Schreiende Menschen bekunden am 17.08.2017 beim Wahlkampf der CDU Thüringen in Apolda (Thüringen) mit dem Auftritt von Bundeskanzlerin Merkel auf dem Gelände der Landesgartenschau ihren Unmut.
Protest von Merkel-Gegnern in Apolda. Bildrechte: dpa

Wahlkampf in Mitteldeutschland Pfiffe für Merkel

Bundeskanzlerin Merkel ist bei Wahlkampfauftritten in Sachsen und Thüringen von Gegnern lautstark beschimpft worden. In Annaberg-Buchholz störten mehr als 100 Anhänger von Pegida und AfD ihre Rede. In Apolda fiel der Protest nicht ganz so heftig aus.

Schreiende Menschen bekunden am 17.08.2017 beim Wahlkampf der CDU Thüringen in Apolda (Thüringen) mit dem Auftritt von Bundeskanzlerin Merkel auf dem Gelände der Landesgartenschau ihren Unmut.
Protest von Merkel-Gegnern in Apolda. Bildrechte: dpa

In Annaberg-Buchholz haben etwa 100 bis 150 Anhänger der ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung und der AfD gegen Merkels Flüchtlingspolitik protestiert. Sie skandierten "Haut ab!" und störten mit Trillerpfeifen Merkels Auftritt auf dem Marktplatz. Auf Plakaten beschimpften sie die Kanzlerin als "Volksverräter" oder "Merkels DDR 2.0".

Die Polizei erteilte mehrere Platzverweise und bilanzierte insgesamt neun Straftaten: zweimal das Zeigen des Hitlergrußes, drei Beleidigungen, drei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie einmal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Tillich: "Wenn Pfeifen pfeifen..."

Merkel reagierte vor mehreren hundert Anhängern: "Manche können nur schreien, manche wollen etwas bewegen, andere rufen nur." Sie verteidigte ihre Flüchtlingspolitik: "Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, Menschen zu helfen, die in Not sind. Das war ein gutes Stück Deutschland in einer humanitären Notlage." Zugleich räumte sie ein, ein Jahr wie 2015 solle und dürfe sich nicht wiederholen. 

Gegendemonstranten stehen während eines Wahlkampfauftritt von Bundeskanzlerin Merkel in Annaberg-Buchholz auf dem Marktplatz
Gegendemonstranten beim Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Merkel in Annaberg-Buchholz. Bildrechte: dpa

Auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (beide CDU) waren in die Erzgebirgsstadt gekommen. Tillich verurteilte die Störer, die nicht zuhören wollten, sondern nur Krawall machten: "Das sind ja Leute, die nicht mal beim Deutschlandlied aufhören zu pfeifen. (…) Demokratische Meinungsäußerungen geht nicht mit Pfeifen. Wenn Pfeifen pfeifen, dann wird das nichts."

Etwas ruhiger in Apolda

Am Abend in Apolda skandierten etwa 30 Merkel-Gegner auf dem Gelände der Landesgartenschau: "Lügenpack", "Heuchler" oder "Volksverräter". Auf einem Transparent stand: "Wer CDU wählt, wählt unbegrenzte Einwanderung von Scheinasylanten". Merkel sagte mit Blick auf die Buhrufe: "Ja, kennen wir ja schon." CDU-Landeschef Mike Mohring sagte in seiner Heimatstadt, in der DDR wären diese Störer verhaftet worden. "Heute, in der Freiheit, dürft ihr laut sein!"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt am 17.08.2017 beim Wahlkampf der CDU Thüringen in Apolda (Thüringen) auf dem Gelände der Landesgartenschau auf.
Merkel begrüßte einige Anhänger in Apolda persönlich mit Handsschlag. Bildrechte: dpa

Zeitgleich demonstrierten vor dem Gelände nach Polizeiangaben 74 Anhänger der asyl- und fremdenfeindlichen Thügida-Bewegung. Die Polizei sprach insgesamt jedoch von einem ruhigen Verlauf des Abends.  

Merkel unterstützte die Thüringer  CDU in ihrem Widerstand gegen die geplante Gebietsreform der rot-rot-grünen Landesregierung: "Das ist eine Reform, die macht Vielfalt kaputt, die macht Traditionen kaputt, die zentralisiert und die gibt uns nicht die Chance, sich zu entfalten. Und deshalb ist das falsch."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 17.08.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2017, 07:33 Uhr

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177 Kommentare

19.08.2017 21:55 Sabrina 177

Merkels Politik ist so desaströs und verächtlich gegenüber dem Volk,

dass kaum noch über Leute wie Schröder, Clement, heiliger St. Florian Gerster, Müntefering, Hans Eichel, Walter Riester und Hartz gesprochen wird.

Das muss man erst mal schaffen.

Aber sie will weiter regieren!

Die Frau scheint über eine unverwüstliche Gesundheit zu verfügen - auf einer gewissen Stufe.

19.08.2017 21:15 Krause 176

Ich denke, bei bestimmten Menschen treten so große Angstzustände wegen einer 'GroKo' auf, weil sie zu wenig Erfahrung mit dem 'Ausnahmezustand der bundesdeutschen Demokratie' haben:
es ähnelt in der Tat dem 'parlamentarischen Auftritt' der DDR, hat aber nichts mit 'Diktatur' zu tun, sondern eher mit dem Gegenteil: fehlende Wahlbeteiligung.

Ein großer Fehler in der Situation: "Protest-Wählen"!
Die Wahl ist DAS 'Stilmittel der Wahl', seine Stimme nach seinen ureigensten Wünschen kundzutun.

