Hohe Wohnkosten Mindestlohn reicht oft nicht für Leben ohne Hartz IV

Der Mindestlohn soll verhindern, Menschen trotz Arbeit auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Dennoch müssen viele Beschäftigten aufstocken. Besonders betroffen sind Alleinerziehende mit Kleinkindern.

Der gesetzliche Mindestlohn reicht den allermeisten Alleinerziehenden nicht für ein Leben ohne Hartz IV. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, aus der die "Passauer Neue Presse" berichtet.

Danach sind Alleinerziehende mit einem Kind unter sechs Jahren trotz Vollzeit und Mindestlohn fast flächendeckend zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Lediglich in zwei bayerischen Landkreisen ist das laut Bundesregierung nicht der Fall.

Zu hohe Wohnkosten

Allerdings müssen auch Alleinstehende ohne Kinder in 44 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten trotz Mindestlohn aufstocken. Verantwortlich dafür seien die hohen Wohnkosten. Sie seien in Städten wie Münster, Stuttgart, München, Köln oder Bonn so hoch, dass Alleinstehende trotz Mindestlohnbezahlung ergänzend staatliche Leistungen in Anspruch nehmen müssten.

Linke: Ein Armutszeugnis

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit Jahresbeginn 8,84 Euro die Stunde. Die Linke sprach von einem Armutszeugnis. Fraktionsvize Klaus Ernst sagte, ein Mindestlohn müsse allen Vollzeitbeschäftigten ein Auskommen ohne staatliche Unterstützung ermöglichen. In einem der reichsten Länder der Welt schafften es Alleinerziehende aber kaum, aus der Hartz-IV-Falle herauszukommen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 22.05.2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2017, 08:46 Uhr

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7 Kommentare

01.06.2017 18:59 Freespeech 7

Bei manchen Posts verschlägt es mir schon den Atem.. . Dass man vom Mindestlohn kaum über die Runden kommt, in einer Großstadt schon gar nicht, ist die eine Seite.
Die zweite ist, dass die Mehrheit der Deutschen immer noch nicht geschnallt hat, dass sie später mal, wenn es in die Rente geht, zur Armutsbevölkerung gehören werden. Selbst mit 2800 € brutto, ca. 2000 netto wird ihnen zum Lebensabend, abgezogen die Miete nur eines übrig bleiben:
Geldmittel in Höhe von HartzIV...
Sollten sie weniger verdienen, viel Spaß beim Sozialamt!

01.06.2017 15:44 Martin.L 6

Ja das Problem ist nicht neu auch nicht zu ändern. Denn man müsste sonst den Mindestlohn nach Familiengröße staffeln, dass allerdings würde den alleinerziehenden noch mehr schaden, denn sie wären dann zu teuer. Politik und Wirtschaft setzten auf billige Arbeitskräfte sie sind nicht daran interssiert wirklich was in diesem Bereich zu ändern. Kinder zu haben ist in Deutschland in den unteren Lohngruppen und im Mindeslohnbereich ein Armutsrisiko. Das sollte jedem der Kinder haben möchte bewust sein. Da helfen keine Kita und keine Schule wenn das Geld zum Leben nicht reicht . Und wir müssen berücksichtigen das die Schulen durch Ideologie und schlechte Vermittlungsmethoden noch mehr Menschen auf die Armutsschiene Mindestlohn und Hartz4 schickt.
Die Politik könnte ja in diesen Bereichen was tun, tut sie aber leider nicht.

01.06.2017 15:30 Frank 5

@ 1: Das Auto fährt also nach Ihrer Auffassung gratis? Ziemlich lebensfremd was Sie geschrieben haben. Haben Sie eine Vorstellung davon, was ein Auto im Unterhalt kostet?

01.06.2017 13:53 Peter Hohlen 4

Die Idee das es NUR Alleinerziehenden so geht ( kein Auskommen mit dem Mindestlohn ) ist nicht richtig , vielmehr stocken manche NICHT auf weil Sie dann doch wieder in der Abhängigkeit vom Jobcenter hängen ! Bei einem ca. Lohn von 1400 Euro brutto bleiben dem Single auch mal gerade 1050 Euro netto die nach Abzug der Kosten kein Leben in Teilhabe generieren . Die Idee eines Users hier : Man kann sich ja ein Auto besorgen ist meiner Ansicht nach "sinnfrei" denn ein Auto bei 8,84Euro/Std. ist schon purer Luxus wenn zum Sparen KEIN ! Geld mehr übrig bleibt , womit also Steuern , Versicherungen , Reparaturen und Benzin bezahlen ?

01.06.2017 11:20 Pfingstrose 3

Nummer 2: Ich stimme Ihren Ausführungen zu.

01.06.2017 10:12 wwdd 2

Hat wirklich jemand gedacht, dass der Mindestlohn bei der Armutsbeseitigung hilft? Die Preise beim Bäcker und Fleischer gehen durch die Decke und der Staat kassiert über die Lohnnebenkosten kräftig mit, an statt endlich die Mittelschicht zu entlasten. Und die Unternehmen schauen, wo sie (ein)sparen können, um im Wettbewerb stand zu halten. Das kommt eben heraus, wenn der Staat Lohnpolitik betreibt.

01.06.2017 09:38 Markus 1

Wozu muss man unbedingt teuer wohnen? Man kann in einem Dorf wohnen. Um zu Arbeitsstelle zu kommen, gibt es doch PKW!