Prepper Bastian Blum zeigt eine medizinische Notfallpackung.
Ein Prepper zeigt seine medizinische Notfallpackung. Bildrechte: dpa

Leipzig Innenminister wollen Prepper beobachten

Haben Sie schon mal von den Preppern gehört? Das sind Menschen, die sich auf den Untergang der staatlichen Ordnung vorbereiten. Das klingt zunächst eher harmlos. Aber die Innenminister von Bund und Ländern sehen das anders. Bei ihrem Treffen in Leipzig sind die Prepper ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung. Es soll herausgefunden werden, ob die mutmaßlich rechtsextremistische Szene zur Radikalisierung neigt und wie viele Waffen sie besitzt.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Prepper Bastian Blum zeigt eine medizinische Notfallpackung.
Ein Prepper zeigt seine medizinische Notfallpackung. Bildrechte: dpa

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen die Prepper bundesweit beobachten lassen. Das berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Dabei solle geprüft werden, ob die Szene zur Radikalisierung neigt und ob es Verbindungen zu Extremisten gibt. Außerdem gehe es um die Frage, in welchem Umfang die Prepper Waffen horten.

Prepper wollen im Krisenfall Politiker ermorden

Anlass ist ein Vorfall im August in Mecklenburg Vorpommern. Da ging die Bundesanwaltschaft gegen eine Prepper-Gruppe mit dem Namen "Nordkreuz" vor. Büros und Wohnungen wurden durchsucht. Der Vorwurf: Zwei Mitglieder sollen geplant haben, im Krisenfall linke Politiker zu ermorden. Wie weit dieser Verdacht ausgeräumt wurde, ist unklar. Jedenfalls wurde in der Folge niemand festgenommen.

Was ist ein Prepper? Das Wort Prepper kommt vom Englischen "to be prepared" – das heißt "vorbereitet sein".

Auf jeden Fall gibt es bei den Preppern ein breites Spektrum. Viele breiten sich nur auf eine Krise vor, indem sie Vorräte anlegen und das Überleben ohne Strom- und Wasserversorgung trainieren.

Sind Prepper gleichzeitig Reichsbürger?

Aber in der Szene geht es auch um Waffen und Schießübungen. Der Kopf der Gruppe Nordkreuz, ein ehemaliger Polizist, hat das im ARD-Magazin Panorama auch eingeräumt.

Wir haben eine gewisse Anzahl von Sportschützen und Jägern. Der eine oder andere ist auch Sportschütze geworden, ein oder zwei haben einen Jagdschein gemacht. Oder wir haben uns auf einem Schießplatz getroffen.

Marko G. Kopf der Gruppe "Nordkreuz" & ehemaliger Polizist

Thüringer Verfassungsschutz sieht Entwicklung kritisch

Stephan J. Kramer
Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Soweit ist das natürlich alles erlaubt. Stephan Kramer, der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, ist trotzdem misstrauisch. Er sieht Parallelen zu den so genannten Reichsbürgern, die lange verharmlost wurden. Bei Panorama verweist er vor allem auf die Vorliebe für Waffen. Reichsbürger und Prepper seien nicht gleichzusetzen, aber Überschneidungen seien erkennbar.

Beim Reichsbürger ist es so, dass er sich selber verteidigen will, gegen den fremden Staat. Bei den Preppern geht darum, Vorräte vor Fremden zu schützen oder in der Endzeitstimmung den Überlebenskampf zu führen.

Stephan Kramer Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes

Sicherheitsbehörden sind auf den Plan gerufen

Dazu kommt noch: Die Krisenszenarien, die manche Prepper sich vorstellen, decken sich durchaus mit Schreckensbildern, die Rechtsextreme entwerfen. Dazu gehört zum Beispiel, dass eine Flüchtlingswelle den Untergang der staatlichen Ordnung bewirken könnte. 

Ideologisch sei klar, dass es darum geht, sich auf den Untergang vorzubereiten: des Landes, der Gesellschaft, der Stadt. Das seien Ideologien, die auch bei Extremisten in der Regel zu finden seien, welche versuchen, damit ihre Anhängerschaft zu vergrößern. Und da seien auch die Sicherheitsbehörden auf den Plan gerufen und müssen schauen, was sich entwickelt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 07.12.2017 | 09:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 20:51 Uhr

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66 Kommentare

09.12.2017 20:43 Mediator an Luftikus(65) 66

Lieber Luftikus, selbstverständlich dürfen sie ihren Keller bis zur Oberkante mit Konserven vollstopfen. Das ist ja nicht verboten und stärkt den Einzelhandel. Um dieses Thema geht es aber nicht wirklich.

