ist die Integration von Zuwanderern eine Möglichkeit, um die demografischen Herausforderungen zu meistern. Das höhere Durchschnittsalter Europas im Vergleich zu anderen Kontinenten macht es der Studie zufolge künftig schwerer, Sozialleistungen zu finanzieren und Facharbeitskräfte zu finden.

Europa als Modell für demografischen Wandel

Institutsdirektor Reiner Klingholz sieht Europa weltweit als Vorreiter im Umgang mit einer alternden Bevölkerung. Während schon heute auf jeden Ruheständler nur etwa drei Personen im Erwerbsalter kämen, werde sich dieses Verhältnis bis 2050 voraussichtlich auf eins zu zwei verschlechtern.

Demnach starben 2015 in den 28 EU-Ländern erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs mehr Menschen als geboren wurden. Trotzdem wird die EU nach Einschätzung der Autoren weiter wachsen - von derzeit etwa 510 Millionen Menschen auf knapp 529 Millionen Einwohner zur Mitte des Jahrhunderts. Hauptgrund sei die sogenannte Flüchtlingskrise.

Deutschland top - Berlin und Leipzig machen Sprung

Für die Studie "Europas demografische Zukunft. Wie sich die Regionen nach einem Jahrzehnt der Krise entwickeln" haben die Wissenschaftler des Berlin-Instituts europaweit 290 Regionen analysiert. Deutschland hat die Herausforderungen demnach vergleichsweise gut gemeistert und steht demografisch und wirtschaftlich im Vergleich gut da.

In einem Integrationskurs Deutsch als Fremdsprache an der Volkshochschule Leipzig lernt Kobra Soltani aus Afghanistan mit ihrem 5-jährigen Sohn Masoud
Deutschkurs an der Volkshochschule Leipzig Bildrechte: dpa

Demografisch haben sich demnach seit 2008 Berlin und Leipzig unter allen deutschen Regionen am besten entwickelt. Im internationalen Ranking kletterte Berlin von Platz 168 im Jahr 2008 auf Platz 50. Leipzig rückte von Rang 224 auf Platz 66 vor. Demografisch vorn liegt in Deutschland der Süden: Die Region Oberbayern belegt europaweit Platz fünf, Stuttgart Platz elf und Tübingen Rang 17. Primus ist die schwedische Hauptstadt Stockholm.

Deutschland ist neben der Schweiz und Großbritannien das einzige Land mit mehr als drei Regionen im Ranking. Das zeigt nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die Bundesrepublik die Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die sogenannte Flüchtlingskrise, vergleichsweise gut bewältigt hat.

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Das Institut sieht sich als unabhängigen Thinktank zu regionalen und globalen demografischen Veränderungen. Es wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet mit dem Ziel, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern und neue Ideen in die Politik einzubringen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.07.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2017, 11:51 Uhr

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107 Kommentare

29.07.2017 09:59 Elisabeth 107

Ja, wir brauchen Zuwanderung, aber nur solche, die wir für unsere Wirtschaft benötigen und nicht nur am Tropf des Staates/Steuerzahlers hängen.
Unsere Regierung sollte sich ein Beispiel an Kanada nehmen.

28.07.2017 11:29 007 106

Europa braucht Zuwanderung!?
Was für Märchengeschichten. Ein sooo großes Volk braucht Zuwanderung? Ich glaub die Verfasser dieser Studien brauchen einen Arzt. Die Erde ist jetzt schon übervölkert. In den letzten 35 Jahren ist die Bevölkerung um 3 Milliarden gestiegen. Bis zur Jahrhundertwende werden wir über 11 Milliarden Menschen sein! Die Ozeane sind leer gefischt, dass Klima erwärmt sich schnell. Diesen Erz-kapitalistischen Unsinn von ständigen Wachstum, Vermehrung u Überschüssen ist der größter Irrtum u wahrscheinlich unser Untergang. Nein der einzig richtige Weg ist Entschleunigung, Wachstumsrückgang, Geburtenkontrolle. Die Bevölkerung in Deutschland, der Welt müsste auf ein gesundes Niveau von 1950 etwa 4-5 Milliarden Menschen schrumpfen um unseren wunderschönen Planeten nicht zu Überforderung. Diesen politischen Mist mit Sicherung von Sozialsystemen deshalb Zuwanderung usw sollten wir den Mittelfinger zeigen. Was nützt es wenn dadurch unsere Lebensgrundlage zerstört wird? ...

27.07.2017 20:54 Kritischer Bürger 105

@Wessi 74: Weder das Eine noch das Andere! ** Geschichtlicher Hinweis: 1923-damals eine wirtschaftliche Katastrophe! Also gerechnet von 2017 in 6 Jahren (Plus/minus ein paar Jahre mehr) eine gesellschaftliche Katastrophe. 2023-das sind doch wohl dann 100 Jahre? Auf eine solche Katastrophe wird es hinausgehen wenn weiter ungehindert hier das Land der Zuwanderung noch ein paar Mrd. Menschen aufnehmen will. Aber dann ist ja jeder kleine Bürger auch mal ein Millionär bekommt aber sicher nur einen kleinen harten Brotkanten dafür. Wozu aber wollen die heutigen Politiker sich solche Geschehnisse vor Augen führen, sind ja in 6 Jahren dann auch in Pension ggf. nicht einmal mehr hier in Deutschland! Der Umtauschkurs in irgendeine andere Währung wird sich sicherlich dann gut machen.