'Aus Protest' wählt man keine Revisionisten, Rassisten oder gar 'des Meineids Verdächtige', die mit dem Slogan "Mut zur Wahrheit!" auf Wahlkampf gehen!

19.08.2017 21:11 Angela 175

Mediator, diesen Politikstil braucht man in diesem Land nicht neu einzuführen, der ist ja schon lägst da. Gegner niederbrüllen und Veranstaltungen mit Trillerpfeifen stören, und schlimmer - so ist bis jetzt die AfD behandelt worden. Und man ist auch noch stolz darauf. Haben Sie auch immer dagegen protestiert?

19.08.2017 20:39 Jens der Lausitzer 174

@Julia 166, hatten die von Ihnen beschrieben Menschen auf der Stirn "AfD" stehen oder woher haben Sie denn diese Weisheiten?

Sind alle die an der herrschenden Politikkaste friedliche Kritik üben, in welcher Weise auch immer, automatisch AfD- oder Pegidaanhänger oder wie uns Mediator ständig unterschieben will, Nazis?
Ist das nicht unterste Schublade dieser ideologischen Debattierclubs?

19.08.2017 20:36 Wieland der Schmied 173

@ 167 Saskia L. Zitat „.. zu Pegida ..sind Wölfe im Schafspelz und haben keine christlichen Werte“. Sie wollen bitte bedenken, daß es AfD, PEGIDA u.ä.nicht gäbe, wenn wir demokratische Verhältnisse hätten, gekennzeichnet durch den Gegensetz von Koalition und Opposition. Diesen gibt es seit Merkels Alleinherrschaft nicht mehr. Alle Parteien im BT bilden einen Kopfnicker-Club, die meisten Themen werden unter Umgehung der Debatten widerrechtlich am BT vorbeigelenkt, weswegen gegen die Gute über 300 Strafanträge beim Verfassungsgericht liegen. Mit AfD kommt wieder eine echte Oppositionspartei in den BT und PEGIDA wirkt auf der Straße nach Gandhi. In allen Wahlkampforten der Kanzlerin von Siegen über Bremen und dem Höhepunkt Annaberg konnten Sie diese wahrnehmen, stimmgewaltig und auf Spruchbändern, der einzigen verbliebenen Ausdrucksmöglichkeit gegenüber der abgehobenen Alleinherrscherin. Die Christen bei PEGIDA haben sich selbst gezählt und sind dort mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt

19.08.2017 20:32 Mediator an roca remeed und Nelly 172

Jetzt echt? Ihr kritisiert jetzt Rechtschreibfehler in meinen Beiträgen? Ist das jetzt eure inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Artikel und meinem Beitrag? Die ständige Wiederholung des Begriffs Oberlehrer ersetzt im übrigen auch keine Argumentation. Den fehlenden Themenbezug suchst du doch lieber einmal bei dir selbst Nelly!

Ist das also jetzt der neue Politikstil den die AfD in unserem Land einführen will? Gegner niederbrüllen und Veranstaltungen mit Trillerpfeifen stören? "Pfeifen mit Pfeifen" hat diese Störer und ihr Auftreten trefflich charakterisiert. Nimmt man dazu die unsäglichen Beleidigungen von Politikern und teils rassistischen Beschimpfungen von Ausländischen Staatsgästen beim Einheitsfest in Dresden durch Pegida, dann merkt man schnell, dass diese Leute wunderbar zur AfD passen.

Wie gesagt, Politik geht halt anders als dem anderen das Hausanzuzünden und solage herumzuschreien bis man bekommt was man will. Unser Land von solchen Typen regiert? Armes Deutschland!

19.08.2017 20:27 Jens der Lausitzer 171

@Mediator, "Ist das der neue Politikstil in unserem Land?"

Es ist der gleiche Politikstil, mit dem die DDR "beendet" wurde. Wenn ich mich recht erinnere, wurde das damals vom bundesdeutschen Ausland bejubelt.

19.08.2017 20:18 Moni 170

@Krause 168

"Das Jahr 2015 war in der Tat wichtig!

In erster Linie sicherlich für die Kriegsflüchtlinge, die auf der Flucht vor Krieg ein Obdach auch in Deutschland gefunden haben."

nun ja Herr Krause, warum aber ans andere Ende der Welt? Die Flüchtlinge haben doch, bevor sie in Deutschland eingetroffen sind, so einige sichere Länder durchquert.

19.08.2017 20:15 Caroline 169

Herr Tillich hat nach Annaberg gesagt, man dürfe sich nicht den Rücken zu drehen, in einer Demokratie müsse man miteinander reden.

Aber Herr Tillich, wer hat es denn immer abgelehnt mit der AfD zu reden?
Und nun plötzlich die Kehrtwende!

19.08.2017 19:12 Krause 168

Das Jahr 2015 war in der Tat wichtig!

In erster Linie sicherlich für die Kriegsflüchtlinge, die auf der Flucht vor Krieg ein Obdach auch in Deutschland gefunden haben.
In zweiter Linie war die 'Flüchtlingskrise' gerade für uns Deutsche und unsere Gesellschaft wichtig, um in einer schwierigen Situation zu sehen, in wie weit Faschismen und faschistische Denkweisen tatsächlich in unserer Gesellschaft verankert sind:
das Ergebnis ist trauriger als man gehofft hatte - und man sieht so nun, wer sich zu solchen Äußerungen hinreißen läßt.

Nazis verstecken sich, wenn es keine Krise gibt.