Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Dresden. Bildrechte: dpa

Auftritt in Dresden Merkel kündigt Verhandlungen mit FDP und Grünen an

Kanzlerin Angela Merkel hat erstmals offiziell Koalitionsverhandlungen mit FDP und Grünen angekündigt. Beim Treffen der Jungen Union in Dresden prognostizierte sie schwierige Gespräche. Von der Parteijugend war Merkel nicht nur freundlich empfangen worden.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Dresden. Bildrechte: dpa

Kanzlerin Angela Merkel hat erstmals offiziell Gespräche mit FDP und Grünen über eine Jamaika-Koalition angekündigt. Es werde schwierige Verhandlungen geben, aber es gehe darum, eine verlässliche Regierung zu bilden, sagte Merkel am Samstag beim "Deutschlandtag" der Jungen Union.

Über einen Koalitionsvertrag werde ein Sonderparteitag entscheiden. Die rund 1.000 Delegierten des Parteinachwuchses quittierten die Ankündigung mit Applaus.

Merkel machte auch deutlich, dass es für sie zu einem Jamaika-Bündnis keine Alternative gebe. "Es ist offenkundig, dass die SPD auf Bundesebene auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig ist", sagte die Kanzlerin. "Wir sollten deshalb keine weiteren Gedanken darauf verschwenden."

Die SPD ist auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig.

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Merkel: Streit um Obergrenze beenden

Die CSU rief sie im Streit über eine Obergrenze für Flüchtlinge zu einer Einigung auf. Die Schwesterparteien hätten im Wahlkampf geschafft, mit diesem Dissens zu leben, sagte Merkel.

"Aber jetzt steht eine neue Aufgabe an: gemeinsam den Wählerauftrag umzusetzen". Die Flüchtlingspolitik habe wie kein anderes Thema CDU und CSU erschüttert. Merkel sagte, sie werde alles daran setzen, eine Lösung zu finden, bei der sich keiner verleugnen müsse.

Kanzlerin verteidigt ihre Reaktion nach der Wahl

Ihre umstrittene Reaktion auf den Einbruch der Union bei der Bundestagswahl verteidigt Merkel. Sie hatte geäußert, sie könne nicht erkennen, was sie im Wahlkampf hätte anders machen sollen. Merkel sagte in ihrer Rede, direkt davor habe sie lange darüber geredet, welchen Konsequenzen aus dem Wahlergebnis gezogen werden müssten. Hängengeblieben sei aber nur der eine Satz.

Auf die JU-Forderung nach personeller Erneuerung in einer künftigen Regierung erklärte Merkel, sie wolle "neue Köpfe" berücksichtigen. Eine öffentliche Personaldiskussion werde sie aber derzeit nicht führen.

Verhaltener Empfang für Merkel

Die Kanzlerin war nach dem Wahlschlappe ihrer Partei bei der Jungen Union nicht nur mit Applaus begrüßt worden. Die bayerischen Delegierten blieben beim Einzug der CDU-Chefin in den Saal am Samstagvormittag demonstrativ sitzen und hielten blau-weiße Schilder hoch mit Aufschriften wie "Wir haben verstanden. Sie auch?" und "Zuwanderung begrenzen".

Merkel stellt sich mit dem Auftritt nach den schweren Verlusten der Union bei der Bundestagswahl erstmals einem breiten Parteipublikum. Die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU hatte zum Auftakt der Konferenz am Freitag eine Schärfung des konservativen Profils der Schwesterparteien und personelle Wechsel als Konsequenzen aus der Wahl gefordert.

Merkel steht zu Strauß-Zitat

Ein Delegierter des JU-Deutschlandtages hat Kanzlerin Merkel gefragt, ob sie zu der Aussage des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß stehe, rechts von der Union solle keine Partei sein. Merkel bejahte und sagte, sie habe Strauß zwar nicht kennengelernt. Er hätte aber "sicher nicht dazu aufgefordert, unsere eigenen Prinzipien zu verraten, um das zu erreichen".