27.07.2017 15:21 Klarheit 104

@21:20 Felsenstein 93,

-----"....Glaubt Ihr, euch würde es ohne Flüchtlinge und "Ausländer" auch nur ein Stück besser gehen? ...."------

ja , fragen Sie nur mal alle Frauen die von "Flüchtlingen" belästigt oder gar vergewaltigt wurden, fragen Sie mal Verkäuferinnen in Supermärkten die in der Nähe von Asylunterkunften stehen etc....usw. usw...

Und kommt jetzt nicht das machen auch Einheimische........die Veränderungen (alle zum Nachteil) sind ja wohl hinlänglich bekannt werter Kommentator "Felsenstein"

27.07.2017 13:40 Ekkehard Kohfeld 103

ralf meier 97 @Greizermann4 Nr 94: Sie schreiben:
'Die Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien gab es schon weit vor der Flüchtlingskrise'
Das ist richtig. Umso naheliegender wäre es, um diese oft hochqualifizierten und auch kulturell kompatiblen Menschen zu werben, wenn man denn der Meinung ist, in Deutschland herrsche eine Unterbevölkerung.##Kann ich ihnen nur voll und ganz zustimmen warum kann man den Arbeitslosen in der EU nicht erst mal Arbeit geben??Arbeitslose in der EU Quelle arbeitslosenzahl-in-den-eu-laendern 19.092.000 da fehlen dann wohl noch die die in der Arbeitslosenstatistik gar nicht drin sind siehe Deutschland H4 usw.Und weil das ja so wenige sind brauchen wir unbedingt Zuwanderung von Fachkräften ach ne das sind ja gar keine wozu brauchen wir die den???Ich will ja nicht unken aber wurde der Sklavenhandel nicht abgeschafft?

27.07.2017 12:34 gerd 102

Klar braucht Europa eine Verjüngung aber nicht mit Millionen Moslems die weder die schulische Bildung noch kulturell zu uns passen .China und Indien haben genügend Qualifizierte Leute mit einer tollen Kultur und vor allem nicht diesen alles bestimmenden Glauben von mir aus gern gesehen.

27.07.2017 12:33 annerose will 101

Europa braucht Zuwanderung ? Warum ? Schon heute ist Europa nicht in der Lage die massiv hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa zu bekämpfen. Es gibt einfach nicht genug Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Auch hierzulande gibt es noch Massenarbeitslosigkeit. Umschulung durch Arbeitsämter ist eher selten. Oft werden freie Lehrstellen im Handwerk beklagt. Wen wunderts, wenn heute "Abitur für alle" propagiert wird auch für solche, die lieber einen Beruf erlernen sollten. Aber die Bildungsminister sonnen sich in hohen Abiturienten- und Studentenquoten. Lieber werden die Standards abgesenkt. Trotz hoher Studentenzahlen wachsen diejenigen in den wichtigen naturwissensch. geprägten Fächern (Mathe, Physik, Technik...) hingegen nicht. Dagegen werden immer neue fragwürdige Studiengänge geschaffen. Die Abbrecherquoten steigen auch. Statt das System zu verbessern, öffnet man Grenzen...

27.07.2017 10:28 Karl L. 100

@ Greizermann4. Ich kann mir vorstellen, meinen Alterssitz nach Spanien/Griechenland oder Italien zu verlegen. Im Gegenzug kann ein arbeitsloser Jugendlicher von dort meine Arbeit und mein Haus haben. Der Gedanke gefällt mir außerordentlich gut. Wenn ich dann dort noch eine andere Sprache lernen würde, wäre es perfekt. So stelle ich mir ein vereintes Europa vor, nicht eine Masseneinwanderung aus islamischen Ländern.

27.07.2017 09:31 ralf meier 99

@Felsenstein Nr 93: Ich orientiere mich mal in meiner Antwort an Ihrer Wortwahl. Vielleicht ermöglicht das ja doch noch eine sachliche Diskussion. Sie schreiben: 'Im Artikel geht es darum, dass die Europäer zu wenig Kinder auf die Welt bringen.' Das sehe ich nicht so. Ist die verringerte Geburtenrate in Europa nicht angesichts des ungehemmten Bevölkerungszuwachses in Regionen wie Afrika ein positives und vor allem nachahmenswertes Signal gegen die herrschende Überbevölkerung? Anstatt sich mit den Ursachen dafür auseinander zu setzen, kommen jetzt hier wieder die üblichen Parolen vom linken Rand, in der Art "Flüchtlinge rein".Schade. Das Thema hätte durchaus Potential, mal zu untersuchen, was in Afrika gesellschaftlich schief läuft. Und damit sind nicht die "Ausländer" gemeint.
Übrigends ist Ihnen die eigentliche, von vielen hier zu Recht kritisierte Intention des Artikels entgangen. Dabei nennt der Autor sie doch gleich in der Überschrift: 'Europa braucht Zuwanderung'.

27.07.2017 08:51 Bernd Ludwig 98

Rekelroser 91:
Breivik war Norweger und Einzeltäter- das Land, dass jetzt durch die Massenmigration den Bach runtetrgeht ist das schöne Schweden .
Zu MDR-Aktuell:
Ich finde, Ihr solltet nicht soviel unkritisch hinnehmen was vorgegeben wird. Die Überschrift "Europa braucht Zuwanderung" ist nicht unbedingt richtig, die Bertelmann-Studie gestern war pc-gewollter Unsinn.