Autos stehen auf der Autobahn 8 bei Stuttgart in beiden Fahrtrichtungen im Stau.
Die geschönten Angaben der Autobauer beim Spitverbrauch summieren sich bei der Kfz-Steuer zu Milliardensummen. Bildrechte: dpa

Geschönte Angaben zum Spritverbrauch Milliarden-Steuerminus durch CO2-Trickserei

VW und andere Autobauer haben Abgaswerte manipuliert und mogeln beim Spritverbrauch. Nun wurde hochgerechnet, dass durch schöngerechnete CO2-Werte mehr als drei Milliarden Euro bei der Kfz-Steuer verlorengegangen sind.

Autos stehen auf der Autobahn 8 bei Stuttgart in beiden Fahrtrichtungen im Stau.
Die geschönten Angaben der Autobauer beim Spitverbrauch summieren sich bei der Kfz-Steuer zu Milliardensummen. Bildrechte: dpa

Geschönte Angaben der Autohersteller zu den CO2-Emissionen führen zu Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Linken-Bundestagsfraktion erstellt hat. Wenn der tatsächliche, höhere Ausstoß von Kohlendioxid in die Berechnung der Kfz-Steuer eingeflossen wäre, hätten nach Hochrechnungen der Autoren allein zwischen 2010 bis 2015 rund 3,3 Milliarden Euro mehr eingenommen werden können.

Am Donnerstag hatte die Umweltorganisation ICCT eine Studie vorgelegt, nach der es bei Millionen Autos in Europa hohe Abweichungen zwischen Werksangaben und Realverbrauch gab. Demnach verbrauchten Neuwagen im Schnitt 42 Prozent mehr Sprit als die Hersteller im Prospekt offiziell auswiesen. Vor fünf Jahren hatte der Unterschied noch 23 Prozent betragen. Zum Umweltschaden und Spritmehrverbrauch für die Fahrzeughalter kommen auch hohe Steuerausfälle für den Staat.

Folgt auf Dieselgate jetzt der CO2-Skandal?

Die Umweltforscher vom ICCT hatten zusammen mit der West Virginia University bereits den Skandal bei der Emission von Stickoxiden vor allem bei VW-Dieselmodellen entdeckt und 2015 publik gemacht. Diese Stickoxide (NOx) entstehen bei vielen Verbrennungsprozessen, sie greifen Schleimhäute an und können Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen.

 Der qualmende Auspuff eines Dieselfahrzeugs.
Stickoxide, Feinstaub und Kohlendioxid - alles spricht für den raschen Umstieg auf Elektroautos. Bildrechte: dpa

Nun kommt auch noch das Thema CO2 dazu. Schon vor einem Jahr hatte es so ausgesehen, als könnte sich die NOx-Affäre zur CO2-Affäre ausweiten. VW meldete überraschend auch hier Unregelmäßigkeiten, erklärte dann aber, es seien nur bis zu 36.000 Wagen betroffen. Staatsanwälte in Braunschweig leiteten dennoch Ermittlungen wegen möglicher Steuerdelikte ein.

Der Chef des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Herbert Behrens (Linke) sieht Parallelen, "dass man sich auch bei CO2-Messungen eindeutig illegaler Methoden wie Abschalteinrichtungen bedient". Die Nutzung einer solchen Software hatte VW bei den Stickoxid-Manipulationen in Dieselmotoren eingeräumt. Auch andere Autobauer müssen sich auf heikle Fragen einstellen. Im Frühjahr hatte das Kraftfahrt-Bundesamt bei NOx-Nachmessungen auch beim CO2 auffällige Daten festgestellt.

Für Europa hat das Thema CO2 mehr Sprengkraft als für die USA. In der EU ist die Minimierung des Treibhausgases Kohlendioxid ein Kernziel der Klimapolitik. In den USA sind die CO2-Grenzen laxer, dafür gibt es dort harte Stickoxid-Limits - mit den bekannten Milliardenstrafen für VW.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell im Hörfunk | 18.11.2016 | 19:58 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2016, 21:03 Uhr

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7 Kommentare

20.11.2016 10:57 Michael Möller 7

wo ist mein kommentar von gestern. wird hier meinung unterdrückt oder gibt es freie Meinungsbildung. wer ist den überhaubt afür verantwortlich das Angaben nicht stimmen und wer hat über Jahre weggeschaut , wurde gestern im TV gesagt das Bundeskraftfahtamt. so sieht es doch aus und es wird sich nichts ändern solange die Kontrollen nur im Lobor überprüft werden ustatt auf der Strasse. so muß man das doch sehen.

20.11.2016 09:25 Mr Sulu 6

40 % höherer Verbrauch bedeutet dass es gigantische Steuermehreinnahmen für den Finanzminister gibt. Das können die 3 Milliarden nicht ausgleichen. Also linke Tasche rechte Tasche bezahlen nur wir.

19.11.2016 16:59 Fragender Rentner 5

Müßten wir den Tricksern bei den Abgasen nicht danken, dass wir nicht soviele Steuern zahlen dürfen?

Die Umwelt scheint doch nur auf dem Papier für die Trickser wichtig zu sein und nicht für uns?

Hoffe doch nicht das es hierbei nur um Profite für einige geht?

19.11.2016 13:24 schnarchfuchs 4

Die Autos haben schon immer mehr verbraucht als werkseitig angegeben.

Komisch dass dies der Politik heute erst auffallen will, eine gute Gelegenheit um uns neben der Kfz - Steuer auch noch Maut abzuknöpfen u. nicht nur den Ausländern , welche zu Hause keine Kfz- Steuer zahlen. Nicht umsonst macht man doch jetzt dieses Thema publik.

19.11.2016 08:57 Wo geht es hin? 3

Und? Ist auch nur Einer der Verantwortlichen strafrechtlich belangt worden? Nein? Dann ist doch alles wie immer....Wie Seehofer mal im Zusammenhang mit der Pharmaindustrie in einem Interwiev sinngemäß sagte - gegen die Lobbyisten hast du als Politiker keine Chance und so zieht sich das durch alle Bereiche. Das zeigt doch, wer hier wirklich das Sagen hat und wer die Marionetten an deren Fäden sind....Aber solange der deutsche Michel chipsfressend und biersaufend Abends Dschungelcamp gucken kann, ist die Welt doch in Ordnung - oder?

18.11.2016 20:51 Erfordix 2

Spielen denn die 3 Milliarden Euro an Steuervermeidung überhaupt noch eine Rolle, da wird die Brennelementesteuer auslaufen gelassen und die entsprechenden Konzerne sparen nächtes Jahr 750 Millionen und manche Konzerne zahlen überhaupt keine Steuern. und so weiter und so fort zum Wohle des Kapitals. Was würden wohl Frau Merkel und Frau von der Leyen so alles anstellen mit den fiktiven Mehreinnahen, würde es sie denn geben? Die Länder, Kommunen und Bürger würden wohl kaum davon profitieren denke ich, denn Steuervermeidung geht einher mit Steuerverschwendung...

18.11.2016 20:47 ebahnet 1

Schon komisch. Der kleine Mann wird bis ins Detail geprüft wegen 1,34 € und bei sowas glaubt man einfach der ach so wichtigen Autoindustrie.