Mit 78 Jahren Ehemaliger Jenoptik-Chef Lothar Späth ist tot

Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Jenoptik-Chef, Lothar Späth, ist tot. Das teilte die Landesregierung in Stuttgart mit. Späth wurde 78 Jahre alt. Er hatte zuletzt in einem Pflegeheim bei Stuttgart gelebt.

Der CDU-Politiker war 1978 zum Regierungschef in Baden-Württemberg gewählt worden. Dreimal hintereinander verteidigte er in den 1980er-Jahren die absolute Mehrheit der Union im Südwesten. Als Ministerpräsident trieb er die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voran und erhielt für den ökonomischen Erfolg den Spitznamen "Cleverle". 1989 besuchte er mit seiner Familie die DDR und den Bezirk Erfurt. Im Rahmen der Stasi-Aktion "Wecker" wurden seine Besuche auf der Wartburg und in Weimar observiert. Im Januar 1991 stürzte Späth über die sogenannte "Traumschiff-Affäre". Hintergrund waren Hunderte offizielle, halboffizielle und private Reisen von Späth, offenbar auf Firmenkosten. Der Politiker geriet in den Verdacht, käuflich zu sein. Am 13. Januar 1991 trat er zurück.

Geschäftsführer von Jenoptik

Anschließend ging Späth in die Wirtschaft. Er wurde Geschäftsführer von Jenoptik und leitete eine umfassende Sanierung des Jenaer Traditionsunternehmens ein. 15.500 Stellen wurden gestrichen, 7.000 Beschäftigte umgeschult.

2003 legte Späth den Vorstandsvorsitz der mittlerweile börsennotierten Jenoptik nieder.

Im Mai 2005 stellte er sich einer neuen Herausforderung: Die Investmentbank Merrill Lynch berief ihn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung für Deutschland. 2006/2007 war er zudem Aufsichtsratschef der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Neben seiner Arbeit in der Wirtschaft war Späth gern und oft gesehener Gast in Talkshows. Beim Sender n-tv moderierte er mehrere Jahre lang die Sendung "Späth am Abend". Beim MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNK ging er im Januar 2003 zusammen mit dem Linken-Spitzenpolitiker Gregor Gysi auf Sendung, "Gysi und Späth" wurde aber nach drei Ausgaben abgesetzt.

In den letzten Jahren wurde es ruhig um Lothar Späth. Er kümmerte sich um verschiedene ehrenamtliche Aufgaben. Vor wenigen Wochen dann hatte die "Bild am Sonntag" berichtet, dass Späth in einem Pflegeheim lebt, weil er an Demenz leide.

Thüringen trauert um Späth

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow würdigte Späth als "kraftvoll zupackenden Aufbauhelfer". Er sei "ein Pionier der Wendezeit" für Thüringen und Jena gewesen. CDU-Landes- und Fraktionschef Mike Mohring bezeichnete Späth als "großes Glück für Thüringen". Er habe wesentlich zur guten Entwicklung Jenas und des Freistaats beigetragen. Mit seinen enormen Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Landespolitik in Baden-Württemberg habe er für Thüringen Großartiges geleistet. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter würdigte den Ex-Jenoptik-Vorstand und Ehrenbürger als eine große Persönlichkeit der Stadt. Mit seinem Weitblick und seiner Erfahrung habe er Großes nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Stadtentwicklung geleistet. Mit Späths Tod verliere er persönlich einen väterlichen Freund und guten Berater.

Lothar Späth
Bildrechte: IMAGO

Lothar Späth: Ein Mann mit spitzer Zunge - auch über sich

"Es gibt in Thüringen inzwischen mehr Berater als Unternehmer. Ich frage mich immer, warum die Berater, die alles besser wissen, keine Unternehmer werden."
(März 1997)

"Meine Frau und mein Hund hatten schon Angst, ich käme jetzt öfter."
(Mai 2002 zur Entscheidung, noch einmal Wahlkampf zu machen)

"Inzwischen wird so viel zusammengetalkt, dass man kaum noch zuhören kann, selbst wenn man dabei sitzt." (Juni 2002)

"Ich bin sehr für die Spaßgesellschaft. Aber erst, wenn wir wieder Spaß an der Leistung haben."
(August 2002)

"Wir haben in Deutschland in den letzten 20 Jahren zu viele Schiedsrichter herangebildet. Es fehlen die Stürmer."
(August 2002)

"Es sind viele Frohnaturen in den neuen Ländern herumgerannt. Die haben im Westen nichts hingekriegt, im Osten auch nicht."
(Juni 2003 zum Abschied von Jenoptik)

"Den Jammer-Ossi habe ich in Jena nie getroffen."
(Juni 2003 beim Abschied von Jenoptik)

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2016, 21:22 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

