Zerstörte Fahrzeuge stehen nach einem illegale Autorennen auf einer Kreuzung
Zerstörte Fahrzeuge nach einem illegalen Autorennen in Hagen/NRW (Archivbild) Bildrechte: dpa

Straßenverkehr Politik fordert härtere Strafen bei illegalen Autorennen

Sie veranstalten illegale Autorennen mit extrem überhöhten Geschwindigkeiten - nicht selten in viel befahrenen Innenstädten. Dabei werden rote Ampeln überfahren und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, teilweise sogar tödlich verletzt. Doch das nehmen Raser billigend in Kauf, denn die Autorennen werden in Deutschland bislang nur als Ordnungswidrigkeit geahndet. Die Politik drängt jetzt auf Abhilfe.

von Gabriele Intemann, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Zerstörte Fahrzeuge stehen nach einem illegale Autorennen auf einer Kreuzung
Zerstörte Fahrzeuge nach einem illegalen Autorennen in Hagen/NRW (Archivbild) Bildrechte: dpa

Illegale Autorennen müssen härter bestraft werden. Darüber sind sich Politiker aller Parteien einig. Es müsse eine schnelle und klare Strafe geben, fordert zum Beispiel die Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz im Bundestag, Renate Künast von den Grünen, im Morgenmagazin von ARD und ZDF: "Wer mit Tempo 160 durch die Innenstadt fährt, weiß, dass irgendwo zwischen zwei Autos jemand kommen kann oder dass er mit einem kleinen Stein auf der Straße möglicherweise die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und in ein anderes Auto hineinrast, in dem jemand sitzt."

Bald kein Kavaliersdelikt mehr

Bisher gelten illegale Autorennen nur als Ordnungswidrigkeit. Das Straßmaß: 400 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot. Viel zu wenig, da sind sich alle einig. Mehrere Bundesländer haben deshalb einen Gesetzentwurf vorgelegt, genau das als Straftat definiert. Rasern würden danach bis zu zehn Jahre Haft drohen, wenn bei einem solchen Rennen jemand schwer verletzt oder getötet wird.

Das Problem: Wie kann man den Straftatbestand so definieren, dass die Beteiligten auch tatsächlich verurteilt werden. Die verkehrpolitische Sprecherin der SPD, Kirsten Lühmann verweist im "Deutschlandfunk" auf das Beispiel der Schweiz. Dort gibt es bereits entsprechende Gesetze:

Die haben Straßenrennen nur als einen Punkt definiert. Das heißt, selbst wenn die Beteiligten nicht zugeben, dass es ein Rennen war, sondern sie sagen, sie seien einfach nur so zu schnell gefahren, dann fallen sie unter diesen Paragraphen. Das finde ich eine sehr sinnvolle Regelung.

Kirsten Lühmann (SPD)

"Todsünden" im Straßenverkehr

Renate Künast ist Juristin. Sie plädiert für eine Reform des Paragrafen 315c im Strafgesetzbuch. Dort sind die "Todsünden" für Autofahrer festgehalten: Fahren unter Alkohol und Drogen, Wenden auf der Autobahn, Nichtbeachten eines Zebrastreifens und ähnliches. Wer dadurch Leib und Leben Dritter in Gefahr bringt, riskiert eine hohe Strafe. Das sollte auch für extreme Raser gelten, so Künast: "Ein bestimmtes Tempo führt immer zu einer Verurteilung von bis zu fünf Jahren. Es führt immer dazu, dass du ungeeignet bist, ein Kraftfahrzeug zu führen. Dass du es nur nach der Medizinisch-Psychologischen Prüfung, manche sagen Idiotentest, wiederkriegst. Und dass das Auto eingezogen wird, egal, wem es gehört. Es muss eine klare und sofortige Reaktion geben."

Welche Strafe ist angemessen?

Aber ab welchem Tempo soll das gelten. Kirsten Lühmann von der SPD spricht sich für klare Regeln aus. "Wir haben in Deutschland eine Regel: Wer doppelt so schnell fährt wie erlaubt, kriegt sofort Fahrverbot. Daran könnte man sich orientieren und eben sagen: Da müssten wir noch etwas oben drauf legen. Insofern ist das eine gute Idee." Also etwa ab Tempo 70, wenn nur 30 km/h erlaubt sind. Geht es nach der SPD-Politikerin könnte ein entsprechendes Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 27.02.2017 | ab 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2017, 14:10 Uhr

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2 Kommentare

28.02.2017 10:46 Fragender Rentner 2

Nur so manche Rechtsverdrehen wollen keine höheren Strafen, wieso eigendlich?

Oder wollen sie nur an den lange Verfahren verdienen?

27.02.2017 20:27 Karl L. 1

Lieber mdr, die Überschrift ist nicht ganz richtig. Es müßte heißen: Das, was die Bevölkerung schon lange fordert, fordert nun endlich auch die Politik.....nämlich ..härtere Strafen für solche abartigen Zeitvertreibe.