Eine Frau freut sich nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof in München über eine Tafel Schokolade.
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Zahlen der Arbeitsagentur Flüchtlinge meiden Mitteldeutschland

Wer in Deutschland Asyl bekommt, darf Wohn- und Arbeitsort frei wählen. Besonders attraktiv für Flüchtlinge sind Statistiken zufolge meist die westdeutschen Großstädte. München, Frankfurt, Hamburg und das Ruhrgebiet sind beliebte Ziele. Um den Osten Deutschlands machen die meisten einen Bogen, zeigen Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit und der Kommunen. Das könnte zum Problem werden.

von André Seifert, MDR INFO

Eine Frau freut sich nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof in München über eine Tafel Schokolade.
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Besonders stark betroffen ist zum Beispiel der Erzgebirgskreis. Im vergangenen Jahr haben dort rund 320 Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Doch nur etwa ein Drittel von ihnen hat sich danach auch im Jobcenter des Kreises registrieren lassen, schätzt die Kreisverwaltung. Der Rest hat das Erzgebirge wieder verlassen. Frank Vollgold von der sächsischen Arbeitsagentur stellt fest: "Es gibt in Sachsen dieses Stadt-Land-Gefälle. Das heißt, die meisten Flüchtlinge zieht es in die kreisfreien Städte Leipzig, Dresden, Chemnitz und nur wenige verbleiben in den ländlichen Regionen."

Akzeptanz in Städten höher

Eine genaue Statistik darüber, wie viele Flüchtlinge wohin gehen, gibt es nicht. Doch die Daten der Jobcenter und Arbeitsagenturen helfen. Denn bei denen lassen sich Flüchtlinge registrieren, sobald sie als asylberechtigt anerkannt wurden, um Hartz IV zu erhalten. Vergleicht man nun diese Daten, ist eine weit auseinanderklaffende Schere zu erkennen: In den mitteldeutschen Städten ist in den vergangenen Monaten die Zahl der neuen Hartz-IV-Anträge von Flüchtlingen um 50 Prozent und mehr angestiegen. Kristian Veil von der Regionaldirektion der Arbeitsagentur für Sachsen-Anhalt und Thüringen erklärt sich das so: "In Großstädten ist es erfahrungsgemäß so, dass dort der Ausländeranteil höher ist. Da ist die Willkommenskultur auch eine ganz andere. Da kann man sich als Mensch aus einer anderen Kultur wesentlich freier bewegen und da ist die Akzeptanz für Flüchtlinge in vielen Punkten auch höher. Das ist die Erfahrung, die wir gemacht haben."

Ländliche Regionen könnten Zuwanderung gebrauchen

Auf dem Land dagegen beträgt die Zuwanderung von Flüchtlingen zurzeit je nach Region maximal zehn Prozent. Kristian Veil sagt: "Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Willkommenskultur in ländlichen Räumen durchaus problematisch ist. Wir haben ja die Beispiele, wo es Anschläge auf entsprechende Einrichtungen gab. Da überlegt man sich schon als Flüchtling, ob man in so einer feindlichen Umgebung auch bleiben will." Dabei könnte der Arbeitsmarkt gerade in dünn besiedelten oder überalterten Regionen wie Altmark, Lausitz, Erzgebirge oder Eichsfeld Zuwanderung demographisch gut verkraften, heißt es aus den Arbeitsagenturen.

Gefahr der Ghettobildung

Doch auch die mitteldeutschen Städte sind im bundesweiten Vergleich nicht sonderlich attraktiv für Flüchtlinge. Nur etwa acht Prozent der bundesweit anerkannten Asylbewerber waren Ende 2015 bei einem mitteldeutschen Jobcenter oder Arbeitsagentur gemeldet. Die meisten anerkannten Asylbewerber zieht es in die alten Bundesländer nach Köln, Frankfurt oder Hamburg. Schon jetzt warnen einige Politiker vor einer Ghettobildung in diesen Großstädten. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte kürzlich, anerkannten Asylbewerbern den Wohnsitz zuzuweisen. Für diese Idee bekam er aber wenig Unterstützung.

Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2016, 12:40 Uhr