NSU-Prozess Anklage fordert lebenslang für Zschäpe

Im NSU-Prozess hat die Bundesanschwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe und Sicherungsverwahrung für die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe gefordert. Ihr werden zehn Morde zur Last gelegt, für jeden einzelnen sei diese Strafe fällig. Auch für die vier Mitangeklagten im Prozess wurden hohe Haftstrafen gefordert.

Im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung für die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe gefordert. Sie legt ihr zehn Morde zur Last. Für jeden einzelnen Mord sei diese Strafe fällig, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer in seinem Plädoyer am Dienstag vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Bundesanwalt sieht keine Schuldminderung

Zschäpe sei für ihr Verhalten in vollem Umfang strafrechtlich verantwortlich. Er sehe keine Anhaltspunkte für eine Schuldminderung, sagte Diemer und forderte die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Zschäpe sei ein "eiskalt kalkulierender Mensch". Menschenleben seien ihr gleichgültig gewesen, wenn es um ihre eigenen wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen gegangen sei. Sie habe die Finanzen und Kommunikationsmittel der Gruppe verwaltet, die Fassade aufrecht erhalten und quasi als Tarnkappe fungiert. Ohne sie seien die Taten nicht möglich gewesen, so der Bundesanwalt. Die 42-jährige Angeklagte verfolgte Diemers Plädoyer laut MDR-Reporter ohne erkennbare Regung.

Nicht anwesend, aber mitverantwortlich

Die Anklage hatte in den vergangenen Plädoyertagen Zschäpe die Mittäterschaft an allen Verbrechen des sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" zur Last gelegt: Neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden sowie den Mord an einer deutschen Polizistin. Außerdem soll sie an zwei Bombenanschlägen in Köln mit zum Teil Dutzenden Verletzten sowie zahlreichen Raubüberfällen mitgewirkt haben.

Sie sei zwar nicht an den Tatorten anwesend gewesen, sagte Diemer, jedoch wegen ihres Wirkens im Hintergrund mitverantwortlich für die Taten ihrer beiden Gefährten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Sie habe mit ihnen die fanatische nationalsozialistische Gesinnung geteilt und daran mitgewirkt, Zuwanderer durch willkürliche Morde in Angst und Schrecken zu versetzen.

Hohe Haftstrafen für Mitangeklagte gefordert

Der Angeklagte Ralf Wohlleben sitzt hinter der Angeklagten Beate Zschaepe am Dienstag (28.06.2016) im Landgericht in Muenchen beim 291. Verhandlungstag im NSU-Prozess.
In zweiter Reihe: Angeklagter Ralf Wohlleben Bildrechte: IMAGO

Die Bundesanwaltschaft forderte auch für die vier Mitangeklagten des Prozesses teils hohe Haftstrafen. Die beiden mutmaßlichen Terrorhelfer Ralf Wohlleben und André E. sollen laut Ermittler für zwölf Jahre ins Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft nannte E. den "loyalsten Helfer des untergetauchten Trios". Er wurde im Gerichtssaal in Gewahrsam genommen, weil bei diesem geforderten Strafmaß Fluchtgefahr besteht. Wohlleben – der ehemalige stellvertretende NPD-Chef in Thüringen – soll dem NSU die Tatwaffe besorgt haben, die bei neun Morden verwendet wurde. Er gilt als Kopf der NSU-Unterstützerszene.

Für den Mitangeklagten Carsten S., der die Tatwaffe mit beschaffte, wurden lediglich drei Jahre Jugendhaft gefordert. S. hatte schon vor dem Prozess umfassend ausgesagt. Für den Mitangeklagten Holger G., der dem NSU-Trio eine Fahrerlaubnis, eine Versichertenkarte und einen Reisepass überlassen haben soll, wurden fünf Jahre Haft gefordert.

Wie es mit dem Prozess weitergeht

Das Plädoyer der Anklage hatte vor der Sommerpause begonnen. Nach der Bundesanwaltschaft sind in den kommenden Wochen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers an der Reihe. Allein das dürfte viele Wochen dauern. Abschließend folgt das Plädoyer der Verteidiger. Dann entscheiden die Richter über das Urteil. Der Prozess dauert nun schon länger als vier Jahre.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 12.09.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 09:37 Uhr

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80 Kommentare

14.09.2017 21:40 Bernd Escher 80

Beate Z. ein"Bauernopfer"?
Wenn plötzlich verstorbene doch
reden könnten,aber leider...
mfg Bernd Escher

