Geballte Faust
Mit geballter Faust gegen Beamte: offenbar gibt es deutschlandweit immer mehr tätliche Angriffe gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Bildrechte: dpa

DGB-Konferenz Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst

Polizisten werden beleidigt, Schaffner bespuckt und Staatsanwälte bedroht. Immer wieder werden Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst zur Zielscheibe von Aggressionen. Auch in Mitteldeutschland, wo erst am Dienstag eine Mitarbeiterin im Finanzamt Löbau tätlich angegriffen wurde. Genaue statistische Erhebungen zu Vorfällen wie diesen gibt es zwar nicht. Doch das Landeskriminalamt Sachsen geht von einer deutlichen Steigerung aus.

Geballte Faust
Mit geballter Faust gegen Beamte: offenbar gibt es deutschlandweit immer mehr tätliche Angriffe gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Bildrechte: dpa

Deutschlandweit gibt es offenbar immer öfter Fälle tätlicher Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst. Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) gibt es Hinweise, dass die Zahl körperlicher Angriffe, Rempeleien oder verbaler Attacken zugenommen hat. Auf einer Fachtagung des DGB, die am Freitag in Berlin startet, sollen Lösungen gefunden werden, wie solche Vorfälle verhindert werden können. Gleichzeitig will man Wege aufzeigen, wie tätliche Angriffe in Zukunft dokumentiert werden können.

Polizisten und Bahn-Mitarbeiter zunehmend attackiert

Denn bislang werden ausschließlich Angriffe erfasst, die sich gegen Polizeibeamte richten. So hat das Landeskriminalamt Sachsen für 2015 insgesamt rund 2.500 Fälle registriert. Zwar lägen die aktuellen Zahlen für 2016 noch nicht vor, doch das LKA gehe von einer deutlichen Steigerung der Vorfälle aus, heißt es.

Auch die Deutsche Bahn hat zuletzt deutlich mehr tätliche Angriffe erfasst als noch vor vier Jahren. Wurden 2012 knapp 900 Vorfälle erfasst, hat sich die Zahl 2016 mit 2.300 Gewalttaten fast verdreifacht.

Kritik: Noch keine statistischen Erhebungen zur Gewalt

Alle Arten von Gewalt im Öffentlichen Dienst müssten statistisch erhoben werden, findet die Jugendorganisation des Deutschen Beamtenbundes in Nordrhein-Westfalen. Um auf die Vielzahl der tätlichen Angriffe aufmerksam zu machen, wurde die Plattform "Gefahrenzone Öffentlicher Dienst" gegründet. Auf der Internetseite www.angegriffen.info dokumentiert die Organisation seit April 2016 sämtliche bekannte Vorfälle, die sich bundesweit ereignen. Allein innerhalb des ersten Jahres wurden hier rund 700 Fälle festgehalten.

Viele Mitarbeiter zeigen Vorfälle nicht an

Eine Frau betritt ein Jobcenter.
In Jobcentern kommt es immer wieder zu tätlichen Angriffen. Doch nicht immer werden die auch zur Anzeige gebracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen", schätzt Markus Klügel, der Sprecher der Jugendorganisation, ein. "Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen und bundesweiten Interviews, dass gegen solche Vorfälle nicht immer offensiv vorgegangen wird." Die Aktion will Mitarbeiter ermutigen die Vorfälle auch anzuzeigen - und Arbeitgeber auffordern, ihre Beschäftigten noch besser zu schützen: "Es kann nicht sein, dass man mit Angst zur Arbeit gehen muss", so Klügel.

Bei einer Umfrage der Jugendorganisation mit über 800 Beschäftigten im Öffentlichen Dienst gaben 76 Prozent an, mindestens einmal angegriffen worden zu sein. Nur 24 Prozent der Befragten waren demnach noch nie einem Angriff ausgesetzt.

Aktuelle Beispiele aus dem Online-Projekt zu Übergriffen in Mitteldeutschland 24.04.2017 Kamenz: Staatsanwalt mit dem Tod bedroht
28.04.2017 Magdeburg: Fahrraddiebe schlagen auf Polizisten ein
06.05.2017 Naumburg: Randale in Polizeiwache
12.05.2017 Magdeburg: Schwarzfahrer prügelt Schaffner ins Krankenhaus
13.05.2017 Dresden: Männer attackieren Polizeibeamte bei Einsatz
14.05.2017 Halle: 19-jähriger Schwarzfahrer greift Schaffner in S-Bahn an
14.05.2017 Magdeburg: Angriff auf Zugbegleiterin der Deutschen Bahn
17.05.2017 Leipzig: Polizisten angegriffen und mit Steinen beworfen
06.06.2017 Suhl: Polizist und Sanitäter verletzt, Uniform zerissen

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 16.06.2017 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017, 11:36 Uhr

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43 Kommentare

17.06.2017 13:55 Wieland der Schmied 43

@ 25 Graf von Henneberg > Treffender kann man die Kausalkette Ursache-Wirkung nicht dastellen. Gehe voll mit! Die vierte Macht in der Gesellschaft, die Medien, dürfen sich in ihrem Elfenbeinturrm voll mir den anderen angesprochen fühlen.

