Angela Merkel und Martin Schulz
SPD-Kanzlerkandidat hat Amtsinhaberin Merkel vorgeworfen, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Sie wies den Vorwurf im ARD-Sommerinterview zurück. Bildrechte: dpa

"Fernduell" Ton zwischen Merkel und Schulz wird schärfer

Das eigentliche Fernseh-Kanzlerduell ist erst Anfang September. Bundeskanzlerin Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Schulz duellieren sich aber bereits aus der Ferne. Schulz stellte seinen Zehn-Punkte-Plan für Deutschland vor und griff die Amtsinhaberin scharf an. Sie wehrte sich im ARD-Sommerinterview.

von Frank Aischmann, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Angela Merkel und Martin Schulz
SPD-Kanzlerkandidat hat Amtsinhaberin Merkel vorgeworfen, die Digitalisierung verschlafen zu haben. Sie wies den Vorwurf im ARD-Sommerinterview zurück. Bildrechte: dpa

Zehn Wochen vor der Bundestagswahl eröffnete Martin Schulz das Fernduell gegen die Bundeskanzlerin im Angriffsmodus. Bei der Vorstellung seines Zukunftsplans "Für ein modernes Deutschland" hieß die Hauptbotschaft des SPD-Spitzenkandidaten: "Deutschland kann mehr."

Hängt Deutschland bei der Digitalisierung zurück?

So hänge das Land nach zwölf Jahren mit Merkel-Regierungen bei der Digitalisierung zurück. Das werde sich unter Kanzler Martin Schulz ändern. Das betreffe nicht nur den Ausbau schneller Internetverbindungen: "In diesem modernen Deutschland ist der Staat online. Rund um die Uhr. An sieben Tagen. 24 Stunden, um seine Bürger zu unterstützen. Schnell, einfach und verständlich."

Ob sie sich Versäumnisse beim wichtigen Zukunftsthema Digitalisierung vorzuwerfen habe, wurde Angela Merkel im ARD-Sommerinterview gefragt: "Nein, aber wir müssen einfach feststellen, dass andere noch schneller sind. Wir haben in dieser Legislaturperiode in einer Großen Koalition mit dem Wirtschaftsminister Gabriel, jetzt Frau Zypries, unglaublich viel mit der digitalen Agenda auf den Weg gebracht."

Wie viele Investitionen sind wirklich notwendig?

Ein dezent untergebrachter Hinweis darauf, dass die SPD nach wie vor im Bund mitregiert. Würde die SPD allerdings die Wahl gewinnen, sagt Herausforderer Schulz, dann würde  Deutschland ein gerechteres Land und die Milliarden-Steuerrüberschüsse würden gezielt investiert und nicht einfach zurückgegeben: "Was ist uns eigentlich wichtiger? Steuergeschenke an Reiche zu verteilen? Oder dafür zu sorgen, dass es in der Schule nicht durch das Dach regnet und unsere Kinder dort auf die Toilette gehen können?"

Kaltherzige Steuergeschenke statt kluger Investitionen? Kanzlerin Merkel kontert den Angriff ihres Herausforderers so: "Wir sagen, von den Mehreinnahmen muss man mindestens ein Drittel investieren. Es kann auch mehr sein. Wir müssen es nur verbauen können. Im Augenblick haben wir das Problem, dass wir das Geld, das wir haben, nicht ausgeben können. Deshalb sagen wir von der Union im Regierungsprogramm: Wir müssen die Planungsverfahren beschleunigen."

Merkel und Schulz wollen vier Jahre regieren

Martin Schulz versuchte im Fernduell immer wieder, auf den aus seiner Sicht  entscheidenden Unterscheid hinzuweisen. Er wolle das Land Richtung Gerechtigkeit verändern und sagen wie. Die Kanzlerin dagegen biete wenig Konkretes: "Die Mehrheit der Menschen will mehr als nur den Stillstand verwalten. Vor allem will sie keine Taktiererei ohne Vorstellung von unserer Zukunft. Auf der Grundlage dieser Ideen will ich Bundeskanzler werden."

Wofür sich Martin Schulz vier Jahre Zeit reserviert hat. Und Angela Merkel? Sie begegnet in der ARD Vermutungen, sie könnte ihre dritte Amtszeit bereits nach der Hälfte quittieren: "Ich habe deutlich gemacht, dass ich für vier Jahre antrete. Nun haben wir über unser Leben nur bedingt Verfügungsgewalt. Aber ich habe die feste Absicht, das genauso zu machen wie ich es den Menschen gesagt habe." Gestern trafen  Angela Merkel und Martin Schulz nicht direkt aufeinander. Aber der Termin dafür steht fest. Das Fernseh-Kanzlerduell ist am 3. September.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 17.07.2017 | 05:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 05:00 Uhr