Figuren von Menschen in verschiedenem Alter sind auf dem Gebäude des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Sport.
Das Bundesfamilienministerium mit den meisten befristeten Jobs. Bildrechte: dpa

Personalpolitik Ministerien beschäftigen oft nur noch befristet

In den Bundesministerien ist 2016 jede zweite Stelle auf Zeit vergeben worden. Das geht aus einer Antwort des Bundes auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die dem MDR vorliegt. Diese Quote ist höher als in der Wirtschaft. Spitzenreiter ist das Familienministerium, wo 90 Prozent der neuen Mitarbeiter befristet beschäftigt wurden, gefolgt von Wirtschafts- und Agrarministerium. Von 2007 und 2015 hat sich der Anteil befristeter Jobs in den Ministerien auf 6,5 Prozent mehr als verdoppelt.

von Gabriele Intemann, Hauptstadtkorrespondentin

Figuren von Menschen in verschiedenem Alter sind auf dem Gebäude des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Sport.
Das Bundesfamilienministerium mit den meisten befristeten Jobs. Bildrechte: dpa

Jeder zweite neue Beschäftigte in den Bundesministerien bekommt nur einen Zeitvertrag. Das schreibt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke. In einigen Ministerien ist der Anteil sogar noch wesentlich größer. So vergibt der Spitzenreiter, das SPD-geführte Bundesfamilienministerium, neue Jobs in neun von zehn Fällen nur auf Zeit. Für Jutta Krellmann, die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, ein Unding. "Dass sich die CDU so verhält, da muss ich mich nicht drüber wundern als Linke. Aber dass die SPD sich nicht mal bemüht, das ist ganz einfach nicht nachzuvollziehen."

Krellmann: Praxis der Ministerien "unglaublich"

Häufig gibt es einen guten Grund, Stellen zu befristen - bei Vertretungen zum Beispiel. Wenn jemand längerfristig krank ist, in Elternzeit geht oder aus anderen Gründen eine Auszeit vom Job nimmt. Immer öfter jedoch gibt es keinen konkreten Anlass, eine Stelle nur auf Zeit auszuschreiben. Diese sachgrundlosen Befristungen sind Krellmann ein besonderer Dorn im Auge. Vor allem weil es meist um junge Menschen geht: "Man gibt ihnen einen Arbeitsplatz, aber man gibt ihnen keine Perspektive. Dass Ministerien das besonders machen, dass finde ich unglaublich. Die müssten ja eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen."

Zwei von drei Stellen im Arbeitsministerium befristet vergeben

Das gilt wohl vor allem für das Ministerium für Arbeit und Soziales. Hatte dessen Ministerin Andrea Nahles von der SPD doch bereits 2014 auf dem Juso-Bundeskongress gefordert. "Sachgrundlose Befristungen gehören – auch wenn wir das im Koalitionsvertrag nicht verabreden konnten – die gehören trotzdem abgeschafft." Im Ministerium von Andrea Nahles sank die Zahl der Befristungen zwischen 2014 und 2016 zwar leicht. Sie blieb jedoch auf hohem Niveau: Zwei von drei neuen Mitarbeitern erhalten nur einen Zeitvertrag. In der Hälfte der Fälle davon, gibt es arbeitsrechtlich dafür keinen Grund.

Beamtenbund: Öffentlicher Dienst wird unattraktiv

Klaus Dauderstädt vom Deutschen Beamtenbund sieht darin ein grundsätzliches Problem für den Öffentlichen Dienst. In seinen Augen wird der öffentliche Arbeitgeber dadurch weniger attraktiv. "Menschen wollen mehr Sicherheit als Unsicherheit in ihrem Leben. Dazu gehört vor allem auch ein Arbeitsverhältnis ohne vorhersehbares Ende. Daher werden sich junge Menschen aus allen Bereichen sich überlegen, ob sie noch in den öffentlichen Dienst gehen, wenn sie dort nur einen befristeten Vertrag angeboten bekommen."