14.09.2017 19:52 Wo geht es hin? 79

@Nelly- Zitat von Ihnen und nur extra für Sie in voller Länge: "Wer lesen kann und versteht was er gelesen hat, ist klar im Vorteil. Sie können es nicht! Sie geben meinen Beitrag unvollständig und aus dem Zusammenhang gerissen wieder. Für Populisten ist das ja typisch. Wie sonst wollen Sie Ihr krudes Weltbild vermitteln." Zitat Ende. Also ich kann nicht erkennen, dass ich igend etwas von Ihnen "aus dem Zusammenhang gerissen" oder gar unvollständig wiedergegeben habe. Kennen Sie Ihre eigenen Worte nicht mehr? Lesen Sie doch einfach Ihren eigenen Beitrag 40 noch mal nach - da steht haargenau das Gleiche, wie ich Sie zitiert habe - also nix mit aus dem "Zusammenhang gerissen oder unvollständig"! Vorausgesetzt, Sie haben das in der Zeit, wo Sie wieder nach oben scrollen, nicht schon wieder vergessen...PS: Wohl keine echten Argumente mehr und deshalb der Versuch der Beleidigung? Obwohl beleidigen können Sie mich gar nicht - dazu bedarf es etwas mehr, als Ihre "Fähigkeiten"...

14.09.2017 13:05 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 78

@ 77:
Interpunktion und Orthographie sind nicht des Deutschtümlers glänzendste Seiten... da muß man auch ohne ärztliche Ausbildung Abstriche machen.

Wenn das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft folgt, ist dies (mal wieder) das richtige Signal an 'Rechtsextremismus-Bejubler', daß nicht nur mit Mord bestraft wird, wer tatsächlich einen Menschen umbringt, sondern auch diejenigen, die den Täter/n in seinem/ihrem Tun wissentlich unterstützen:
3 Jahre Haft nach umfassenden Geständnis für den Kauf/Weitergabe der Waffe;
5 Jahre Haft für die Überlassung von Ausweispapieren in 3 Fällen;
zweimal 12 Jahre Haft für mehrfache Unterstützung 'aus Überzeugung'.

Das 'komplettes Wegschließen' für Zschäpe ist wohl unstrittig: wer sich über ein Jahrzehnt mit mordenden 'Untergrund-Kumpanen' versteckt und ihre Taten mit vorantreibt, den kann man nicht frei herumlaufen lassen.

14.09.2017 11:06 @13.09.2017 11:27 007 77

Ich habe Sie nichts gefragt. Deshalb ist das völlig ok.

14.09.2017 10:44 MuellerF 76

@71: Es GIBT eine ganze Menge klarer Beweise-man muss sie allerdings auch zur Kenntnis nehmen (wollen)!

13.09.2017 19:36 Roland 75

Normalerweise ohne Kommentar.
Das passt!

13.09.2017 17:44 Nelly 74

@ 58: Wer lesen kann und versteht was er gelesen hat, ist klar im Vorteil. Sie können es nicht! Sie geben meinen Beitrag unvollständig und aus dem Zusammenhang gerissen wieder. Für Populisten ist das ja typisch. Wie sonst wollen Sie Ihr krudes Weltbild vermitteln.

13.09.2017 16:09 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 73

Zitat "Für den Mitangeklagten Carsten S., der die Tatwaffe mit beschaffte, wurden lediglich drei Jahre Jugendhaft gefordert. S. hatte schon vor dem Prozess umfassend ausgesagt."

Lt. SPON wird dieser Beitrag vom Staatsanwalt extra hervorgehoben:
"Ohne Carsten S. hätte die Anklage nicht wie geschehen erhoben werden können, so der Bundesanwalt."

Bei solchen 'Terrornetzwerken' braucht es einen, der 'Licht ins Dunkle' bringt - und doch bleibt noch vieles dunkel, weil Carsten S. eben nur ein kleineres Licht in dieser Gruppe war.
Diese Aussage ist ihm besonders hoch anzurechnen, weil es tatsächlich geäußerte Bedrohungen gegen Zeugen gab.

Wir werden sehen, wie sich die zu Verurteilenden gebärden. Der Braevik sitzt auch nicht nur 'still' in seiner Zelle.

13.09.2017 15:44 Bernd 72

@Torsten, der 2.Teil bezog sich auf einen anderen Kommentar, wenn Sie bei Verkandlungen und Ihr Wissen mitteilen alles schick.
@Beobachter, genauso!!

13.09.2017 15:02 Beobachter 71

Ich habe keinerlei Sympathie für Zschäpe und die kriminellenUwes, eher große Antipathie- das wird noch durch deren Gesinnung verstärkt. Dennoch macht mir dieser Prozess und der Artikel Angst. Die Bundesanwaltschaft sollte klare Beweise vorlegen (die fehlten bislang) und nicht mit Begriffen wie "eiskalter MRechtstaates unwürdig.