17.06.2017 11:41 Mikkeleitis 42

Hallo,
stimmt nicht, dass dazu keine statistischen Erfassungen gibt. Ich habe als Ausfluss meiner Dozententätigkeit 2016 eine Gewaltbefragung bei den Berliner Ordnungsämtern durchgeführt und die
informativen und auch erschreckenden Ergebnisse veröffentlicht (zu finden im Internet ua. bei der VAK Berlin oder der Hochschule für Wirtschaft und Recht)
Interessierte sind herzlich eingeladen, sich darüber zu informieren.
Gruß R. Mikkeleitis

17.06.2017 09:42 vino 41

Kommentar 25 Graf von Henneberg,
den Nagel auf den Kopf getroffen und damit alles gesagt .

16.06.2017 18:48 JC-"Kunde" 40

Gerade Post vom Jobcenter im Briefkasten gehabt: es geht um angeblich unentschuldigt verpasste Meldetermine- die Nachweise für wichtige Gründe meiner Abwesenheit habe ich bereits 2 Mal eingereicht, zuletzt per Einschreiben.Trotzdem jetzt wieder dieser Brief mit Sanktionsdrohung - es scheint, als würden wichtige Dokumente beim Jobcenter fahrlässig oder gar absichtlich verschlampt, um sanktionieren zu können.
Dabei geht es (nicht nur um meine) finanzielle Existenz.Ich kann daher emotionale (Über-) Reaktionen der "Kunden" bisweilen nachvollziehen.
Ich jedenfalls werde die Sache nun juristisch statt gewalttätig klären!

16.06.2017 16:37 Horst 39

@ 16.06.2017 15:45 Maria 36

Welchen Umfang? Wie bereits erwähnt, wird es doch noch gar nicht statistisch erfasst.
Und wenn ich bei einer kurzen Suche Treffer auch aus früheren Jahre bekommen, dann wurde darüber sehr wohl berichtet.

16.06.2017 16:32 Peter 38

@35 REXt: "Das einst so (fast) harmonische Leben der Deutschen schein vorbei zu sein!" Ja, ja, der Mensch neigt zur Verklärung der Vergangenheit. Nennen Sie mir eine Phase in Deutschlands Geschichte, wo es, wie Sie meinen, "so (fast)" harmonisch zuging?
Ich bleibe dabei, Sie malen fortwährend den Teufel an die Wand, um den Niedergang einer alternativen Splitterpartei aufzuhalten. Durchsichtiges Manöver!

16.06.2017 15:45 Fragender Rentner 37

Heute Mittag beim ZDF kam auch das Thema und da wurde gemeint es würden auch keine härteren Strafen helfen.

Sofort aburteilen und nicht erst über ein halbes Jahr hinziehen bis die Tat wieder hinfällig wird!

Es dürfte auch nach der Verurteilung nicht zu einem Erholungsurlaub werden.

16.06.2017 15:45 Maria 36

28@kann ja sein das es damals auch schon solche Ausbrüche in den Ämtern gab aber eben nicht in diesem Umfang, jedenfalls würde dann damals nicht darüber berichtet, ich war Gott sei dank nie in dieser Misere das ich dort hin musste. Aber ja es hat nicht nur mit diesen Zugewanderten zu tun aber es häuft sich und das müssten sie ja wohl auch mitbekommen, man kann es jetzt überall lesen, wenn auch oft ohne Angabe der Nationalität, wäre vielleicht aber angebracht dann würde es diese Diskussion von Ihnen nicht geben wenn man es schwarz auf weis lesen könnte. Aber die liebe Presse, naja und nein ich bin keine Rechte, linke und auch kein Nazi. Ich bin ein ganz normaler Bürger der sich Gedanken um seine Kinder macht.

16.06.2017 15:04 REXt 35

Das einst so(fast) harmonisches Leben der Deutschen scheint vorbei zu sein! An@30Peter: sie haben vergessen die SPD zu nennen!! Die bewegt sich auch auf den absteigenden Ast nach unten!!!!!!

16.06.2017 14:46 MuellerF 34

Unsere Justiz ist NICHT zu lasch..sie ist vor allem zu LANGSAM...zwischen Tat & Urteil liegen häufig Jahre, das wirkt i.d.R. strafmildernd und verfehlt auch den erzieherischen Effekt von Strafen. Die Gefängnisse sind übrigens voll, man kann also gar nicht einfach viel mehr Leute wegsperren.