Bundesgeschaeftsfuehrer Matthias Höhn Die Linke 5
Matthias Höhn hat genug von den Ränkespielen in der Führung der Linkspartei. Bildrechte: IMAGO

Machtkampf Linke-Geschäftsführer Höhn gibt auf

In der Linken wird seit Wochen um die Macht gerungen. Jetzt ist es dem Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfmanager Höhn zu bunt geworden. Er verkündete seinen Rücktritt von den Posten, was Vorgänger und Bundestags-Fraktionschef Bartsch sowie Ex-Parteichef Lafontaine bedauerten.

Bundesgeschaeftsfuehrer Matthias Höhn Die Linke 5
Matthias Höhn hat genug von den Ränkespielen in der Führung der Linkspartei. Bildrechte: IMAGO

Im Machtkampf der Linken hat Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn seinen Rücktritt erklärt. Der Politiker aus Sachsen-Anhalt teilte dies am Freitag in einem Brief mit. Darin schreibt Höhn, er lege seine Ämter als Bundesgeschäftsführer und Bundeswahlkampfleiter zum Ende des Tages nieder.

Bartsch bedauert den Schritt

Eine Partei brauche eine Führung und einen Vorstand, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und Kooperation beruhten, schrieb Höhn. Für ihn sei das jetzt nicht mehr gegeben. Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte in der ARD, er bedauere den Schritt sehr und wünsche, dass Höhn "ein sehr aktives Mitglied" der Fraktion werde. Höhn war bei der Wahl im September über den vierten Landeslistenplatz seiner Partei der Einzug in den Bundestag gelungen.

Ich bin in den Monaten der Wahlkampfvorbereitungen als Wahlkampfleiter an die Grenzen des für mich persönlich und politisch Leistbaren gestoßen.

Matthias Höhn zu seinem Rücktritt als Bundesgeschäftsführer

Der 42 Jahre alte Politiker zählt zum Reformlager der Linken und war seit 2012 Parteimanager. Sein Posten soll bis zur Neuwahl auf einem Parteitag im Juni 2018 nun zunächst kommissarisch besetzt werden. Über seine Rücktrittsabsichten war schon am Donnerstag berichtet worden. Ein Grund dafür soll Zeitungsberichten zufolge Differenzen mit den Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger sein. Höhn selbst schreibt, die beiden hätten ihn gebeten, nicht unmittelbar nach der Niedersachsen-Wahl zurückzutreten, sondern bis November zu warten.

Was ist los bei den Linken?

Sahra Wagenknecht
Wagenknecht drohte mit Rücktritt. Bildrechte: dpa

Kipping und Riexinger hatten den Wahlkampf von Höhn kritisiert. Ihnen gefiel nicht, dass dieser eng auf die Spitzenkandidaten Bartsch und Sahra Wagenknecht zugeschnitten war. Zudem soll er das Duo nicht entschieden genug gegen Angriffe des früheren Parteichefs Oskar Lafontaine verteidigt haben.

Der Machtkampf zwischen Partei- und Fraktionsführung war nach der Bundestagswahl eskaliert. Kipping und Riexinger wollten ihre Position in der Fraktion auf Kosten von Wagenknecht und Bartsch stärken. Wagenknecht drohte mit Rücktritt. Danach wurden sie und Bartsch wiedergewählt, die Differenzen für ausgeräumt erklärt. Doch der Streit schwelte weiter. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" schrieb, wollte Höhn nicht zwischen den Lagern zerrieben werden.

Lafontaine bedauert Höhn-Rückzug

Auch der ehemalige Parteichef und Ehemann von Wagenknecht, Oskar Lafontaine, bedauerte den Rücktritt von Höhn. Er sagte MDR AKTUELL am Freitag, Höhn habe insbesondere im Bundestagswahlkampf ausgleichend gewirkt und das Interesse der Partei in den Vordergrund gestellt.

Die Entscheidung sei aber nachvollziehbar: "Es gab ja einen Konflikt mit den beiden Parteivorsitzenden. Und natürlich muss zwischen dem Bundesgeschäftsführer und den Parteivorsitzenden ein Vertrauensverhältnis herrschen." Persönliche Streitereien gebe es in allen Parteien, "weil die Menschen nun mal so sind, wie sie sind". In Wirklichkeit drehe sich der Streit aber um die inhaltliche Ausrichtung.