Der Artikel thematisiert jeodch Menschen die sich radikalisieren, organisieren und bewaffnen. Er thematisiert Menschen denen man unterstellt dass sie beabsichtigen politische Gegner zu ermorden.

Ansonsten fallen mir viele mögliche Katastrophenszenarien ein, aber keines erfordert es, dass ich Menschen umbringe. Sie sollten übrigens ein wenig mehr Vertrauen in unsere Katastrophenschützer haben. Wann haben die unser Land im Stich gelassen? Mir fällt da keine Situation ein. Für die Maulhelden am Stammtisch ist eine Knarre die Lösung in einem Krisenfall für einen Katastrophenschützer ist es die Koordinierung von Informationen und Hilfsleistungen. Diese Menschen bleiben sicher nicht zu Hause sondern erfüllen ihre Pflicht!

09.12.2017 17:40 Luftikus 65

@60 Mediator/ Sie können sich keine globalen Katastrophenfälle vorstellen? In welcher Märchenwelt, in welchem Mikrokosmos leben Sie denn? Da braucht man keine Hollywood Schinken konsumieren oder den Weltuntergangszenarien von obskuren Sekten nachhecheln. Da reichen schon die täglichen Nachrichten über die Kims in Nordkorea, oder deren Gegenprodukte aus dem Weißen Haus, die gerne auf den Knopf drücken würden. Vulkanausbrüche, wie der unter dem Yellostone Nationalpark schlummernde, Meteoriteneinschläge, Sonnenatürme etc. Das hat nichts mit Fantasien zu tun, sondern mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zu Ihrer Beruhigung: Eine Brot- oder Wurstfabrik brauche ich dann nicht mehr stürmen. Wo nichts mehr produziert wird, gibt es auch nichts mehr zu holen! Und die Mitarbeiter Ihres KVR, wie das in München, sitzen dann alle zu Hause und kümmern sich lieber um ihre Familien. Träumen Sie also weiter!

09.12.2017 16:47 Wieland der Schmied 64

@ 63 Janine > Ihre Vorratshaltung ist lobenswert, aber unzureichend. Auf Anfrage erhalten Sie vom Innen-Ministerium eine kostenlose Broschüre zugeschickt, die alles auflistet und vernünftige Mengen der eigenen Vorratshaltung angibt. Meine Famlilie konnte den extrem kalten „Hungerwinter 47“ überleben, weil üblicherweise jeder im Keller pro Person einen Sack Kartoffeln, 2 Sack gehacktes Holz und Briketts, Einweckgläser mit Marmelade und Fleisch(Speckfett) eingelagert hatte, die bis ins Frühjahr ausreichten. Die heutige Versorgungswirtschaft kennt keinerlei Vorratshaltung. Die einzige Reserve sind die LKW auf der Autobahn. Können die nicht mehr fahren ist schlagartig zappenduster. Zu beachten ist auch, daß alle neuzeitlichen Heizunganlagen mit Strom gesteuert werden, fällt dieser aus, ist es dunkel und kalt, nicht einmal kochen kann man.
Es ist nicht zufällig, daß gerade jetzt die Prepper und ihre Veröffentlichungen im Internet über Methoden und Geräte zunehmende Nachfrage finden.

09.12.2017 14:42 Janine 63

Man kriegt es ja mit der Angst zu tun, wenn man die Endzeitfantasien Einzelner hier liest. Das klingt in meinen Augen aber mehr nach einer Rechtfertigung für persönliche Gewaltfantasien, die nicht mit unserem Recht in Deckung zu bringen sind. Wenn bei uns einmal die Erde beben sollte, der Strom großflächig ausfällt oder Schneestürme die Transportwege blockieren, dann braucht es Männer und Frauen die anpacken. Diese sind beim THW, Rotem Kreuz, Bundeswehr und der Polizei zu finden, aber sicher nicht in irgendeiner Wehrsportgruppe die Todeslisten führt und davon träumt selbstdefiniertes Gesindel zu erschießen.

Wenn jeder sich und seinen Nachbarn für einige Tage helfen helfen kann, dann können sich die Hilfeorganisationen vorrangig um die wirklich dringenden Fälle kümmern. Ich habe im Keller genug Getränke, Konserven und Eingemachtes um mit meiner Familie 2 Wochen durchzuhalten. Eine Waffe um meine Nachbarn zu erschießen habe und brauche ich nicht.

