Der Ex-Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit Heiner Geißler
Heiner Geißler ( geboren am 2. Mäerz 1930 in Oberndorf am Neckar, gestorben am 12. September 2017 in Gleisweiler) Bildrechte: dpa

CDU-Sozialpolitiker Heiner Geißler ist tot

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er stammte aus einer katholisch geprägten Beamtenfamilie, wollte eigentlich Priester werden, doch landete in der Politik. Auch als CDU-Spitzenpolitiker orientierte er sich zeitlebens an der christlichen Soziallehre und eckte damit immer wieder an.

Der Ex-Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit Heiner Geißler
Heiner Geißler ( geboren am 2. Mäerz 1930 in Oberndorf am Neckar, gestorben am 12. September 2017 in Gleisweiler) Bildrechte: dpa

Der langjährige CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler ist tot. Wie seine Familie der "Süddeutschen Zeitung" mitteilte, starb er im Alter von 87 Jahren im pfälzischen Gleisweiler.

Heiner Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU und galt als Urgestein und "soziales Gewissen" seiner Partei. 1965 wurde er zum ersten Mal in den Bundestag gewählt und gehörte ihm mit Unterbrechung bis 2002 an.

Geißler begleitete über Jahrzehnte den Aufstieg von Helmut Kohl vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten zum Bundeskanzler. Kohl berief den Juristen 1982 zum Familienminister. Der Sozialexperte Geißler arbeitete in dieser Zeit an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein.

Bruch mit Kohl 1989

Der Sozialpolitiker und gläubige Christ Geißler war zeitlebens ein Freigeist. Beim Bremer Parteitag 1989 kam es im Streit um den Kurs der CDU zum Vertrauensbruch mit Kohl.

Heiner Geißler und Helmut Kohl
Bruch der langjährigen Weggefährten Geißler (re.) und Kohl beim CDU-Parteitag 1989 in Bremen. Bildrechte: dpa

Geißler verlor das Amt als Generalsekretär und zog sich aus der Parteispitze zurück. Er arbeitete danach vor allem als Redner und Autor. Der verheiratete Vater dreier Söhne und passionierte Sportler entfernte sich später vor allem wirtschaftspolitisch von seiner Partei.

Seit Ende der 1990er-Jahre vermittelte Geißler regelmäßig in Tarifkonflikten. 2007 trat er dem globalisierungskritischen Bündnis Attac bei. 2010 und 2011 war er dann noch als 80-Jähriger Schlichter beim umstrittenen Bahnhofsbauprojekt Stuttgart 21.

Trauer um streitbaren Geist

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Heiner Geißler als leidenschaftlichen Politiker und Mitgestalter unseres Gemeinwesens , "die selten zu finden waren und sind". In einem Kondolenzschreiben an Geißlers Witwe schrieb er, Deutschland verliere "eine unvergleichliche politische Persönlichkeit, die bis ins hohe Alter gerade auch für junge Menschen Vorbild war".

Parteiübergreifend wurde Geißlers Lebensleistung betont. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Geißler einen Politiker mit Rückgrat. Die CDU verliere "einen herausragenden Christdemokraten, leidenschaftlichen Verfechter der katholischen Soziallehre und beherzten Kämpfer für die soziale Marktwirtschaft".

Heiner Geißler gratuliert am 10.04.2000 beim CDU-Bundesparteitag der neuen Parteivorsitzenden Angela Merkel zu ihrer Wahl.
Heiner Geißler gratuliert am 10. April 2000 beim CDU-Bundesparteitag in Essen der neuen Parteivorsitzenden Angela Merkel zu ihrer Wahl. Bildrechte: dpa

Kanzleramtschef Peter Altmaier twitterte, Geißler habe die CDU geprägt: "Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. (...) Sein Vermächtnis bleibt." NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb auf Twitter: "Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte (...) er war einer unserer Besten."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann würdigte Geißler als großen Demokraten und "streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen." Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte Geißler prägend für die Politik und Diskussionskultur in der Bundesrepublik.

Die Grünen-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir schrieben: "Mit Heiner Geißler verlieren wir einen echten Freigeist, der zu seiner politischen Haltung immer auch gegen Widerstände stand."

Interview im März 2017 auf der Leipziger Buchmesse

Heiner Geißler
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Mit dem ehemaligen Generalsekretär der CDU und geschickten Rhetoriker spricht Stefan Nölke über das neue Buch "Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?".

ttt - titel thesen temperamente Sa 25.03.2017 10:00Uhr 28:21 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.09.2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 13:50 Uhr