Lafontaine forderte, dass sich die Linke in Deutschland sammele und neu erfinde. Dabei gehe es nicht nur um die Partei "Die Linke", sondern auch die Linken von SPD und Grünen, denn die ökologische Frage sei genauso drängend wie die soziale Frage. "Insofern plädiere ich dafür, darüber nachzudenken, wie die Linke in Deutschland wieder wirksam werden kann, denn derzeit gibt es rechte Mehrheiten."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 10.11.2017 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 16:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

12 Kommentare

11.11.2017 17:16 Frank 12

@ 10: Das geht nur mit einer überalterten Basis. Bei denen kommt beim Geistesstand von Kipping & Co. DDR-Nostalgie hoch und mangels bewältigter Vergangenheit gewinnt die schnell die Oberhand. Ergebnis: Man rutscht in die Bedeutungslosigkeit. Wann sich Frau Wagenknecht u. a. aus dieser Partei verabschieden, ist nur noch eine Frage der Zeit.

11.11.2017 16:32 HOPF L. 11

@ 8 Anne. Sie haben es in Ihrem Beitrag richtig er-
kannt.Bei Kipping und Riexinger,fällt mir immer das Zitat von Michail Gorbatschow ein:"Wer zu spät kommt,den bestraft das Leben".Kipping und Ihr Partei-Kollege Riexinger,sind mit Herrn Oskar Lafontaine und Seiner Frau Sahra Wagenknecht intelektuell nicht zu vergleichen.Wenn der ver-
storbene Dr.Heiner Geißler,den ich immer sehr schätze einmal sagte:"Mit Oskar Lafontaine,hatte die SPD,ihren "Besten Mann" verloren,so spricht dies für sich.In der Sozialpolitik,bezieht Herr Oskar Lafontaine,die gleichen Positionen,wie der ver-
storbene Dr.Heiner Geißler sowie der ehemalige,
oberste Führer der Jesuiten in Argentinien und jetzige Papst Franziskus.

11.11.2017 15:30 Es 10

ist noch nicht alles verloren, wenn die Basis aufwacht und sich von Kipping und Riexinger frei macht. Die sollen überlegen, was sie dieser Partei für Schaden zugefügt haben und lieber vor dem Parteitag gehen ehe Leipzig zum Chaostag wird.

10.11.2017 23:24 REXt 9

Gut das sich diese Partei langsam auflöst! Braucht keiner, nützt keinem, die waren 40J. als SED dran u. haben versagt!

10.11.2017 21:52 Anne 8

Die Linke muss endlich Kipping und Riexinger rausschmeißen. Beide werden solange keine Ruhe geben, bis sie endgültig die Macht an sich gerissen haben. Es geht ihnen nicht um die Partei, es geht ihnen nicht um den Wähler, sondern nur um die Macht. Ich bin gespannt, wie lange das Zugpferd Wagenknecht sich das noch bieten läßt. Diese Frau ist klug, in ihren Analysen brilliant und hat sich von einer Stalinistin zu einer glaubhaften, carismatischen Politikerin entwickelt. Kipping kann weder ihr noch Höhn das Wasser reichen.

10.11.2017 19:09 Kritischer Bürger 7

+... Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte in der ARD, er bedauere den Schritt sehr und wünsche, dass Höhn "ein sehr aktives Mitglied" der Fraktion werde. ...+ Man sollte statt neue Erwartungen mal nach der Ursache und den Verursachern suchen und diese "abstellen" BEIDE Fakten ob Mensch=Politiker oder Dinge!

10.11.2017 18:04 Atze 6

Es werden immer weniger potentielle Wähler der Linken.......

10.11.2017 18:04 pudd'nhead 5

die linke eine partei wie jede andere, was schon lange zu befürchten war und durch den letzten parteitag bestätigt, aber diesmal hat weniger die führung versagt, wie sonst bei sozialisten üblich, sondern die sogenannte basis, erinnert sei dabei u.a. an den kirchenbeschluß.

10.11.2017 18:02 schelm 4

Kipping und Riexinger, zwei machtbesessene Karrieristen, ohne politische Substanz und Kompetenz fahren diese Partei vor die Wand und die Basis schweigt. Muß man das verstehen? In der freien Wirtschaft nennt man das Marktbereinigung. Ist was passiert?

10.11.2017 16:16 romo 3

Die Kipping und der Riexinger sollte gehen. Diese beiden Personen spalten die Partei. Höhn war auf den Posten das Beste was man zur Zeit hatte. Wahrscheinlich fiel dadurch zu wenig Licht auf die Kipping und den Riexinger. S. Wagenknecht sollte ja durch die Beiden auch schon weggemobt werden. Wann wacht endlich die linke Basis auf ?