09.12.2017 13:42 Yasin X 62

Es wäre ja ein Glücksfall für diese Welt, würden sich all die von Hass zerfressenen Rassisten und Patrioten in freudiger Erwartung des Weltuntergangs einfach in unterirdischen Bunkern vergraben. Leider sind sie aber scheinbar der Meinung, sie müssten sich dazu noch bis an die Zähne bewaffnen. Wozu das führen kann, wenn Menschenfeinde im Besitz scharfer Munition sind, sieht man dann bei islamistischen Anschlägen oder bei rassistisch motivierten Massenmorden wie dem des AFD- und Breivik-Fans David S. in München.
Das Recht, sich am besten mit Kriegswaffen auszustatten, das hier von rechts vehement eingefordert wird als wäre es ein unveräußerliches Grundrecht, soll aber sicher auch nur für die "besorgten" stolzen Deutschen gelten und nicht etwa auch für "Gutmenschen","Auländer", etc., oder?
Das die Welt durch mehr Waffen sicherer wird, hat sich jedenfalls in keinem Land dieser Erde jemals bestätigt.

09.12.2017 13:04 RZille 61

Schade, das all die Sympathisanten der durchgedrehten Waffennarren, uns nicht verraten, wieso denn überhaupt die große Apokalypse bevorsteht!?
Beim Lesen der Kommentare könnte man den Eindruck bekommen, hier müsste jeden Moment alles zusammenbrechen und der große Bürgerkrieg ausbrechen. Wieso das so sein soll, wird leider nicht erklärt. Vermutlich ist es bloß das Wunschdenken der paar Prozent des "Volkes", die so gerne "Wir sind das Volk" schreien und sich dabei nicht mal doof vorkommen.

09.12.2017 11:39 Mediator an Luftikus(59) 60

Ach Luftikus, ihre Endzeitfantasien in allen Ehren, aber ich würde mich nicht darauf verlassen straffrei zu bleiben wenn sie anfangen Menschen zu ermorden. Von welchem "globalen Katastrohenfall" träumen sie bitte? Vielleicht haben sie ein wenig zu viel Mad Max, Waterworld oder Independence Day geschaut.

Sie sollten auch nicht die Menschen in Verantwortung unterschätzen. Was glauben sie geschieht in den zuständigen Referaten der Kreisverwaltungsbehörden? Die planen und üben wie sie die Menschen, für die sie Verantwortung tragen, in Notfällen unterstützen.

Was glauben sie den bitte wie lange sie mit der Waffe in der Hand Vorräte verteidigen oder erbeuten können? Was kommt danach? Versklaven sie dann die Bauern und erobern die Wurstfabrik?

Sorry, aber seriöse Notfallplanung geht anders!

09.12.2017 10:42 Luftikus 59

@49 Klarheit/ Ein guter Kommentar, der es auf den Punkt bringt. Ich sehe noch die Plünderungen beim G20 Gipfel. Genau so sieht es dann überall in Deutschland aus, wenn die Resourcen zu Neige gehen. Mediator und ihre Gesinnungsgenossinnen werden in dieser Situation sicher erst mal einen Gesprächskreis bilden und mit den um ihr Überleben kämpfenden Menschen diskutieren, wie schändlich doch deren Taten sind. Wenn es überhaupt noch eine staatliche Ordnung gibt, dann gilt das Standrecht. Mögliche Anklagen wegen irgendwelcher Straftaten auf die Zeit nach dem Chaos legen zu wollen, ist mehr als naiv. Schon heute soll die völlig aus dem Blickfeld geratene private Vorratswirtschaft wieder belebt werden. Von unseren politischen Eliten haben wir im globalen Katastrohenfall nur Durchhalteparolen aus deren Regierungsbunkern zu erwarten.

08.12.2017 22:27 Mediator an Frank L.(56) 58

Sorry, aber ich kann über diese rechten Untergangsszenarien nur den Kopf schütteln. Vermutlich sind das alles Berufspessimisten die einem zwar prima erklären können was alles nicht geht, aber unfähig sind ein Problem konstruktiv anzupacken. Vermutlich regen diese Leute sich deshalb so über den Satz der Kanzlerin auf, der doch nur konsequent ist.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war Deutschland übrigens zerbombt, die Männer tot und in Gefangenschaft und Millionen Menschen waren verwundet oder versehrt.

Von welcher Kathastrophe träumen sie eigentlich die zu einem Zerfall unseres Rechtssystems und zur Legitimierung von Selbstjustiz führen würden.
Ich bin gespannt.

08.12.2017 21:49 Manfred 57

Frage: Kann man diese offensichtlich Linken Demonstranten, die gegen die Innenministerkonferenz protestierten überhaupt ernst nehmen?