Gesundheitsökonom Kritik an Belastung von gesetzlich Versicherten

Der Gesundheitsexperte Stefan Greß hat die finanzielle Belastung von gesetzlich Krankenversicherten kritisiert. Der Chef des Fachgebiets Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fulda sagte MDR INFO, der Gesetzgeber habe die Ausgaben in den vergangenen Jahren hemmungslos steigen lassen. Die Versicherten würden nun doppelt belastet. Zum einen müssten sie allein für die zusätzlichen Kosten aufkommen. Zum anderen fielen die Ausgabensteigerungen höher aus als in der Vergangenheit.

Greß: Früher Kostendämpfungspolitik

Greß nannte es einen Fehler, dass die paritätische Finanzierung bei der gesetzlichen Krankenversicherung abgeschafft worden ist. Als die Arbeitgeber noch von Kostensteigerungen betroffen gewesen seien, habe deren Lobby beim Gesetzgeber dafür gesorgt, dass sich die Ausgaben in Grenzen hielten. "Da gab es immer eine Kostendämpfungspolitik", sagte Greß.

Trotz Widerstands in der Union sieht der Gesundheitsökonom eine Chance, dass der Gesetzgeber noch einmal nachjustiert. Sollten die Zusatzbeiträge noch einmal stark steigen, werde das Fass möglicherweise noch einmal aufgemacht, zeigte sich Greß optimistisch - vor allem mit Blick auf die Bundestagswahl 2017. "Ich glaube nicht, dass die Union dieses Thema gerne im Wahlkampf haben möchte." Deshalb halte er es nicht für ganz ausgeschlossen, dass sie sich bei diesem Thema noch einmal bewegen werde.

Diskussion um Wiederherstellung der Parität

Die Erhöhung der Zusatzbeiträge zum Jahreswechsel um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte hatte die Debatte über eine mögliche Rückkehr zur paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer befeuert. SPD, Grüne und Linke sind dafür. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, forderte die Unionsführung jüngst zur Kehrtwende auf. CDU und CSU lehnen die Rückkehr zur Parität ab.

Krankenkassen rechnen mit deutlich steigenden Zusatzbeiträgen

Zurzeit liegt der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer alleine tragen müssen, im Schnitt bei 1,1 Prozent. Dabei wird es nach Ansicht der gesetzlichen Krankenkassen aber nicht bleiben. Der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Christian Zahn, erklärte am Mittwoch, bis 2020 werde der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz auf zwei Prozent steigen. Grund sei die teure Gesetzgebung der großen Koalition. Ähnlich äußerte sich die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer. Sie sprach im Interview mit der Zeitung "Die Welt" von einer Steigerung auf 1,8 Prozent bis 2019.

Der Krankenkassen-Beitragssatz Von 1951 bis 2005 wurden die Krankenkassenbeiträge paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezahlt. Derzeit zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zwar den festgelegten Beitragssatz von 14,6 Prozent je zur Hälfte. Mehrkosten werden jedoch mit Zusatzbeiträgen ausschließlich von den Arbeitnehmern finanziert. Die Höhe der Zusatzbeiträge können die Krankenkassen selbst festlegen. Durchschnittlich sind es 1,1 Prozent. Verschiedene Krankenkassen verlangen jedoch deutlich höhere Zusatzbeiträge.

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2016, 14:59 Uhr