Die Ministerien argumentieren im Allgemeinen damit, dass sie mit befristeten Einstellungen für vorübergehenden Bedarf besser gerüstet sind. Außerdem könnte so allen Auszubildenden zumindest für eine begrenzte Zeit ein Arbeitsplatz angeboten werden. Für Dauerstädt sind das keine überzeugenden Argumente. Das wäre eigentlich gar nicht nötig, sagt der Chef des Beamtenbunds. "Wenn ich präzise, vorausschauend plane, welchen Personalbedarf ich habe, kann ich auch von Anfang an, unbefristete Arbeitsverträge anbieten."

Auf Nachfrage haben sich bislang weder das Bundesfamilienministerium noch das Bundesarbeitsministerium zu den Zahlen geäußert.

Über dieses Thema berichtet MDR im: Radio | 07.02.2017 | 05:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2017, 07:00 Uhr

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6 Kommentare

07.02.2017 22:29 HERBERT WALLASCH, Pirna 6

Überall vollmündige Versprechen, hohe moralische Ansprüche, mit dem spitzen Finger auf Andere zeigen, von sich selbst ablenken und in den Grauzonen mitschwimmen, aber Anderen den gesunden, auf Fakten basierenden Menschenverstand absprechen.

07.02.2017 14:37 Michael Möller 5

also wenn ich den Artikel hier richtig verstehe wird durch die Minsterein die Arbeitnehmer mit Verträgen abgespeißt die laut Arbeitsgesetzt nur für Kurzfistige Überbrückung zulässig sind nd die Minister sollten das eigentlich besser wissen und jetzt will die SPD mit Gerechtigkeit sowie soziale Löhne in den Wahlkampf gehen. nur sollte man sich fragen als wähler wer zur diese Rechtsbeugung in der jetzigen Regierung verantwortlich ist und wer das mit getragen hat. für mich zeigt dieser Artikel doch nur das alle diese Politiker sowie ihre Parteien betrüger und lügner sind. so sehe ich das persönlich

07.02.2017 13:22 Querdenker 4

Zitat: „SPD-geführte Bundesfamilienministerium, neue Jobs in neun von zehn Fällen nur auf Zeit.“ - - - Von der SPD kann man alles Mögliche erwarten nur nichts soziales. Und daran ändert auch der Herr Schulz von der kapitalistischen „Globalisierungszentrale EU“ nichts.

07.02.2017 13:07 Human Resource 3

Na ja, ... vielleicht setzen Fr. Schwesig und Fr. Nahles ja darauf, dass durch die Befristung Mitarbeiter in Elan und Eifer nur 'so Funken sprühen', um garantiert den Anschlußvertrag zu bekommen. Das nennt sich dann motivierende 'Selbstausbeutung'. ... und endet meist, wenn nach etlichen Verlängerungsrunden "Feuer und Flamme" erloschen sind ... Richtig! ... im Burn-Out.
Daumen hoch, Fr. Schwesig und Fr. Nahles!
Sie schaffen DAS!

07.02.2017 09:42 Ludwig 2

Entschuldigung, Herr Dauderstädt, das ist nun wirklich zu viel verlangt von unseren Bundespolitikern, dass sie "präzise und vorausschauend " planen. Da hätten sie ja zum Beispiel auf Gaddafi hören müssen, der schon vor Jahren davor warnte, was passieren würde, wenn man Libyen nicht ausreichend unterstützt. Also wirklich - wer kann heute auch nur ahnen, wie die Welt in 2 Jahren ausschaut?

07.02.2017 09:03 emil 1

die praxis wundert mich nicht. das alles schon eine weile bekannt. die, die in der sozialpolitik mit gutem beispiel vorangehen sollten, sind die größten nest-
beschmutzer. der fisch stinkt vom kopf her. die damen und herren minister führen sich auf wie im absolutismus ...