20.03.2016 08:57 Rademacher 8

Bremen ist ja auch seit Jahrzehnten eine Hochburg der Roten, dementsprechend pleite und mit hoher Arbeitslosigkeit. Vor diesem Hintergrund ist ihr etwas grotesker Wutbeitrag für mich zumindest etwas nachvollziehbar. Deutschland ist eines der reichten Länder der Erde, mit einem der großzügigsten Sozialsytemen der Erde. Die Schwarz- Rote Koalition hat die letzten Jahre hauptsächlich damit verbracht, soziale Wohltaten zu verteilen und Sozialleistungen zu erhöhen. Die Reallöhne steigen seit einigen Jahren wieder, es gibt mittlerweile einen Mindestlohn und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie sein 20 Jahren nicht mehr. Über was schimpfen und jammern zu denn eigentlich? Über die "Ungleichheit"? Das klingt eher nach Neid als nach Gerechtigkeit! Nicht jeder kann es nunmal zum Vorstandschef eines DAX- Konzerns bringen. Die Menschen sind in ihren Begabungen, ihren Bildungsabschlüssen und Charaktereigenschaften (Fleiß, Ehrgeiz etc.) nun mal nicht gleich.

19.03.2016 10:48 Wer sich hier blamiert, ist gar keine Frage 7

@18.03.2016 23:20 M.W. 5 (@3: Jeder blamiert sich so gut er kann, Sie gehören dazu !! Das sozialistische Schlaraffenland DDR muss ihnen eine herausragende Rolle beschert haben, bestimmt auch noch als Schild und Schwert der Partei!! Meine Hochachtung gilt Lothar Späth !!!) Wem Ihre "Hochachtung" gilt und wer das ist, der hier "hochachtet", ist mir wumpe. Der angegangene Kommentator hat schlicht recht: Ein einziger verstehender Blick in die relevanten Sozialstatistiken, ein Blick auf die Besitzverhältnisse am Volksvermögen, ein Blick auf den "Arbeitsmarkt", ein Blick auf die Vermögensbildung abhängig Beschäftigter, eine einzige Betrachtung der Anzahl der täglichen Auspendler aus Thüringen zeigt überdeutlich, daß Sie hier Weißblech reden. Späth ist ein Vertreter genau dieser Sorte Ideologen gewesen, die für diese für Gesamteuropa gefährliche Entwicklung mitverantwortlich sind. Überprüfen Sie besser ihr Weltbild. Und nein: Zumindest ich komme aus Bremen, bin also Hanseat. IYKWIM...

19.03.2016 05:28 Wer zu Späth kommt, den bestraft das Leben 6

Besser Späth als nie!

18.03.2016 23:20 M.W. 5

@3: Jeder blamiert sich so gut er kann, Sie gehören dazu !! Das sozialistische Schlaraffenland DDR muss ihnen eine herausragende Rolle beschert haben, bestimmt auch noch als Schild und Schwert der Partei!! Meine Hochachtung gilt Lothar Späth !!!

18.03.2016 21:09 Realist2014 4

@Nr.3: Genau, ein bisschen sozialistisches Geschwätz mit den üblichen Worthülsen und "Uns geht es so schlecht" Gejammer. Das musste jetzt wieder kommen. Und warum immer dieses abstruse Märchen vom Sozialabbau?

18.03.2016 17:03 Oh Gott, was für ein... 3

@18.03.2016 15:53 Realist2014 2 (Ein großartiger Politiker, der sehr viel von Wirtschaft verstanden hat und wusste, dass nur eine wirtschaftsfreundliche Politik zu Wohlstand, Vollbeschäftigung und vollen Sozialkassen führt.) Lach - ja, das sehen wir gerade ausgiebigst bestätigt, nicht wahr. Späth war genau einer dieser Spezialisten, die den Sozialabbau und die Rückkehr der Ausbeutung als Rezept gegen genau die Krankheit verkauft haben, die diese Kennzeichen einer unsolidarischen Gesellschaft darstellen. "Cleverle" trifft genau den Punkt. Mehr nicht. Nicht ein Jota.

18.03.2016 15:53 Realist2014 2

Ein großartiger Politiker, der sehr viel von Wirtschaft verstanden hat und wusste, dass nur eine wirtschaftsfreundliche Politik zu Wohlstand, Vollbeschäftigung und vollen Sozialkassen führt. Er hat Baden- Würtemberg zu dem gemacht, was es heute ist, und auch hier in Thüringen viel Gutes getan.Er war noch ein CDU - Politiker der alten Schule. Mohring, Carius und Co., nehmt euch ein Beispiel! Dann klappt es auch wieder mit dem regieren.

18.03.2016 15:35 der Uwe 1

Mein Beileid den Hinterbliebenen! Lothar Späth war nicht nur " Vater" von Jenoptik, sondern zugleich auch Initialzünder für die Wirtschaft in Thüringen überhaupt nach der Wende.Viieles in und um Jena wäre ohne ihn nicht so zustande gekommen. DANKE ! ..und ruhe in Frieden!