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: MDR | 07.10.2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 14:35 Uhr

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75 Kommentare

09.10.2017 12:08 Wessi 75

@ 74...die demokratischen Parteien sind in Vielem unterschiedlich.Da denke ich nicht parteipolitisch, sondern BRD-gemäß.Aber ganz einig in der Abwehr gg. den rechtspopulistischen Verein, der ohnehin schon in ST,BW,RP+Berlin verloren hat.Ausserdem heisst das Schlagwort der SPD "vorwärts+nicht vergessen".Rechnen Sie bei Ihrem Verein die Protestwähler heraus.Und auch die Höcke-Anhänger,denn den mobbt Gauland bei "Auffälligkeiten" eh demnächst raus!

08.10.2017 23:46 Norbert 74

Kann mich nicht erinnern mich so geäußert zu haben, Sie sind mal wieder auf ihren eigenen Populismus reingefallen und haben wiederholt bestätigt worum es Ihnen wirklich geht. Pure Stimmungsmache, mit dem Thema wieder mal nichts zu tun, halt die ewig gleiche Leier. Ihre hochheilige SPD ist von einer Volkspartei zu einem Witz zusammen geschmolzen und da machen Sie Sich lustig ? Entweder ist das Ignoranz oder Überheblichkeit...

08.10.2017 20:51 Wessi 73

@ 72 Ach Gladbacher.12% und den Mund noch so voll nehmen.Die Demokraten von CDU bis zu den Linken sind sich einig gg. den rechtspopulistischen Verein.Nicht der wird die Oppositionsführung übernehmen.Nicht der wird irgendwann regieren.Er wird sich spalten.Spätestens wenn Gauland auch versucht den Höcke rauszumobben, wenn der mal wieder braune Sprüche kloppt. Offensichtlich wollen Sie unser Land noch mal so sehen wie es 45 war.Keine Angst:die Deutschen sind zu schlau um Ihre fremdvölkischen Gedanken zuzulassen.

08.10.2017 19:11 Norbert 72

@71 Ganz schön gewagt für jemanden dessen Partei noch keine 21% hinbekommen hat. In 180° Wenden ist gerade der Westen ein Paradebeispiel, und die einzigen die sich zerlegen werden sind die Etablierten. Die "Demokraten im Westen" sind auch so ein Produkt das völlig irreal ist.
Solange hier Leute diffamiert werden die das falsche Parteibuch haben ist das Wunschdenken.
Soviel zum glorreichen Westen, aber wahrscheinlich sind in HH die Demokraten grundsätzlich nur rot....

08.10.2017 12:47 Wessi 71

@ 57/60/63/65 eiweih, es ist schon schön anzusehen wie die 12,6% (Protestwähler sind noch herauszurechnen) hier verzweifelt herumposten.Die Demokraten bleiben mit Merkel in der Überzahl.Der Westen wird 180° Grad-Wenden nicht erlauben und ein gewisser "007" meinte derzeit "Liebe Frauke..." weil er damals so schlau war zu sehen, daß das mit den Demokraten seit 1949 im Westen so nichts wird.Beweis?Schauen Sie auf die Vergleichswahlergebnisse der AfD von Landtagswahlen zur BTW.Man wird auch sehen:a.ffg.Sonntag in NDS bekommt der Gauland-Höcke-Verein weniger als am 24.09..Er wird sich zerlegen.Und das ist gut so,auch,daß unsere parlamentarische Demokratie funktioniert und die Mehrheit das Sagen hat.@ 65"Wir Gemeinen"?Ich würde die AfD-Anhänger nicht als "gemein" bezeichnen...!Sie sind halt da!Und werden weniger.

08.10.2017 12:13 @Werner (17) 70

Mein Gott, Walter!

"@Barbara 13: "Sind die Demokratiedefizite wirklich so groß? Selbst Parteien mit nur" 12,9% "Wahlstimmen REPRÄSENTIEREN einen nicht unbeachtlichen Teil des SOUVERÄNS. Warum sollten diese dann nicht mitregieren?" Stimmt."

