Kommentar "Die Teflon-Kanzlerin ist zurück"

Bundeskanzlerin Merkel stand im ARD-Sommerinterview knapp 20 Minuten Rede und Antwort. Sie blieb gewohnt ruhig und hat sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Die Flüchtlingskrise und der Konflikte mit der CSU scheinen vergessen. Teflon-Merkel ist nach Meinung von Stephan Ueberbach zurück und lässt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kaum eine Chance.

von Stephan Ueberbach für MDR AKTUELL

Nein, natürlich lässt sich Angela Merkel auch im Fernseh-Sommerinterview nicht provozieren. Wer wie die Kanzlerin täglich mit Irrlichtern wie Putin, Trump oder Erdogan zu tun hat, wer von seinem hyperaktiven und übernervösen Koalitionspartner im Tagesrhythmus mit wütenden Attacken überzogen wird, den bringt auch das Moderatoren-Paar der ARD nicht aus der Fassung.

Merkel will vier Jahre Kanzlerin bleiben 

Hartnäckige Nachfragen perlen einfach an ihr ab. Den Streit mit der Türkei über das Besuchsrecht bei deutschen Soldaten findet Angela Merkel misslich, den Klimaschutz in Deutschland sieht sie auf gutem Weg, die Entscheidung über die "Ehe für Alle" nennt sie einen Beitrag zur Befriedung einer wichtigen gesellschaftlichen Diskussion. Ach so, Merkel will natürlich nach der Wahl für vier volle Jahre Kanzlerin bleiben.

Flüchtlingskrise, Zoff mit der CSU, Schulz-Effekt - war da was? Die Teflon-Kanzlerin ist zurück und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Warum auch? Selten hat Angela Merkel der Sommerpause vor einer Bundestagswahl so gelassen entgegensehen können wie diesmal. Wer hätte das noch vor einem halben Jahr gedacht.

CDU und CSU vertrauen auf kurzes Wähler-Gedächtnis

Die Asyl- und Flüchtlingspolitik ist aus den Schlagzeilen verschwunden, die Kritik an der Kanzlerin abgeflaut, der Obergrenzen-Streit mit Horst Seehofer erstmal vertagt. Wie immer, wenn es um den Machterhalt geht, raufen sich die schwarzen Schwestern zusammen und dürfen dabei auf das kurze Gedächtnis der Wähler vertrauen.

Die Debatte über linke Gewalt spielt der Union noch zusätzlich in die Hände. SPD, Grüne und Linke stehen nach den Chaostagen von Hamburg heftig unter Rechtfertigungsdruck. Selbst deutlichste Distanzierungen helfen da nicht. Bei CDU und CSU dagegen haben die Hardliner Oberwasser und inszenieren sich als einzig verlässliche Hüter der inneren Sicherheit.

Gefühl entscheidet die Bundestagswahl

Was das alles für die politische Stimmung im Land bedeutet, lässt sich an den Umfragen klar ablesen. Die Union liegt meilenweit in Führung. Auch die Kanzlerin ist wieder beliebt wie eh und je und kann in aller Gelassenheit zusehen, wie sich SPD-Kandidat Schulz gegen den Abwärtstrend abstrampelt, mit immer neuen Grundsatzreden und detaillierten Konzepten zu diesem und jenen, was die Wähler allerdings ganz offensichtlich kalt lässt.

Warum also sollte ausgerechnet Angela Merkel jetzt plötzlich konkret werden, wenn auch das Ungefähre reicht? Spiegelstriche bei der Rente, den Steuern, den Geschenken für die Familien werden diese Wahl jedenfalls nicht entscheiden. Es geht am Ende um ein Gefühl. Nämlich darum, wem die Menschen zutrauen, in einem umfassenden Sinne für ihre Sicherheit zu sorgen. Bei wem sie sich eben am besten aufgehoben fühlen.

Merkel darf sich auf ruhige Ferien freuen

Angesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, einer Welt mit Terror und Kriminalität, einer Welt voller Trumps und Erdogans. Das ist die Messlatte. Danach werden die Wähler abwägen, ob sie für einen politischen Wechsel sind oder nicht. Im Moment sieht es so aus, als würde eine Mehrheit wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Kanzlerin darf sich auf ruhige Ferien freuen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 17.01.2017 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 05:00 Uhr

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30 Kommentare

18.07.2017 15:32 Fragender Rentner 30

Hatte gestern schon mal gefragt, ob Teflon gut oder schlecht für die Gesundheit ist?

18.07.2017 14:25 Wieland der Schmied 29

@ 28 Maria > Sie haben alles, was zu sagen ist zu diesem Thema, gesagt. Meine Anerkennung, danke

18.07.2017 09:24 Maria 28

Habe leider nicht das gNze Interview gesehen aber das was ich gesehen und gehört habe hat gereicht. DDR lass grüßen, Frau Merkel hat nichts von damals verlernt. Auf fragen des Journalisten wurde oft gar ni ht erst geantwortet bzw sie redete alles schön oder sie guckte wieder bockig. Ich kann diese Frau einfach nicht mehr sehen, soll in Rente gehen und sich mit ihrem Mann amüsieren,denn Kinder und Enkel hat sie keine um die sie sich in der heutigen Zeit sorgen mus. Pfui Teufel.

17.07.2017 21:43 Bernd Ludwig 27

Frau Merkel hat klar erklärt, dass sie gegen eine Begrenzung der Migrantenzahl ist. Deutlicher geht es nicht. Später kann sich niemand gegenüber seinen Kinder und Enkeln herausreden, er habe das ja nicht gewusst oder nicht gewollt.
Das Interview zeigt, die öffentlichen Medien haben ihre Funktion verloren- sie sind zu Hofmedien geworden wie in der DDR auch.

17.07.2017 20:44 Pirnaerin 26

Merkel sollte abtreten. Sie hat genug Schaden angerichtet.

17.07.2017 20:40 Peter 25

@22 gerd: Hinsichtlich der Attraktivität von Frau Wagenknecht gebe ich Ihnen durchaus recht.
Aber ist eine Linke wirklich eine Alternative zu Merkel? Wir wissen doch beide: Merkel ohne Konzept und BlaBla oder Schulz mit einem konkreten Plan. Das ist die Frage im September.

17.07.2017 18:31 Olivier 24

Das Interview mit Frau Merkel ist eine Zustandsbeschreibung der Medien.
Unkritisch, politisch korrekt.
Von "vierter Gewalt" Kritik, Diskussion zur Meinungsbildung leider nichts "Fehlanzeige"!
Also viel Lärm um Nichts.

17.07.2017 17:28 Frido_Freimann 23

Das Amt als Bundeskanzlerin Merkel ähnelt immer mehr dem des Papstes, also bis zum seligen Ende. Der Herr bewahre uns davor ! Doch vorher wäre der Wähler an der Reihe, endlich eine vernünftige Politik für unser Land und Volk zu ermöglichen.

17.07.2017 16:43 gerd 22

@21 Peter.Ich plädiere für Frau Wagenknecht echt ein
Hingucker dazu noch intielligent ist zwar ein bissl links
aber ansonsten würde ich die sofort gegen Merkel eintauschen viel andere politik macht die auch nicht.

17.07.2017 16:26 Peter 21

@19: Mensch gerd, dass ich Ihnen als Sozialdemokrat gleich zweimal in einer Diskussion recht geben muss, passiert so bald nicht mehr.
Wen schicken wir als Wähler aber nun an Merkels Statt ins Kanzleramt? Frau Wagenknecht? Frau Göring-Eckardt? Oder wieder mal einen Mann?