Es steht doch dieser Partei, mit sage und schreibe 12,9% der Wahlstimmen jederzeit frei, eine regierungsfähige Koaltion mit anderen Parteien zu bilden! ... oder Kraft 'Wassersuppe' eine Minderheitsregierung zu stellen. :-))))

In jedem dieser Fälle wäre ich aber gehalten, meine 'Weinkeller-Schätze' zu opfern, da ich diesen Ulk dann nicht nüchtern genießen kann.

08.10.2017 12:13 gerd 69

klaus ,Ich glaube AFD,FDP und Grünenwähler sind die nichtfrustrierten der Rest inkl. Parteivorstand kopiert schon mal bei den Gewinnern ab so siehts es aus.

08.10.2017 11:48 Wieland der Schmied 68

Einfach köstlich unsere gute“Mutti“ Kanzlerin. Im Artikel lautet eine Zwischenüberschrift „Merkel steht zu Strauß-Zitat“, ja wirklich? Weiter im Text: „Ein Delegierter des JU-Deutschlandtages hat Merkel gefragt, ob sie zu der Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß stehe, rechts von der Union solle keine Partei sein.“ Ja, aber..! man beachte, eine ihrer häufigsten Floskeln, die sie häufig gebraucht, weil sie mit Ja anfängt und mit Nein endet. Also, Ja aber, „Er hätte aber sicher nicht dazu aufgefordert, unsere eigenen Prinzipien zu verraten, um das zu erreichen“. Prinzipien etwa wie Bedürftige aus den anderen Kontinenten aufzunehmen und hier zu pflegen, hier seßhaft zu machen, auch wenn sie nicht arbeiten wollen usw. usf. Rhetorisch eine bekannte Finte bei Volksvertretern.Es bleibt, sie hat zu Strauß ja gesagt, aber läßt sich von ihm nicht in ihre Politiki hineinreden. Daß sie mit diesem Stil AfD und PEGIDA erst hervorgebracht hat, interessiert sie nicht.

08.10.2017 11:35 Anne 67

Das Fatale ist nicht Merkel. Die Frau ist, wie sie ist. Eine eiskalte Politikerin. Aber ihre Weggefährten, die ihr nach dem M...reden, zu feige sind ihren Protest zu äußern, die nach Posten schielen und Kritiker fallen lassen, die sind das eigentliche Problem. Auch die Grünen und die FDP werden in den Verhandlungen umfallen und merken erst, wenn es zu spät, dass sie die Verlierer sind. Merkel zieht ihren Stiefel durch, koste es, was es wolle. Wird der Amtseid geändert? Es kommt schließlich zuviel "Deutsches Volk"vor, es müsste heißen .....! Ja wie denn eigentlich?

08.10.2017 11:33 Wo geht es hin? 66

Meiner Meinung nach heisst das Problem nicht bloß Merkel: OHNE die vielen, willfährigen Pöstchenjäger, Schleimer und Wegducker wäre es Merkel gar nicht möglich, diesen Kurs beizubehalten. Das zieht sich bis in die kleinste Amtsstube hinunter durch das ganze Land. Millionen Menschen sind direkt oder indirekt vom Staat und dessen Leistungen abhängig gemacht worden. Aus gutem Grund: wer abhängig ist, wird auch nicht gegen das System aufbegehren. Bezahlt wird das ganze von den ca. 15 Mio Erwerbstätigen, die noch mit ihrer Hände Arbeit tatsächliche, greifbare Produkte herstellen. Wer ein wenig rechnen kann, wird feststellen, dass dieses Finanzierungsmodell sehr bald an seine Grenzen stossen wird (wenn es das nicht schon ist, denn den offiziellen Zahlen traue ich schon längst nicht mehr). Entweder wird hier etwas grundlegend geändert, oder das System kollabiert. Viele haben sich am 24.09. für den Kollaps entschieden - schade und selber schuld!

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